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und an der Tischplatte angebracht, auch an der Schwelle, und hat die Gestalt des sogenannten Pentagramma.

Der Drudenfuß auf Faustens Schwelle verwehrt Mephistopheles das Entweichen. Die große Trude" kennt vielleicht auch der Münchener Nachtsegen, wo sie als Trutan (trut-an Stammmutter der Truden) neben Wûtan erscheint, wenn der Name nicht slavisch ist. Truden sind also Hexen, bei denen die Tätigkeit des Alps besonders hervortritt. In Oberdeutschland ist dann der Name auf den Alp übergegangen.

Neben der Hexe erscheint in Beichtbüchern des 14. und 15. Jhds. der Bilwis; der, wie es scheint, slavische Name ist auf ein deutsches männliches Seelenwesen übertragen. In ganz Süddeutschland gilt der Bilwişschneider noch heute für einen Hexenmann. Unter denen, die keinen Zutritt zum Abendmahl haben, werden auch die genannt, ,,die da sagen, daß sie mit der Perchta, den Bilbissen oder Truden auf den Blocksberg fahren"; der Bilwis befindet sich also in der Gesellschaft nächtlich ausfahrender Hexen. Wie man die langen Streifen, die sich der Hase im hohen Getreide durchbeißt, noch heutzutage für Hexenwerk ansieht und mit dem Namen Hexenstiege belegt, so holt sich der Bilwis seinen Zehnten von Korn und Roggen und schneidet lange Streifen durchs Getreide, den sogen. Bilmesschnitt. Wie von der Hexe, so weiß man in Thüringen von dem tödlichen Blicke des Bilmesschnitters: will ihm einer aufpassen, so muß er sterben, wenn der Schnitter ihn früher, als er jenen, erblickt; so mörderisch ist sein Blick, daß man ihn selbst damit töten kann, indem man einen Spiegel vor die Brust nimmt: erblickt sich der andere darin, so verliert er sein Leben; bei Wolfram von Eschenbach schießt er wie ein elfischer Geist, wie eine Hexe durch die Kniee und lähmt Fliehende (Willehalm 324, 6). Er entzieht gleichfalls den Kühen die Milch, hat seinen Sitz im Baume, besorgt im Stalle die Pferde und flicht ihnen die Mähnen, verfilzt sie aber auch. Wo der gespenstische Schnitter durch die Felder geht, werden die Halme braun und die Ähren ohne Körner. Wenn er mit ausgebreiteten Armen durch die Äcker wandert, steigt Rauch hinter ihm auf, und

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alle Ähren, die er berührt, tragen statt Mehl Asche. Er reitet wie die Hexe auf einem Geisbocke mit drei Füßen und legt breite verwüstete Streifen durch das Getreide, oder er schwebt über den Äckern, die Schnittsichel am Geißfuße, und wo der Fuß das Korn berührt, verschwinden die Ähren und der gestutzte Halm wird schwarz; von einem solchen Felde sagt man, es sei verhext. Alle Körner fliegen beim Dreschen durch die Luft in die Scheuer des Zauberers, oder in die des Bauern, dem er als Hausgeist dient. Für dy Pilbis" soll man den Kindern Zettel um den Hals binden mit der Aufschrift: „von danpen weicht, ihr Träume, ihr schädlichen Gespenster“. Der Zusammenhang mit dem Seelen- und Alpglauben ist offenbar. Darum kann man auch Menschen erkennen, die diesen unheilvollen Zauber treiben: sie haben vorne auf dem Kopfe keine Haare und eine hohe, spitze Stirn. Wenn man einen Keil von geweihtem Wacholderholz in die Tenne einschlägt, so muß der Bilwisschnitter kommen: es ist gewöhnlich ein Nachbar. Ruft man ihn beim Erkennen mit Namen an, so muß er wie alle Nachtgeister sterben. Aber durch Opfer kann man ihn günstig stimmen. Man wirft beim Dreschen Wacholder nach links und ruft: „nimm, was dein ist“, sonst laufen die Körner dem Bilwis zu. Wenn man in der Christnacht das Getreide drischt, so trifft jeder Schlag des Flegels den Bilwisschnitter auf den Kopf.

Auch hier ist der Glaube an die zauberische Kraft mancher Menschen und an ihre Fähigkeit, die Gestalt zu tauschen, sowie die Überzeugung vom Fortwirken der Seele wie beim Hexenwahne die Grundlage. Der Bilwis ist, wenn man den Namen aus dem Deutschen herleiten darf, der, ,,der das Wissen liebt, der dem Wissen holde“ (ahd. bili = pidos lieb), eine passende Bezeichnung eines mit bevorzugten Geisteskräften Ausgestatteten, eines Zauberers; bei einseitiger Hervorhebung des zum Schaden der Menschen angewandten Wissens ergab sich die Bedeutung eines feindlichen Wesens von selbst. Noch im Mittelalter wird der Bilwis den Zauberern und Schwarzkünstlern gleichgestellt.

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7. Der Maren- oder Alpglaube. Mit dem Seelenglauben hängt der Marenglaube aufs engste zusammen. Die Erscheinungen des Traumlebens werden durch den Alpdruck zu wahrhaft erschreckender Lebhaftigkeit gesteigert. Die Seele des Verstorbenen lebt nicht nur fort und tut sich dem Lebenden im Schlafe kund als luftiges Gebilde oder als körperliches Wesen in Tier- oder Menschengestalt, sondern es gibt auch Menschen, deren Seele plagen und drücken geht, während der Leib zu Hause bleibt, und diese Irrfahrt kommt dem Menschen beim Erwachen wie ein Traum vor. Oder die Trude läßt ihren Körper draußen vor dem Hause stehen, und wenn man ihn anredet oder anrührt, so fällt er zusammen, und die Trudenseele in dem Hause stößt einen furchtbaren Schrei aus. War der Tote einem Lebenden feindlich gesinnt, so mußte er auch über das Grab hinaus ihn zu schädigen suchen. Diesen Angriffen stand der Mensch im Schlafe wehrlos gegenüber; er fühlte im Traume, wie eine grauenvolle Macht, gegen die er sich nicht schützen konnte, ibm die Kraft der Glieder verrenkte, sich auf ihn stürzte und ihn quälte und drückte, so daß er matt und blutlos dahinsiechte. Dieses Wesen hatte wie die Seele des Toten die Fähigkeit, verschiedene Gestalten anzunehmen; oft genug trug die nächtliche Erscheinung die Gesichtszüge und die Gestalt von Bekannten, um desto sicherer das wehr- und arglose Opfer zu überfallen; oder ein wildes Ungeheuer, ein Bär, ein Igel, eine Katze, eine Schlange hockte auf der Brust des Träumenden und sog gierig seinen Atem ein. Man sah, fühlte und hörte, daß diese Erscheinung wirklich und persönlich da war, daß es ein fremdes, meist feindliches, zuweilen buhlerisches Wesen war, und so entstand neben dem Seelenglauben die Vorstellung einer quälenden, würgenden, tötenden oder minnenden, kosenden Macht; denn Männer werden von Frauen und Frauen von Männern gedrückt. Im Traumleben wurzelt also dieser Glaube, aber nicht in dem gewöhnlichen, sondern in dem bei weitem lebhafteren Alptraum. Alle Erzählungen, die den nächtlichen Besuch des Alps und der Mare bei einem

Schläfer schildern, sind als Wiedergabe einer Traumbegebenbeit ohne weiteres verständlich, und von der Wahrheit dieser Berichte kann sich noch heute jeder überzeugen, der an Alpdrücken leidet. Die volkstümliche, mythische Anschauung und die rationalistische Erklärung des Alptraumes gibt Rosegger in humorvoller Weise in seinem Novellenkranze „Sonderlinge aus dem Volke der Alpen“ (1881, S. 36):

Zwischen einem Bauernmädchen und einem studierten Stadtherrn entspinnt sich folgendes Gespräch: „Die Trud hat mich gedrückt.“ „Der Alp?" „Ist die halbe Nacht auf mir gelegen ein schauderhaftes Getier, und gemeint hab' ich, ich müßt' ersticken.“ „Das ist ja gar kein Getier gewesen“, lachte der Herr, und dann fuhr er ernsthaft fort: „Der Alp oder die Trud, wie Ihr sagt - auch Nachtmahr wird die Erscheinung genannt

ist weder ein Körper, noch ein Gespenst, sondern das Produkt einer Atemnot. Das Alpdrücken wird erzeugt, wenn auf Mund oder den Nasenöffnungen die Bettdecke, das Kissen oder dergleichen zu liegen kommt. Diesen Beschwerden gesellen sich sofort beängstigende Träume bei, welche solange währen, bis es dem Schlafenden gelingt, durch eine kräftige Bewegung die Respirationsöffnungen wieder zu befreien“. „Der Herr kann gewiß ein Trudenkreuz?" fragte das Mädchen weiter, aber sieben Ecken muß es haben. Mit fünf Ecken kanns der Peter auch, aber die helfen nichts“.

Noch ausführlicher ist die Beschreibung und Erklärung des Alptraums, die Wieland gibt (Oberon, 3, a. E. 4, 11 f). Ein holdes Weib ist Hüon im Traume erschienen, er sinkt liebestrunken an ihre Brust und will sie an sich pressen, da wird sie plötzlich aus seinem Arme gerissen und verschwindet in den Fluten des nahen Stromes:

„Er hört ihr ängstlich Schrein, will nach o Höllenpein!
Und kann nicht! steht, entseelt vor Schrecken,
Starr, wie ein Bild auf einem Leichenstein.
Vergebens strebt er, keucht, und ficht mit Arm und Bein;
Er glaubt in Eis bis an den Hals zu stecken

Und kann nicht schrein.“

„ Herr!" ruft ihm der treue Scherasmin zu, da er sein banges Stöbnen vernimmt, „erwacht! ein böser Traum schnürt euch die. Keble zu Ihr lagt vermutlich wohl zu lange auf dem Rücken

„Mir selbst ist oft in meinen jungen Jahren,
Wenn mich der Alp gedrückt, dergleichen widerfahren.
Da, zum Exempel, läuft ein schwarzer Zottelbár ...
Mir in den Weg; ich greif im Schrecken nach dem Degen
Und zieh', und zieh' umsonst! Ein plötzlich Unvermögen
Strickt jede Sehne mir in allen Gliedern los;
Zusehens wird der Bär noch siebenmal so groß,

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Sperrt einen Rachen auf so gräßlich wie die Hölle ;
Ich flieh und ängst'ge mich, und kann nicht von der Stelle.
Ein andermal ... und eine Nase guckt heraus
So lang als euer Arm. Ihr sucht, halb starr vor Schrecken,
Ihr zu entflieh'n.
Ein jedes Haar auf euerm Kopfe kehrt
Die Spitz’ empor, zur Flucht ist jeder Weg verwehrt
Stets frost'ger wird die Hand, die Nase immer länger.
Dergleichen, wie gesagt, begegnet oft und viel;
Allein, am End ist's doch ein bloßes Possenspiel ..

Die Nase samt der Angst verschwindet im Erwachen.“

Schon das Mittelalter erklärte das Alpdrücken aus schweren, durch Stockung des Blutumlaufes entstandenen Träumen (Gerv. v. Tilb. 3, 86. 93).

Noch heute wie vor Jahrtausenden stellt jeder Alptraum den Grausen und Lust bringenden Unhold mit gleicher greifbarer Deutlichkeit und leibhaftiger Nähe den Sinnen dar. Es ist erwiesen, daß die Alpvision sich besonders gern da einstellt, wo viele Menschen in engem Raume gedrängt schlafen. Der Alptraum muß also in einer Zeit etwas durchaus Gewöhnliches gewesen sein, da noch die Wand einer raucherfüllten Hütte die ganze Familie einschloß. Die Traumwelt war nicht minder wirklich als die Welt der wachen Sinne. Von dem tatsächlichen Vorhandensein dieser Gestalt der Traumphantasie war der Mensch ebenso überzeugt wie von der Wirklichkeit seines eigenen Leibes, er sah, fühlte und hielt den Alp in seinen Händen, er kannte sein Gebaren wie das der Nebenmenschen aus der Anschauung, er erzählte von dem nächtlichen Erlebnis unter Verschweigen des natürlichen Hintergrundes, und dieser Bericht vom Alptraum war ein Mythus. Er suchte sich gegen den unheimlichen Gast zu wehren und traf Maßregeln zu seiner Vertreibung, er setzte seinen Glauben in Handeln um, und so entstand ein Kultus, dessen Zweck und Ziel naturgemäß die Abwehr war. Er verglich seine Erzählung mit der Wiedergabe anderer und fand, daß sie im wesentlichen übereinstimmten; so bildeten sich typische Formen der Alpsage. Es lag nahe, besonders hervorzuheben, daß sich den Männern weibliche, den Frauen männliche Geister zugesellten. Wurde dieser Umstand betont und von der Phantasie weiter ausgeschmückt, so war Herrmann, Deutsche Mythologie. 2. Aufl.

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