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u. a. berichtet. Wenn bei diesen hebräischen Patriarchen die unge. brochene Naturweise des Orients zutage tritt, fo haben wir an den bes treffenden Berichten nicht nur das Gepräge der Wirklichkeit zu beachten, fondern empfangen auch ein Zeugnis von der Geduld Bottes, der sein Heilswert nicht auf Heilige, sondern auf Sünder richtet und sein Haus auf Erden nicht mit Heiligen, sondern mit Sündern baut und doch alles herrlich hinausführt, was er sich vorgenommen hat.

Die fittlichen Zustände aber, die der Koder Hammurabis bei dem babylonischen Volk voraussett, sind bereits weit unter die bei den gleich zeitigen Patriarchen der Hebräer gesunken. Ueberall haben es diese Ges feße der Babylonier mit grausamen, selbstsüchtigen, wollüstigen Mienschen zu tun, was durch den König felbft bestätigt wird, da er als seine Absicht kundgibt, er wolle den wirtschaftlich Sdwachen vor Ausbeutung durch den wirtschaftlich Starfen schüßen. Ob nun die harten Strafen dieses Koder das babylonische Volk auf eine höhere Stufe der Sittlichkeit gehoben haben, ist hier nicht zu untersuchen. Jedenfalls werden sie nicht umsonst gebraucht sein, wenn sie das babylonische Volk nur auf der Stufe erhalten haben, auf der es zu Hammurabis Zeiten stand, um noch den leßten Heft sittlicher Kraft aus befieren alten Tagen auf die nach: folgenden Geschlechter zu vererben. Bei andern Völkern werden die Strafgeseke bald gemildert, bald verschärft; aber weder in Babel noch in Assur gibt es einen zweiten Strafkoder, der dem Hammurabis an die Seite getreten wäre.

Auffallend ist auf den ersten Blick, daß in Hammurabis Geseten der Blutrache nicht einmal Erwähnung geschieht, während sie in Israel noch tausend Jahre später nach dem Gesek Mosehs und des Volkes Gewohnheit ausgeübt wurde. Die Antwort oder den Schlüssel zu diesem Rätsel gibt uns die Lebensweise beider Völker. Die Babylonier hatten als A&erbau treibendes Volk feste Wohnsike in Städten und Dörfern. Da gibt es ordentliche Obrigkeit, Richter und Gerichte und ihre Diener. Israel aber war zu der Zeit der Patriarchen in Kanaan, dann in Gosen und in der Wüste Sinai und wieder in Kanaan zum Teil ohne Akerbau und lebte mit seinen Herden nomadisierend. Der Hirte aber ist häufig einsam, fern von größeren Wohnstätten der Menschen: Wird er belei digt, beschädigt, an Ceib und Leben angegriffen, so ist er zunächst auf die Selbsthilfe angewiesen. Darum aber sind die hebräer noch lange kein roher Nomadenhaufen gewesen, wozu ihn theologische Antisemiten stempeln wollen, als wären seine religiösen Anschauungen und seine Sitten nicht über die der wilden Naturvölker erhaben gewesen. Dieses Märchen ist für die Zeit der Erzväter durch Hammurabis Gesete, für die Zeit Mosehs durch die Tafeln aus dem Tell el Amarna selbst bei den Leuten widerlegt, die die hl. Schrift erst an zweiter Stelle vernehmen.

Wie weit sich die Vorliebe für Babylonien erstreckt, selbst hinüber auf das Sprachgebiet, ersieht man aus der Behauptung H. Windlers'), das Wort „erkennen“, das in der hl. Schrift einen besondern Sinn hat, fei aus der babylonischen Sprache entlehnt. Doch kommt dasselbe Wort mit derselben Bedeutung auch in der Sprache der Araber, der Griechen und Römer vor, ehe diese Völker noch mit Babylonien in Verbindung getreten waren ?). Dies Wort soll nicht nur eine Handlung verdecken, die auch bei heidnischen Völfern nicht leicht mit ihrem einfachen Namen genannt wird, sondern es besteht nach Vilmar auch eine innere geheime Verwandtschaft zwischen dem Geistigen Erkennen und dem leiblichen Ers zeugen.

Geht es aber nicht an, einen unmittelbaren Einfluß Babyloniens auf Israel zu beweisen, so wird ein mittelbarer behauptet. Syrien und Palästina standen zwar zu Mosehs und Josuas Zeiten unter ägyptischer Herrschaft, aber die Statthalter des Pharao sprachen babylonisch und schrieben weder mit Hieroglyphen noch mit hieratischen oder demotischen Schriftzeichen, sondern mit babylonischer Keilichrift, die weder der Ueberbringer noch der Empfänger der Steinbriefe lejen konnte. Der fürst von Mitanni, einem Land der Hethiter, westlich von Asiyrien gelegen, gab seinem Briefträger einen targumaanu oder Dolmetsch mit, der dem Uegypterkönig den Inhalt des Briefes übertragen mußte. Nach H. Winckler ist Mitanni gleich Naharina, d. i. Naharaim Aram oder Mesopotamien ). Ob mit diesen Briefen der überwiegende Einfluß grade von Babylonien bewiesen wird, kann dem recht zweifelhaft werden, der mit andern erwägt, daß der Dolmetsch aramäisch und nicht bel lisani genannt wird.

Wieder ein andrer Gelehrter 4) hält zwar daran fest, daß der Vorzug Israels vor andern Völkern nicht zu leugnen sei; er weiß auch, daß derselbe nicht auf dem Gebiet menschlicher Kraft und Bildung, sondern auf dem Gebiet der Religion liegt. Aber er gibt zu, daß viele babylonische Elemente in die israelitische Religion eingedrungen seien, und meint, diese Vermischung habe in der Zeit der Besignahme des Landes Kanaan stattgefunden, das damals mit babylonischer Kultur und Religion durchfekt gewesen sei. Jsrael habe mitten in der Entwickelung der Völker des westlichen Ujiens gestanden und von den um Jahrtausende älteren Kulturvölkern, den Wegyptern, Phönikiern und Babyloniern kulturelle, literarische und religiöse Elemente in sich aufgenommen, aber sie im Glauben an den Einen heiligen und gnädigen Gott Himmels und der Erde „umgeprägt“ und durch das Feuer des göttlichen Geistes „geläutert“; aber dieser Glaube habe sich auch in Israel erst in allmählicher Entwicelung unter viel Kampf mit animistischen, polytheistischen und naturalistischen Elementen aus vorigen Zeiten durchgeseßt. Aber in dieser Auslassung zerstört eine hand, was die andere gebaut hat. Hier wird den, Leugnern jeder göttlichen Offenbarung der erste Grundsatz preisgegeben, der unbedingt festzuhalten ist, daß zu feiner Zeit und an feinem Ort, so lange Menschen auf dieser Erde leben, der Monotheismus sich aus dem Polytheismus entwickeln konnte). Und wie will ein Gelehrter, der einer selbst auf naturwissenschaftlichem Gebiet unerwiesenen Entwickelungslehre huldigen zu müssen glaubt, das eine erklären, woher mit einemmale der göttliche Geist tam, der die bis dahin heidnischen Anschauungen läuterte und umprägte? Ist denn läutern und umprägen des Heidnischen genügend, um nur eine einzige göttliche Offenbarung zu erseßen, wie daß der lebendige und allmächtige Gott durch sein Wort das Weltall ins Dasein gerufen hat?

1) H. G. S. 26, Anm. 1. 2) Bergl. Vilmar, Erkl. der Gen. S. 61 u. 62. 3) Vergl. E. Schrader, A. d. W. 1888, S. 588. 4) Sellin in d. evang. Kzeitung für Oesterreich 1903.

Auch A. Jeremias 2) und fr. hommel 3) stehen ähnlich wie Sellin. Wenn dem alten Israel 'ein henotheistischer Sterndienst aufgezwungen wird, so übersehen solche Gelehrten, daß in Jsrael zu keiner Zeit Einigfeit in Sachen der Religion vorhanden war. Während Jakob dem les bendigen Gott diente, stahl Rahel 4) ihres Vaters Gößen. Mit demselben Eifer, mit dem Israel des ursprünglichen Polytheismus verdächtigt wird, streitet ein andrer für den latenten Monotheismus der Babylonier. Mit meisterhafter Logik und Jronie zerstört j. Oppert") die Träume eines berühmten Gelehrten: „Wenn Jauumal ein Verehrer Jahves ist, warum ruft er denn Samas und Marduk an?"

Wenn aber H. Windler ) Polytheismus und Monotheismus gleicherweise als aus Menschengedanken geboren faßt, fo bezeugt er nur, daß es für den Geschichtsforscher, wie er ihn versteht oder haben will, überhaupt keine göttliche Offenbarung gibt. Auf dem Gebiete der Re ligion achte ich, darf viel weniger als auf andern Gebieten menschlicher Erkenntnis Halbheit oder Unentschiedenheit geduldet oder gar ein friedensbund mit dem Unglauben geschlossen werden; denn dabei wird nicht nur jede göttliche Offenbarung geleugnet, sondern auch gewisse religionsgeschichtliche Tatsachen, die der vielgeliebten Entwicelungstheorie im Wege stehn, werden bei Seite geschoben und einfach tot gefchwiegen.

Wußten doch noch die Priester im ägyptischen Theben, wie Herodot und ein Denkmal bezeugen ?), daß ein einiger Gott fei, der keinen Anfang gehabt habe und kein Ende haben werde. Diesen Gott bekennen ganz alte ägyptische Texte als den einzigen Erzeuger im Himmel und auf Erden, der selbst nicht erzeugt sei; als den einen wahren und lebendigen Gott, der von Anfang war, der alle Dinge machte und selbst nicht ges macht wurde. So lehrten die thebaischen Priester noch zu einer Zeit, wo das ägyptische Volk bereits im Aberglauben und Gößendienst gefangen lag. Woher hatten die ägyptischen Priester ihre Erkenntnis des Einen wahren Gottes ? Doch nicht aus sich selbst, am wenigsten aus dem Uberglauben des sie umgebenden Volkes. Vielmehr hatten sie einen Rest der ursprünglich allen Menschen gemeinsamen Gotteserkenntnis in treuer Ueberlieferung bewahrt. Wenn auch dieser Reft später verloren wurde, so wird es den ägyptischen Priestern ähnlich wie Aaron gegangen sein, zu dem das Volk sprach 1): „Uuf, mache uns Götter, die vor uns hergehn." Das Volk verlangt nicht nur in Israel, sondern auch in Aegypten und Babylonien jür seinen Gottesdienst etwas Sichtbares und Greifbares. Wo dann die Priester wider besseres Wissen solchem Verlangen nachgeben und irgend welche Geschöpfe zur Ehre der Anbetung erheben und an die Stelle des unsichtbaren Schöpfers setzen, da werden sie selbst mit der Zeit in die finsternis des Aberglaubens gezogen, die sie begünstigt haben.

1) Vergl. S. 8.

A. T. O. S. 84 u. 338. 3) Grundriß 2c. S. 174 20. 4) Gen. 31, 19. 5) 3. f. N. 1903, S. 241, 303 2c. 6) Ábraham a. B. S. 31_2c. 7) M. Dunder a. a. 0. I, 38.

Auch A. Jeremias sprach auf der zweiten internationalen Vereinigung für allgemeine Religionsges dyichte zu Basel von einer ,, monotheistischen Unterströmung in Babylon"; also etwas ähnliches vielleicht wie in Uegypten? Er meinte: „Die babylonische Religion war ursprünglich Unbetung der Sterne. Die Sterne sagten den Eingeweihten von göttlichen Dingen.“ Woher weiß das A. Jeremias? hat er das von in den tausenden von Aufzeichnungen der babylonischen Sternseher gefunden? Ich nidyt, und id, bin des ganz sicher, daß die babylonischen Sternseher auch gar nichts von göttlichen Dingen, sondern ganz allein die Antworten auf fragen über weltliche Dinge in den Sternen suchten, vielleicht in gutem Glauben, daß sie finden würden, was sie suchten. Aber Å. Jeremias fährt fort: „Die Sterne offenbarten ihnen den göttlichen Willen, und die Wissenden bildeten die religiöse Vorstellung in der Richtung des Monotheismus aus, indem sie entweder die zahlreicher Götter einem höchsten Gott streng unterordneten oder gar eine große göttliche Macht annahmen, von der die einzelnen Götter Ausstrahlungen sind." Hier begibt sich auch A. Jeremias auf das Gebiet der freien Dichtung; denn der Babylonier fah in der Wirklichkeit die verlorene Mühe, alle Götter einem unterzuordnen und sang in seinen Göttermythen nur vom Streit der Götter unter einander. Oder wenn er einmal einen höchsten Gott annahm, so gab er diese Ehre bald diesem, bald jenem Gott. Wo bleibt da der Monotheismus? Hernach wendet sich A. Jeremias wieder der Wirklichkeit zu: ,,Der Polytheismus des babylonischen Volkes ist nur eine Popularisierung des Astralsystems, und duch hier herrschte der Stadtgott oder der Bezirksgott als der funintus deus, als oberster Gott; doch zeigt sich nirgends jener wirkliche Monotheismus, der durchweg der Grundzug der alttestamentlichen Religion ist; sondern immer wird zur Seite des höchsten Gottes auch die höchste Göttin gedacht und angerufen, selbst in den erhabenen vermutlich ein unbeabsichtigtes Cob babylonischen Bußpsalmen. Der höchste heidnische Gottesbegriff kommt nicht über die Zweigötterei hinaus." wo bleibt da der oben gerühmte Monotheismus? Weiter sagt A. Jeremias: „Und noch ein anderes muß sehr beachtet werden. Mit jener monotheistischen Richtung in Babylon ist nur etwas über die Quantität Gottes nicht einmal dieses -- ausgesagt, nichts jedoch über die Qualität Gottes. Die Erkenntnis der Qualität Gottes, der Blic in das Herz Gottes beruht auf einer großartigen geschichtlichen Führung, die in Israel fich angebahnt hat und im Christentum zur Vollendung gekommen ist. Hier sollte sich A. Jeremias anstatt zu „geschichtlicher führung“ einfach und ehrlich zu der Offenbarung des lebendigen Gottes bekannt haben, wie sie nach der Schrift bereits dem ersten Menschen, dem Ebenbild und Sohn Gottes, zu teil wurde. Das ist der Anfang seiner ,geschichtlichen führung"; oder diejenigen Naturwissenschaftler behalten Recht, die die ersten Menschen in einem tierähnlichen Zustand der Unwissenheit und Roheit ihren Anfang nehmen lassen. Wenn A. Jeremias also weniger Redekunst geübt und auch als Gelehrter das Kreuz Christi auf sich genommen hätte, so wäre er nicht auf die Dichtung gefallen, den „erleuchteten Geistern einen latenten Monotheismus“ zuzuschreiben, während grade diese Geister wenigstens in Babylonien die Erfinder der Götter und Göttersagen gewesen sind.

1) Er. 32, 1 2c.

Geschichte und Logik stemmen sich gegen die Entwickelungstheorie auf allen Lebensgebieten, vor allem aber auf dem Gebiete der Religion. Nie und nirgends ist, wie schon oben betont, aus der Vielgötterei die Anbetung des Einen lebendigen Gottes hervorgewachsen; aber der umgekehrte Weg wird in der Geschichte Israels und anderwärts bis in die Gegenwart beobachtet. Trot der fortlaufenden Offenbarung des wahren unsichtbaren Gottes wandte sich Israel immer wieder den sicht= baren Göttern zu, und heute geht es nicht anders. War Abraham vor der Nachfolge in dem Abfall seines Vaters Tharah 1) bewahrt worden, so fielen doch hernach nicht nur einzelne seiner Nachkommen von dem Glauben des Stammvaters ab, sondern fast das ganze Volk diente in der Wüste dem goldnen Kalb ?) oder betete den Moloch und Remphan ?) an und fuhr fort in seinem Abfall, bis die Drohung Gottes, die durch die Propheten ergangen war, sich erfüllte und das Volk lange Jahre unter den Heiden zu Babylon leben mußte. Dieses bittere Widerfahrnis beugte

1) Jof. 24, 2 2) Erod. 32. 3)Amos 5, 25—27. Upostelgesch. 2, 43.

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