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schon das Organ gefunden, welches ihr bis in's äusserste Wesen aller sichtbaren Dinge vollständig einzudringen im Stande schien; aber die rein verständige Betrachtung und Beschreibung der durch sie vermittelten Begriffe der Dinge zog dem Blicke in's innerste Wesen aller sichtbaren Dinge dadurch gewisse äussere Schranken, so dass die weitere Betrachtung des „Dinges an sich“ immer wieder unmöglich erschien. Seit Kant hatte die Frage nach den Grenzen unseres Wissens allen Ernstes unsere Denker unaufhörlich beschäftigt, und man war zuerst auf dem Wege empirischer Forschung zu der Ansicht gekomnien, dass es über das Gebiet der aus dem sinnlich Gegebenen abgeleiteten Denkkategorien des Verstandes hinaus kein genaues exactes Wissen mehr gebe. Dieses ist der Standpunkt des Materialismus und Sensualismus, der auf dem Gebiete des sinnlich Gegebenen, aber nur auf diesem, seine volle Berechtigung bat. Dass nun aber mit den reinen Verstandesbegriffen der Dinge ihre volle Idee und Wesenheit noch keineswegs ganz erfasst und erschöpft sei , blieb im Allgemeinen bei uns eine blos philosophische Ahnung, die von nur wenigen tiefer denkenden Köpfen eingehender verfolgt und aufgehellt wurde. Ich erinnere hier nur daran, was der jüngere Fichte, zum Theil auch Schopenhauer, hauptsächlich aber der unstreitig grösste deutsche Psycholog, Herman Lotze, in seinem zu Leipzig bei Hirzel 1856 erschienenen „Mikrokosmus“ mit tiefster Sachkenntniss über diese Frage entwickelt haben. Dass es ausser der blos sinnlichen Verstandesauffassung durch Begriffe noch ein in derselben schlummerndes geistiges Organ noch böherer und tieferer Anschauung und Erkenntniss des innern, und nicht blos äusserlich erscheinenden Wesens der Dinge gebe, welches alles Fühlen, Vorstellen, Denken und Ahnen gleichsam in einen strahlenden Brennpunkt zusammenfasst, um mit ihm das Wesen der Dinge neu zu beleuchten und zu durchdringen, dasselbe entweder gleichsam unter eine mikroskopische Vergrösserung zu bringen, oder es aus unermesslicher Ferne teleskopisch zu sich heranzuziehen, wird von den ausschliesslich materialistischen Verstandesdenkern vorläufig noch als eine Uebertreibung der Grenzen unseres Wissens geleugnet. Das „Ding an sich“ ist ihnen nichts weiter als das „Ding, wie es nur für sie, d. h. für ihr augenblickliches sinnliches Erkennen ist.“ Wollte man nun diesen beschränkten Maassstab des Wissens und Erkennens als allein gültig für alle Zeiten aufstellen, so gäbe es keinen weiteren Fortschritt mehr in der Wissenschaft der Selbsterkenntniss. Aber zum Glück für den ewigen Fortschritt des Menschengeistes ist es durch A. J. Davis' in allen seinen Schriften glänzend bewährte Gabe eines tieferen Hellblicks in das Wesen der Natur und des Geistes auf's neue festgestellt, dass das „Ding an sich“, mithin der innere Mensch selbst, unendlich mehr ist, als es bisher für den in gewissen Zeiten stets bestimmt beschränkt gewesenen und sich erst allmählich immer mehr erweiternden Blick zu sein geschienen hat. Seine W eit und Wirklichkeit wird nicht eingeengt und umfasst von den Kategorien des Verstandes denkens, sie wird nur nach ihnen als ihrem Mikrometer bemessen. Das Ding an sich ist unendlich grösser und inhaltreicher, als aller Kategorien-Schematismus zu umspannen vermag. Es ist nicht blos das ewig Gegebene, Gesonderte, Beschränkte, Fixe, sondern das ewig in Fluss der Fortbewegung befindliche Allgemeine, in sich Eine und sich dadurch seine individuellen Schranken stets Selbstbestimmende und Wiederaufhebende. Es ist das sich selbst über seine ewig gegenwärtige Erscheinung hinaus beständig Forttreibende Grund und Ziel seines Bewegens und Lebens, in Einem zugleich Sein und Wesen, Stoff und Kraft, Materie und Geist, aber so, dass diese dualen Erscheinungsformen durch einander stets hindurchwalten und sich aneinander zur unendlich verschiedenen individuellen Gestaltung bringen. Auf einer bestimmten Stufe sein sichtbar erscheinenden Fortschritts ist das Ding an sich Menschwesen, Geist, und ruht im „Ich“ verkörpert, das schon um dieses seines absoluten Inhalts willen unvergänglich, unsterblich sein muss.

Dieses ist die philosophische Anschauung des Spiritualismus, welcher das Wesen der Dinge in ihrem ewigen inneren Fortschreiten verfolgt, während der Materialismus nur an der jedesmal gegebenen äusseren Erscheinung des Wesens der Dinge festhält.

Aber die rein verständig-sinnliche, materialistisch-philosophische Forschung konnte bisher über ihre eigenen gegebenen Grenzen nicht weiter hinaus; sie glich dem unbewaffneten Auge, welchem die erst durch das Teleskop und Mikroskop sich erschliessenden fernsten und nächsten Wunder der grössten und kleinsten Welt aus Mangel an schärferen Seh- und Unterscheidungswerkzeugen lange Jahrtausende hindurch verborgen geblieben waren.

Dieses philosophisch-geistige Mikroskop und Teleskop einer tiefer als die äusseren Sinne eindringenden Unterscheidung in das innerste Wesen der Natur ist nunmehr in der Gabe des magnetischen Hellsehens und in jener geistig vollendeten Vernunft-Anschauung und Erleuchtung gefunden, welche den Verfasser genannter Werke zu einem philosophischen Galilei unserer Zeit erhebt. Wie dieser sein Teleskop, so richtet er zum ersten Male seinen hellsehenden Forscherblick auf die uns noch verborgenen Wunder der äusseren und inneren Welt und giebt uns Offenbarungen, welche dem erweiterten Verständniss intelligenter Geister sicher als die herrlichsten Erfüllungen längst im Stillen gehegter Ahnungen und Erwartungen erscheinen. Unser Autor hat sich an die Lösung selbst der schwierigsten und dunkelsten Probleme metaphysischer Forschung gewagt und seine grosse Aufgabe auf das glänzendste und überraschendste gelöst. Die Existenz einer im menschlichen Körper wohnenden selbstständigen Seele ihre individuelle Unsterblichkeit der geistig verklärende Process des Todes und die Wahrheit eines ewigen Lebens und Fortschritts sind von ihm zum ersten Male der staunenden Welt auf das befriedigendste wissenschaftlich und mit fast mathematischer Genauigkeit bewiesen worden. Dass dieser Beweis nicht geführt werden konnte ohne eine tiefer als bisher eingehende Erforschung der Gesetze der ganzen sichtbaren uns bekannten Natur, ist einleuchtend. Und eben dieser Erforschung verdanken wir die Harmonische Pbilosopbie, oder die neue Offenbarung der grossen Grundgesetze des natürlichen, geistigen und himmlischen Universums.

Ein so grosses und überschwengliches Thema, sollte man meinen, müsste fast über die Kräfte eines einzelnen Menschen hinausgehen und selbst den inspirirtesten Geist überflügeln. Aber der Genius unseres Verfassers ist ein wahrhaft unerschöpflicher und erhabener und überschaut das Gefilde der Wissenschaft mit einem generellen oder das Ganze umfassenden Blicke. Jedes neue Werk von ihm erschliesst uns immer neue Anschauungen und bringt immer reichere und herrlichere Offenbarungen aus den tiefsten Tiefen der Geistigkeit. Durch seine Deutung hat der bei uns in Deutschland bis jetzt so viel verkannte und verschrieene amerikanische Spiritualismus für uns erst seinen wahrhaft inneren geistigen Gehalt und Werth gewonnen. Nach seiner erhabenen Lehre giebt es nichts Ausser- und Uebernatürliches, sondern alle sichtbaren Erscheinungen werden durchaus von den grossen Principien und Gesetzen der Natur getragen. Das Reich der Natur ist aber nach ihm ein weiteres als das der blos leiblichen Sinne; es ist von einem geistigen Himmel umspannt; und die Erkenntniss der Geisterwelt gehört wesentlich mit in die Erkenntniss der Gesetze der sichtbaren Natur.

Es würde zu weit führen, auseinander zu setzen, wie das Erkennen so vieler neuen herrlichen Wahrheiten in jeder Beziehung auf das Leben des ganzen Menschen umgestaltend einwirken muss. Der Verfasser bezeichnet selbst am besten den Gang der neuen geistigen Reformation durch die Gebiete der Wis

Der Reformator.

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senschaft und des praktischen wie religiösen Lebens in seinem Arzt, Lehrer, Seher, Reformator und Denker der „grossen Harmonie."

Aus dem bisher Gesagten wird man vielleicht schon erkennen, dass wir es hier nicht im Geringsten mit amerikanischem Charlatanismus, sondern mit einem gediegener wissenschaftlichen Streben zu thun haben, welches die allseitigste Erweiterung unserer höchsten Vernunft-Erkenntniss erzielt. Durch diese Schriften wird der Welt in Wahrheit etwas ganz Neues und höchst Anziehendes geboten. Man wird ihren Lehren sicher mit höchster Spannung, ja mit Wonne und vollster Befriedigung lauschen; denn sie sprechen tief und ergreifend zu den innersten und eigensten Gedanken und Empfindungen jedes menschlichen Geistes und regen mit stiller Allgewalt jenen unendlichen Forschungsdrang in uns auf, den wir bereits im Goethe'schen „Fa u st“ 80 herrlich verkörpert finden und der sich in den verlangenden Worten desselben ausspricht:

„Es möchte kein Hund so länger leben;
Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimniss würde kund;
Dass ich nicht mehr mit saurem Schweiss
Zu sagen brauche, was ich nicht weiss;
Dass ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkungskraft und Samen
Und thu' nicht mehr in Worten kramen.“

Wer aber diese harmonische Philosophie, welche sich als eine wahrhaft. harmonische bewährt, durchstudirt, wird, von der in derselben enthaltenen grossen und erhabenen Weltanschauung im tiefsten Innern durchdrungen, unwillkürlich und buchstäblich in die dichterisch-prophetischen Worte unseresFaust beim Erblicken des Zeichens des Mikrokosmus weiter ausbrechen:

„Ha! welche Wonne fliesst in diesem Blick
Auf einmal mir durch alle meine Sinnen!
Ich fühle junges, heil'ges Lebensglück
Neuglühend mir durch Nerv’und Adern rinnen.
War es ein Gott, der diese Zeichen schrieb,
Die mir das inu're Toben stillen,
Das arme Herz mit Freude füllen,
Und mit geheimnissvollem Trieb
Die Kräfte der Natur rings um mich her enthüllen?
Bin ich ein Gott? Mir wird so licht!
Ich schau in diesen reinen Zügen
Die wirkende Natur vor meiner Seele liegen.
Jetzt erst erkenn' ich, was der Weise spricht:

„Die Geisterwelt ist nicht verschlossen:
„Dein Sinn ist zu, dein Herz ist todt!
„Auf, bade, Schüler, unverdrossen

Die ird'sche Brust im Morgenroth!“ Und das Ganze dieser erhabenen Lehre entzückt betrachtend, wird er auch hier ausrufen :

,Wie Alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem Andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,

Harmonisch all’das All durch klingen! Und in diesem hohen Bewusstsein des vollen inneren Werthes dieser grossen und herrlichen geistigen Offenbarungen, die in ihren ursprünglich wahrhaft englischen, wie in unseren verwandten deutschen Heimathlauten gleich. wunderbar und gewaltig wiederklingen, übergebe ich getrost dem deutschen Volke meines dahingeschiedenen unsterblichen Freundes und meine eigenen Uebersetzungen als einen möglichst unverkürzten Wiederhall des mächtigen und lauten Rufes des Predigers und Vorläufers einer heranbrechenden schöneren Zukunft diesseits und jenseits der Ufer des grossen atlantischen Oceans !

Im engeren Anschluss an das Vorhergehende habe ich mir noch die Aufgabe gestellt, I) die Geschichte der Entstehung meiner Uebersetzungen der Davis'schen Werke durch vollständige Mittheilung der hierüber mit den amerikanischen Freunden der Sache gepflogenen Correspondenz dem geehrten Leser vorzulegen, welche ihm nach meinem Dafürhalten den besten vorläufigen Einblick in die Tendenz des Ganzen erschliessen wird. II) Soll eine kurze Erörterung des Wesens und Inhalts des amerikanischen Spiritualismus“ und der harmonischen Philosophie folgen und III) die besondere ideelle und historische Entstehung des vorliegenden Buches aus dem Geiste und den Erlebnissen seines Verfassers nach seinen eigenen Mittheilungen genau entwickelt werden. In einem besonderen Anhange wird noch der vollständige Prospectus aller bis jetzt erschienenen Schriften von A. J. Davis mit ihrer genauen Inhaltsangabe, sowie ein kurzer englischer Katalog derselben diesem Buche beigefügt werden. Was die Biographie des Verfassers betrifft, so wird dieselbe in seiner eigenen ausführlichen Lebensbeschreibung zum besseren Verständniss seiner übrigen Werke unmittelbar nach diesem Bande noch im Laufe dieses Jahres erscheinen.

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1. Entstehungsgeschichte der Uebersetzung der Werke von

A. J. Davis ins Deutsche.

Aus dem zu New-York erscheinenden „Herold des Fortschritts“ (The Herald

of Progress) d. d. 28. März 1863. Vol. IV. Nro. 6: Der europäische Fonds für die Herausgabe harmonischer

Schriften,

Die Spiritualisten haben ihr Wohlwollen bisher nur sehr wenig ausgeübt in der Richtung der Erzeihung für die unbekannten Millionen entfernter Länder. Jetzt haben sie eine Gelegenheit dazu. (Man sehe die nächstfolgende Correspondenz.) Möge ihr Entgegenkommen ein allgemeines, schnelles und der erhabenen Wahrheit, welche sie in ihrer Muttersprache zu lesen und zu geniessen den gesegneten Vorzug haben, würdiges sein. Wir wollen durch unsere Spalten alle für den Zweck der Beförderung der Principien des Fortschritts in Europa erhaltenen Summen zur öffentlichen Kenntniss bringen.

Ein Aufruf an alle Freunde der Erziehung. Bei einem jüngst stattgehabten ausserordentlichen Meeting der Freunde des menschlichen Fortschritts in der Stadt New-York beschlossen dieselben, Maassnahmen zu treffen zur Bildung eines Fonds für die Einführung und Beförderung der harmonischen Philosophie in Europa. Verschiedene Bücher über diesen Gegenstand (hauptsächlich die Werke von A. J. Davis) sind jüngst in die deutsche Sprache übersetzt worden von Herrn Gregor Constantin Wittig zu Breslau im Königreiche Preussen. Er ist nicht im Stande, dieselben in Selbstverlag herauszugeben, und die Verleger Deutschlands gehen auf seine bisherigen Anerbietungen nicht ein. (Man sehe seine beifolgenden Briefe.) Es wird daher in Vorschlag gebracht, die Freunde des Fortschrittes in Amerika um die hinreichenden Mittel zum Beginn des grossen Werkes in Europa anzugehen, damit die Hände des edlen Uebersetzers gekräftigt und Licht und geistige Wahrheit Tausenden in der alten Welt gesendet werden. Demnach wurde folgendes Comité gewählt und angewiesen, die betreffende Angelegenheit gehörig zu leiten und auszuführen: William Green,

C. M. Plumb,
H. Schlarb a um,

Eliza W. Farnham,
Mary F. Davis.

Wir übersetzen Folgendes aus der Revue Spiritualiste, d. d. Paris, 1. Juni 1861:

,,Die Hauptwerke von A. J. Davis sind soeben in's Deutsche übersetzt worden durch die vereinte Bemühung zweier gelehrten Bewunderer ihres Verfassers. Der Eine von ihnen war der (jüngst verstorbene) Präsident der Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher zu Breslau, der berühmte Botaniker, Philosoph und Naturkundige Dr. Christian Gottfried Nees von Esenbeck ; der andere Uebersetzer ist Herr Gregor Constantin Wittig zu Breslau, ein Freund des Ersteren und Fortsetzer seiner Arbeiten. Frankreich, welches nicht im Besitz einer einzigen Uebersetzung von Spiritua

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