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schlaf und damit ihre Erweckung deutsche Sage war, beweist das Brunhildenbett auf dem großen Feldberg im Taunus. In einer Urkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz von 1043 heißt eine etwa 4 m hohe Felsbildung auf dem Feldberge von eigentümlicher Form, die schon von weitem das Auge auf sich lenkt und den Vergleich mit einem Ruhe. lager unwillkürlich wachruft, lapis qui vulgo dicitur lectulus Brunihilde.

Da der deutschen Nibelungendichtung ein „Lager der Brunhild“ auf der Höhe eines Berges unbekannt ist, kann diese Bezeichnung nur aus der Sage stammen, und wenn der Name noch in der Mitte des 11. Jhds. volkstümlich war, muß er es schon lange vorher gewesen sein. Wenn also die Rheinfranken ein riesenhaftes Felsbett auf der Spitze eines hohen Berges „Bett der Brunhild“ nannten, so müssen sie auch geglaubt haben, Brunhild habe auf einem hohen Berge geschlafen.

Die auf einem Felsen schlafende Walküre, die natürlich auch aus ihrem Schlummer geweckt sein muß, ist somit für Deutschland erwiesen. Nicht erwiesen ist, daß sie auch nach deutscher Vorstellung von der Waberlohe umgeben war; diese mag nordische Zudichtung und Ausschmückung sein, und ein Märchen der Dornröschengruppe mag dabei mitgewirkt haben.

Der allgemeine, urgerm. Name für die göttlichen Mädchen war ahd. itis, as. mhd. idis, ags. ides, an. dís. Die Idisi sind wohl die „emsig schaffenden“, die überirdischen Frauen (an. iđ, iản, iđja Arbeit). Neben der an. valkyrja findet sich in ags. Glossen des 8. Jhds. walcyrge = Eurynis, walcrigge Herinis, waelcyrre = Tisiphona, waelcyrige = Bellona, Allecto. Im Ags. verstand man also unter Walküren unheimliche Gottheiten, die in das Geschick des Kampfes eingreifen, und dieses Zeugnis reicht völlig aus, um die Walküren als westgermanische und deutsche Gottheiten zu erweisen. Kein einziger Grund läßt sich für eine Entlehnung aus dem Nordischen beibringen; im Gegenteil, daß bei den Westgermanen des Festlandes derselbe Name vorhanden gewesen sein muß, beweist der erste Teil des zusammengesetzten Namens walu, urgerm. *walaz. In allen germ. Dialekten bedeutet ahd. wal, ags. wael, an. valr den Haufen der Erschlagenen oder die Stelle, wo sie liegen; im nd., vom 13. Jahrhundert an bis heute bezeichnet Wall einen Haufen, z. B. Heringe (gr. Fólis scharenweise, in Menge). Die Walküren küren also, wie ihr Name sagt, die Gesamtheit der Krieger, die im Kampfe fallen sollen.

Ein ags. Beschwörungslied gegen Hexenstich und Hexenschuß zeigt die bewaffneten Wolkenfrauen, wie sie Pfeile und Speere auf die Menschen schleudern:

Laut waren sie, ja laut, da sie über den Hügel ritten.
Sie waren hochgemut, da sie über Land (durch die Lüfte) ritten.
Schütze dich nun, willst du sicher vor ihrem Haß sein:
Heraus, kleiner Speer, wenn du drinnen bist !
Ich stund unter dem Lindenschild, unter lichtem Schilde,
Da die mächtigen Frauen ihre Scharen ordneten
Und ihre gellenden Gere entsandten.
Einen andern will ich ihnen wieder senden,
Einen fliegenden Pfeil von vorn entgegen:
Heraus, kleiner Speer, wenn du drinnen bist!
Es saß ein Schmied, schlug das kleine Messer,

ein Schwert stark im Verwunden.
Heraus, kleiner Speer, wenn du drinnen bist !
Sechs Schmiede saßen, Todesspeere schufen sic,
Heraus, Speer, sei nicht drin, Speer!
Wenn hier ist innen des Eisens Teil,
Der Hexen Werk, so soll es schmelzen !
Wärst in die Haut du, ins Fleisch geschossen,
Oder wärst du ins Blut geschossen,
Oder ins Glied, nimmer sei dein Leben getroffen!
Wenn es sei der Asen Geschoß oder der Elbe Geschoß
Oder der Hexen Geschoß nun will ich dir helfen :
Dies sei dir zur Heilung des Asen oder der Elbe Geschosses,
Dies für das Hexengeschoß. Ich will dir helfen.
Fliege hin in die Wildnis !
Sei am Haupte heil, es helfe dir der Herr !

Dem Liede liegt die Vorstellung zugrunde, daß die Krankheit vom Geschoß der Geister verursacht sei. Die Hexen aber tragen das poesievolle Kleid der Dienerinnen Wodans.

Ags. Zauberlied. I. Merseburger Zauberspruch.

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Zum Streite gerüstet, also mit Helm, Brünne und Speeren bewaffnet, laut jauchzend vor frohem Kampfesmut, reiten die mächtigen Frauen durch die Lüfte einher und senden sausende Speere und Pfeile auf den Feind. In der epischen Einleitung erzählt der Entzaubernde diesen Hergang und sucht durch das Spell das Eisen aus dem Körper des Erkrankten wieder herauszutreiben. Zugleich hält er den Lindenschild über ihn und berichtet, wie die Gegenwaffen geschmiedet werden. Für den Fall, daß das kleine Messer zur Gegenwehr nicht genügt, werden noch sechs Speere angefertigt. Bei der eigentlichen Beschwörung: „Wenn hier innen ist des Eisens Teil, so soll es schmelzen Fliehe hin in die Wildnis! Sei am Haupte heil!“ wird eine heilende Salbe angewendet.

Auch der erste Merseburger Zauberspruch zeigt uns die göttlichen Frauen:

Einst setzten sich Idisi, setzten sich hierhin und dorthin, [Vor Zeiten walteten Frauen, walteten hohe damals, Einige hefteten Hafte, einige hemmten das Heer (der Feinde), Einige klaubten an den Fesseln (der vom Feinde Gefangenen) herum, [Andere lösten, allerfahrene, die Fesseln): Entspringe den Haftbanden, entfliehe den Feinden!

Der epische Eingang beschreibt die Tätigkeit der Walküren auf der W’alstatt. Sie kommen durch die Luft herangesaust und beteiligen sich zugunsten eines befreundeten Heeres am Kampfe, in drei Haufen geteilt. Ein solches Feld, wo sich die Schlachtgöttinnen niedergelassen hatten, hieß vielleicht schon zu Tacitus Zeiten Idisiaviso (Ann. 216). Die einen fesseln die Gefangenen hinter dem befreundeten Heere, der deutsche Namen solcher Walküren würde Hlancha (Kette) oder Herifezzara (Heeresfessel) sein – die andern werfen sich den feindlichen Scharen entgegen, indem sie selbst am Kampfe teilnehmen und ihre Speere schleudern, die dritte Gruppe hat sich hinter dem feindlichen Heere niedergelassen, wo die Gefangenen aufbewahrt sind. Dort nesteln sie an den Fesseln und sprechen dabei die Lösungsformel: „Entspringe den Haftbanden, entfliehe den Feinden!“ Wie bier durch die Hilfe der Idisi die Ketten springen, so hofft in ähnlicher Lage der Gefangene, daí ihr göttlicher Beistand bei Anwendung des Zauberspruches ihn befreien werde. In England war im 8. Jhd. der Volksglaube verbreitet, daß Bande mit Hilfe gewißer Buchstabenzeichen oder Runen gelöst werden könnten (Beda 422):

Ein gewisser Imma wurde fast tot auf dem Schlachtfelde gefunden und gefangen genommen; als er sich aber zu erholen begann und, um seine Flucht zu verhindern, gefesselt wurde, hatten ihn kaum seine Wächter verlassen, da war er schon wieder frei. Der Graf, in dessen Gewalt er gefallen war, fragte ihn, ob er solche „Lösebriefe" (literas solutorias) habe, von denen man erzählte; Imma aber wollte von solchen Künsten nichts wissen; doch als sein Herr ihn an einen andern verkaufte, war wieder keine Möglichkeit, ihn zu binden (vgl. Od. 14345–349).

Auch den Angelsachsen waren, wie schon das Beschwörungslied gegen Hexenschuß zeigte, siegtreibende, schlachtfrohe Weiber bekannt:

Setzt euch Siegweiber, senkt euch zur Erde,
Wollet nicht wieder zum Walde fliegen!
Bleibt im Herzen meines Heils so eingedenk

Wie die Menschen männiglich des Mahls und der Heimat ! Auch hier kommen die Siegweiber durch die Luft gefogen, um sich zur Erde niederzulassen; ja der Anfang scheint geradezu aus einem sehr alten Walkürenspruch entlehnt zu sein, der dem Merseburger Spruche ähnlich war. Merkwürdig ist nur, daß der Ausdruck Siegweiber für schwärmende Bienen gebraucht wird, vermutlich weil man die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verstand, und Bienenschwärme den ausziehenden Kriegern als gutes Wahrzeichen galten (vgl. K. H. M. Nr. 62). Im Beowulf endlich heißt es: der Herr gab ihnen allda des Waffenglücks Gewebe, Erfreuung und Hilfe, daß sie ihre Feinde überwanden (697).

Das letzte Zeugnis für die Schlachtjungfrauen findet sich auf deutschem Boden um das Jahr 1000. Burchard von Worms spricht von dem Glauben, es könnten Weiber bei geschlossenen Türen ausfahren und hoch in den Wolken einander Kämpfe liefern, Wunden erteilen und empfangen.

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5. Schwanjungfrauen. Walküren und Schwanjungfrauen sind Wolkenfrauen. Aber während die Walküren als Boten des Sturm- und Kriegsgottes ausschließlich als Schlachtjungfrauen erscheinen, sind die Schwanenmädchen vor allem der Zukunft kundig. Das Walkürenideal ist in der Zeit entstanden, da die Germanen waffenklirrend in die Weltgeschichte dringen, die Gestalt der Schwanjụngfrauen ist mit dem eigentümlichen poetischen Duft umwoben, der den stillen Waldsee mit seinen schattigen, grünen Ufern noch heute umgibt. Diesem lieblichen Bilde entspricht naturgemäß mehr das stille innerliche Wesen des Weibes als ihre im Drang der Zeit großgezogene Amazonennatur. Die Angabe des Tacitus, daß dem ganzen weiblichen Geschlechte nach dem Glauben der Deutschen prophetische Gabe innewohne (Germ. 8), und die ehrfurchtgebietende Gestalt der Veleda zeigen, wie sich die Vorstellung entwickeln konnte, daß den Schwanmädchen besonders der Blick in die Zukunft eigen war.

Wiederum sind die ahd. Frauennamen die wichtigste Quelle. In den Wäldern lassen sich die holden Jungfrauen nieder: Tanburg, Waldburg; sie tragen ein Schwanhemd: Alpiz, der Schwan, ist ein Frauenname; wenn sie sich baden, legen sie ihr Gewand ab: Suana hilt, Swanburg, Swanegard ist die Schwanjungfrau; Swanaloug ist die Jungfrau, die sich wie ein Schwan badet, Triuloug ist die im Walde badende. An den sandigen Ufern der Flüsse und Bäche werden sie gefunden: Sandhilt, oder auf feuchtem Boden: Wasahilt, auf Wiesen: Wisagund (S. 136). Daß die Walküren zugleich Schwanjungfrauen sein können, zeigen die kriegerischen Namen der badenden Frauen im N. L. Hadburc und Sigelind (s. u.).

Eins der ältesten Eddalieder, das auf niedersächsische Sage zurückgeht, erzählt:

Von Süden her flogen einmal durch den Schwarzwald drei behelmte Jungfrauen, ihr Handwerk zu üben. Als sie müde waren, setzten sie sich zur Ruhe am Strande eines Sees nieder, weißes Linnen spannen die Weiber

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