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sie mit Weibwasser oder zog zu ihrem Schutze Furchen um sie (Indic. Nr. 23: de sulcis circa villas),

Am Abend vor der Feier versammelte man sich an heiliger Kultus. stätte, hielt das Opfermahl, wozu jeder beisteuerte, unter Tanz und Gesang ab und zog am anderen Morgen vor Sonnenaufgang um die Saatfelder in langer Prozession, voran der Priester, in der Mitte die Götterbilder in weißer Umhüllung und am Schluß die zum Opfer bestimmten Tiere. Unter den heiligen Eichbäumen oder am heiligen Quell machte der Zug Halt, der Priester segnete die Feldfrüchte und flehte, gegen Sonnenaufgang das Antlitz gerichtet, die Götter um Schutz und Schirm vor Unwetter, Hagel und Mikwachs, um Segen für Saat und Vieh an. Bei der Rückkehr wurde das Götterbild an den altheiligen Ort zurückgeführt, in den Tempel oder an heiligen Bäumen aufgehängt oder auf Baumstämmen aufgestellt, das gemeinschaftliche Opfer gebracht und das Opfermahl gebalten. Der Gottheit wurden Tiere geschlachtet, Brot, Eier, Pflanzen und Früchte des Feldes geopfert und Feuer angezündet. Unter dem Singen feierlicher, alter Weisen tanzte man jauchzend und jubelnd um den brennenden Holzstoß, steckte verglimmte Scheite des Opferfeuers gegen Hagel und Blitz in die Felder oder streute die Asche darauf,

Noch im 10. Jhd. verlief der Flurumgang in dieser Weise; die entworfene Schilderung ist unter Heranziehung alter Gebräuche im wesentlichen eine heidnische Rückübersetzung einer Verordnung der Äbtissin Marcsuith vom Kloster Schildesche bei Bielefeld (940). Nr. 28 des Indiculus handelt von dem Götterbilde, das sie durch die Fluren tragen (de simulacro, quod per campos portant). Da es der Kirche nicht gelang, diese Feld- und Flurbegänge auszurotten, verwandelte sie diese nit Beseitigung des Anstössigen und Umdeutung der einzelnen Teile in Litaneien und Rogationen. An Stelle des Gottes trat der Patron der Kirche, an die Stelle der Opfergaben Almosen zum Besten der Armen, an die Stelle der Opfer und Lieder Vigilien und heilige Gesänge.

Der Aufzug und das Spiel wie die begleitenden Reden und Gesänge verschmolzen zu einer eigentümlichen Kunstgattung, in der wir die ersten rohen Behelfe dramatischer Kunst, den Anfang des deutschen Schauspiels zu sehen haben. Man besang nicht bloß die Taten der Götter im feierlichen Liede, sondern stellte sie mit verteilten Rollen dramatisch dar; der Inhalt des Liedes wurde beim Feste wirklich vor.

geführt. Ein dramatischer Wettkampf zwischen Sommer und Winter wird noch heute in manchen Gegenden veranstaltet und bat früher sicherlich einen Teil der germanischen Frühlingsfeier ausgemacht.

Der Sommer tritt auf, in Efeu, Singrün, oder weiße Gewänder ge. kleidet, der Winter in Stroh und Moos oder Pelz vermummt. Unter dem Zurufe des Volkes, das gleichsam den zuschauenden Chor abgibt, beginnen beide einen Streitgesang, dann kämpfen sie mit ihren Holzstangen, bald werden sie handgemein und ringen so lange miteinander, bis der Winter

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niederliegt. Dem zu Boden geworfenen Winter wird seine Hülle abgerissen, zerstreut und ein sommerlicher Kranz oder Zweig umhergetragen. Die in den Worten des Chores

, Stab aus, Stab aus, Stecht dem Winter die Augen aus !" enthaltene grausame Sitte ist gewiß ein Rest aus uralter Zeit. Beim Zürcher Sechseläuten im April wird noch heute der Winter, „Bögg“ genannt, durch die Straßen der Stadt nach dem Richtplatze geführt, die mit Feuerwerkskörpern gefüllte Riesenpuppe auf einer hohen Stange aufgestellt und darunter ein großer Reisighaufen zusammengelegt. Die Vorübergehenden

Umzüge. Dramatische Spiele.

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verspotten die Figur, und in Gegenwart der Zünfte wird der Holzstoß mit dem sechsten Glockenschlag in Brand gesetzt, unter lautem Geknatter explodiert das Feuerwerk im Körper des „Bögg“ und zerfetzt die letzten Überreste des Winters. Mikglückt die Verbrennung, und tritt im folgenden Jahre Unglück ein, so ist die Behörde daran Schuld, weil sie die „Hinrichtung“ nicht ordnungsgemäß vollzogen hatte. In Schlesien wird am Sonntag Lätare die „Marzanna“ (Fig. 19), eine sorgfältig herausgeputzte Strohpuppe, und der „Gaik“ (Fig. 20), ein mit Eiern und bunten Bändchen behängtes Bäumchen, unter Absingung passender Lieder durch das Dorf getragen. Die große, auf einem Stocke befestigte Puppe verkörpert den nun überwundenen Winter. Jauchzend wird sie nach dem Umzug in ein Gewässer geworfen, und dann mag der durch das Bäumchen dargestellte Frühling seinen Einzug halten; alt und jung ist voll Sehnsucht, ihn zu empfangen. In der Frühe des Maitages zog man in den Wald, um den Sommer einzuholen, zu empfangen oder zu begrüßen. Die Rolle des Sommers pflegte dabei der sog. Maikönig oder Maigraf zu spielen, der sich seine Königin oder Gräfin wählte (S. 282). In Moos gekleidete Personen, die letzten Nachzügler des Winters, wurden dabei verfolgt und vertrieben (S. 144). Das geschmückte, in Laub und Blumen verkleidete Paar wurde unter Jubel und Gesang aufgesucht und hielt dann fröhlichen Einzug im Dorfe, oder feierte auf dem Saatfeldo das Brautlager.

Merkwürdig und noch nicht aufgeklärt ist eine Nummer des Indiculus (Nr. 24: de pagano cursu quem yrias nominant, ,,scissis pannis vel calciamentis"). Man deutet den sächsischen Ausdruck „yrias“ auf einen Volksumzugs-Brauch, der dem oben geschilderten Winter-Austreiben, oder, wie es an anderen Orten beißt, dem Tod-Austragen verwandt ist: der Person, die den Winter darstellt, oder der Puppe, die ihn symbolisiert, werden dabei die Kleider zerrissen. Man sucht in yrias eine Ableitung des Stammes „Jahr“ und deutet es als „Jahresfest“.

Was dem Menschen selbst Freude machte, das mußte nach alter kindlicher Auffassung auch den Göttern Freude bereiten. Nicht nur die Opfergaben stimmten die Himmlischen gnädig, sondern auch die Spiele, die ihnen zu Lust und Ehren veranstaltet wurden. Je mehr man seine Geschicklichkeit und Gewandtheit zeigte, um so huldvoller mußten die Götter dareinschauen. Ein heldenhaftes Volk findet Gefallen an kriegerischen Vorführungen, an Spielen, die Mut und kühnes Wagen offenbaren. Wie bei den Griechen, so gehörten auch bei den Deutschen Wettläufe und Wettrennen als heilige Kulthandlungen zu den Frühlings- und Erntefesten; aber auch bei den bedeutenden Ereignissen des öffentlichen und häuslichen Lebens feblten sie nicht.

eblten sie nicht. Die ags. Synode von 747 bestimmt „die Litaneien an den drei Tagen vor der Himmelfahrt Christi mit Fasten und Mesopfern zu begehen, aber ohne eitle Nebendinge, wie sie oft geschähen, z. B. Spiele, Pferderennen, Mahlzeiten“.

2. Opferspeise.

Die älteste Opferspeise waren die wichtigsten Erzeugnisse der Ackerwirtschaft wie der Viehzucht; der Krieger wird blutige Opfer, der Hirt und Ackerbauer wird Vieh und was die Herde, der Acker, das Feld und der Haushalt bietet, darbringen: Milch, Butter, Eier, Körnerfrüchte, Honig, Pflanzen, Blumen, Brot und Wein. Mit unblutigen Opfern mußte sich der einzelne begnügen, blutige Opfer, die an den großen Jahresfesten fielen, wurden von der Familie oder der Ge. meinde dargebracht.

Die Früchte des Feldes wurden in die gen Himmel steigende Flamme oder in den brausenden Wind gestreut, oder man ließ einen Teil von ihnen zum Gebrauche für die Götter auf der Flur stehen, oder stellte ein aus ihnen bereitetes Gericht für sie beiseite. Blumenschmuck durfte selbst bei dem Opfern von Tieren und Menschen nicht fehlen (vgl. das laubbekränzte Regenmädchen S. 48). Bevor die weissagenden Priesterinnen der Kimbern den Gefangenen die Gurgel durchschnitten, bekränzten sie diese (Strabo 72). Die bei den Gemeindefesten zum Opfer bestimmten Tiere wurden mit Blumen bekränzt und mit bunten, farbigen Bändern geschmückt, den Kühen und Böcken die Hörner vergoldet. Selbst die Teilnehmer waren festlich mit Blumen und Kränzen geziert. In den Kräutern und Gräsern waren heilbringende Kräfte enthalten; dankbar erblickte man in ihnen kostbare Geschenke der Götter, und in kindlicher Einfalt wußte man sie nicht besser zu vergelten, als dadurch, daß man die heilkräftigsten Blumen bei dem Opfer den Himmlischen darbrachte.

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Zu den unblutigen Opfern gehören auch die bildlichen Opfer, die eine Nachahmung des blutigen Ritus sind. Das älteste schriftliche Zeugnis für Kultgebäcke oder Gebildbrote der Mittwinterzeit ist bei Eligius erhalten: „Niemand begehe an den Kalenden des Januars die Abscheulichkeit und Abgeschmacktheit, Kälblein (vetulas = vitulos ? oder Vetteln, Weibsbilder?), Hirschlein oder Teigfiguren herzustellen“ (iutticos; al. ulerioticos = vellerios ticos ,zottige Ziegen“?). Nr. 26 des Indiculus handelt vom Götzenbild aus geweihtem Mehle oder auch aus süßem hefelosen Teig (de simulacro de consparsa farina). Für die Opfer und die sich anschließende Mahlzeit kneteten die Frauen Götzenbilder aus Teig, in der Form eines Gottes oder eines seiner Symbole oder eines der ihm heiligen Tiere. Diese wurden mit Öl bestrichen, an geweihter Stätte von den Frauen gebacken und teils den Göttern dargebracht, teils verzehrt. Obwohl diese Brote, Fladen oder Kuchen nur ein Ersatz für das wertvollere Tieropfer waren, glaubte man doch, daß durch den Segen des Priesters die geheimnisvolle, göttliche, sündentilgende oder segenbringende Kraft in sie eindrang und auf den Genießenden übertragen wurde. Zahlreiche Spuren dieser Opferbäckereien haben sich bis heute erhalten. Noch vor kurzem bildete zu Ulten in Tirol die Hausmutter aus dem letzten, vom Teigbrette zusammengescharrten Brotteige eine unbestimmte Figur, die „der Gott“ hieß. Die verschiedenen Backwerke zu Ostern, Martini und Weihnachten: die Osterwölfe, Osterwecken, Hedwige (= heiße Wecken), der Pflaumenmann, der Pfefferkuchenreiter, die Pferde und Schweinchen am Weihnachtsbaume sind nichts weiter als alte Opferkuchen; das Martinshorn stellt die langgebogenen Hörner eines Ochsen oder einer Kuh vor; in England schenkte man sich sogar übergoldete Martinsringe von Kupfer zu Martini (11. Nov.).

Bis in die Mitte des 6. Jhds. können wir ein anderes, unblutiges Opfer verfolgen: man opferte das Abbild und gleichsam das Ersatzmittel des erkrankten Gliedes oder Körperteiles in Holz, Metall oder Wachs, um Heilung zu erlangen (S. 331).

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