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Zum raķia' als Tierkreis in der Bibel vgl. noch S. 174.

Zu 4c. Aus der noch immer die irdische Erde umfassenden Urflut tritt das trockene Land hervor, die eigentliche Erde (hebr. têbêl, assyr. nabalu oder tannínu). Genau so wird im babylonischen Schöpfungsbericht (S. 129ff.) die Erde auf dem Wasserreich aufgebaut. Ebenso wird Ps 24, 2 die Erde aufs Meer gegründet und auf Fluten aufgestellt, wie sie im babylonischen Bericht aus Rohr und Erdmasse auf dem Wasser gebaut wird, s. S. 130. In einer assyrischen Rezension des MardukMythus, in dem Aššur, der Hauptgott der Assyrer, die Rolle des Weltschöpfers spielt, wird der Erdboden (kakkaru) ,,über dem Ozean und gegenüber Ešara“ geschaffen. Daß auch die fehlenden Stücke des Epos Enuma eliš Ähnliches erzählt haben, zeigt der Schluß-Hymnus, der von Marduk sagt, er habe den ašru (hier die „himmlische Erde") 2 geschaffen und (gegenüber dem ašru) den dannînu bez. tanninu gebildet, d. i. das irdische Festland 3 :

Weil er den ašru geschaffen, die Erde gebildet hat, hat ihn Vater Bel „Herr der Länder“ genannt. (Taf. VII, 115f.)

Die Erschaffung des Pflanzenwuchses schilderte ebenfalls der S. 129 ff. besprochene babylonische Schöpfungsbericht.

Daß auch das Epos Enuma eliš diesen Schöpferakt schilderte, zeigt nach einem neu gefundenen Fragment der SchlußHymnus der VII. Tafel, der Marduk auch als Schöpfer der Pflanzenwelt preist 4.

Der Verfasser von i Mos 1 habe dann die Vorstellungen nicht klar auseinandergehalten und den irdischen raķîa' an den Himmel versetzt. Die sehr scharfsinnigen Ausführungen von J. Lepsius, Reich Christi 1903 S. 227 f. werden danach zu rektifizieren sein. Lepsius nimmt übrigens an, daß v. 14-18 ursprünglich hinter v. 8 gehören.

1) K 3445 + Rm 396, veröffentlicht Cun. Texts XIII, 24f., von Delitzsch, Das babylonische Weltschöpfungsepos unter Nr. 20 versuchsweise zu Enuma eliš gerechnet. Aššur ist hier von den Priestern von Niniveh mit Anšar (doch wohl nur künstlich) gleich gesetzt, der zu den Göttern der Urwelt gehörte, s. S. 133, um seine Rolle plausibel zu machen. Zu der assyrischen Reklamierung der Weltschöpferwürde s. auch oben S. 140 f. und vgl. schon Zimmern KAT S. 351 und 496.

2) S. zu Sintfl. Z. 127 in Kap. IX; ašru (ašratum) als „irdisches Erdreich“ S. 136.

3) S. S. 136 Anm. 7.

*) KT 125; das Fragment V R 21, Nr. 4 (Delitzsch, Weltschöpfungsepos S. 152) ,,kommentiert“ diese vier Zeilen des Marduk-Hymnus. Die Bemerkung Zimmerns KAT 3 510 betr. die Erschaffung der fruchttragenden Erde im babylonischen ist hinfällig, da ešara nicht die Erde, sondern den „Olymp" bedeutet.

Zu 4d. Die Anschauung von den Sternen als geistigen Wesen ist fast ausgetilgt. Es leuchtet durch in dem Ausdruck „Herrschaft von Sonne und Mond" 1, 16 und 2, 1 ,,Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer“.

Vgl. Ri 5, 20: Vom Himmel her kämpften die Sterne, von ihren Bahnen aus kämpften sie wider Sisera. Auch in den Stellen, die Sterne als mächtige Herrscher auffassen, wie Jes 40, 26; Hi 38, 7; 5. Mos 4, 19 und im Vergleich des Königs mit einem Stern, wie 4 Mos 24, 17; Jes 14, 12 mag sich die Anschauung verbergen. Zur ganzen Materie s. mein BNT 83 ff. Die mythologische Vorstellung von der Sonne, die als jugendlicher Held am Morgen das Brautgemach verläßt, ist Ps 19,6 poetisch verwendet, s. S. 106.

Während die mythologische Bedeutung der Sterne verschwunden ist, ist die astrologische Bedeutung, von der wir die gesamte babylonische Anschauung beherrscht fanden, wenigstens v. 14f. noch erkennbar (,,sie sollen zu Merkzeichen dienen“). Die ôtôt sind astrale Vorzeichen, vor deren Mißbrauch Jer. 10,2 warnt — v. 17 f. ist auch die letzte Spur verschwunden, wie in dem Hymnus auf Sonne, Mond und Sterne Si 43, 1 ff. Zur babylonischen Gestirnschöpfung s. S. 27 f. u. 130 f.

Unter den Wassertieren erscheinen die Tanninim, die „Seeschlangen". Der alte Orient denkt sich das Meer, weil es Unterweltscharakter trägt (S. 8. 14f.), mit Ungeheuern bevölkert, wie die Reliefs von Niniveh zeigen.

Daß hier ein Anklang an das Chaosungeheuer zu suchen ist, könnte man nach Ps 74, 13 (s. S. 179) befürworten. Ps 104, 26 (nach i Mos i gedichtet) nennt den Leviathan als Meerungeheuer!

Zu 4f vergleiche die Erschaffung der Tiere in einem babylonischen Fragment S. 75 und in dem babylonischen Schöpfungsbericht S. 13of.

Zu 4g Menschenschöpfung.

Zur Vorstellung von der Menschen-Erschaffung ist ein reichhaltiges babylonisches Material vorzulegen. Die Menschenschöpfung wird in der babylonischen religiösen Vorstellungswelt Ea zugeschrieben und Aruru, einer Erscheinungsform der Muttergöttin; sodann dem Marduk von Eridu, dem Sohne Eas, dem Demiurgen, der andrerseits selbst „Urmensch" (Adapa = Adam?,

) Wie es scheint, allerdings nachträglich eingesetzt. Die Stelle macht im masoretischen Text einen ungeschickten Eindruck.

2) ALAM, ALATI, vielleicht absichtlich differenziert. S. Stucken, Astralmythen 60. 71; Zimmern KAT 3 523; Winckler F. III, 2976. K 3459,

zêr amêlûti, „Sproß der Menschheit“) ist; endlich der Muttergöttin Ištar selbst. Das Material, aus dem der Mensch geschaffen wird, ist tîtu Lehm"; tîtu iktaris, ,,er kniff Lehm ab“, heißt es bei einer der Menschenschöpfungen, wörtlich wie Hi 33, 6, vgl. 1, 21. Von einem Menschen, der gestorben ist, heißt es, sein Leben sei „zu Erde“ (tîțiš) geworden. Ea heißt deshalb II R 58, Nr. 5, 57 der „Töpfer“. Diese Vorstellung ist im Ägyptischen noch weiter ausgebildet, wo der Menschenbildner an der Töpferscheibe sitzend dargestellt wird?. Den Gedanken einer Erschaffung „nach dem Bilde“ der Gottheit kennt ebenfalls die babylonische Lehre, wenn auch ohne die tiefe religiöse Reflexion, die dem hymnenartigen Spruche i Mos 1, 26f. zugrunde liegt. Bei der Erschaffung des Eabani, bei der Aruru „Lehm abkneift“, heißt es (S. 170), sie habe vorher ,,in ihrem Herzen ein zikru des Gottes Anu geschaffen“, und in einem andern Text (S. 171) erschafft die Ištar (Mami, Cod. Hamm. III, 27 ff. Ma-ma, s. S. 171) sieben Männlein und Weiblein mihruša, wohl, als ihr Gegenstück“3. Von der geistigen Ausstattung des Menschen redet die Erzählung von der Erschaffung des Adapa.

Die folgenden Texte und Fragmente der Keilschriftliteratur kommen für Adapa in Betracht:

col. II, 12 (AB V, 320) scheint adapu Epitheton Marduks zu sein. Marduk ist Sohn Eas in der vorweltlichen Theogonie; Adapa ist die entsprechende Erscheinung im Heroenzeitalter, Adam im Menschenzeitalter.

1) S. mein Izdubar-Nimrod, 1891, S. 46. Vgl. auch Ps 139, 15, Hen 2, 7. Weitere Belege zur Erschaffung aus țîțu s. bei Zimmern KAT: 506.

2) S. 147 u. 161 und Abb. 61. Die Vorstellung vom „Erdgeborenen“ geht durch die ganze Welt. Der erste indische Mensch Purša, der sonst auch zuerst statt Brahma aus dem Weltei hervorgeht, soll nach Dharma Schâstra (Gesetzbuchkommentar) auf Befehl Wischnus aus der Erde hervorgegangen sein, worauf ihm Gott das Leben (die Seele) gegeben habe, so daß er seinen Schöpfer erkennen und anbeten konnte (s. Lueken, Die Traditionen des Menschengeschlechts ?, S. 57). Im chinesischen Fong-su-tong heißt es: „Als Himmel und Erde erschaffen waren, fehlte noch der Mensch. Niu-hoa (der Demiurg) nahm gelbe Erde und bildete daraus den Menschen.“ Bei den Griechen bildet Prometheus in einem dem Hesiod zugeschriebenen Fragment den ersten Menschen aus Lehm, und Minerva gibt ihm die Seele; Aristophanes (Aves 686) nennt die Menschen „Gebild aus Lehm“; Pausanias (10, 4) „sah noch die Lehm-Reliquie des Prometheus in einer Kapelle in Phokis“.

3) So Zimmern KAT: 506, vgl. Jensen KB VI, 546. Höllenfahrt der Ištar, wo auch Ea, ehe er den Götterboten schafft, erst ein Bild in seinem Herzen schuf, s. unten S. 170.

1. Die Adapa-Legende, die unter den aus Kanaan und Babylonien stammenden Texten in Amarna gefunden wurde 1.

Der Bericht über den eigentlichen Schöpfungsakt ist nicht erhalten. Auf dem erhaltenen Fragment wird erzählt, daß Ea seinem Geschöpfe „göttliche“ Vollmacht verlieh, einen weiten Sinn, zu offenbaren die Gestaltungen des Landes, daß er ihm Weisheit gab nicht aber gab er ihm ewiges Leben – und daß er ihn, das Kind von Eridu, wie einen Weisen (?) ? unter den Menschen schuf. Weiter erfahren wir, daß er als ein „Weiser und Übergescheiter“ (abkallu und atrahâsis) 3 mit allerlei priesterlichen Funktionen betraut wird und als göttlicher Bäcker und Mundschenk waltett. Mit dem Bäcker von Eridu besorgt er das Backen, täglich versorgt er Brot und Wasser für Eridu, mit seiner reinen Hand versorgt er die Schüssel, keine Schüssel wird ohne ihn zubereitet, täglich besteigt er das Schiff und geht auf den Fischfang für Eridu: wenn Ea auf seinem Lager sich ausstreckt, verläßt Adapa Er nd fährt auf einem Schiffe während der Nacht umher, um Fische zu fangen. Aus den Fragmenten, die Adapas späteres Geschick erzählen, erfahren wir, daß der Himmelsgott Anu darüber sinnt, wie diesem Geschöpf, das an einer Stelle ausdrücklich als „Sproß der Menschheit“ bezeichnet wird, auch noch die Gabe des ewigen Lebens gegeben werden könnte. Als er eines Tages auf den Fischfang fuhr, warf der Südwind plötzlich sein Schiff um, und er fiel ins Meer. Aus Rache zerbrach er dem Südwind (Vogel Zû) die Flügel, daß er sieben Tage nicht wehen konnte. Anu, der Himmelsgott, fordert Rechenschaft und sagt: „Kein Erbarmen!“ Auf Fürbitten der Torwächter Tammuz und Gišzida besänftigt Anu seinen Zorn und befiehlt, ihm ein Gastmahl zu bereiten, ein Feierkleid ihm zu reichen und Öl zur Salbung; Kleidung und ÖI nimmt er an, aber Speise und Trank schlägt er aus. Ea hatte ihn gewarnt: „Wenn du vor Anu hintrittst, Speise des Todes wird man dir reichen: iß nicht davon! Wasser des Todes wird man dir reichen: trink nicht davon! Ein Gewand wird man dir reichen: ziehe es an! Öl wird man dir hinhalten: salbe dich damit 5.“ Aber siehe da, es war Lebensspeise und Lebenswasser! Anu bricht in Staunen aus. Er hat dem Menschen, den sein Schöpfer Ea das Innere des Himmels und der Erde schauen ließ (d. h. mit Kenntnis der Mysterien ausgestattet hat, s. S. 76 f.), auch noch die Unsterblichkeit geben wollen. Der Götterneid“ hat ihn betrogen.

Dieser Text ist mit diplomatischen Aktenstücken gleich dem Eriškigal - Mythus an den ägyptischen König gelegentlich

1) Vollständige Transkription und Übersetzung bei Jensen KB VI, 92 ff.

2) S. Jensen KB VI, 406. Sowohl der göttliche Sohn Eas, Marduk, wie der menschliche Sohn Adapa sind abkallu.

3) Umkehrung Hasis-atra (Xisuthros) bei Berosus. Epitheton des Anfängers der neuen Welt nach der Sintflut.

4) S. 54.

5) Zu den Gastmahlssitten und dem Kleid s. Ps 23, 5. Mt 22, 12.

6) i Mos 3, 5 liegt der Gedanke vom „Neide Gottes“ in den Worten der Schlange!

mitgeschickt worden, wohl als Musterstück für Lese- und Schreibübungen. Die gute Schrist und Stilart, die sich von den kanaanäischen Schriftstücken wohltuend unterscheidet, spricht für Babylonien als L'rsprungsland.

2. Auf dem Fragment Rassam 9821 ist von der Erschaffung eines inännlichen Wesens durch Ea inmitten des Ozeans die Rede, das hernach gesäugt wird. Zimmern vermutet, daß es sich hier um die Geburtsgeschichte des Adapa handelt.

3. Im Epos Enuma eliš schildert der Anfang der VI. Tafel nach feierlicher Einleitung als letztes Schöpfungswerk die Erschaffung der Menschen:

,,Als Marduk die Rede? der Götter hörte, da nahm er sich in den Sinn, zu schaffen (Kunstreiches]. Er öffnete seinen Mund und sprach zu Ea, was er in seinem Innern ersann (ihm) mitteilend: Bluts will ich nehmen, und Bein will ich [bilden, abkneifen]", will hinstellen den Menschen, der Mensch möge [ l; will erschaffen den Menschen, daß er bewohner auferlegt sei (ihm] der Dienst der Götter, diese seien in ihren] Götter

kammern.“ Das Folgende ist verstümmelt.

Im Rückblick auf diese Schöpfertat heißt es am Schluß der Tafeln Enuma eliš im Lobpreis des Marduk:

der die Menschen schuf, sie zu erlösen, der Barmherzige, dem es zusteht, lebendig zu machen; bestehen mögen und

1) Delitzsch, Das Weltschöpfungsepos S. 110f. Vgl. Zimmern KAT’520.

2) Leider ist diese Rede, die den Schluß der V. Tafel bildete, nur in geringen, von King 1. c. mitgeteilten Fragmenten erhalten.

3) Oder „mein Blut“? Ein anderes episches Fragment Cun. Texts VI, 5, s. Zimmern KAT 3 497 spricht davon, daß die Göttermutter Menschen aus Lehmerde und aus dem Blute eines geschlachteten Gottes gebildet habe. Berosus' Bericht, nach dem sich Bel (Marduk) den Kopf abgeschlagen und mit dem herabfließenden Blute die Erde vermischt und so Menschen (und Tiere) gebildet habe, hat sich bestätigt. Daß der Geköpfte dann „hört“ und „sich etwas in den Sinn nimmt“ und „seinen Mund öffnet“, bringt der Mythus schon fertig. Es handelt sich ja, wie Berosus sagt, „um allegorische Darstellung von Naturvorgängen“. Der Kopf wächst nach wie bei der Schlange im persischen Mythus S. 150. Ablehnen müssen wir freilich die religionsgeschichtlichen, beinahe dogmatischen Schlußfolgerungen, die Fr. Hommel im Probeheft von „Glauben und Wissen“ (Volkstümliche Blätter zur Verteidigung und Vertiefung des christlichen Glaubens, herausgegeben von Dennert) durchblicken läßt in dem Artikel: „Heidnische Weissagungen auf den Messias“.

+) Oder: ein Stück Lehm will ich [abkneifen)?, s. KAT3 586, Anm. 3. 5) Die Menschen sind zum Dienste der Götter geschaffen, vgl. S. 130.

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