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Bereitung des Erzes, das wir dem Innern der Erde entnehmen,

Der Kirche mußte die Person des tückischen Schmiedes willkommen sein, um an ihr den christlichen Begriff des Bösen zu veranschaulichen. Schmied und Teufel haben im späteren Volksglauben zahlreiche Züge gemeinsam. Der Teufel ist der „svarze meister“ in der rußigen Hölle, treibt unsichtbar seine Arbeit, schmiedet und baut wie Wieland und ist vor allem Hinkebein, ags. hellehinca.

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Mythenkreise. 2. Licht und Finsternis. Gestirnmythen. Der Tag wird allnächtlich von der Nacht verschlungen, um zur Zeit der Morgendämmerung wieder freigelassen zu werden. Sagen und Märchen von einem Helden oder einer Jungfrau, die von einem Ungeheuer verschlungen und später wieder befreit werden, haben sich in der Volksmythologie erhalten. Wenn sich das Licht der Sonne oder des Mondes verfinsterte, dann glaubte man, der klaffende Rachen eines Wolfes drohte sie zu verschlingen. Überreste dieses alten Glaubens bekunden sich vornehmlich in dem lärmenden Geschrei, das zur Verteidigung der gefährdeten Gestirne und zum Abschrecken des Verfolgers erhoben wird, auch durch Waffen suchte man den Bedrängten zu Hilfe zu kommen. Die Bekehrer griffen den heidnischen Aberglauben an und verboten, solche. Rufe auszustoßen und „siege Mond“ (vince luna) zu schreien, um dem Monde in seiner großen Bedrängnis beizustehen (Primin, Indiculus Nr. 21), oder Mondfinsternisse durch Kübel- und Kesselschlagen zu vertreiben (Burchard). Hast du die Überlieferungen der Heiden beobachtet“, heißt es in Burchards Beichtspiegel, „die sich bis auf den heutigen Tag von Vater auf den Sohn gleichsam erblich fortpflanzen, das ist, daß du die Elemente verehrst, die Sonne, den Mond, den Neumond oder die Mondfinsternis? daß du durch dein Geschrei oder deinen Beistand ihm das Licht wiedergeben zu können glaubtest, als

wenn nämlich von den Elementen dir oder ihnen von dir geholfen werden könnte? In alten Kalendern war das Bild von der Sonne oder dem Monde im Rachen eines Drachen ein Symbol zur Bezeichnung von Finsternissen. „Und stracks verschlingt den Tag die fürchterlichste Nacht“, heißt es in Wielands Oberon (Ges. V).

Auf ursprüngliche Naturmythen weist wahrscheinlich das Märchen von Rotkäppchen zurück (K. H. M. Nr. 26). Man ist geneigt, das Märchen von der kleinen süßen Dirne, die alle Leute so lieb haben, die mit ihrem schimmernden roten Samtkäppchen samt der Großmutter von einem Wolfe verschlungen wird, bis der Jäger dem schlafenden Tiere den Bauch aufschneidet und beide wieder gesund und heil herausspringen, als einen volkstümlichen Mythus von dem alten Gegensatze zwischen Licht und Finsternis, Sonnenaufgang und Untergang anzusehen. Nur darf man nicht den Jäger, der den Verschlinger, die Nacht, erlegt, als den Sonnengott auffassen, oder die Flasche Wein, die Rotkäppchen im Korbe trägt, als das helle Naß der Wolke deuten, das erquickend auf die Fluren niedertropft, oder das Schnarchen des Wolfes auf das ferne Rollen des Donners zurückführen. Im 10. Jhd. bereits wird von einem kleinen Mädchen erzählt, das eine rotgefärbte Kappe zum Geschenke erhielt und von einem Wolfe im Walde den Jungen zum Fraße vorgeworfen wurde; aber diese spielten mit ihm und streichelten ihm den Kopf. Das Mädchen sagte: „Zerreißt mir ja nicht diese Kappe, ihr Mäuse, denn die hat mir mein Pate geschenkt, als er mich aus der Taufe hob.“

Nahe verwandt ist das Märchen ,,der Wolf und die sieben Geislein“ (K. H. M. Nr. 5). Es erzählt, wie der Wolf die Geislein mit Ausnahme des jüngsten verschlang, das sich in dem Kasten der Wanduhr versteckt hatte. Wie im Rotkäppchen der Jäger, schneidet hier die heinkehrende Mutter dem Wolfe den Bauch auf und füllt ihn mit Steinen. Der Erzähler scheint nicht an wirkliche Zicklein und an einen wirklichen Wolf gedacht zu haben, sondern an die Tage der Tages- und Jahreszeitenmythus. Gestirnmythen.

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Woche, die von der Nacht verschlungen werden. Wie sollte er sonst auf den Einfall gekommen sein, daß er nur das jüngste nicht habe finden können? Es ist das Heute, dem er nichts anhaben kann. Der Uhrkasten ist natürlich junge Einfügung; er ist erst nach Erfindung der Uhren in das Märchen gekommen.

Bei vielen Völkern, nicht nur bei den Indogermanen, wird das Verhältnis des Himmels zur Erde als ein bräutliches oder eheliches aufgefaßt. Im rauschenden Gewitterregen vollzieht sich ihre Vermählung. Der Dichter Logau gibt dieser Vorstellung in seinem bekannten Epigramm vom Mai Ausdruck:

Dieser Monat ist ein Kuß, den der Himmel gibt der Erde,

Daß sie jetzund eine Braut, künftig eine Mutter werde.
Geibel singt:

Der Himmel selbst ist tief herabgesunken,
Das liebend er der Erde sich vermähle.

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Hatte zunächst der Wechsel von Tag und Nacht die Einbildungskraft des Menschen beschäftigt, so lag es nahe, diese Anschauung zu erweitern und auf Sommer und Winter zu übertragen; so gehen auch in der Sprache die Bezeichnungen für Tag und Sommer in einander über: germ. *dagaz „Tag“, preuß. dagas „Sommer". Die feindlichen Dämonen, die in ewigem Kampfe mit dem Tagesgotte liegen, werden die Widersacher des Natur- oder Jahresgottes; sie trachten danach, ihm seine Macht und seine Gattin, die mütterliche Erde, zu entreißen. Die Dürre des Winters, oder seine unaufhörlichen Regengüsse, die starre Herrschaft von Frost und Eis werden je nach dem Klima die räuberischen Freier, die die Geliebte des Jahresgottes zur Zeit seiner Abwesenheit umbuhlen oder den Gott selbst gefangen halten, ursprünglich gewiß auch töten. Wenn aber die ersten Zeichen des Lenzes sich melden, erscheint der Gott wieder, wirft die Fesseln der Knechtschaft und das armselige Gewand der Flucht und Gefangenschaft ab, erschlägt im ersten Frühlingsgewitter die frechen Buhler und vereinigt sich wieder mit der

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harrenden Gemahlin. Bei der Dürftigkeit der deutschen Überlieferung ist es besser, sich mit diesen allgemeinen Andeutungen zu begnügen, als geistreichen Theorien zu Liebe Mythen zu erdichten und weittragende Schlüsse zu ziehen, die vor dem hellen, kalten Lichte nüchterner Forschung nicht bestehen können.

Ganz unsicher sind die Spuren von Sternbildermythen. Bei den sächsischen Stämmen hieß die Milchstraße. Iringsweg (s. u. Tius), und schon in alter Zeit scheinen die Germanen ein glänzendes Sternbild nach einem Helden Orendel benannt zu haben. Die frühzeitige weite Verbreitung dieses Namens vom 8.-11. Jhd. (ahd. Örentil, langobard. Auriwandalus 720, ags. Eárendel, an. Aurvandill, dän. Horvendil); das Vorkommen eines Heiligen Orentil und eines nach ihm benannten Sant Orendels salle in der Grafschaft Hohenlohe; Ortsnamen wie Orendileshûs und Orendelstein; endlich die Bemerkung der Vorrede zum Heldenbuche, ,,Orendel sei der erste Held, der je geboren wurde“, weisen auf alte mythische Beziehung hin. Bei den Angelsachsen heißt der Morgenstern Eárendel und im Norden ein Stern Aurwandils Zeh. Der Name bedeutet nicht den Flutenwaller, den auf der See hin und her Schweifenden (an, aurr ,,Feuchtigkeit“, sondern den Glanzliebenden, Morgenfrohen oder Glanzwandler (skr. vas, gr. ïos, lat. aurora, ags. eár und ven „sich freuen“, an. vanr „gewöhnt"); auch sein Vater Oeugel (ahd. ouga „Auge“, ougan „vor die Augen bringen, zeigen, weisen“) scheint der Zeiger oder Weiser zu sein, der als Gestirn den Weg weist. Ob und wieviel mythische Überlieferung in einem niederrheinischen Spielmannsliede von König Orendel um 1130 bewahrt ist, ob es einen Mythus gegeben hat, nach dem Orendel auf einer Seefahrt ins Riesenland bei Ise in Knechtschaft geriet, sich dort eine Jungfrau erwarb und mit ihr heimkehrte, ist zurzeit völlig zweifelhaft. Eine deutsche Odyssee darf man jedenfalls nicht mehr rekonstruieren; denn es ist erwiesen, daß der Spielmann Motive des hellenistischen Romanes, besonders des Apolloniusromans neben der Legende vom heiligen Rock' und allerhand Kreuzzugsanekdoten

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zusammengeschweißt hat. Vorläufig muß man sich mit der nackten Tatsache bescheiden, daß die Verwendung und Bedeutung des Namens Orendel auf ein Sternbild gehen.

Die einzelnen Götter.

1. Tius.

Uralte Lieder, die schon zur Zeit des Tacitus aus ferner Vorzeit stammen, singen von den drei göttlichen Abnen, nach denen sich die drei westgermanischen Stämme bezeichneten (Germ. 2). Die Namen der Ingwäonen, Erminonen und Istwäonen sind durch die Alliteration gebunden; sie sind altgermanischer Poesie entnommen und bildeten, wie die Dreizahl der Stäbe vermuten läßt, einen zweiteiligen Langvers. Was bedeuten die Namen der drei Ahnherrn, die in urgerm. Form *Ingwaz, *Ermnaz, *Istwaz lauten würden ? sind es Brüder, verschiedene Göttergestalten oder uralte Epitheta einer Gottheit, die ihnen von den drei Stämmen beigelegt wurden?

Das Tius bei den Erminonen, deren Wohnsitze sich von der Donau bis zur Spree erstreckten, der oberste Gott war, weiß Tacitus zu berichten (Germ. 39; D. S. 365). Im Lande des ältesten erminonischen Stammes, der Semnonen, zwischen der mittleren Elbe und Oder (Mark Brandenburg) kamen alle Stämme desselben Blutes zusammen. In einem schaurigen Haine begannen die Amphiktyonen die hohe Feier durch das Opfern eines Menschen. Als den allwaltenden Gott, den alles in knechtischem Gehorsam verehrt, als den Urahnen des Volkes (tamquam inde initia gentis), als den größten und höchsten der Götter (Hist. 465; Jord. Get. 5), nannten sie ihn *Tiwaz ermnaz, d. i. den Erhabenen (@quêvos). Die Erminonen betrachteten sich also als Zeussöhne und verehrten den „erhabenen Himmelsgott“ (Irmin) als Abnberrn und Gründer ibres Stammes. Die Semnonen, eine Abteilung Schwaben, verrichteten bei dem gemeinsamen Kultus Priesterdienste, wie die Nahanarvalen bei den Ostgermanen. Wir finden sie am Ende der Völkerwanderung als Juthungi wieder,

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