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Dilettant und Kritiker.

Es hatt' ein Knab' eine Taube zart,
Sar schon von Farben und bunt,
Ear herzlich lieb, nad Knabenart
Geåßet aus seinem Mund,
und hatte so freud' am Täubchen sein,
Daß er nicht konnte sich freuen allein.

Da lebte nicht weit ein Alt- Fuchs herum,
Erfahren und lehrreich und schwäßig darum;
Der hatte den Knaben manch Stündlein ergeht,
Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwåkt.

,,Muß meinem Fuchs doch mein Taubelein zeigen! Er lief und fand ihn streden in Strauchen. „Sieh, Fuchs, mein lieb Tåublein, mein Tåubchen so schon! Hast du dein Tag so ein Läubden gesehn?"

Zeig her! Der Knabe reicht’s. - Geht wohl an; Aber es fehlt noch Manches dran. Die Federn, zum Erempel, sind zu kurz gerathen. Da fing er an, rupfi' sich den Braten. Der Knabe (drie. - Du mußt stårfre einseßen, Sonst ziert's nicht, schwinget nicht. Da war's nadt Mißgeburt! und in Feken. Dem Knaben das Herze bricht.

Wer sich erkennt im Knaben gut, Der sen vor Fuchsen auf seiner Hut.

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Ich begegnet einem jungen Mann, Ich fragt ihn um sein Gewerbe; Er sagt: ich sorge, wie ich kann, Daß ich mir, eh ich sterbe, Ein Bauergütdhen erwerbe. Ich sagte: das ist sehr wohl gedacht; Und wünschte, er hått es so weit gebracht. Da hört ich: er habe vom lieben Papa Und eben fo von der Frau Mama Die allerschönsten Rittergåter.

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Ein unverschämter Naseweis,
Der, was er durch Stahlarbeitersfleiß
Auf dem Laden künstlich liegen sah,
Dacht, es wär' für ihn alleine da:
So tatscht er dem geduldigen Mann
Die blanken Waaren sämmtlich an
Und scháßte fie, nach Dúnkelsrecht,
Das Schlechte hoch, das Gute schlecht,
Getrost, zufriednes Angesichts;
Dann ging er weg und kaufte nichts.

Den Kramer das zulegt verdroß,
Und macht ein ståhlern tünstlich Schloß
Zur rechten Stunde glühend heiß.
Da ruft gleich unser Naseweis:

„Wer wird so schlechte Waare kaufen!
Der Stahl ist schåndlich angelaufen.“
Und tappt auch gleich recht láppisch drein
und fångt erbärmlich an zu schrein.
Der Kramer fragt: was ist dann das?
Der Quidam schreit: ,,Ein frostiger Spaß!"

Kl å f

f fe. r.

1

Wir reiten in die Kreuz und Quer'
Nach Freuden und Geschäften;
Doch immer klåfft es hinterher
Und billt aus allen Kräften.
So will der Spiß aus unserm Stall
uns immerfort begleiten,
Und seines Bellens lauter Schall
Beweist nur, daß wir reiten.

Celebri t å t.

Auf großen und auf kleinen Brucken
Stehn vielgestaltete Nepomuden
Von Erz, von Holz, gemahlt, von Stein,
Coloffisch hoch, und puppisch klein.
Jeder hat seine Andacht davor,
Weil Nepomuck auf der Brucken das Leben verlor.

Ist einer nun mit Kopf und Ohren
Einmal zum Heiligen auserkoren,
Oder bat er unter Henkershånden
Erbármlich müssen das Leben enden;

So ist er zur Qualität gelangt,
Daß er gar weit im Bilde prangt.
Siupferstich, Holzschnitt thun fich eilen,
Ihn allen Welten mitzutheilen;
Und jede Gestalt wird wohl empfangen,
Thut sie mit seinem Namen prangen:
Wie es denn auch dem Herren Christ
Nicht ein Haar besser geworden ist.
Merkwürdig für die Menschenkinder,
Halb Heiliger , halb armer Sünder,
Sehn wir Herrn Werther auch alda
Prangen in Holzschnitts - gloria.
Das zeugt erst recht von seinem Werthe,
Daß mit erbårmlicher Gebärde
Er wird auf jedem Jahrmarkt prangen
Wird in Wirthsstuben aufgehangen.
Jeder kann mit dem Stocke zeigen:
„Gleich wird die Kugel das Hirn erreichen!"
Und jeder spricht bei Bier und Prot:
„Gott sey's gedankt: nicht wir sind todt!"

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In einer Stadt, wo Paritát
Noch in der alten Ordnung steht,
Da, wo sich nämlich Katholiken
Und Protestanten in einander schicken,
Und, wie's von Våtern war erprobt,
Jeder Gott auf seine Weise lobt;
Da lebten wir Kinder Lutheraner
Von etwas Predigt und Gesang,

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Dieweil nun Affe, Mensch und Kind
Zur Nachahmung geboren sind,
Erfanden wir, die Zeit zu kürzen,
Ein auserlerines Pfaffenspiel:
Zum Chorrock, der uns wohlgefiel,
Gaben die Schwestern ihre Schürzen;
Handtücher, mit Wirkwerk schon verziert,
Wurden zur Stola travestirt;
Die Müße mußte den Bischof zieren,
Von Goldpapier mit vielen Thieren.

So zogen wir nun im Ornat
Durd Haus und Garten, früh und spat,
Und wiederholten ohne Schonen
Die fämmtlichen heiligen Functionen;
Doch fehlte noch das beste Stück.
Wir wußten wohl ein prachtig Låuten
Habe hier am meisten zu bedeuten;
Und nun begünstigt uns das Glück:
Denn auf dem Boden hing ein Strick.
Wir sind entzückt, und wie wir diesen
Zum Glodenstrang sogleich erfiesen,
Ruht er nicht einen Augenblick:
Denn wechselnd eilten wir Geschwister,
Einer ward um den andern Küster,
Ein jedes drängte sich hinzu.
Das ging nun allerliebst von ftatten
Und weil wir keine Glocken hatten,
So fangen wir vum Baum dazu,

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