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daß er Dietrich leicht hätte umbringen können, denn dessen Stahlgeschmeide | sei schon erweicht gewesen; jetzt aber sei es zu spät (Rab. 964–74). Morolt empfängt von seiner Muhme, der Meerminne weisen Rat (40 b, 40 a S. 135). Eine andere „weise“ Meerminne, hat zehntausend Frauen unter sich, die auf einem Berge am Meere hausen, in ewig blühendem Lande (Lanz. 196), also zugleich Berg- und Waldgeister sind. Nach einer mecklenburgischen Sage kündet die Wassermuhme die Todesstunde eines Knaben vorher an. Als man die Tiefe des Zarrentiner Sees erforschen wollte, schaute ein Haupt aus dem See, und man vernahm in schauerlichen Tönen die Worte: „Wehe, wehe, wehe! Wenn dieser Frevel noch einmal versucht wird, wird ganz Zarrentin untergehen wie diese Menschen“ (D. S. Nr. 110). Meistens ist aber in der Volkssage die prophetische Gabe der Wasserfrauen dahin abgeschwächt, daß ihr Erscheinen anderes Wetter, meist Sturm verkünden soll. Das Steigen, Fallen oder Versiegen einzelner Quellen und Teiche zeigt fruchtbare oder unfruchtbare Zeiten an (D. S. Nr. 104).

Nur selten erscheint der Wassergeist als heilkundig:

Eine Nixe, die ein krankes Menschenkind heilt, wird zur Strafe dafür vom Wassermann getötet. Als Dietrich Ecke getötet hat, trifft er im Walde bei einem Brunnen eine schlafende Frau, die heilkundige Meerkönigin Babehild; er weckt sie, sie streicht eine heilkräftige Salbe auf seine Wunden und verbindet sie. Beim Abschiede warnt sie ihn vor den Gefahren, die ihm noch bevorstehen.

Die Verehrung der Wassergeister bei langer Dürre bringt den ersehnten Regen. Noch im 6. Jhd. warfen die Bauern Wolle, Käse, Honig und Brot in den See, schlachteten Tiere und schmausten drei Tage. Am vierten Tage entlud sich infolge der dem Geiste des Sees dargebrachten Opfer ein furchtbares Gewitter (Greg. v. Tours). Wer aber das heilige Gebiet der Wassergeister verletzt, ruft Sturm und Unwetter hervor. Wirft man in den Mummelsee Steine, so trübt sich der heiterste Himmel, und ein Ungewitter mit Schloßen und Sturmwinden entsteht (D. S. Nr. 59). Aber man bedient sich auch der Steine als Opfergabe für die Elbenwelt. Jeder, der beim Hinuntergehen in den Brunnen auf dem Tomberg (Rgbz. Köln) nicht fallen will, muß einen Stein hineinwerfen. In Tirol warf man, um ein krankes Kind zu beruhigen, eine Puppe in die Ziller und rief: „Nachtwuone, da hast du dein Kind!“ Aus den Wirbeln der Flüsse weissagten die alten Germanen (Plutarch, Caesar 19). Die Alemannen verehrten die Stromschnellen und gefährlichen Wirbel und brachten Opfer dar (Agathias 17), die Franken und Sachsen hielten besonders die Quellen heilig.

Auch die Verbote der Kirche, an Quellen heidnische Gebräuche zu begehen und Lichter anzuzünden, lassen eine Beziehung auf die Wassergeister zu. Das Konzil von Arles 452, Martin von Bracara und Eligius verbieten das Lichterbrennen an Felsen, Bäumen, Kreuzwegen und heiligen Quellen, sowie das Hineinwerfen von Brot; Papst Gregor III. verbietet 731 in seinem Erlaß an die Fürsten und an das Volk der ger: manischen Provinz die Quellenweissagungen, Karl d. Gr. in seinem Kapitulare von 789, Bäume und Quellen zu beleuchten, der Indiculus die Quellopfer (Nr. 11). Burchard von Worms fragt, ob jemand Lichter oder Fackeln an den Quellen, Steinen, Bäumen oder Kreuzwegen angezündet, Brot oder sonst eine Spende dort dargebracht oder geschmaust habe. Bonifatius duldete nicht einmal Kreuze an Brunnen und auf den Feldern.

5. Waldgeister. Da alles Leben in der Natur beseelt gedacht wurde, schrieb man auch den im Erdinnern wirkenden Geistern das Wachstum und die Entwickelung der Vegetation zu. Der Wind rauscht in den gewaltigen Waldriesen und streicht über die weiten Grasflächen dabin. Die elbischen Wesen, die im Winde, in der Luft und in den Wolken hausen, müssen auch in den Bäumen des Waldes, in dem grünen Weidelande und in den wogenden Saatfeldern ihren Wohnsitz haben. Sind schon an und für sich die Übergänge zwischen den einzelnen elfischen Geistern kaum bemerkbar, so sind die Wald- und Feldgeister oft gar nicht von einander zu unterscheiden. Wie die Hausgeister, helfen die Holzfräulein in Thüringen und Franken, die wilden Leute in Baden, die Saligen in Tirol zur Erntezeit den Arbeitern, treten in den Dienst des Menschen, besorgen das Vieh im Stalle und segnen Vieh- und Vorratskammer. Der Schrat ist Kobold und Waldgeist. Wie

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alle Elbe streben die Waldfrauen nach der Verbindung mit sterblichen Männern, den Waldmann verlangt nach schönen, christlichen Frauen. Die Waldgeister rauben kleine Kinder oder ziehen sie an sich und töten sie; oft sieht man die Geraubten grüngekleidet in ihrer Gesellschaft (D. S. Nr. 50). Der den Wald erfüllende Nebel oder weiße, an den Bergen hangende Wölkchen gelten als die Wäsche der Waldfrauen. Wenn im Frühlinge und Herbste zerrissenes Nebelgewölk vom Gebirge aufsteigt, wenn der Wald raucht“, dann kocht das Busch weibchen: die Nebelstreifen sind der Rauch von seinem Herde (S. 118). In der norddeutschen Tiefebene vertreten die Unnerêrdschen und weißen Weiber die Waldgeister des deutschen Südens. Sie wohnen unter der Erde oder unter schönen Bäumen und krausen Büschen, auf freiem Felde oder in kleinen Erdhügeln, aber auch in Waldlichtungen oder unter den Wurzeln alter Bäume. Die Holz- und Moosfräulein wohnen als Waldgeister in hohlen Bäumen oder Mooshütten, betten ihre Kinder auf Moos oder in Wiegen von Baumrinde, schenken grünes Laub, das sich in Gold verwandelt, und spinnen das zarte Miesmoos, das oft viele Schuhe lang von einem Baume zum andern gleich einem Seile hängt. Aber man warf ihnen als Feldgeistern auch beim Leinsäen einige Körner in die Büsche des nahen Waldes, ließ bei der Ernte drei Hände voll Flachs für sie auf dem Felde liegen oder ließ bei der Heu- und Kornernte einige reife Ähren, einen Büschel stehen, als dem Holzfräulein, dem Waldfräulein zugehörig. Das 'Holzfräulein sitzt zur Erntezeit, in Flachshalme eingewickelt, auf einem Baumstumpfe im Walde. Den saligen Fräulein wurden nach dem ältesten Zeugnisse, das auch ausdrücklich ihre Namen nennt, des Abends Speisen auf den Tisch der Wohnstube bei offenen Fenstern gestellt (Berthold von Regensburg).

Die wilden Männer sind einmal die Geister der wilden Natur des Waldes und des Gebirges, die der Kultur trotzt, dann aber sind sie auch die Geister des grünenden Lebens, des Wachstums. Die ersteren werden als wilde Wesen gejagt und getötet, die letzteren werden beim Nahen des Frühlings im Walde gesucht, und die gefundenen werden freudig begrüßt, im Triumph in das Dorf eingeführt und auf dem Anger mit Wasser begossen; denn das Pflanzenleben bedarf der befruchtenden Kraft des Wassers. Darum wird auf Münzen und Wappenbildern des 16. Jhds. der wilde Mann nackt oder behaart mit Schilf- oder Laubkrone auf dem Kopfe und Laubumbüllung um die Lenden abgebildet, in der Hand einen entwurzelten aber noch grünen Baumstamm tragend. An die braunschweigisch-lüneburgischen Wildemannsmünzen und an die Schildhalter des preußischen Wappens, „eine Wildschnur um die Lenden, eine Kiefer in der Faust", sei erinnert.

Am Fastnachtstage zu Nürnberg, in dem das Frühlingsfest feiernden Aufzuge der Metzger, dem sogenannten Schönbart-(Masken-)Laufen der Metzger treten seit 1521 unter andern Mummereien auch ein wilder Mann und ein wildes Weib auf. In Thüringen wird zu Pfingsten der wilde Mann aus dem Busch gejagt. Ein Bursche hat sich in Laub und Moos gehüllt und versteckt, die übrigen ziehen aus, ihn zu suchen, finden ihn, führen ihn als Gefangenen aus dem Walde und schießen mit blindgeladenen Gewehren nach ihm. Dann fällt er wie tot zu Boden, wird aber wieder ins Leben gebracht, festgebunden und ins Dorf gefahren. Anderswo verbirgt sich ein in Laub und Blumen verkleidetes Paar, der Maigraf, Maikönig, und seine Braut oder Frau im Walde und hält wie die große Erdgöttin Nerthus (Germ. 40) seinen feierlichen Einzug in das Dorf. Dabei werden andere, in Moos gehüllte Personen, die letzten Nachzügler des Winters, verfolgt und von der grünenden Flur vertrieben. Auch in dem dramatischen Wettkampfe, den Sommer und Winter aufführen, erscheint der Winter in Moos und Stroh vermummt, der Sommer in Efeu und weiße Gewänder gehüllt. Diese winterlichen Personen könnte man als die dritte Art der wilden Männer bezeichnen. Das einem Schembartbuche entnommene Bild zeigt den wilden Mann als einen in Moos gekleideten Greis, der in der rechten Hand einen grünen Baum mit Wurzeln trägt (Abbildung 4).

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Waldgeister.

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Die Wildleute, wie sie heute das Volk noch nennt, hießen früher Scrato, got. Skohs (an. skógr Wald), ags. Wuduaelf oder Wudewase, Elsleute und in noch älterer Zeit die Ellen

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oder Ellusier. Am Schluß seiner Germania erwähnt Tacitus zwei fabelhafte Völker, die Etionen und Hellusii (Germ. 46). Die Etiones sind die gefräßigen Riesen, die Menschenfresser. Mit ihnen sind die Ellusii oder Illeviones durch den Stabreim Herrmann, Deutsche Mythologie. 2. Aufl.

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