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Zeussöhne, die Dioskuren stecken sollen, wird den Mythus ergeben: Die schatzreichen Harlunge führen die Sonnenjungfrau ihrem Vater „Irmintiu" zu. Sie werden beschuldigt, selber nach der Braut getrachtet zu haben. Darum lässt der Himmelsgott sie ergreifen und aufhängen. Ihren Reichtum, das Harlungengold, nimmt er an sich. Dieser von Müllenhoff und Roediger geistvoll aus der Heldensage erschlossene Göttermythus entbehrt völliger und überzeugender Begründung, ebenso die weiteren daran geknüpften Folgerungen, auf deren Vorführung wir verzichten.

Ein anderer von Müllenhoff auf ähnliche kühne Weise aufgebauter Mythus zeigt die Dioskuren als ein Brüderpaar, die Hartunge; Hartnît, der ältere erstreitet gegen ein riesisches, winterliches Geschlecht, die Isunge, ein schönes göttliches Weib. In seiner goldglänzenden Rüstung verfällt er später einem Drachen, der ihn verschlingt. Der jüngere Hartung, Harthere erschlägt dann den Drachen, legt die Rüstung und Waffen Hartnîts an, bändigt und besteigt sein Ross, und wird darauf von der trauernden Wittwe an des Bruders Statt als Gemahl angenommen. Auch sonst noch sollen die lichtspendenden, streitbaren, rossebändigenden Jünglinge in Brüderparen der Heldensage wiederkehren.

Wenn der nordische Tyr es mit dem Wolfe zu thun hat und am Ende der Tage mit dem Höllenhunde kämpft, mag vielleicht eine alte mythische Vorstellung hierin nachklingen. Mit einem Wolf, dem Ungeheuer der Finsterniss, kämpfen die Açvins und der griechische Sonnengott Apollo, der ja sogar den Beinamen Wolfstöter (Auxoztóvos) führt.

Uber Vermutungen gelangt der Versuch, germanische Tiuzsagen wieder herzustellen, nicht hinaus. Sehr gewagt scheint es, Sagenzüge, die längst alle Beziehung und allen Zusammenhang verloren, wieder an den Himmelsgott anzuknüpfen. Denn keine Gewähr ist vorhanden, dass diese Stoffe einst wirklich, nicht nur in unserer Einbildung, zu Tiuz, und den Alkî, gehört haben. Nur eine einzige Sage, wie der Himmelsgott sein Weib errang, hat sich in lebendiger Darstellung erhalten, doch auch in bestimmter Beziehung zum schwedischen Freyr. Unter seinem Namen soll sie mitgeteilt werden.

II. Freyr.

I. Des Gottes Art und sein Kult.

Auf einer Insel der Nordsee, in heiligem Hain erhub sich das Stammesheiligtum der Ingvaeonen. Dort befand sich ein mit Teppichen verhängter Wagen, dem nur der Priester nahen durfte. Zu gewisser Zeit wurde die Gottheit Nerbus auf einem mit Kühen bespannten Wagen unter dem Geleit des Priesters umhergeführt. Wohin der Umzug kam, überall herrschte Friede und Festesfreude. Bei der Rückkehr ins Heiligtum wurde die Gottheit im See gebadet; die dienenden Knechte wurden ertränkt, damit kein frevles Auge das Geheimniss erschaue.') Was bier von einer Göttin Nerpus erzählt wird, stimmt auffallend zu dem, was nordische Quellen von Njord und seinem Sohn Freyr ?), die in Schweden verehrt

1) Tas. Germ. 40. Reudigni deinde et Aviones et Anglii et Varini el Eudoses et Suardones et Nuithones fluminibus aut silvis muniuntur. nec quisquam notabile in singulis, nisi quod in commune Nerthum, id est terram matrem, colunt eamque intervenire rebus hominum, inveli populis arbitrantur. est in insula oceani castum nemus, dicatumque in eo vehiculum, veste contectum; attingere uni sacerdoti concessum. is adesse penetrali deam intellegit vectamque bubus feminis multa cum veneratione prosequitur. laeti tunc dies, festa loca, quaecumque adventu hospitioque dignatur. non bella ineunt, non arma sumunt; clausum omne ferrum; pax et quies tunc tantum nota, tunc tantum amata, donec idem sacerdos satiatam conversatione mortalium deam templo reddat. mox vehiculum et vestes et, si credere velis, numen ipsum secreto lacu abluitur. servi ministrant, quos statim idem lacus haurit. arcanus hinc terror sanctaque ignorantia, quid sit illud, quod tantum perituri vident.

2) Die Bedeutung des Namens ergibt sich aus den andern german. Sprachen. Freyr weist auf urgerm. frauja:; neben der starken Form, welche der Göttername bewahrt, steht sonst die schwache, das Thema fruujan, im got. frauja as. frồio ags. frigea, daneben Ableitungen ohne j (Kluge, Nominale Stammbildungslebre der altgerm. Dialekte, Halle 1886, § 14) ags. frea as. frø frao ahd. frø. Das Wort wird dem weltlichen Herrn, mit Vorliebe aber Gott beigelegt. Wulfila übersetzt zugos damit. Vgl. Kluge, Etymol. Wb. unter „frohn“. Eine neue Deutung schlägt Kögel (Zfd A. 37, 272) vor. Der Göttername urgerm. * Frawias, an. Freyr ist von dem adj. frawa- froh, heiter, sanft abgeleitet, wie sanskrit Bhavya von Bhava. Nur diese Ableitung wird dem Wesen des Gottes, in dem die milde, wärmende Frühjahrssonne verkörpert ist, völlig gerecht. Dagegen ist got. frauja Herr nebst dem entsprechenden Femin. ahd. frouwa (aus fraunjậ) fern zu halten. frauja ist eine Steigerungsform zu *frawa, ahd. as. frô ags. frea Herr; dieses adj. *fruwa ist wurzelverwandt mit aind. pūrva der vordere, got. fruma der erste. Der Gleichklang von frana froh und fruwa-Herr beruht also auf Zufall.

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wurden, berichten. An ihren Namen knüpft die goldene Friedenszeit, das glückliche Zeitalter des Nordens, bier wie dort wird die Friede spendende Gottheit auf einem Wagen unter dem Volk umhergeführt. Njorpr, aus * nerþuz entstanden, ist lautlich gleich Nerthus, wie die besten Tacitushandschriften bieten. Nur ist im Norden ein Gott, bei Tacitus eine Göttin mit dem Namen belegt. Die urgermanischen u-Stämme lauten im Fem. und Masc. gleich, also ist jede der beiden Verwendungen sprachlich möglich. Das gemeingermanische Wort nertu, „guter Wille“, wurde als Eigenschaftsbenennung auf Personen übertragen, nerpuz meint die wolthätige, holde Gottheit und kann ebenso einem Gott wie einer Göttin zuerteilt werden.) Bei Tacitus ist wol von der vielnamigen und vielgestaltigen Hauptgöttin der Germanen, von der mütterlichen Erde die Rede, die dem Himmelsgott als Gattin und Schwester gesellt war. Zieht die bolde Göttin durch die Fluren, so geleitet sie als Vertreter des Gottes der Priester; wenn der Gott umfährt, steht ihm die Priesterin zur Seite, wie bei Freyr in Schweden. Beiwörter der Gottheit wandelten sich im Norden zu Eigennamen. Njord und Freyr, einst der holde (nerpu5) und der herrschende oder der frohe (fraujaz) Himmelsgott, sind als Vater und Sohn gedacht, aber im Grunde ihres Wesens einander völlig gleich. Mit seiner Schwester erzeugt Njord den Freyr.

Mit Freyr und Njord 2) hat es im nordischen Götterkreis besondere Bewandtniss. Einstimmig nennen alle Zeugnisse Schweden als die Heimat des Freysdienstes. Von dort wurde er frühzeitig nach Norwegen, nach Drontheim verpflanzt, jedenfalls vor dem 9. Jahrhundert, denn die Norweger fabren von 876 ab unter Thors und Freys Schutz nach Island.

In den Liedern und in Snorris Edda heissen Njord, Freyr und Freyja Wanen, vanir 1) im Gegensatz zu den Asen. Die Wanen sind ein glänzendes, lichtes Geschlecht ?), die mit Jahressegen, Frieden und Reichtum zu schaffen haben, in Wesen und Benennung von den kriegerischen Asen unterschieden. Auch Herkunft und Heimat trennt Wanen und Asen, obwol sie sich später in der Vorstellung nordischer Dichtung vereinigten. In die Urzeit verlegt die Sage einen Krieg zwischen Asen und Wanen. Vol. 21. Ich weiss als ersten der Weltenkriege,

1) Zu idg. nerlu- Fick, Vergleichendes Wb. d. idg. Sprachen I, 1. Aufl. 98,503; Kauffmann, Beiträge 18, 145. Ältere Erklärungsversuche stellt Schade, Altd. Wb. I, 645 zusammen. Kögel, Gesch. d. deutschen Litt. I, 1, 22 und Noreen, Abriss der urgerm. Lautlebre 209 vergleichen Nerthus mit végtep01, „die Unterirdischen“, viptaros u. Ä.

2) Über den Zusammenhang von Nerthus mit Njord-Freyr u. über die Wanen Uhland, Schriften 6, 150 ff. ; 7, 494ff. Müllenhoff, Schmidts Zeitschrift f. Gesch. 8, 227 ff.; Deutsche Alterthumskunde 5, 1, 39 ff., 95 ff. ; Weinhold. Über den Mythus vom Wanenkrieg, Sitzungsberichte der Berliner Akademie 1890, S. 611 ff. Spuren vom Wanenkrieg glauben Detter und Heinzel, Beiträge 18, 542 ff. in mehreren Erzäblungen Saxos nachweisen zu können. Ganz anders erklärt H. E. Meyer, Völuspa, S. 93 ff. den Wanenkrieg aus christlichen Vorstellungen.

als Gullweig sie mit Geeren stiessen
und sie in Hawis Halle verbrannten,
dreimal verbrannten die dreimal geborne,
oft und häufig,

doch immer noch lebt sie. Vol. 22. Heid hiess man sie, wo ins Haus sie kam,

die sinnvolle Zaub’rin mit dem Sehergeist;
hirnverrückende Hexenkunst trieb sie,

leidiger Weiber Lust war sie stets.
Vol. 23. Da gingen zu Sitze die Götter alle,

die heiligen Herrscher, und hielten Rat:
ob Zins die Asen zahlen sollten
oder alle Götter die Opfer geniessen.

1) Njord heisst cananiiti, vanr Skáldsk. Kap. 6; Vafpm. 39,
In Wanaheim ward er von weisen Mächten geschaffen,

und als Geisel den Göttern gesandt;
doch dereinst wird er kehren am Ende der Welt

zu den weisen Wanen zurück. Freyr heisst vaningi Skírn. 38; vanaguá Skáldsk. Kap. 7; Freyja vanadís Gylfag. Kap. 35; Skáldsk. Kap. 20 vanagort; ebenda Kap. 37 vanabruer. Sonst steht der Ausdruck noch in der Ynglingasaga.

2) Im Heliand begegnet ein Adj. wanum, hell, glänzend, dazu Adv. wanamo und Subst. wanami. Vielleicht gehören dazu die abd. Eigennamen Wanine, Wanilo, mit Umlaut Wenilo, Wenila. Ob wanum oder wânum anzusetzen ist, darüber gehen die Ansichten auseinander. Entweder gehören die nord. vanir oder das an. runn, schön dazu. Zum Wort J. Grimm, Gött. gel. Anz. 1531 n. 8, S. 74; Geschichte der ds. Spr. 653 f.; Vilmar, Deutsche Altertümer im Heliand, Marburg 18 15, 17 ff.; Müllenhoff, Schmidts Zeitschr. 5, 240; Bebaghel, Germania 21, 143; Sievers, Heliand S. 505 zu 169 u. S. 539 zu 5766. Aus den verwandten Sprachen bietet sich zum Vergleich Venus, venustus, sanskrit ranas, Reiz, Wonne. Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre, Strassburg 1894, S. 50 u. 53 zieht aind. vanam, Wasser heran, ags. wos an. rás (aus wans) Nåsse und erklärt Vanir als Seegötter. Der altschwedische Seename Vônir stehe im Ablaut zu Vanir. Freyr und Njord als Seegötter wären teilweise wol zu verstehen.

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Vol. 24. Den Schaft hatte Odin geschleudert ins Heer

das auch geschah . im ersten Weltkrieg
da brach der Wall in der Burg der Asen,

die streitbaren Wanen zerstampften das Feld. In Gullweig, der Goldigen, darf man vielleicht eine Wanin, die Freyja vermuten. Als die glänzende Frau aus der Schar der Wanen unter den Asen erschien, an deren Spitze Odin, der Herr der Gespenster, der Kriegsfürst, der wilde Jäger stand, wurde sie misshandelt. Die Früchte des Friedens und gedeihlichen Handels, das erworbene Gold fallen als Raubbeute dem Krieger zu. Der Reichtum, den die milden Götter der Sommerwonne und des Sonnenglanzes spenden, reizt zu Heerfahrt und Beutezug. So wird das Gold Ursache des Krieges, Krieger, Bauer und Kaufmann, Asen und Wanen geraten an einander. Siegreich behaupteten die Wanen das Feld. Nun berieten die Asen über den Frieden, ob sie den von den Wanen geforderten Zins erlegen oder ob sie ihnen ihr zweites Verlangen zugestehen sollten, gleichberechtigt mit den Asen Opfer zu empfangen. Und so wurde beschlossen. Denn wirklich erscheinen die Wanen im Kreise der Asen und stehen ihnen an Ehren nicht nach. Ergänzend berichtet die Ynglingasaga Kap 4: Odin fuhr mit einem Heer gegen die Wanen, die aber verteidigten ihr Land und waren mehrmals siegreich. Nachdem beide Teile in längerem Kriege einander Schaden angethan hatten, kam es zur Versöhnung, Friede wurde geschlossen, Geiseln wurden gestellt. Die Wanen gaben ihre besten Leute, den reichen Njord und seinen Sohn Freyr, die Asen dagegen den Hoenir, einen stattlichen und schönen Mann, doch beschränkten Sinnes, weshalb ihn der weise Mimir als Beirat begleitete. Den Njord und Freyr setzte Odin zu Opferpriestern ein. Freyja Njords Tochter war Priesterin, sie übte zuerst unter den Asen Zauberei (seid), wie sie bei den Wanen üblich war. Nach Wanenbrauch, der bei den Asen verboten war, hatte Njord seine Schwester zur Frau. Ein deutlicher Gegensatz zwischen den kriegerischen, geistesmächtigen Asen, die im Besitz höherer sittlicher Anschauung sich befinden, und den vielfach noch im Naturzustand verharrenden Wanen tritt auch hier zu Tage. Freyja als Zaubrerin fällt offenbar mit der Zauberkundigen Hexe Gullweig zusammen. Den Asen ist ihr Wesen neu und fremdartig. Nur weiss Snorri nichts von vorhergehender Gewaltthat in Odins Halle, welche nach der VQlospý den Krieg verursacht hatte.

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