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Nom. Sing. oder Nom. Plur.? Alces, got. alkeis erklärt man als die „Leuchtenden“, „Glänzenden“ (ags. eolh-sand Bernstein) oder als die „Schützer"; aber aus lautgeschichtlichen Gründen ist ein Zusammenhang mit ahl „beschützen“, ags. ealgian, got. ahls (geschützter Ort=Tempel), lett. elks „Abgott“, gr. ahahxɛīv, daxń undenkbar. Vielleicht sind die Alkis ein germanischer Dual, "Alki ,,die Boten" oder „Werber" (lit. Algis ,,Lohnmann, Bote“).

Wie die Semnonen bei den Erminonen, so sind die Nahanarvali bei den vandilischen Völkern Mittelpunkt der Kultusgemeinschaft. Da ihr Name nur bei Tacitus vorkommt, wird er mit dem Kultus und der Mythologie zusammenhängen. Er ist vielleicht ein hieratischer Kultname, d. h. das Volk nannte sich nach der Gottheit, zu deren besonderem Dienst es von den andern Stämmen bestellt war. Die Navaner-vali werden als die erklärt, die sich die in der Schlacht zu tötenden Männer aussuchen (got. naus der Tote, ner Mann, avño, waljan wählen), oder „die viel und oft töten und schlachten.“ Oder man deutet die Nahanarvali als die, die genug Wundmale aufzuweisen haben, Krieger von erprobter Tapferkeit (ahd. narwa Narbe, got. ganohs, ahd. ganôgi), oder als die Totenkämpfer oder die Manngewaltigen.

Von diesen nordostgermanischen Dioskuren wissen wir außer der dürren Notiz bei Tacitus leider nichts; und was man durch kühne Rekonstruktion aus zerstreuten Trümmern und durch Vergleich mit andern indogermanischen DioskurenMythen wieder hergestellt hat, ist geistvoll und blendend, aber doch nur das Erzeugnis eines modernen Mythologen. Allenfalls darf man annehmen, daß die Deutschen das Zwielicht als jugendliche, streitbare, rossebändigende Götter verehrt haben, wie die indischen Açvins, die griechischen Dioskuren und die lettischen ,,Gottessöhne“. Ein deutscher Mythus aber von der Werbung des Himmelsgottes durch die Dioskuren um die Sonnenjungfrau, von der Untreue der Brüder, die durch Schätze die Gunst der Göttin gewinnen, und von ihrem schimpflichen Tode durch die Hand des erzürnten Gottes, ist in keiner Weise erkennbar, sondern ist nur eine wunder

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volle pbilologische Dichtung. Angenommen selbst, daß Balder wirklich einer der taciteischen Alkis ist, so hilft das doch zu einem tieferen Verständnis des Gottes nicht im geringsten weiter, wenn man sich auf das Tatsächliche beschränkt. Und nur sehr vorsichtig darf man die Frage aufwerfen, ob vielleicht der Priester in weiblicher Tracht, der dem Heiligtume. der brüderlichen Alkis vorstand, als Stellvertreter der Göttin (Sinthgunt-Sunna) aufzufassen ist? Der Priester, der die Göttin Nerthus auf ihrer Umfahrt begleitete, war höchst wahrscheinlich der Vertreter ihres göttlichen Gemahles; ebenso fuhr bei den Schweden eine Priesterin mit der lebensgroßen bekleideten Bildsäule Freys auf einem Wagen im Lande umher, und es heißt geradezu, daß die Priesterin in wirklicher Ehegemeinschaft mit dem Gotte Frey lebte.

6. Deus Requaliyalanus. Dem in der Finsternis hausenden Gotte Requalivahanus brachte im 2. Jhd. nach Christus ein Q. Aprianus Opfer und Gelübde dar, wie ein 1883 bei Köln gefundener Votivstein zeigt. Das erste Glied ist unfraglich germ. *rekvaz (got. riqis, an røkkr, gr. &-oxßos, aind. rájas dunkel, armen. erek Abend) = Finsternis, Dunkelheit; in den got. Namen Reccared, Reccaulfus, Riccitanc, Reccesuinth, Recimerus, Riccifrida, Riccila wird eine ähnliche mythische Beziehung enthalten sein wie in Nibelung. Der zweite Teil wird verschieden gedeutet, als der „dunkelfarbige“ (lat. liveo, lividus) oder als „der, dem die Finsternis überlassen ist“ (got. leihvan, leihen) oder „der in der Finsternis als Herrscher waltet" oder der Gott, „der in der Finsternis lebensvoll ist,“ im Gegensatze zu der Helligkeit, dem Lichte, das seine Lebensfülle schädigt. Gemeint wird ein Unterweltsgott sein; man könnte auch an Wodan als Gott der Unterwelt denken, oder auch an den alten im Waldesdunkel hausenden Mime; in der Nähe liegt Münster, das alte Mimigardeford, und am Niederrhein ist der Schauplatz der Erzählungen von Jung-Siegfried und seinem Erzieher Mime.

Nom. Sing. oder Nom. Plur.? Alces, got. alkeis erklärt man als die „Leuchtenden“, „Glänzenden“ (ags. eolh-sand Bernstein) oder als die „Schützer“; aber aus lautgeschichtlichen Gründen ist ein Zusammenhang mit ahl „beschützen", ags. ealgian, got. ahls (geschützter Ort=Tempel), lett. elks „Abgott", gr. dhaineīv, daxń undenkbar. Vielleicht sind die Alkis ein germanischer Dual, *Alkî „die Boten“ oder Werber" (lit. Algis „Lohnmann, Bote“).

Wie die Semnonen bei den Erminonen, so sind die Nahanarvali bei den vandilischen Völkern Mittelpunkt der Kultusgemeinschaft. Da ihr Name nur bei Tacitus vorkommt, wird er mit dem Kultus und der Mythologie zusammenhängen. Er ist vielleicht ein hieratischer Kultname, d. h. das Volk nannte sich nach der Gottheit, zu deren besonderem Dienst es von den andern Stämmen bestellt war. Die Navaner-vali werden als die erklärt, die sich die in der Schlacht zu tötenden Männer aussuchen (got. naus der Tote, ner Mann, avño, waljan wählen), oder „die viel und oft töten und schlachten.“ Oder man deutet die Nahanarvali als die, die genug Wundmale aufzuweisen haben, Krieger von erprobter Tapferkeit (ahd. narwa Narbe, got. ganohs, ahd. ganôgi), oder als die Totenkämpfer oder die Manngewaltigen.

Von diesen nordostgermanischen Dioskuren wissen wir außer der dürren Notiz bei Tacitus leider nichts; und was man durch kühne Rekonstruktion aus zerstreuten Trümmern und durch Vergleich mit andern indogermanischen DioskurenMythen wieder hergestellt hat, ist geistvoll und blendend, aber doch nur das Erzeugnis eines modernen Mythologen. Allenfalls darf man annehmen, daß die Deutschen das Zwielicht als jugendliche, streitbare, rossebändigende Götter verehrt haben, wie die indischen Açvins, die griechischen Dioskuren und die lettischen „Gottessöhne“. Ein deutscher Mythus aber von der Werbung des Himmelsgottes durch die Dioskuren um die Sonnenjungfrau, von der Untreue der Brüder, die durch Schätze die Gunst der Göttin gewinnen, und von ihrem schimpflichen Tode durch die Hand des erzürnten Gottes, ist in keiner Weise erkennbar, sondern ist nur eine wunder

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volle pbilologische Dichtung. Angenommen selbst, daß Balder wirklich einer der taciteischen Alkis ist, so hilft das doch zu einem tieferen Verständnis des Gottes nicht im geringsten weiter, wenn man sich auf das Tatsächliche beschränkt. Und nur sehr vorsichtig darf man die Frage aufwerfen, ob vielleicht der Priester in weiblicher Tracht, der dem Heiligtume. der brüderlichen Alkis vorstand, als Stellvertreter der Göttin (Sinthgunt-Sunna) aufzufassen ist? Der Priester, der die Göttin Nerthus auf ihrer Umfahrt begleitete, war höchst wahrscheinlich der Vertreter ihres göttlichen Gemables; ebenso fuhr bei den Schweden eine Priesterin mit der lebensgroßen bekleideten Bildsäule Freys auf einem Wagen im Lande umher, und es heißt geradezu, daß die Priesterin in wirklicher Ehegeineinschaft mit dem Gotte Frey lebte.

6. Deus Requalivahanus. Dem in der Finsternis hausenden Gotte Requaliva hanus brachte im 2. Jhd. nach Christus ein Q. Aprianus Opfer und Gelübde dar, wie ein 1883 bei Köln gefundener Votivstein zeigt. Das erste Glied ist unfraglich germ. *rekvaz (got. riqis, an røkkr, gr. &-pesos, aind. rájas dunkel, armen. erek Abend) = Finsternis, Dunkelheit; in den got. Namen Reccared, Reccaulfus, Riccitanc, Reccesuinth, Recimerus, Riccifrida, Riccila wird eine ähnliche mythische Beziehung enthalten sein wie in Nibelung. Der zweite Teil wird verschieden gedeutet, als der „dunkelfarbige“ (lat. liveo, lividus) oder als „der, dem die Finsternis überlassen ist“ (got. leihvan, leihen) oder „der in der Finsternis als Herrscher waltet“ oder der Gott, „der in der Finsternis lebensvoll ist,“ im Gegensatze zu der Helligkeit, dem Lichte, das seine Lebensfülle schädigt. Gemeint wird ein Unterweltsgott sein; man könnte auch an Wodan als Gott der Unterwelt denken, oder auch an den alten im Waldesdunkel hausenden Mime; in der Nähe liegt Münster, das alte Mimigardeford, und am Niederrhein ist der Schauplatz der Erzählungen von Jung-Siegfried und seinem Erzieher Mime.

Die Göttinnen.

Uralt ist die Anschauung, daß der sich über den Menschen wölbende Himmel und die alles erzeugende Erde gleichsam ein Vater und eine Mutter der Welt seien, deren Nachkommen die lebenden Geschöpfe sind, Menschen, Tiere und Pflanzen. Im Frühjahre feiert das göttliche Paar seine Vermählung. Aber der Schoß, der alles Leben als große Mutter gebiert, nimmt auch alles Leben als großes Grab wieder in sich zurück. Darum ist die Erdgöttin auch Totengöttin. Nachdem der Himmelsgott der Herrscher des lichten Tages geworden war, konnte auch die Erdgöttin nicht mehr seine Gemahlin bleiben; als Sonnen- und Wolkengöttin schwang sie sich zu ibrem himmlischen Gatten empor.

Wie sich vom germ. Himmelsgotte Tiwaz die verschiedenen Erscheinungsformen loslösten, so tritt auch die deutsche Hauptgöttin Frîja, d. h. die Geliebte oder Gattin des größten Gottes, unter vielen Namen auf.

Die Erdgöttin.

1. Die Mutter Erde.

Ein alter ags. Spruch, den die Engländer noch vom Festlande mit hinübergenommen haben, lautet:

Heil sei dir, Erde, Menschenmutter,
Werde du fruchtbar in Gottes Umarmung,

Fülle mit Frucht dich, den Menschen zum Nutzen! Mit dem Gott, in dessen Umarmung die Erde empfängt und die Frucht hervorbringt, kann nur Tius gemeint sein. Der Segen soll gesprochen werden, wenn man den Pflug in Bewegung setzt und die erste Furche zieht. Diese Nachricht wird durch einen zweiten, gleichfalls ags. Spruch vervollständigt:

Ostwärts stehe ich, Hilfe erflehe ich,
Ich bete zu dem hehren Herrn, ich bete zu dem großen Herrn,
Ich bete zu dem heiligen Wart des Himmelreiches;
Zur Erde bet' ich und zum Himmel darüber
Und zu der wahrhaftigen, heiligen Maria

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