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und Tod. Das heidnische Totenfest wurde in eine Kirchenfeier verwandelt, die in der sogen. Heiligen gemeinen Woche, d. i. der Woche, die mit dem Sonntag nach Michaelis beginnt, fast durch ganz Deutschland begangen wurde. Die ländlichen Erntefeste und Kirchenmessen finden noch heute zu derselben Zeit statt. Der Oktober und November hieß bei den Angelsachsen und Schweden Opfermonat, bei den Niedersachsen, Friesen, Niederländern, Dänen und den istw. Völkern Schlachtmonat, ein junger Ersatz für Opfermonat.

Der Beiname der Erdgöttin, Tanfana, bedeutet die „Opfergöttin“; Tanfana = Tabana gehört zu ahd. zebar, ags. tiber, tifer, zur idg. Wurzel dap teilen, verteilen (gr. deittvov, détas, lat. daps) und ist gebildet wie donavos, dandvn. Wie der lateinische Landmann vor der Ernte zum Jupiter dapalis betete, so dankte der Deutsche nach der glücklich eingebrachten Ernte der Tanfana, die zu Ende des Winters beim großen Erntefeste ibre Opfer empfing, wie die röm. Gottheit ihre daps. Die Übersetzung von Tanfana „Nahrung verleihend, Ernte spendend“, ändert sachlich nichts. Liest man für das überlieferte Tanfana Thambana, so bedeutet das Beiwort ,,die Göttin der Fülle und des Reichtums, des Ackersegens“ (aisl. þomb Schwellung, got. þamba Fülle, norweg. temba füllen, stopfen).

5. Hludana. Am 15. August 1888 wurde in der nieder). Provinz Friesland bei dem Dorfe Beitgum der untere Rest eines Votivsteines aus der Römerzeit gefunden. Auf dem oberen Teile des Steines sind die Füße und das herabhängende Gewand einer sitzenden Figur noch zu erkennen, die vermutlich in einer Nische dargestellt war. Unter der Gestalt steht in den schönen Buchstaben, wie sie auf röm. Denkmälern gegen Ende des 1. Jhds. gefunden werden, die Inschrift: Der Göttin Hludana haben die Pächter des Fischfangs unter dem Obmann Q. Val. Secundus ihr Gelübde gern und schuldigermaßen dargebracht.Mit diesem Funde war auch für das alte Stammland der Friesen eine Göttin gesichert, die durch andere Inschriften bereits für das nordwestliche Germanien bekannt war.

Schon im 17. Jhd. hatte man bei Xanten einen Stein ausgegraben: Deae Hludana sacrum C. Tiberius Varus. In Utrecht befindet sich eine bei Nijmwegen gefundene, aber verstümmelte Inschrift: Aludanae sacrum. Bei Münstereifel fand man eine Inschrift aus der Zeit des Alex. Severus (222—235): das dort garnisonierende Detachement der ersten Minervischen Legion errichtete für Errettung des Kaisers Alexander Severus und seiner Mutter aus einer drohenden Empörung der Legionen der Göttin Hludana einen Dankaltar.

Unter zahlreichen Beinamen wurde die Erdgöttin von den Deutschen verehrt, daher heißt sie Hludana, „die Vielgenannte, Vielnamige“ (hluda-shutós, Kivuévn). Sie waltet über das Meer und den Fischfang, wie über die Wohlfahrt des Landes, sie sorgt für das Leben der Bewohner und für das des germ. Kriegsherrn, des Kaisers. Oder Hludana wird direkt durch ihren Namen als „Erdgöttin“ bezeichnet (hlada aufladen, aufbauen, hlód = Herd, der in der ältesten Zeit auch nur ein Erdhaufe war).

6. Haeva. Ein batavisches Ehepaar errichtete dem großen heimischen Gotte, dem „starken“ Donar (S. 265) und der HaiwÔ zum Danke für Kindersegen einen Altar, der in der Nähe von Nijmwegen aufgefunden ist: Herculi Magusano et Huevae Ulp Lupio et Ulpia Ammava pro natis votum solverunt libentes merito. Haiwô bedeutet wie Frija die „liebe“ oder „holde“ = das Weib, und daß die Deutschen ihre Frija mit der lat. Venus verglichen, der Göttin der Liebe und Anmut, der Ehe und Fruchtbarkeit, bezeugt die Übersetzung des lat. dies Veneris in Frijutac.

Die himmlischen Göttinnen.

1. Frija. Die gemeingermanische Bezeichnung für die oberste Göttin war Frija; urgerm. *Frijô gehört zu skr. prija, prijâ (Gattin, Geliebte); wie Hera die „liebe Gemahlin“ des Zeus, so ist Frija

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die Geliebte oder Gattin des höchsten germanischen Gottes, des Tius. Das Eigenschaftswort ist zum Eigennamen geworden. Bei allen germanischen Stämmen ist nach ihr der Wochentag benannt, als noch vor der Bekehrung zum Christentum die römischen Tagnamen ins Deutsche übertragen wurden. Frija muß also von allen Germanen gleich hoch verehrt worden sein, überall in der Urzeit als Gattin des Tius gegolten haben.

Im Merseburger Zauberspruche lautet ihr Name Frîja (S. 270), bei den Langobarden Frea (S. 249), as. Frî, ags. Frig, nd. Frie, Frée, Fricke, Frecke (kk=ggj=urgem. jj), an. Frigg. Der nach ihr benannte Tag heißt nhd. Freitag, ahd. Frîatag, Frîjetag, mhd. vrîtac, ags. Frígedaeg, engl. Friday, afries. frîgendei, Freiendej, niederl. vrijdag, an. Frjádagr, Friggjardagr.

Als Tius an Wodan sein Reich und seine Macht verlor, eroberte der kriegerische Nacht- und Sturmgott auch seine Gattin. So lassen sich zwei Hauptabschnitte in Frijas Verehrung unterscheiden: in der ersten Periode war sie die Ge. mahlin des Tius, in der zweiten die Wodans. Wiederum als Gattin des alles überwölbenden und bedeckenden Himmels war sie die mütterliche Erde, als Gattin des lichten Tagesgottes die strahlende Sonnengöttin. Hatte ehedem der Himmelsgott um die Erde gefreit, so warb nunmehr der Gott des lichten Tages um die Jungfrau Sonne. Bestand einst der Reichtum Frijas in Tieren und Früchten (Germ. 15), so ward jetzt das Sonnengold als Schmuck, Schatz oder Hort aufgefaßt. Wie der Germane seine Tochter nicht ungeschmückt und unbeschenkt aus dem Hause entließ, so stattete er die des Morgens am Himmel erscheinende Göttin mit einem großen, leuchtenden Halsbande aus dem Brisingamen, dem Sonnengolde (Halsband der Brisinge, der Zusammenflechter, der kunstreichen Verfertiger; mhd. brîsen „einfassen“ oder aisl. brísingr „Feuer“). Das Wort des Herrn: „Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben“ (Mt. 7, 6) gibt der Dichter des Heliand so wieder: Vor die Säue sollt ihr nicht eure Perlen werfen oder schimmernden Schatz, heiligen Halsschmuck (1724). Selbst

das Beiwort ,, heilig" mag uralt sein, wie die Alliteration zeigt: es ist der unverletzliche, der Himmelskönigin als Göttereigen zukommende Schmuck. Von diesem Halsschmucke soll auf altem sächsischen Boden Dortmund seinen Namen haben (Throtmani, Throtmenni). Auf einem Votivsteine der germanischen Gardereiter, der von Trajan errichteten equites singulares, der am Lateran gefunden ist, steht die Inschrift: „Deae Menmanhiae Aurelius Placidus votum solvit libens laetus animo.“ Der Name Menimani kehrt auf einer Mainzer Inschrift wieder. Menmanhia ist die Halsbandfrohe (ahd. minnia und menni das Halsband).

Als Gemahlin Wodans, der mit seinem Heere durch die nächtlichen Lüfte zieht, erscheint Frija besonders als Totengöttin. Schon bei Burchard von Worms begegnet der Aberglaube, daß Frija holda mit der Schar der nächtlichen Geister in gewissen Nächten durch die Lüfte reite. Im 15. Jhd. sagt man, daß die Göttin Diana, im Volksglauben „die frawen unhold“ genannt, in den zwölf Nächten mit ihrem Heere fahre. Eckehart zieht vor dem wütenden Heere mit Holda einher (D. S. Nr. 7), im Kyffhäuser ist die Königin Holle Wirtschafterin bei Kaiser Friedrich. Alle ungetauft sterbenden Kinder kommen ins wütende Heer zu Holla oder Berchta.

War die Göttin dadurch von ibrer himmlischen Höhe herabgestiegen, daß Wodan ihr Gatte wurde, so errang sie mit dem allmächtigen Himmelsgotte Wodan auch bei einigen Stämmen ihre alte Stellung wieder. In der langobardischen Stammsage thront sie neben Wodan im goldenen Himmelssaale, wie einst neben Tius, und lenkt mit weisem Rate die Geschicke ihrer Verehrer (S. 249). Im Merseburger Zauberspruche erscheint sie als Göttin der Fülle, des Reichtums und des Wohlstandes, als Licht- und Sonnengöttin. Ein ags. Zeugnis nennt Wodan den obersten sächsischen Gott und Frea die mächtigste Göttin.

Der Freitag ist fast im ganzen Norden Deutschlands als Hochzeitstag beliebt; alles an ihm Unternommene gelingt; in der Altmark und im Hennebergischen ist er neben dem

Frijas Fortleben in der Volkssage.

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Dienstage der Hochzeitstag. Wo die christliche Anschauung überwiegt, daß der Heiland an einem Freitage den Kreuzestod erlitten habe, gilt er als der unseligste Tag, besonders in Westfalen und in der Oberpfalz. Die Feier des dies Veneris wird schon den spanischen Sueben von Martin, und den Alemannen von Primin streng untersagt (Mart. v. Brac. 9; dicta abbatis Priminii 22).

Das Fortleben Frijas in der Volkssage. In Pommern, auf Rügen, in der Uckermark und im Harz lebt Frija als Frie, Frée und Fricke in der Volkssage fort. Wenn sie bei ihrem Umzuge in den Zwölften den Wocken nicht abgesponnen findet, zaust sie die Mädchen und verunreinigt den Wocken; wie das wilde Heer mit lieblicher Musik einherfährt, so soll auch Fria Musik gemacht haben, zuletzt aber im Wasser verschwunden sein. In weißem lang herabwallendem Gewande irrt Frau Frîen weinend über Berg und Tal, um ihren Gatten zu suchen. Ein Bauer fährt spät am Abend heim; 'da hört er plötzlich ein gewaltiges Toben, und die alte Frick mit ihren Hunden kommt daher gestürmt. In seiner Angst schüttet der Bauer seine Mehlsäcke aus, gierig fallen die Hunde darüber her und fressen alles auf. Aber am nächsten Morgen sind seine Säcke wieder alle wohlgefüllt. Wie Fru Fria, gleich Nerthus, in einem See verschwindet, so tragen verschiedene an Seen gelegene Orte den Namen Frickenhausen. Ein Vrekeleve, Fricksleben liegt bei Magdeburg; das altwestfäl. Stift Freckenhorst weist auf einen heiligen Hain der Frecka und erinnert an den heiligreinen Hain der Nerthus. Wie das Zeugnis Burchards von Worms Frau Holde, Holle als ein ursprüngliches Beiwort Frijas erweist (Friga holda, S. 300), so bestätigt die älteste Nachricht von dem Namen Freke die Identität mit Holle: im sächischen Volke wurde Fru Freke verehrt, der dieselbe Wirksamkeit zugewiesen wurde, die die oberen Sachsen ihrer Holda zuteilen (Eccard, de orig. Germ. 398).

Unter dem Namen Fru Wod, Frau Gode, Fru Gauden, d. h. als Wodans Gattin, erscheint die deutsche Hauptgöttin

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