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verbunden (Plin. 496). Die Schilderung, die Tacitus von beiden entwirft - tierische Leiber mit Menschengesichtern stimmt völlig zu dem Bilde der rauhen Else, die wie ein Bär auf allen Vieren dem Wolfdietrich naht; auch die Waldfrauen in Tirol sind von ungeheurer Größe, und ihr Name Stutzemutze (Stutzkatze) läßt auf ihre Tiergestalt schließen. In Dänemark heißt der Waldgeist Els. Die Wurzel el (griech. #lavvo, £29ɛīv) drückt das Wilde, Stürmische der Waldgeister aus, auch der Name des ungestümen Bergbaches Ilse im Harze ist von ihr gebildet (S. 136). Im Walthariliede (V. 763) vergleicht Eckefried höhnisch den stattlichen, aber in langer Waldwanderung an Aussehen verwilderten Walther mit einem Waldschrat. Wie der Alp ist der Schrat sowohl zwerghaft, als von riesischer Gestalt gedacht (S. 69). Die Waldgeister heißen in Mitteldeutschland, Franken und Bayern Holz- und Moosleute, Waldmännlein, Moosmännlein; im Riesengebirge Rüttelweiber, im Böhmerwald und in der Oberpfalz Holzfräulein, Waldfräulein, Waldweiblein, im Orlagau und Harz Moosweiblein, Holzweibel, um Halle Lohjungfern (lôh lucus Gebüsch), in Westfalen Buschweibchen, die wilden Leute in der Eifel, Hessen („Wilde Weiber“ schon im 11. Jhd.) und Tirol, die Waldfrauen und Waldmänner in Böhmen, Fanggen, Fänken, selige Fräulein in Tirol. Ihre Gestalt ist bald riesig groß, bald zwerghaft klein (D). S. Nr. 168).

Die hessischen Wildmänner gehen entweder baumgroß über die Berge und rütteln an den Wipfeln des Waldes, oder sie wandeln, sich klein machend, zwischen den Schachtelhalmen einher. Ihre Frauen steigen oft in Mondnächten in die Lüfte. Ihre Kleidung ist grün und rauh, moosbewachsen, gleichsam zottig, ihr Haar lang und aufgelöst, ihr Rücken hohl wie ein morscher Baumstamm oder ein Backtrog, die Brüste können sie über die Schulter werfen. Man sieht, daß die Volksphantasie zu ihrer Ausstattung bei den Bäumen eine Anleihe machte. Oder sie sind fast ganz unbekleidet, wie Tiere am ganzen Körper behaart. Wie die Fangga sich in Wildkatzenfelle kleidet und Stutzkatze heißt, so sitzen die Holzfräulein als Eulen auf den Bäumen, und die Tiroler Seligen Fräulein beschützen in Geiergestalt die Gemsen und sind den Jägern feind, den Hirten freund. Auch Gänsefüße tragen die vom wilden Jäger gejagten, ganz in Moos gekleideten Moosweibchen. Die Tiroler Wildfrauen sind ungeheuere Gestalten, am ganzen Körper behaart, ihr schwarzes Haupthaar hängt voll Baumbart;

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ihr Wams besteht aus Baumrinde, und ihre Schürze bildet ein Wildkatzenfell. Sie sind an den Wald gebunden und gehen mit dem einzelnen Baume zugrunde (S. 21); sie führen daher Namen wie Hochrinde, Rauhrinde, Stutzföhre. Ihre Männer sind riesenhaft und fahren, einen entwurzelten Baumstamm in der Hand tragend, im Sturme durch die Lüfte. Wie die hessische Waldfrau und das Schneefräulein in Tirol zu Tode kitzelt, reibt die Fangga, kommen kleine Kinder in ihre Gewalt, diese an alten dürren Bäumen, bis sie zu Staub geraspelt sind. Ein Pfarrer ging bei Köln durch den Wald. Da fakte ihn plötzlich eine nie empfundene Angst. Er erblickte einen langen Mann von überaus häßlichem Aussehen, der an einen Baum gelehnt war. Je länger der Pfarrer den Mann ansah, desto riesiger wuchs dessen Gestalt empor, bis sie die höchsten Bäume überragte. Zugleich erhob sich ein schrecklicher Wirbelwind, und dieser verfolgte den Pfarrer, so sehr er auch lief, bis in sein Dorf (Cäsarius von Heisterbach 555).

Durch das wogende Korn, über den rauschenden Wald fährt der Wind dahin: im Feld wie im Forst treiben die Geister ihr Wesen. Es zittert die Ähre, es schwankt der Halm, es bebt das Laub unter dem brausenden Sturmwinde, aber keines vermag seiner Gewalt zu entgehen. In Wirbelwind und Sturm streben die Wald und Wiesen bewohnenden Geister dahin, gejagt und verfolgt von den Sturmdämonen.

Dietrich von Bern hört im Walde eine klägliche Stimme, und ein wildes Fräulein kommt auf ihn zugerannt und bittet ihn, sie vor Vasolt zu bergen, der sie mit zwei Jagdhunden in wilder Fahrt jagt (Eckenliet 161–201). Zwei Knaben hüteten eines Abends in Mecklenburg Pferde und sahen zwei weißgekleidete Frauen vorübergehen, während vom Berge her der Wauld hörbar war. Der Lärm der wilden Jagd brauste heran, und auf großem, kohlschwarzem Pferde, von großen und kleinen Hunden umgeben, stand der wilde Jäger plötzlich vor ihnen. Er fragte die Knaben, ob sie nicht zwei weiße Frauen gesehen hätten. Diese bestätigten es und fügten hinzu, die eine hätte gesagt, laß ihn nur jagen, er hat sich noch nicht gewaschen“. Darauf befahl er, ihm einen Topf mit Wasser zu bringen und wusch sich darin. Bald kam die wilde Jagd zurück; quer über dem Hengste hingen, mit den Haaren zusammengebunden, die beiden Frauen (D. S. Nr. 47, 48, 270).

In Tirol jagt der wilde Jäger die Salgfräulein. Er heißt hier aber der wilde Mann, gleicht von weitem einer ganz mit Moos überkleideten Fichte und trägt bei schönem Wetter einen Mantel. Wenn er auf dem Wege eines Stockes bedarf, so reißt er einen Baumstamm aus, und der Wurzelstock dient als Staggel unten dran. So ficht auch Vasolt, der das wilde

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Fräulein hetzt, mit Baumästen; er bricht sich einen Ast vom Baume und greift dann nach einem andern, er geberdet sich so, wie wenn er den Wald laublos machen will, und eine halbe Meile weit hört man das Krachen (V. 184). Wer dem wilden Mann, wenn er wie die Windsbraut daherstürmt, zuruft: „halt und fang! mir die Halba und dir die Halba!", dem braust bald der Wind mit fürchterlichem Toben um seine Hütte, er vernimmt ein herzzerreißendes Wehgeheul in den Lüften, und die erbetene Hälfte eines seligen Fräuleins hängt ihm am Türpfosten. Nur wenn sie sich auf einen im Fallen des Stammes schnell durch zwölf Axtschläge mit drei Kreuzen bezeichneten Baumstrunk setzen können, finden die Seligen vor dem wilden Manne Schutz.

Die Holzfräulein, die Seligen, die Fanggen gehen eheliche Vereinigungen mit den Menschen ein. Der Gesang und die schöne Gestalt der Seligen und wilden Weiber lockt Jünglinge und junge Männer an ihre Seite. Die von den Goten vertriebenen Zauberweiber verbanden sich mit den Waldleuten und brachten das wilde Geschlecht der Hunnen zur Welt (Jord; D. S. Nr. 377; S. 55). Bei Burchard von Worms heißt es: „Hast du geglaubt, daß die Waldfrauen sich nach Belieben ihren Liebhabern zeigen, sich mit ihnen ergötzen und nach Belieben sich verbergen und verschwinden können?

In einer Höhle am Rodenstein (Baden) wobnten zwei wilde Weiber. Die eine war sehr schön. In sie verliebte sich ein Jäger, und sie gebar ihm bald ein Kind. Eine wilde Frau kam oftmals aus dem Unterberge in das nächste Dorf und machte sich auf dem Felde in die Erde Löcher und Lagerstätte. Sie hatte so schöne lange Haare, daß sie ihr bis auf die Fußsohlen herabfielen. Ein Bauersmann aus dem Dorfe sah diese Frau öfter ab- und zugehen und verliebte sich in sie, hauptsächlich wegen der Schönheit ihrer Haare. Er konnte sich nicht erwehren, zu ihr zu gehen, betrachtete sie mit Wohlgefallen und legte sich in seiner Einfalt ohne Scheu zu ihr. In der zweiten Nacht aber fragte die wilde Frau den Bauern, ob er nicht selbst eine Frau hätte? Der Bauer aber verleugnete seine Ehefrau und sprach nein. Diese aber machte sich viel Gedanken, wo ihr Mann abends hingehe und nachts schlafen möge. Sie spähete ihm daher nach und traf ihn auf dem Felde schlafend bei der wilden Frau. ,0 hüte Gott, sprach sie zur wilden Frau, deine schönen Haare! was tut ihr

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da mit einander ? Mit diesen Worten wich das Bauersweib von ihnen, und der Bauer erschrak sehr hierüber. Aber die wilde Frau hielt dem Bauern seine treulose Verleugnung vor und sprach zu ihm: „Hätte deine Frau bösen Haß und Ärger gegen mich zu erkennen gegeben, so würdest du jetzt unglücklich sein und nicht mehr von dieser Stelle kommen; aber weil deine Frau nicht bös war, so liebe sie fortan und hause mit ihr getreu und untersteh dich nicht mehr, daher zu kommen. Nimm diesen Schuh voll Geld von mir, geh hin und sieh dich nicht mehr um (D. S. Nr. 50).

Echte, altertümliche Züge der Wildfrauensage hat das in Bayern um 1221 verfaßte zweite Lied im Wolfdietrich aus der Volksanschauung in die Episode der rauhen Else übertragen (V. 305—342).

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Wolfdietrich hat sich auf einem grünen Anger im Walde auf dem Sattelbogen zum Schlafen niedergelegt, denn er ist lange im wilden Gebirge umhergeirrt. Da kriecht auf allen Vieren, wie ein Bär, ein ungeschlachtes behaartes Waldweib, die rauhe Else, herbei; sie ist aus dem Meere emporgestiegen und begehrt, hinter einem Baume verborgen, seine Minne; sie weiß bereits von seinem Geschick. Da er sie entrüstet zurückweist, verzaubert sie ihn, so daß er in derselben Nacht zwölf Meilen läuft, bis er unter einem schönen Baume die rauhe Else abermals trifft. Sie wiederholt ihr Verlangen, er die Weigerung. Da wirft sie zornig einen stärkeren Zauber auf ihn, so daß er schlaftrunken auf den grünen Plan niedersinkt und sie ihm zwei Haarlocken vom Kopfe und die Nagelspitzen von den Fingern schneiden kann. Jetzt ist er ihr verfallen. Sie macht ihn zu einem Toren, so daß er ein halbes Jahr ohne Besinnung im Walde „wild laufen“ muß und Kräuter von der Erde als Speise aufrafft. Endlich gebietet ihr Gott durch einen Engel, die Verzauberung rückgängig zu machen, widrigenfalls ihr der Donner in dreien Tagen das Leben nehmen werde, Alsbald stellt sie sich Wolfdietrich wiederum dar, und jetzt willigt er ein, so bald sie getauft sein werde. Sie führt ihn zu Schiffe über Meer in ein Land, drin sie als Königin schaltet, läßt sich da in einem Jung brunnen taufen, legt in ihm ihre rauhe Haut ab, steigt mit dem neuen Namen Sigeminne aus ihm als die schönste aller Weiber hervor und stärkt den Helden wunderbar. Die Verchristlichung der Sage knüpft an das Wasserbad im Jungbrunnen an, in ihrer älteren Gestalt berichtete sie, daß die Waldfrau zugleich Wasserweib war und vielleicht in einem Weiher gefangen wurde (S. 136). Auch Züge aus dem Alpmythus mögen untergemischt sein. Else kriecht heran und wirft sich über ihn, wie der Alp auf dem Schläfer hockt und wollüstige Träume hervorruft. Daß sie ihm zwei Locken vom Haupte und die Nagelspitzen abschneidet, erklärt sich aus dem Aberglauben, es sei gefährlich, Nägelabfälle oder Haare fortzuwerfen; denn dadurch gebe man fremder Zauberkraft einen Anbalt zu schaden.

Dieselbe Volkssage findet sich auch im Lanzelot wieder (S. 68) und in den Artusromanen des Pleiers ,,Tandarois“ und „Meleranz“.

Tandarois reitet in das wilde Gebirge, verirrt sich und muß sein müdes Roß am Zügel nachziehen. Endlich gelangt er am Abend an ein rauschendes Wasser, das eine schöne Aue mit einem einsamen, leeren Hause durchströmt. Da naht ihm plötzlich Albiun, die Königin von den wilden Bergen, die die wilden Männer und Weiber und Zwerge dieses Landes beherrscht (S. 126). Sie bewirtet ihn köstlich und klagt ihm den Raub eines ihrer Mädchen. Der Held rüstet sich gegen den Entführer, trifft, überwindet ihn und sendet ihn seiner Geliebten. In dem anderen Romane des Pleiers reitet Meleranz in den Bergen irre, wie Wolfdietrich und Tandarois, zieht wie diese sein Roß an der Hand und kommt auch auf einen Anger mit einer schönen Linde. Drei Jungfrauen fliehen vor ihm, trotz seines Rufes, von einem Brunnen fort. Als er sein Pferd an den Baum gebunden hat, erblickt er im Bade die Königin von Kamerie; sie ist nach der zwischen Tännen- und Höllengebirge sich erstreckenden Kämmerei, dem Salzkammergute oder nach dem am Kammersee gelegenen Schlosse Kammer benannt. Auch sie ist der Zukunft kundig, schilt zwar den Ritter, was er auf ihrem Plane zu suchen habe, nimmt ihn aber doch freundlich auf, und beide entbrennen in heftiger Liebe zu einander. Deutlich spricht heimische Überlieferung, die Salzburger Seegegend mit ihren Sagen, und es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Verfasser des Wolfdietrich, des Lanzelot (Ulrich von Zazikhoven) und der Artusromane deutsche volkstümliche Mythen ihren Heldengedichten einverleibt haben. Während Albiun Herrin über Waldgeister und Zwerge ist, die also befreundet und gleichartig gedacht sind, befreit Dietrich nach dem jüngeren Sigenotliede einen jämmerlich schreienden Zwerg, den ein wilder Mann entführen will (S. 126). Dieser wilde Mann ist durch ein Zauberkraut unverwundbar.

Denn die Waldgeister kennen naturgemäß die Kräuter des Waldes gut und verstehen Krankheiten zu heilen. Wate hat von einem „wilden wîbe“ die Heilkunst gelernt und heilt mit guten Wurzeln die Wunden auf der Walstatt (Gudrun 529). Auch im Eckenliet gräbt das von Vasolt gejagte „wilde vrouwelîn“ eine Wurzel, zerreibt sie in der Hand und bestreicht damit den wunden Dietrich und sein Roß, davon das Weh verschwand und alle Müdigkeit wich (174-176). Die Waldfrauen wissen, wozu die wilden weißen Heiden und die wilden weißen Selben (Salbei) gut sind, und wenn die Bauern das wüßten, würden sie mit silbernen Karsten hacken.

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