Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Rechtfertigung aus dem Glauben allein durch eine andere Rechtfertigungslehre zu erseßen. Was nüßt es, sagt er, wenn jemand sagt, er habe den Glauben und hat doch die Werke nicht? kann ihn auch der Glaube selig machen? Hat der Glaube nicht Werke, so ist er todt an sich selbst. Aber es wird Einer sagen: „Du hast Glauben, ich habe Werke; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, und ich will dir aus meinen Werken den Glauben zeigen!“ Du glaubst, daß Einer Gott ist? Du thust recht; auch die Dämonen glauben und zittern. Willst du aber wissen, du leerer 179) (eitler) Mensch, daß der Glaube ohne Werke todt ist. Bei Abraham, unserm Vater, hat der Glaube mitgewirkt an seinen Werken und durch seine Werke ist sein Glaube vollendet worden. So sehet ihr nun, daß der Mensch durch die Werke gerecht wird und nicht durch den Glauben allein. Und wie der Leib ohne Geist todt ist, also ist auch der Glaube ohne die Werke todt 180).

Diese Erörterung ist unverkennbar mit Bewußtsein und Ueberlegung gegen Paulus geschrieben, wie sich auch überdies der Brief noch an andern Stellen auf den Römerbrief des Paulus bezieht, der ja in Korinth im Jahr 57 oder 58 geschrieben wurde, also vor seiner Absendung von den Mitgliedern der forinthischen Gemeinde, in deren Mitte sich auch Apollos damals befunden haben konnte, gelesen und abgeschrieben worden sein konnte 181).

Daß nun aber diese Opposition gegen die paulinische Rechtfertigungslehre, welcher unser Verfasser eine andere entgegenseßt, nicht von cinem palästinenfischen Judenchristen ausgegangen sein kann, wird durch den übrigen Inhalt und Geist des Briefes zur Sewißheit erhoben, welcher schon durch das vergleichungsweise gute Griechisch, wie es z. B. der palästinensische Verfasser der Apokalypse nicht schrieb und überhaupt ein Mitglied der jerusalemitischen Gemeinde schwerlich schrieb, auf einen außerpalästinensischen, hellenistischen Ber: fasser hinweist. Noch entschiedener aber weist auf einen solchen, und zwar auf einen alerandrinisch-juden christlichen Verfasser der ganze Anschauungs- und Ideenkreis des Briefes 182).

179) Wenn Paulus im ersten Korintherbrief 1, 19 in seiner Polemik gegen die apollische Weisheit sich ein etymologisches Wortspiel auf den Namen des Apollos erlaubte; so liegt es hier nahe, die Anrede des Gegners, unter dem Niemand anders als Paulus selbst verstanden ist, als eines leeren oder eiteln Menschen auf den Sinn zu beziehen, den der frühere Name des Paulus als griechisches Wort: oaŭdos hat, welches nämlich einen eiteln oder affectirten Menschen bezeichnet.

180) Jakobus 2, 14—26.

142) Die Stellen sind: Jakobus 2, 24 (Römer 3, 28) u. 2, 21—23 (Römer 4, 2-5).

Die Unterscheidung des Gottes, d. h. des höchsten Gottes oder des Höchsten schlechthin, von den Dämonen, als den Göttern der Heiden, die sich in unserm Briefe findet, ist wesentlich alerandrinische Anschauung 183). Die Anschauung, daß Gott nicht zum Bösen versuche, worin zugleich eine polemische Beziehung auf eine andere Anschauung des Paulus 184) zu liegen scheint, ist ebenfalls wesentlich alerandrinisch, näherhin therapeutisch und findet sich auch im Buche der Weisheit ausgesprochen 185). Die Verwerfung des Reichthums theilt der Verfasser des Jakobusbriefes ebenfalls mit den Therapeus ten und mit Philon überhaupt 186), welcher von den Therapeuten sagt, daß sie, ohne Silber und Gold zu Schäßen zurückzulegen, doch in Wahrheit die Reichsten seien. Die Bezeichnung Gottes als Vaters des Lichtes ist ebenfalls aleşandrinisch, und bei Philon wird Gott als Quelle des reinsten Lichtes bezeichnet, ale des Lichtes Natur und Lichtbringer, der feines Lichtes bedürfe, da er sich selbst Licht sei 187). Wird nun weiter vom Verfasser des Jakobusbriefes gesagt, der Vater des Lichtes sei es, der uns nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit gezeugt habe, damit wir Erstlinge seiner Schöpfungen seien 188), so ist dies durch und durch alerandrinische Anschauungsweise; denn auch Philon sagt von den Therapeuten, daß fie Gott bitten, er möge ihren Geist mit himmlischem Licht erfüllen; denn der himmlische Vater befruchte die gottgeliebte Seele mit geistigem Lichte, durch welches sie die Lehren der Weisheit zu erschauen vermöge, und im Buche der Weisheit wird, was im Jakobusbriefe vom Logos der Wahrheit als dem Princip der Wiedergeburt gesagt wird, von der göttlichen Weisheit gelehrt, daß sie als Abglanz des ewigen Lichtes Alles erneut, in heilige Seelen eingeht und sie zu Freunden Gottes fchafft 189). In der besprochenen Stelle des Jakobusbriefes scheint übrigens überdies eine polemische Beziehung auf das enthalten zu sein, daß Paulus zu den Korinthern sagte, sie seien sein Werk im Herrn, er habe sie in Christus durch das Evangelium gezeugt; mogegen nun sein alerandrinisch gebildeter Gegner darauf hinweist, daß Gott selbst sie durch den Logos der Wahrheit gezeugt habe zu Erftlingen seiner Schöpfung 19). Wie Paulus den Tod Jesu Christi ale die erlösende Macht und den Herrn selbst als erlösende Persönlichkeit bezeichnete und in den Mittelpunkt seiner Predigt stellte, so erklärte dagegen der Verfasser des Jakobusbriefes den eingepflanzten Logos der Wahrheit für denjenigen, der die Seelen seiner Leser retten könne 19). Wahrheit und Weisheit, und zwar die Weisheit von obenher, werden überhaupt von ihm besonders hervorgekehrt 192), und als höchster sittlicher Begriff ganz in der Weise Philon's und der Therapeuten die vollkommenheit, das vollkommene Werk, das vollkommene Gefeß, der vollkommene Glaube bezeichnet 193). Die Er: mahnung, sich von der Welt unbefleckt zu erhalten, wie sie für eine unter Heiden lebende Gemeinde fich sehr leicht erklärt, weist überdies auch auf Seiten dessen, von dem sie ausgeht, auf einen schon mit dem Bewußtsein verwachsenen Gegensaß der Heiligen zur Welt, und auf ihr Zusammenleben mit Heiden, wie solcher unter den hellenistischen und namentlich aleşandrinischen Juden gegeben war. Aus therapeutischen Anschauungen oder wenigstens einer Rennt: niß Philons erklärt fich ferner die Gleichnißrede, die unser Verfasser an die Ermahnung knüpft, nicht blos sich selbst täuschende Hörer, sondern Thäter des Logos zu sein. Denn (heißt es) ist Einer Hörer des Logos und nicht Thäter, so gleicht dieser einem Manne, welcher das Angesicht seiner Geburt im Spiegel überdenkt und nachdem er sich so betrachtet hat, hingeht und vergißt, welcher Art er war. Wer aber in das vollkommene Geseß der Freiheit hineinlugt und festbleibt und nicht ein Hörer der Vergessenheit, sondern ein Thäter des Werkes ist, dieser wird selig fein in seiner That 194). Bei der Schilderung der heiligen Festfeier der Therapeuten am fünfzigsten Tage, die Philon gibt, wird nun erwähnt, daß der Aelteste auftritt und weise und verständige Worte spricht, die auf allegorischer Auslegung der Schrift ruhen, und die vernünftige Seele der Hörer schaut in den vernünftigen Worten wie in einem Spiegel ihr eigen Angehörigeg 195). Die Rede des Aeltesten hat also den Zweck, dem Hörer im göttlichen Logos sein eignes göttliches Urbild vorzuhalten, worin er sich selbst seinem wahren Wesen und himmlischen Ursprunge nach zu erkennen habe, um sich diesem seinem himmlischen Bilde ähnlich zu machen und also durch das Wort der Wahrheit gezeugt, ein göttliches Geschöpf zu sein 196).

182) Schon von Credner, Einleitung in das N. T. I, S. 602 f. wird darauf hingewiesen.

183) Jatobus 2, 19. Bgl. Däbne, die alerandrinische Religionsphilosophie I, S. 260 F. II, 68 f. 141 f. 152. 236.

184) 1 Korinther 10, 12 f. (Gott läßt euch nicht versuchen über Vermögen).

185) Jakobus I, 13 ff. verglichen mit Vs. 17 f. Philon, über das beschauliche Leben, S. 877 (Franff. Ausgabe) sagt von den Therapeuten: sie führen auf Gott als Urheber alles Gute, dagegen nichts Böses zurück. Buch der Weisheit 1, 12 f. 2, 23 f.

186) Dähne a. a. D. I, S. 413 ff. Philon's Werke, Fragmente (Mangey's Ausgabe) II, S. 633. Jakobus 2, 5 f. 5, 1 ff.

187) Jakobus 1, 16. Dähne a. a. D. I, S. 272 u. 274. Vgl. B. d. Weisheit 17, 20 ff. 18, 1 ff.

188) Jakobus 1, 18.

189) Philon, vom beschaulichen Leben (Frankf. Ausgabe) S. 899. 903. B. d. Weisheit 7, 26 f.

190) Jakobus 1, 18. 1 Korinther 4, 15, 3, 6. 9, 1. Auch das im Jafobusbrief gebrauchte Wort anexúnoev (zeugte) ist ein philonisches. Dähne a. a. D. I, S. 252.

191) Jakobus 1, 21.
192) Jakobus 1, 5. 18. 3, 14 ff. 5, 19.
198) Jakobus 1, 4. 25. 3, 2.

Der Verfasser unsere Briefes wirft einen mißbilligenden Blick auf diejenigen, die da für die Zukunft Pläne machen, in diese oder jene Stadt zu gehen und dort Geschäfte zu machen und zu gewinnen 197). Dies weist ebenfalls auf die Abneigung der Therapeuten und Philon's selbst gegen Handel, Gastwirthschaft und Seewesen, weil solche Beschäftigungen zu Habsucht Veranlassung geben, wogegen die friedlichen Geschäfte und Künste und der Landbau gepriesen werden, bei denen Bedürfnißlosigkeit und Zufriedenheit als wahrer Reich: thum gelte 198). Aus dem Zusammenhang dieser alexandrinisch-jüdifchen Anschauungen erklärt sich auch der Sinn des vollkommenen Gefeßes der Freiheit, welches eben kein anderes als das heilige Leben

194) Jakobus 1, 23-25.
195) Philon, vom beschaulichen Leben (Frankf. Ausg.) S. 901.
196) Vgl. Jakobus 1, 18.
197) Jakobus 4, 11.

198) Philon, daß jeder Gerechte frei fei (Frankf. Ausg.) S. 876 ff. u. Fragmente (Mangey's Ausg.) II, S. 633.

und Streben nach Vollkommenheit, als Freiheit von aller Befleckung mit der Welt 19), von aller Berührung mit dem Ungöttlichen, dem Weltleben. Denn die Weisheit ist ja der Weg Gottes und die Lehrerin der Enthaltsamkeit des Bauches und der Zunge, wie Philon sagt, und ganz ähnlich auch unser Verfasser 200). Das ist der rechte Gottesdienst, der reine und unbefleckte.

Wie die Verwerfung des Reichthums unserm Briefe mit Philon und den Therapeuten gemeinsam ist, so auch das Eidverbot, denn nicht blos die Therapeuten verwerfen denselben, sondern auch Philon wollte den Schwur vermieden wissen, wenn man nicht etwa dazu gezwungen würde 201). In unserm Briefe aber scheint das Eidverbot überdies eine besondere polemische Beziehung auf den korinthischen Gegner des alerandrinischen Weisheitslehrers in sich zu schließen, da sich dieser in einer etwas auffallenden Weise über den Eidschwur rechtfertigt 202), dessen er sich selbst als pharisäisch gebilde: ter Jude öfter ganz unbefangen bediente, indem er Gott zum Zeugen anruft, was gerade der Alerandriner mißbilligte. Eine andere polemische Beziehung auf seinen forinthischen Gegner scheint der Verfasser des Jakobusbriefes auch in der Stelle beabsichtigt zu haben, wo er sich dagegen ausspricht, daß man sich vornehme, heute oder morgen in diese oder jene Stadt zu gehen, um dort ein Jahr lang Geschäfte zu machen und zu gewinnen 203). Auch Paulus. schreibt den storinthern viel davon, wohin er sich wenden wolle, um sein Evangelium zu verkündigen, von dem er verlangt, daß es ihn auch ernähren müsse 204). Und wenn unser Verfasser gleich darauf den Tadel vom Zaun bricht, seine Leserrühmten sich in ihrem Uebermuth, aber alles jolches Rühmen sei verwerflich 205), so hält es in der That schwer, hierbei an einen polemischen Seitenblick auf

199) Jakobus 1, 27. 4, 4 F.

200) Philon's Werke (Mangey's Ausg.) I, 229. 294. 530. Verglichen mit Jakobus 1, 26 f. 5, 5. 3, 6. 1, 14 f. Auch der Ausdrud fonoxela (Gottesdienst) ist hier wie bei Philon derselbe (vgl. Dähne a. a. D. I, S. 420).

201) Jakobus 5, 12. Dähne a. a. D. I, 494 f. Zeller, die Philo: sophie der Griechen III, 2. S. 659. A. 2.

202) 2 Korinther 1, 17—20.
203) Jakobus 4, 13 f.
204) 1 Korinther 9, 7 ff. 2 Korinther 11, 7 f.
205) Jakobus 4, 16.

« ͹˹Թõ
 »