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engl. sennight: 8 Tage, engl. fortnight: 14 Tage. Ebenso galt der Winter als der Beginn der Zeit überhaupt. Diese Rechnung nach Nächten und Wintern hat mythologische Grundlage. Nach uralter, tiefer Auffassung ist Finsternis und Kälte die Keimzeit des lichten, warmen Lebens.

Es gab eine Zeit, wo noch nichts war, und mit der Verneinung der Hauptteile der Welt beginnt die deutsche Kosmogonie; weder die Erde mit Baum, Berg und Meer noch der Himmel mit Sonne und Mond war vorhanden. Die Eingangsstrophe eines vermutlich heidnischen volkstümlichen Gedichtes von der Entstehung der Welt und der Menschen scheint uns in dem Wessobrunner Gebet erhalten zu sein. Doch muß nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden, daß nach vielen Forschern alttestamentliche Gedanken den Inhalt des Gedichtes ausmachen (Gen. I., Psalm 89,2). Ganz ebenso liegt die Sache mit dem später zu besprechenden Gedichte Muspilli. Auf der anderen Seite sollte man annehmen, daß, wenn eine Reihe von Versen in zwei räumlich und zeitlich weit auseinanderliegenden Gedichten fast wörtlich übereinstimmt, von einem Zufalle keine Rede sein kann. Das Wessobrunner Gebet lautet:

Das erfuhr ich unter den Menschen als der Wunder größtes,
Daß die Erde nicht war noch der Himmel darüber,
Noch irgend ein Baum noch Berg vorhanden war,
Noch von Süden die Sonne schien,

Noch der Mond leuchtete, noch das weite Meer." Es ist der Anfang eines heidnischen sächsischen Liedes, das vom Anfange der Erde handelt und das uranfängliche chaotische Dunkel schildert. Mit ihm stimmt ziemlich genau ein isländisches, ebenfalls heidnisches Gedicht überein, das frühestens um die Mitte des 10. Jhds. verfaßt sein kann (Völuspá 3,5):

„In der Urzeit
Da war nicht Kies noch Meer noch kalte Woge,
Nicht Erde gab es noch Oberhimmel,
Nur gähnende Kluft, doch Gras nirgends
[d. b. kein Boden, auf dem man stehen und sitzen konnte).

Nicht wußte die Sonne, wo sie Wohnung hatte,
Der Mond wußte nicht, welche Macht er hatte,
Die Sterne wußten nicht, welche Stätte sie hatten.“

In beiden Gedichten kehrt die Vorstellung eines uran. fänglichen Chaos wieder, und diese Übereinstimmung läßt auf eine gemeinsame Grundlage höchsten Altertums schließen. Im 8. Jhd. kannte der Bischof Daniel von Winchester, der Freund des Bonifatius, heidnische rituale Erzählungen von einer germanischen Kosmogonie: Im Anfange gab es noch keine Götter, sie erwuchsen erst später aus der Welt (s. u.).

Die Germanen stellten sich die anfängliche Leere als einen ungeheuren Schlund vor. Auch in der as. Genesis klagt Adam zu Eva: „Nun magst du sehen die schwarze Hölle gierig gähnen“, eine unzweifelhafte Anspielung an die gähnende Kluft. Die weitere Frage, wie aus diesem Nichts die Welt entstand, scheinen die Germanen in doppelter Weise beantwortet zu haben. Aus dem Gegensatz und der Bindung der einander entgegengesetzten Elemente des Feuers und des Wassers ging die Weltschöpfung hervor. Zwischen den Hermunduren und Chatten war über die heiligen Salzquellen Streit ausgebrochen (Ann. 1337; D. S.363). Die Veranlassung war weniger die Sucht, alles mit den Waffen auszumachen, als der angestammte Glaube, jene Stätten seien dem Himmel besonders nahe und das Gebet der Sterblichen werde von den Göttern nirgends so aus der Nähe vernommen, deshalb lasse die Huld der Götter in jenem Flusse, in jenen Wäldern das Salz entstehen; es bilde sich nicht wie bei anderen Stämmen, indem übergetretenes Meerwasser verdunste, sondern es entstünde durch den Kampf der einander widerstrebenden Elemente, des Feuers und des Wassers, indem das Wasser über einen brennenden Holzstoß gegossen würde. Tacitus will nicht seine eigene Meinung, sondern die religiöse Ansicht der Germanen darlegen. Aus der Vermischung von Kälte und Wärme, von Wasser und Feuer entsteht das Salz, der Urquell alles geistigen Lebens, und die Chatten und die Hermunduren hegten den religiösen Glauben, daß an diesen heiligen Orten fort

Daniels Brief an Bonifatius.

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während die Werkstätte jener elementarischen Weltschöpfung offen stünde.

Eine vorgeschrittenere Zeit aber machte die Götter zu Schöpfern der Welt. Die Königin Chrodichilde drang unaufhörlich in ihren Gatten, sich taufen zu lassen und sagte: „Ohnmächtig sind die Götter, denen ihr dient, denn sie können sich und anderen nicht nützen, dieweil sie ein Gebilde aus Stein, Holz oder Erz sind. Tius und Wodan - wie weit reicht denn ihre Macht? Zauberkünste mochten ihnen zu Gebote stehen, aber die Macht einer Gottheit hatten sie nimmer“. Chlodovech aber entgegnete: „Auf unser Götter Geheiß wird alles geschaffen und erzeugt, euer Gott ist augenscheinlich ein ohnmächtiges Wesen und was noch mehr ist, nicht einmal vom Stamme der Götter“ (Greg. v. T. 229). Solch ein umständlicher Bericht von Clodovechs Heidentum kaum 100 Jahre nach dem Ereignis und aus dem Munde eines unterrichteten Geistlichen wäre abgeschmackt, wenn ihm nicht Wahres zugrunde läge. Zweierlei geht für die Kosmogonie aus ihm hervor: Die Franken hatten eine Theogonie, nach der ein Gott vom andern unmittelbar abstammte, so daß der christliche Gott in ihr nicht unterzubringen war, und Tius und Wodan (wie die andern Götter) baben die Welt geschaffen und gezeugt.

Bevor Bonifatius die Mission in Ostfranken und Hessen begann, bat er seinen Freund Daniel, Bischof von Winchester, um Auskunft, wie er den praktischen Missionsbetrieb einrichten müsse. Daniel warnt ihn, zu niedrig von den Heiden zu denken; obwohl sie sich nur mit Erde und Himmel, der sichtbaren Welt, in ihren Spekulationen beschäftigten, wären sie doch sehr wohl imstande, sich auch das unbegrenzte All vorzustellen und die christliche Lehre mit Scheinbeweisen zu bekämpfen; man solle sie nicht verspotten und reizen, sondern ihnen ruhig und maßvoll gegenübertreten. Daniel, der offenbar ein Meister in der Kunst der Dialektik ist, führt ihm ein System von Fragen vor, das auf die Vorstellungen der Heiden eingeht, sie mit biblischer Lehre widerlegt und ihnen die törichten Konsequenzen ihres Glaubens vorführt. Die Schrauben Herrmann, Deutsche Mythologie. 2. Aufl.

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werden immer enger und enger gezogen, bis es zuletzt kein Entrinnen mehr gibt, und der im Disputieren wenig gewandte Germane mehr verwirrt als aufgereizt über das Unzulängliche seiner Vorstellungen errötet und einsieht, daß seine ritualen Erzählungen den Christen wohl bekannt sind. In den Antworten und Einwürfen, die Daniel auf die christlichen Fragen folgen läßt, muß also deutsches Heidentum enthalten sein, und zwar handelt es sich um die Vorstellungen vom Entstehen der Götter und der Welt. Du must deine Fragen nach ihrem eigenen Glauben über die Genealogie ihrer auch noch so falschen Götter einrichten, heißt es in dem Briefe. Die heidnischen Deutschen glauben, daß ihre Götter nach Menschenart durch Umarmung von Manu und Frau erzeugt sind mithin zeigst du ihnen, daß sie nicht Götter, sondern Menschen sind, und daß ihre Götter, da sie vorher nicht gewesen sind, einen Anfang haben müssen. Etwa seit dem Bestehen der Welt? Aber sie lehren im Gegenteile, daß die Welt, d. h. die Materie, von Anfang an vorhanden war, und daß auch ihre Götter erwachsen sind. Wer hat aber dann die Welt geschaffen? Dabei kannst du dich auf eins ihrer Lieder berufen, nach dem ihre Götter vor der Begründung des Weltalls nirgends einen Ort zum Verweilen oder Wohnen hatten (vgl. S. 416). Bemühe dich besonders mit vielen Beweisen und Gründen den Glauben zu widerlegen, daß die Welt immer ohne Anfang existiert habe, und frage, um sie irre zu machen: wer vor der Geburt der Götter die Herrschaft über die Welt führte, und auf welche Weise sich die Götter die Welt unterwerfen konnten, die vor ihnen da war? woher, von wem und wann der erste Gott oder die erste Göttin eingesetzt oder erzeugt war? warum ihre Götter aufgehört haben, sich fortzupflanzen? wenn nicht, so muß ja die Zahl ihrer Götter bereits unendlich geworden sein. Zeige ihnen, daß sie ja gar nicht wissen können, wer unter so vielen und so großen Göttern der Mächtigste sei, und wie ängstlich sie fürchten müssen, bei einem Mächtigeren Anstoß zu erregen. Der Heide wird dir erwidern, daß er seinen Göttern alles zu verdanken babe, Glück und Ruhm, Wohlstand und Gesundheit. Laß dir dann sagen, ob sie etwa

Daniels Brief an Bonifatius.

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glücklicher seien als die Christen. Er wird weiter sagen: unsere Götter sind allmächtig, wohltätig und gerecht, sie belohnen die, die ihnen Opferspenden darbringen und züchtigen ihre Verächter. Dann ist es Zeit, die Schlinge zuzuziehen. Frage sie, wie ein Gott allmächtig sein kann, der der Opfer bedarf, und wenn ihr Gott der Opfer nicht bedarf, so ist es ja überflüssig, ihn mit Gaben zu versöhnen. Die Ohnmacht und Ungerechtigkeit ihrer Götter geht daraus hervor, daß sie den Christen nichts anhaben können, die den Erdkreis von ihrer Verehrung zurückhalten und ihre Bilder zerstören, daß die Christen die fruchtbarsten und reichsten Länder haben, während sie den Heiden mit ihren Göttern die von Kälte starrenden Länder übrig gelassen haben. Dann muß der Heide zugeben, daß der christliche Gott allein der wahre Gott ist, der eine, ewige, allmächtige, der Schöpfer Himmels und der Erde. — Als positiver Gewinn ergibt sich erstens in Betreff der deutschen Theogonie: es gab eine Zeit, wo die Götter noch nicht waren, sie sind erwachsen oder gezeugt wie Menschen und pflanzen sich wie diese durch Ehen mit Göttinnen fort; es gibt mächtigere und weniger bedeutende unter ihnen, alle aber sind den Menschen gegenüber allmächtig, wohltätig und gerecht. Die deutsche Kosmogonie lehrt zweitens eine ungeschaffene, seit Urbeginn vorhandene Materie und dehnt die Schöpfung nicht auf das Weltall aus,

sondern schränkt sie auf Himmel und Erde ein. Das, wodurch sich die Götter um die urzeitliche, natürliche Welt verdient gemacht haben, ist der Segen der Kultur. Wenn auch die Götter später sind als die natürliche Welt des Organischen und Anorganischen, so haben sie doch erst die Welt wohnbar gemacht und eingerichtet. Sie stehen mithin nach germ. Glauben nicht am Anfange der Schöpfung, sondern am Anfange der Geschichte.

Weiteren Aufschluß über die deutsche Theogonie im Zusammenhange mit der Anthropogonie gewährt Tacitus (Germ. 2). Der Grundgedanke des schwierigen Kapitels ist durchweg die Autochthonie der Germanen. Denn 1. ein so rauhes Land können nur Autochthonen lieben, 2. die Göttermythen des

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