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des Südens (d. h. sie wirkten das Schicksalsgewebe). Schwanweiß hiek die eine, Allwjß die andere, Olrun die dritte; sie stammten aus Walland (der mythische Name bedeutet „Land der Schlachtfelder“). Da überraschte sie Wieland mit seinen beiden Brüdern, sie nahmen ihnen die abgestreiften Schwanenhemden weg und führten die Jungfrauen als ihre Weiber heim. Sieben Winter saßen sie daheim bei ihren Gatten, doch im achten waren sie unruhig, im neunten konnte nichts mehr sie halten. Sie schwangen sich auf, zurück nach dem Schwarzwald, die behelmten Mädchen, um in den Dienst ihres göttlichen Gebieters zurückzukehren. Vom Weidwerk kamen die wegmüden Schützen, sie fanden die Häuser öd und verlassen, sie traten hinein und traten hinaus und suchten und spähten die Frauen.

Die Handlung des Gedichtes spielt in Deutschland; der Schwarzwald, durch den die Schwanjungfrauen kommen, ist der saltus Hercynius, der ungeheure Urwaldsgürtel, der einst das mittlere Deutschland bis zu den Quellen der Weichsel durchzog. Darum heißen sie auch die südlichen Idisi, und Allwiß, Wielands Geliebte, ist die Tochter eines Königs, der den deutschen Namen Ludwig führt (S. 197).

Auf einem verloren gegangenen deutschen Wielandsliede oder auf mündlicher Überlieferung beruht das mhd. Gedicht von „Friedrich von Schwaben" (14. Jhd.).

Es erzählt, daß der Held unter dem Namen Wieland seine Geliebte gesucht habe. Bei einer einsamen Waldburg sieht er drei Tauben zu einer Quelle fliegen, die sich darin baden wollen. Indem sie die Erde berühren, werden sie zu Jungfrauen; eine davon ist die verschwundene Geliebte. Sie werfen ihre Gewänder ab und springen ins Wasser. Wieland, durch Hilfe einer Wurzel unsichtbar, nimmt ihnen die Kleider weg.

Darüber erheben die Mädchen großes Gescbrei, aber Wieland, sichtbar hervortretend, erklärt sich nur dann zur Zurückgabe der Kleider bereit, wenn eine davon ihn zum Manne nehmen wolle. Sie entschließen sich endlich, und Wieland wählt sein Weib, das mit Freuden in ihm den Friedrich von Schwaben erblickt.

Noch um das Jahr 830 ist dem Dichter des Heliand der Glaube an Walküren im Schwanengewand durchaus vertraut. Bei der Schilderung der Auferstehung Christi erscheint der Engel im Federgewande vom Himmel fliegend (5799):

Mit Sausen kam des Allwaltenden Engel aus heiterer Höhe
Im Federkleid gefahren, daß das Feld erbebte,
Die Erde ertönte, und die tapfern Wächter
Den Mut verloren.

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Es ist der rauschende Flug einer auf den Wolken fahrenden Wolkandrût, der hier auf den Engel übertragen wird, um den Sachsen das Imposante der Engelserscheinung durch die Erinnerung an ähnliche Erscheinungen aus dem Kreise der ihnen geläufigen Vorstellung nahe zu legen.

Gudrun und Hildeburg sind von der wölfischen Gerlind an den Strand geschickt, damit durch niedrige Mägdedienste ihr stolzer Sinn gebrochen werde. In grauer Frühe beim rauhen Märzenwinde waschen die Königstöchter in den eiskalten Wogen die Leinwand. Da sehen sie einen Schwan über die Meeresflut heranrudern. „O weh, schöner Vogel, ruft Gudrun, du tust mich erbarmen, daß du einhergeschwommen auf der Flut kommst.“

ber in menschlicher Stimme gibt ihr der hehre Gottesengel Antwort und verkündet den Heimatlosen die nabe Ankunft der Freunde (1166 ff.) Aus der Schwanenjungfrau ist ein Engel geworden, der die Gestalt eines Vogels angenommen hat.

Schwanenjungfrauen sind auch die weisen Meerweiber des Nibelungenliedes (1473 ff. ; S. 140).

Die Nibelungen sind unangefochten bis an die Donau gekommen. Der Strom ist angeschwollen, kein Fährmann noch Fahrzeug zu sehen. Während die Scharen sich lagern, macht sich Hagen gewappnet auf, um einen Schiffersmann zu suchen. Da hört er Wasser rauschen, zu lauschen hob er an: in einem schönen Brunnen baden Meerweiber. Leise schleicht er ihnen nach; aber als sie den Helden sehen, entrinnen sie ihm schnell und schwimmen wie die Vögel schwebend auf der Flut. Aber wie Wieland hat ihnen Hagen das Gewand geraubt. Da verspricht ihm die eine der weisen Frauen, Hadburg, wenn er ihnen die Gewänder wiedergebe, ihm zu verkünden, was er auf der Reise bei den Hunnen erleben werde. Hagen kennt die geheimnisvolle Gabe der Schwanjungfrauen, und gerne glaubt er Hadburgs doppelsinnigen Worten, daß die Fahrt in Etzels Land hohe Ehren bringen werde. Darum gibt er ihnen ihre Kleider zurück. Als sie aber ihr ,wunderbares“ Gewand wieder angelegt haben, sagt die andere Jungfrau, Sigelind, ihre Schwester habe aus List also geweissagt; noch sei es Zeit, wieder umzukehren, ihnen allen sei der Tod bereitet; nur der Kaplan des Königs käme wieder heim in König Gunthers Land.

Sagen und Märchen bis in die neueste Zeit schildern diese anmutigen Gebilde deutschen Glaubens übereinstimmend: sterbliche Männer rauben ihnen ihr Schwanengewand, nackt in göttlicher Schönheit stehen die Frauen vor ihnen und geben sich ihnen auf einige Jahre zu eigen, bis sie wieder in ihr lichtes Wolkenreich entschweben. Oft hat sich das Herrmann, Deutsche Mythologie. 2. Aufl.

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aus dem Marenglauben bekannte Motiv der verbotenen Frage und Nachforschung an diese Erzählungen angeschlossen (S. 77).

Eine Braut geht unfern von Donsum mit ihrem Geliebten am Ufer, sieht Schwäne auf dem Wasser, erkennt in ihnen ihre Schwestern und fliegt plötzlich als Schwan mit den andern davon. Ein Knabe zu Wimpfen erblickt auf einem See drei Schwäne, fährt auf einem Brette zu ihnen hin. über, versinkt aber und findet unter dem Wasser ein Schloß mit drei schönen Jungfrauen, bei denen er solange bleibt, bis ihn die Sehnsucht nach der Oberwelt ergreift. Als sie ihm aber die Rückkehr erlauben, stirbt er, wie sie ihm angedroht haben. Die Schwanenhemden kehren im Märchen als weißseidene Hemdchen wieder, die die Stiefmutter den Kindern überwirft; kaum haben sie den Leib berührt, so verwandeln sich die Kinder in Schwäne und fliegen über den Wald hinweg. Als die Sonne untergeht, setzen sie sich auf den Boden, blasen einander an und blasen sich alle Federn ab, und ihre Schwanenbaut streift sich ab wie ein Hemd (K. H. M. Nr. 49; D. S. Nr. 292, 295, 534, 540).

Göttinnen, die nur inschriftlich bezeugt sind.

Die Votivsteine der deutschen Gardereiter teilen jedem der drei germanischen Götter eine Göttin zu, dem Mars-Tius die Victoria, dem Mercurius-Wodan die Felicitas, dem Hercules die Fortuna mit den Atributen Steuerrad und Füllhorn. Bei der Victoria kann man vielleicht an die oberdeutsche, also urprünglich suebische Berhta denken (doch vgl. S. 211), bei der Felicitas am ehesten an die mitteldeutsche Holda, bei der Fortuna an eine Volla..

Am 5. November 1812 wurde in der Nähe von Stuivezand zwischen den Dörfern Rysbergen und Groot-Zundert, in Nordbrabant, ein Altar gefunden, der jetzt im Museum von Leyden steht: Deae Sandraudigae cultores templi. Etwa 30 Jahre später stieß man an derselben Stelle auf die Überreste eines Gebäudes, auf Steine, Dachziegel, Nägel, Haken, irdenes Geschirr und Münzen von Vespasian und Antoninus. Vermutlich hatte hier ein Tempel der Sandraudiga gestanden. Vor allem förderte man eine große Menge von Zähnen und die Kinnladen von Rindern und Schafen zutage, Überreste von alten Opfern. An der Schmalseite des Altars befindet sich je ein Füllhorn wie bei den Nehalenniasteinen. Sandraudiga

Nur inschriftlich bezeugte Göttinnen.

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ist vermutlich ein Beiname der Erdgöttin und bedeutet die wahrhaft und wesentlich reiche und glückliche Göttin, die den Feldern Fruchtbarkeit spendet, wie die Füllhörner zeigen, und die Herden schützt, wie vielleicht die Befunde von Opferresten bestätigen.

Drei Steine bezeugen den Kult einer Göttin Vagda vercustis. In Geldern, dem ehemaligen Gebiete der germ. Cugerni hat ihr ein Decurio eine Inschrift geweiht. Eine sichere Deutung des Namens ist noch nicht gefunden, man weiß nicht einmal, ob Vagdaver. Custi zu lesen ist oder Vagdavercusti. Custis wird als die (Toten) Wählerin erklärt, Vagdaver als zusammengesetzt aus urgerm. *wagđộ die. Bewegung und *werô die Hemmerin, man sieht also eine Totengöttin in ihr. Vagdavercustis deuten andere als die Bewirkerin der lebenden Kraft, die Lebenskraft wirkende und fast den Namen als ein Beiwort der Erdgöttin auf (Wurzel wag bewegen, Vercustis die Bewirkerin).

Auf einer Brunnenschale aus Ernstweiler bei Zweibrücken, also im alten Nemetergau, und auf einer Inschrift aus Bertrich an der Mosel kommt eine Dea Vercana vor. Vercana hängt mit Vercustis zusammen, beidemal kehrt der Stamm werk“ wieder. Westgerm. *Vercanu entspricht genau dem Beinamen der Athene 'Egyávn, der Beschützerin künstlicher Arbeiten. Auch der Umstand, daß sich die Inschrift am Rande einer Brunnenschale befindet, kann in Beziehung zum Geschäfte des Handwerkers stehen, der sie herstellte. Möglich ist aber auch, daß Vercana eine Brunnengöttin ist.

Im Sommer 1893 wurde zu Lanchester, einer Station an der wichtigen Römerstraße nach Nordengland, ein Altar aus Sandstein gefunden, den ein suebisches Detachement der Göttin Garmangabis um 238—241 errichtet hat. *Garmanagabi wird als die erwünschte, willkommene Geberin erklärt, als die bereitwillig begabende, oder als die bereit liegenden Reichtum besitzende, aus der immer bereiten Fülle des Reichtums spendende. Der Reichtum der Göttin ist der Erntesegen, das suebische Beiwort käme also der Erdgottheit zu, der ermin. Isis-Nehalennia (S. 294).

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Ein bei Xanten, also auf kugernischem Boden, gefundener Denkstein trägt die Inschrift: Alateiviae und nennt als Stifter einen Arzt Divo. Alateivia ist die Allleuchtende, Πανδία-Σελήνη. Vielleicht stimmt Alaiteivia nicht nur dem Namen, sondern auch ihrer Wirksamkeit nach mit dieser überein und ist wie Diana eine Mondgöttin. Beziehung zur Geburtshilfe und zu Heilzauber verschiedenster Art gehört zum Wesen aller Mondgöttinnen; so erklärt sich auch, daß der Stein von einem Arzte gesetzt ist. Nur wissen wir sonst gar nichts von einer deutschen Mondgöttin; an die Luna Caesars zu denken ist nicht statthaft.

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