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(Germ.; 7 Hist. 422). In einem Walde, der durch den Weihedienst der Vorfahren und durch uralte Gottesfurcht geheiligt ist, versammeln sich die Abgeordneten der Sueben (Germ. 39); niemand geht anders denn gebunden in den Tiushain. Auch in der Edda wird ein „Fesselhain" erwähnt, und noch aus den Verboten der Kirche im 11. Jhd. geht hervor, daß man einen heiligen Wald ohne vorherige Weihung nicht betreten durfte; ein geweihter Baum durfte nach heidnischem Glauben seines Laubes oder seiner Zweige nicht beraubt noch umgehauen werden (Konzil von Nantes 895; Burch. v. Worms). Auf der Nerthusinsel befindet sich ein unentweihter Hain (Germ. 40), aber auch ein Tempel, bei den Nahanarvalen wird ein Hain mit altem Gottesdienst gezeigt (Germ. 43). Vor der Schlacht bei Idisiaviso kommen die verbündeten Stämme in Donars heiligem Walde . zusammen (Ann. 212), 900 Römer werden im Haine der Baduhenda, der Gattin des Tius, von den Friesen niedergemacht (Ann. 473). Nach der Schlacht im Teutoburger Walde wurden die röm. Offiziere an den Altären in den nahen Hainen hingeschlachtet, an den Baumstämmen bleichten die Schädel der geopferten Rosse (Ann. 161), in einem nahen Haine war auch der Adler einer der Legionen des Varus vergraben (Ann. 225). In einem heiligen Haine ruft Civilis die Großen des Volkes und die Entschlossensten der Menge zusammen (Hist. 414). Die Alemannen und Sueven verehren Bäume (Agathias 1,; Mart. v. Brac. 7; S. 401), und die Franken machten sich Bildnisse an Wäldern und Quellen, aus Vögeln und wilden Tieren und anderen Elementen, verehrten sie göttlich und brachten ihnen Opfer dar (Greg. v. Tours 210).

Lange Jahrhunderte hindurch, auch nach der Einführung des Christentums, hielt der Gebrauch an, die Gottheit in heiligen Bäumen und Wäldern zu verehren. Bonifatius fällte die ungeheuere Eiche, den Donarsbaum, bei Geismar. Die Bestimmungen zahlreicher Konzilien, Kapitularien und Bußbücher verbieten, an Quellen, auf Bergen, in Wäldern Opfer darzubringen, besonders Tiere und Früchte, Opfermahlzeiten zu halten, Lichter anzuzünden, Gelübde zu tun oder durch Aufhängen von künstlich nachgebildeten erkrankten Gliedmassen Heilung zu suchen. Von Waldbeiligtümern handelt der Indiculus (Nr. 6: de sacris silvarum quae nimidas vocant). Ein von den Franken schwer verwundeter Sachse ließ sich nach dem Treffen bei Notteln 779 heimlich aus seiner Burg in einen heiligen Wald tragen, der dem höchsten Gotte geweiht war, um hier sein Leben auszuhauchen. Der Landtag zu Paderborn 785 bedroht den mit Strafen, der an Quellen, Bäumen oder in Hainen Gelübde täte oder nach heidnischer

Sitte opferte. Erzbischof Unwan von Bremen ließ die Haine, die die Marschbewohner seines Sprengels in törichter Verblendung besuchten, niederhauen und davon die Kirche neu bauen (Adam. Brem. 246).

1. Tempel.

In offenbarem Widerspruche zu seiner eigenen Angabe (Germ. 9; S. 404) erwähnt Tacitus selbst Tempel bei den Deutschen. Das hochberühmte Heiligtum der Tanfana, das dem Erdboden gleich gemacht wird, kann nach dem Ausdruck und dem Zusammenhange nur ein Tempel gewesen sein (Ann. 151). Ebenso muß die geweihte Stätte der Nerthusvölker ein Tempel sein (Germ. 40; S. 283). Das allerdings mag richtig sein, daß zur Zeit des Tacitus die Verehrung der Götter in der freien Natur noch überwog, aber schon vorher gab es bestimmte Tempel. Im Laufe der Jahrhunderte werden die Zeugnisse für feste Tempelbauten immer häufiger, bei Franken und Alemannen, Burgundern und Langobarden, Sachsen, Angelsachsen und Friesen. Auch die zahlreichen Ortsnamen, die von got. alhs, ahd. as. alah, ags. alh, ealh (lat. arx „sicherer Ort“, oder d'hoos, * d Anos „Hain?“) abgeleitet sind, beweisen, daß auch in Deutschland die Tempel häufiger geworden sind: Alahstatt in Hessen, in der Wetterau, mehrere Alstädde in Westfalen, Allerstädt bei Wiehe in Thüringen, (in alter Schreibung Alabstetti), Alahdorf bei Schwäbischhall, (jetzt in Altdorf entstellt), Alahesfelt in Hessen, Alsheim (Alahesheim) bei Worms und Speyer, Ahlberg bei Grebenstein in Hessen. Hierher gehört der Name des Gotenkönigs Alarich, der ags. Alachred und die alte Benennung der Zuidersee fries. Almere = Alcmar: Tempelmeer; der Alah oder Tempel, nach dem die Zuidersee hieß, stand in Stavern. Der Tempel zu Köln war mit mannigfachen Zierarten angefüllt, worin die Barbaren ihre Opfer darbrachten und sich dem Genusse von Speise und Trank bis zum Übermaß hingaben (Greg. v. T.; V. patr. 6); aus Holz geschnitzte Abbildungen von erkrankten Gliedern waren in ihm aufgehängt (S. 350). Bei den Angel.

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sachsen wie bei den Nordländern hieß der Tempel auch Hof (edes, i. templum, hofa). Ein Gehege umgab bei den Ags. die Opferstätte, in der Mitte stand ein Altar (ags. vigbed, veobed, wîhabiuda: Tempeltisch). Einen mit Runeninschriften bedeckten Altar erwähnt vielleicht Tacitus (Germ. 3). Segimuntus war Priester am Altare der Ubier (Ann. 139,57). Wie die Sprache lehrt, benutzte man einen einfachen Steinhaufen als Altar(ahd. haruc, ags. hearg, an. hörgr ,,Tempel“ zu lat. carcer?). Auf dem Altare brannte das heilige Feuer, ein großer Kessel diente zum Auffangen des Blutes der Opfer bei den kimbrischen Priesterinnen. Die Sueben hatten einen anderen Opferkessel, eine Kufe, die 26 Maß Bier, etwas mehr oder weniger, enthielt. In das Blut wurde der Eidring und der Opferzweig getaucht, der als Sprengwedel und zur Losung diente. Im Innern des Tempels standen die roh geschnitzten Götterbilder und schwebten ihre heiligen Symbole, die in späterer Zeit sicherlich nicht mehr ausschließlich in den Hainen aufbewahrt wurden. . Hierhin wurden auch die erbeuteten Waffen und Trophäen gebracht. Die Sitte, Banner und Fahnen bei Trauerfeierlichkeiten und bei Siegesfesten in den Kirchen aufzubängen und um den Altar aufzustellen, ist ursprünglich heidnisch.

Die Bekehrer setzten eifrig das Beil an die heiligen Bäume und legten Feuer unter die Tempel. Die kleinen Privatheiligtümer wurden wohl ausnahmslos vernichtet, die größeren nach Gregors Rat in christliche Kapellen umgewandelt.

Im Anfange des 5. Jhd. hatten Westgoten, Burgunder und vielleicht schon soweit eingedrungene Alemannen in den Engpässen des Juragebirges einen Tempel errichtet. Unweit des Rheines lag ein fränkischer Tempel. Als die thüringische Königstochter Radegund (+ 587), die Gemahlin Chlotars auf der Reise von ihrer Heimat nach Frankreich an ihm vorüberkam, ließ sie ihr Pferd anhalten und befahl Feuer in den Tempel zu werfen. Obwohl sich die Heiden mit den Waffen widersetzten, wurde der Hof doch niedergebrannt. Karls dos Großen Kapitulare (785) erwähnt Tempel von geringerem Umfange (fana). In einem Tempel stand auch die Irminsäule, die Karl 772 zerstörte. Verschiedene Tempel werden bei den Friesen erwähnt. Als Bonifatius 719—722 in Utrecht dem Willibrord zur Seite stand, zerstörte er die Tempel im Lande, und 755 bei seinem Zuge von der Zuidersee nach Dokkum ist er überall beflissen, die Heidentempel zu zerstören und christliche Kirchen dafür zu bauen. Das ist es, das die Friesen antreibt, den zum Sterben für seinen Glauben bereiten Mann zu töten. Die Schüler des heiligen Willehad zerstörten 779 im friesischem Gau Drenthe die in der Umgegend zerstreuten heidnischen Tempel und vertilgten sie auf alle Weise, bis die wutentbrannten Heiden mit Knütteln über sie herfielen (V. Willeh. 4). Albrich, Bischof von Utrecht, entsandte Liudger mit anderen Dienern Gottes, um die Tempel der Heidengötter zu zerstören und die Verehrung verschiedener Götzenbilder bei den Friesen abzuschaffen. Diese gehorchten dem Befehl und brachten ihm einen großen Schatz mit zurück, den sie in den Tempeln gefunden hatten. Davon erhielt Kaiser Karl zwei Teile, den dritten überließ er Albrich (V. Liud. 16). Willibrord zerstörte den Tempel der Nebalennia auf Walchern und zertrümmerte ein Götterbild von ihr vor den Augen des Hüters dieses Götzen. Um die Beleidigung seines Gottes zu rächen, schlug er mit dem Schwerte nach dem Haupte des Heiligen, aber ohne ihn zu verletzen (V. Willib. 14). Derselbe fromme Prediger kam an der Grenze zwischen den Dänen und Friesen zu einer Insel, die nach dem Gotte Fosite Fositesland benannt wurde, weil auf ihr Tempel dieses Gottes standen (S. 224). Als Liudger später dorthin kam, fand er die Kirche zerstört, die sich über dem Nehalennia-Heiligtum erhoben hatte (V. Liud. 22). König Edwin von Northumberland hat einen großen Gottestempel bei York, der von einem manneshohen Zaune umgeben ist. Um ihm die Ohnmacht seiner Heidengötter zu zeigen, sprengt sein für den Christenglauben schon gewonnener Oberpriester, der als heidnischer Priester niemals ein Pferd bestiegen hatte, auf dem Streithengste des Königs gegen den Tempel und schleudert einen Speer hinein; dann wird das alte Heiligtum samt seinem Heckenzaune, seinen Altären und Götterbildern den Flammen übergeben (im Jahre 627, Beda, Hist. eccl. 218).

2. Tempelfrieden.

Die ganze Insel Helgoland mit allem auf ihr war dem Tius Foseti geheiligt. Das Schlachten der dem Gotte gehörenden Tiere und das unheilige Berühren seiner Quelle galt als Verletzung der Güter des Gottes und wurde ohne Verzug mit der härtesten Todesstrafe bestraft. Darum holten die Friesen auch durch das Los den Willen des Gottes ein, und er, der jede Schuld kennt, bestimmte den Tod eines der Gefährten des Willibrord, gestattete aber, ihn und die anderen abreisen zu lassen. Wer Tempel erbricht oder dort von den Heiligtümern etwas nimmt, bestimmt altes friesisches

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Recht, der wird an den Meeresstrand geführt, seine Ohren werden aufgeschlitzt auf dem Sande, den die Flut des Meeres zu bedecken pflegt, er wird entmannt und den Göttern geopfert. Schon Tacitus sagt: Dem Ehrlosen ist es nicht gestattet, weder die Volksversammlungen zu besuchen, noch bei den Opfern gegenwärtig zu sein (Germ. 6; S. 365). Der Platz, wo der Tempel sich erhob, war eine gefreite Statt, eine Freistatt, wo der Verfolgte Zuflucht fand, weil er hier unter dem Schutze der Götter war. Hierauf weist schon der Name Friedhof (abd. vrsthof, mhd. freithof), und im Heliand heißt der Tempel zu Jerusalem auch friduwîh (V.513). Heiliger Gottesfriede herrschte innerhalb des ganzen Volksgebietes in der Zeit der großen Götterfeste; schon Tacitus erwähnt ihn bei der Umfahrt der Nerthus (Germ. 40). Heiliger Friede herrschte auch in den Volks- und Gerichtsversammlungen, die ja unter dem Schutze der Götter tagten, und im Heere, das mit den Bildern und Symbolen der Gottheit in den Kampf zog. Religiösen Ursprungs ist auch der Marktfriede und scheint auch der höhere Friede zu sein, den die Person des Königs und der Ort genießt, wo er sich aufhält.

3. Tempelschatz.

Das den Göttern Geweihte, dem Menschen Heilige und für sie Unverletzliche wurde durch das Wort „heilig“ bezeichnet, es bedeutet sacrum und sacrosanctum (S. 329). Heilig war das Kultusgerät, wie der Tempelschatz. Bewegliches und unbewegliches Gut war den Göttern eigen. Unter dem Schutze der Götter stand und ihnen gehörte der Kult- und Stammesbesitz; seine Verwaltung und Aufbewahrung kann den Königen und Priestern zu.

Bei Pietroassa in Rumänien wurden 1837 22 Goldgefäße und Schmuckgegenstände des wertvollen westgotischen Tempelschatzes aufgefunden. Als die Goten am Ende des 4. Jhds. dem vereinigten Ansturme der Hunnen und Alanen unterlagen und sich nach Westen zurückzogen, verbargen sie den heiligen Schatz unter einem Felsblocke. In einen mit Edelsteinen ge

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