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Thors Böcke. Thor in Utgard.

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schlug nicht zu. Jener nannte sich Skrymir (Grosssprecher). „Dich brauch ich nicht um den Namen zu fragen; ich weiss, dass du Asathor bist. Aber wohin hast du meinen Handschuh geschleppt?“ Da merkte Thor, dass sie darin genächtigt hatten. Das Nebenhaus war der Däumling. Skrymir wanderte mit den Gesellen und schnürte ihre Vorratssäcke alle in ein Bündel zusammen, dass er auf den Rücken warf. Abends legte er sich unter eine Eiche und schlief alsbald ein. Thor wollte mit seinen Genossen zu Nacht essen, aber vergebens versuchte er die Riemen des Bündels aufzuknoten. Zornig fasste er seinen Hammer und schlug Skrymir aufs Haupt. Der erwachte und fragte, ob ein Blatt ihm aufs Haupt gefallen sei. Um Mitternacht wiederholte Thor den Schlag auf den Wirbel, dass das Hammerende tief eindrang. Erwacht fragte Skrymir: Fiel mir eine Eichel auf den Kopf? Zum dritten Mal, kurz vor Tag, schwang Thor den Hammer auf Skrymirs Schläfe, dass er bis zum Schafte eindrang. Skrymir stand auf und rieb seine Wange: Es müssen Vögel auf dem Baum sitzen, eine Feder fiel mir auf den Kopf. Wachst du, Thor? Es ist Zeit aufzustehen. Ihr habt nimmer weit bis nach Utgard. Dort werdet ihr noch grössere Leute sehen. Überhebt euch nicht zu sehr. Damit warf er seinen Bündel auf den Rücken und ging in den Wald hinein. Die Asen wünschten ihm keine gute Reise.

Thor wanderte mit seinen Gefährten weiter, bis sie zu einer hohen Burg gelangten. Der Eingang war mit einer Gitterthüre verschlossen. Da sie diese nicht aufmachen konnten, schlüpften sie zwischen den Stäben hindurch. In der Halle fanden sie viele grosse Männer. Der König Utgardaloki nabm ihren Gruss säumig auf und wunderte sich über Thors Kleinheit. Er schlug den Gästen vor, sich mit seinen Leuten im Wettspiel zu messen. Loki versuchte sich gegen Logi im Essen; Loki ass alles Fleisch von den Knochen, Logi aber verzehrte das Fleisch mitsamt den Knochen und dem Trog dazu. Thjalfi ward von Hugi im Wettlauf besiegt. Thor sollte ein Horn auf einen Zug ausleeren. Dreimal setzte er gewaltig an, aber kaum war ein Abgang im Horn bemerkbar. Dann sollte er Utgardlokis Katze vom Boden aufheben; so gewaltig Thor sich stemmte, nur einen Fuss der Katze brachte er vom Boden. Endlich sollte er mit Elli, Utgardlokis Amme ringen. Das alte Weib stand fest, Thor sank ins Knie. Am andern Morgen brachen die Asen auf, Utgardloki gab ihnen das Geleite und gestand Thor, er habe Tags zuvor allerlei Blendwerk vorgemacht. Zuerst als Skrymir habe er das Bündel mit Eisenbändern verschnürt; darauf vor Thors Hammerhiebe Felsen gehalten, worein grosse Vertiefungen geschlagen wurden. So war es auch bei den Spielen. Logi war das fressende Wildfeuer, Hugi, der mit Thjalfi um die Wette lief, der windschnelle Gedanke. Das Horn konnte Thor nicht leeren, weil sein eines Ende im Meer lag, die Katze war die grosse Weltschlange, die Amme Elli das Alter, das noch niemand zu beugen vermochte. Da hob Thor den Hammer, aber Utgardloki war verschwunden und auch von der Burg war nichts mehr zu sehen. 1)

Skrymir und Utgardloki sind also mit einander eins, die Sage läuft auf Trug und Blendwerk hinaus, wogegen Thor machtlos ist. Zur Erläuterung dient Saxos Bericht, bei welchem Thorkillus den Thor vertritt, aber im Grunde doch völlig mit ihm zusammenfällt.

König Gorm wollte Geruths Land besuchen, von dessen Beschaffenheit er durch Isländer gehört hatte. Unglaubliches wurde von den Schätzen berichtet; gefährlich war die Seefahrt dorthin, man musste weit ins Meer hinaus segeln, bis Sonne und Sterne ihren Schein verloren und Finsterniss herrsche. 300 tapfere Jünglinge unter Führung Thorkils, der schon einmal dort gewesen war und den Weg wusste, begleiteten Gorm auf 3 Schiffen, die auf Thorkils Rat besonders erbaut und ausgestattet waren. Über Halogaland hinaus gelangten sie in die weite See und legten an einer von Trollen bewohnten Insel an, wo sie 3 Leute einbüssten. Dann gings weiter nach Bjarmeland, das mit Eis und Schnee Sommer und Winter bedeckt ist und kein Getreide trägt. Schäumende Flüsse eilen durchs Land, das mit finsteren von wilden Tieren erfüllten Wäldern bestanden ist. Sie landeten und Thorkil befahl seinen Genossen mit keinem der Landsbewobner zu reden. Früh am Morgen kam der Riese Guthmund und lud sie zu sich ein. Der suchte die Dänen durch Zauberspeisen und schöne Weiber in seine Gewalt zu bringen, aber Thorkil warnte seine Leute, nur vier wurden verführt. Dann setzte Guthmund die Dänen über den Strom, der von einer goldenen Brücke überspannt die Welt der Menschen und Geister trennte. Sie betraten Geruths Land. In dunkelm Nebel lag eine grauenvolle Stadt, von Thor bei Geruth und Ugarthilocus.

1) Gylfaginning Kap. 45–17; auf das Abenteuer mit Skrymir spielen Hárb. 26, Lokas. 60 und 62 an. Im übrigen wird nichts davon erwähnt. Skrymir steht nur noch unter den Riesennamen der Snorra Edda.

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Gespenstern bewohnt, von wilden Hunden bewacht. In der Stadt herrschte greulicher Gestank. Sie gelangten zu einer Felsenböble, die sie nur zögernd auf Thorkils Anweisung, nichts anzurühren, betraten. Die Höhle sah grässlich und abscheulich aus, Thüren und Wände waren rauchgeschwärzt, das Dach war mit Pfeilen gedeckt, am Boden krochen Nattern. Auf eisernen Stühlen sassen Gespenster. Auf einem Hochsitz sass ein alter Mann, sein Leib war durchbohrt und an den Felsen befestigt. Bei ihm sassen drei Weiber mit zerbrochenem Rücken. Thorkil erzählte, der starke Gott Thor sei durch Geruths Hochmut erzürnt worden und hätte ihn mit einem glühenden Eisenkeil an den Fels gefestigt; zugleich traf Thor mit dem Blitz die drei Weiber.1) Nachdem die Dänen noch einen Kampf mit den Gespenstern bestanden, worin die meisten umkamen, rettete sich der Rest zu Guthmund und von dort nach Dänemark.

Gorm will wissen, welchen Aufenthalt und Lohn die Seele nach dem Tode babe. Um das zu erkunden, wird Thorkil zu Ugarthilocus entsandt. Sie segeln wieder ins Land der ewigen Finsterniss. Von zwei Trollen, die in einer Höhle am Feuer sitzen, wird Thorkil der Weg gewiesen. In einer Höhle liegt Ugarthilocus an Händen und Füssen mit eisernen Ketten gefesselt. Sein Haar war wie spitziges Horn oder Schwerter und verbreitete entsetzlichen Geruch.2) Als sie eines auszogen, werden sie von giftigen Nattern und Trollen angegriffen und verfolgt. Thorkil allein bleibt am Leben und rettet sich, indem er zum Christengott ruft.

Bei Saxo erscheint Thors Fabrt zu Geirröd und zu Utgardaloki deutlich als Besuch in der Unterwelt und ist mit allen Schrecken der Hölle ausgemalt. Mag auch einiges von Saxo aufgetragen sein, in der Hauptsache ist er doch von der Darstellung seiner isländischen Quellen geleitet, welche mehr als die uns bekannte Uberlieferung das Schauerliche hervorkehrten. Damit wird der Weg zum Verständniss gewiesen; nicht von irgend welchen Naturvorgängen hat die Erklärung auszugehen, vielmebr von der im klassischen Altertum und im christlichen Mittelalter gleich beliebten Höllenfahrt, die dem Thor, wie dem Hercules und Märchenhelden gerne zugeschrieben wird.

1) Saxo VIII S. 426 procedentes perfractam scopuli partem nec procul in editiore quodam suggestu senem perluso corpore discissae rupis plagae adversum residere conspiciunt. praeterea foeminas tres corporeis oneratas strumis ac veluti dorsi firmitate defectas junctos occupasse discubitus. cupientes cognoscere socios Thorkillus, qui probe rerum causas noverat, docet, Thor divum gigantea quondam insolentia lacessitum per obluctantis Geruthi praecordia torridam egisse chalybem, eademque ulterius lapsa, convulsi montis latera pertudisse; foeminas vero vi fulminum tactas infracti corporis damno ejusdem numinis attentati poenas pependisse firmabat.

2) Saxo VIII S. 431 qua (aqua) transila paulo devexiorem situ speluncam aggreditur. ex qua item atrum obscoenumque conclave visentibus aperitur. intra quod Ugarthilocus manus pedesque immensis catenarum molibus oneratus aspicitur; cujus olentes pili tam magnitudine quam rigore corneas aequaverant hastas.

Útgarfir ist die Aussenwelt, die Wildniss, wo keine Menschen wohnen, wo alles wist und öde ist. Ins unbewohnte Land verweist der Volksglauben gern die Unbolde. Im Norden und Osten, im Eismeer und in der Bergwildniss hausten nach norwegischem Glauben die Trolle und Riesen, bei den wilden, als Zaubrer verschrieenen Lappen und Finnen. Trollabotnar d. i. Trollengründe heisst die schaurige Einöde des Polarmeeres.') Die Fahrt ins Trollenreich ist auf Thor übertragen. Aber zugleich auch der Besuch in der Unterwelt, die durch tiefe Wasser und dunkle Wälder von der Oberwelt getrennt ist. Nach der Ansicht des Mittelalters liegt der Teufel in Banden bis zum Anbruch des jüngsten Tages. Der gefesselte Loki ist eine deutliche Nachahmung dieser Vorstellung.) Der Sage ist Thor Beschirmer der Welt, Midgards, den Einbruch der Riesen und Trolle schlägt er siegreich zurück. Aber sobald er das Heim der Trolle und das Reich der Hölle betritt, wird seine Macht vor dem trügenden Blendwerk der bösen Feinde zu Schanden.

Mit Thors Fahrten bringt Saxo den Besuch bei Gudmund 3) in Verbindung. Von König Gudmund auf Glaesisvellir, dem Ge

1) Über Trollebotn, das von Unholden erfüllte Nordmeer zwischen Bjarmland und Grönland vgl. Grönlands historiske mindesmaerker 3, 212; monumenta hist. norv. 76; Storm, arkiv f. nordisk filologi 7, 345. Den Typus der spătern Sage von der Fabrt in die Trollengründe zeigt am besten die norwegische Ballade bei Landstad, norske folkeviser Nr. 1.

2) Über das Aussehen des Trollenheims und der Hölle E. H. Meyer, German. Myth. $ 205, 210, 234. Über den gefesselten Teufel, Grimm, Myth. 963; 3, 297. Loki ist Lucifer in schmucker Gestalt, Utgardloki der hässliche Teufel, Bugge, Studien 79.

3) Die Gudmundsage in der Saga von Thorstein boejarmagn (Fornmannasögur III 174 ff.) und im Þáttr von Helgi Thorrisson (Fms. III 135); vgl. noch Hervararsaga Kap. 1. Die Thorsteinssaga, die auch vom Besuch bei Geirröd weiss, ist überbaupt ein märchenhafter Ausläufer der Thorsmythen, ähnlich wie Saxos Thorkilgeschichte. Zur Sage vgl. P. E. Müller, notae uberiores zu Saxo 1 245 ff.; Maurer, Bekehrung 1, 330; Uhland, Schriften 3, 38 ff. ; 8, 110; Simrock, Myth.: 259; Müllenhoff, Altertumskunde 5, 116 und 118; Heinzel, Wiener Sitzungsberichte 1885, Band 109, S. 697 tf.; Bugge, Arkiv f. nordisk filologi 5, 26.

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filde des Glanzes, erzählen erst spätere isländische Quellen des 14. Jahrhunderts, die zum Teil von Saxo unabhängig sind. Gudmund, dessen Reich bei Bjarmeland gedacht wird, ist offenbar in der Volkssage ein Elbenkönig. Unsterblichkeit, Wonne und Reichtum herrscht dort, seine Tochter Ingeborg entzückt Helgi Thorirs Sohn zu sich. Aber der Elben Rache bringt dem Menschen, der wieder zur Erde zurückkehrt, Tod und Verderben. Dem König Olaf Tryggvason reicht Helgi ein Geschenk der tückischen Elben, ein goldenes Horn, das beim Kreuzeszeichen mit Getöse zerspringt. Helgi selber ist geblendet. Wir haben somit eine alte Elbensage, schon zu Saxos Zeit an einen König Gudmund geknüpft. Thor hat schwerlich damit zu schaffen gehabt.

Unverkennbar geht die Entwicklung Thors in diesen Geschichten immer mehr abwärts. Das ist nicht die Auffassung, die ein gläubiges Volk dem gefürchteten, gewaltigen Gott entgegenbringt. Erst in den Zeiten, da der Heidenglaube wankte, konnten solche Erzählungen entstehen, wo der Gott gleich wie jeder andre starke Mann im Märchen zum blossen Zeitvertreib, zur Unterhaltung geschildert wurde.

Thor und die Riesinnen. Auf einige Mythen sind nur Anspielungen bekannt. Thor rühmt sich, den Thjazi, den trotzigen Riesen erschlagen und seine Augen zum Himmel hinaufgeworfen zu haben.') Bragi rühmt Thor als den Zerschmettrer der neun Häupter des Thrivaldi. Nach dem Skald Vetrlidi zerbrach Thor die Beine der Riesin Leikn. Thorbjorn Disarskald nennt in einer Strophe mehrere Kämpfe mit den Thursenweibern Keila, Kjallandi, Búseyra, Svivor, Hengjan-Kjapta und Lut.

Thor hat in der nordischen Skaldendichtung eine Menge Beinamen, welche nur zum Teil verständlich sind, seiner Thätigkeit

1) So Hárb. 19 und Bragi SE. 1, 318, 2 gegen Bragar. 2. Thrivaldi SE. 1, 256; Leikn SE. 1, 259. Thorbjorn Dísarskald SE. 1, 260. Auf ähnliche Kämpfe mit Riesen und Riesinnen spielen die Hárb. 20, 29, 37, 39 an.

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