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Paulus nicht zu denken, dessen zweiter Korintherbrief von solchen Aeußerungen des Rühmens in der That wimmelt 206).

Eigenthümlich alexandrinisch und näher philonisch ist ferner in unserm Briefe dies, daß der Verfasser bald die Ausdrücke Gott und Vater ausdrücklich gebraucht, bald aber sich des Ausdrucks ,, Herr" in einem Zusammenhange bedient, welcher eine Beziehung auf den Herrn Jesus Christus"207) ausschließt und nur die Beziehung auf Gott zuläßt 208); der Verfasser hält bei diesem abwechselnden Gebrauch beider Bezeichnungen ganz den philonischen Unterschied fest, sofern bei Philon die gütig - weltschöpferische Kraft Gott, die mächtig-weltherr: schende und die Welt erhaltende und regierende Herr genannt wird 209).

Darf es nach allem Bisherigen als so gut wie gewiß gelten, sowohl daß unser Brief die Korinther als Leser, als auch einen in der Gemeinde derselben genau und durch eigne anschauung bekannten aleşandrinischen Verfasser auf das Bestimmteste vorausseßt; welches kann dieser anders sein, als eben Apollos, dessen Wirksamkeit ale Lehrer in Korinth durch die paulinischen Briefe thatsächlich bezeugt wird? Der Schüler Philon's, der mit den alerandrinischen Therapeuten nahe befreundete 210) Verfasser des Buches der Weisheit? Ueberdies ist die Verwandtschaft des legtern mit unserm Brief in Gedanken, Bildern, Lieblingsausdrüden und Anschauungen so auffallend, daß sich fast in jeder Zeile des Briefes Berührungspunkte und Anklänge an das Buch der Weisheit einem aufmerksam vergleichenden Blice darbieten. Diese Berührungspunkte sind zugleich solche, welche nicht etwa als eine Benußung des Buches der Weisheit durch den Verfasser des Briefes sich zu erkennen geben, sondern den legs tern als Solchen kenntlich machen, welchem die Bekanntschaft mit dem Buche der Weisheit als seiner eignen Arbeit gegenwärtig war,

206) 2 Korinther 8, 24. 9, 3 f. 10, 13. 16. 17. 11, 12. 16 ff. 30 ff. 12, 1 f. 5 f. 11 F.

207) Jakobus 2, 1.

208) Gott: 1, 13. 27. 2, 23. 3, 9. 4, 7 f. Herr : 1, 7. 4, 10. 15. 5, 4. 10. 11. 14 f.

209) Dähne a. a. D. I, S. 231 ff. II, 51 ff. (auch in der Ueberseßung der LXX dieselbe Unterscheidung).

210) Moses und Aaron werden im Buche der Weisheit als gepánovtes des Herrn genannt und von den der Weisheit Dienenden (fepanevoavtas) gesprochen: 10, 9. 16. 18, 21.

sodaß er zu derselben zugleich in dem freien Verhältniß eines Ver: fassers stand, dem der Gedankenkreis und die Grundanschauungen seines frühern Werkes bei der Abfassung des spätern natürlich fortwährend geläufig waren. Und wenn die Darstellung des Buches der Weisheit eine größere rhetorische Fülle, der Brief dagegen prägnante Kürze bei gleicher Gewandtheit und Correctheit des hellenistischen Style zeigt, so erklärt sich dieser formelle Unterschied vollauf aus dem gereiftern Alter, in welchem der Verfasser des Briefes nahe an zwanzig Jahre später, als das Buch der Weisheit abgefaßt war, sich befand.

Wir glauben durch unsere Erörterung das Räthsel glücklich gelöst zu haben, als welches der sogenannte Brief des Jakobus bisher in der Entwickelungsgeschichte des ältern Christenthums dastand. Es sind nicht wesentlich paulinische Elemente, die sich troß der Antithese gegen die paulinische Lehre in dem Briefe fänden 211), sondern derselbe athmet durch und durch den Geist ebendesselben alexandrinischjüdischen Wesens, als dessen Lehrer und Vertreter Apollos in horinth, dem Paulus gegenüber, aufgetreten war. Die Opposition des Verfassers gegen Paulus und paulinische Anschauungsweise und Wirfsamkeit ist durch den ganzen Brief eine so entschiedene, wie sie nur irgend aus dem Kreis alerandrinisch-jüdischer Bildung hervorgehen konnte, eine Opposition jedoch, die sich zugleich ebenso scharf von dem engherzigen Standpunkt der palästinensischen Judenchristen und der Urapostel selbst unterscheidet. Keine Spur finden wir in dem Briefe vom Tempelcultus, woran die jerusalemitische Gemeinde festhielt, von Sabbathfeier und Beschneidung, welche zwischen Paulus und den Uraposteln ein Gegenstand des Streites war; keine Spur endlich von jener heidenfeindlichen Gesinnung des Jakobus, deren Paulus gedenkt 212), von jener äußerlichen, an die Lebensweise eines Nasiräers erinnernden Heiligkeit, deren sich nach der kirchlichen Ueberlieferung 213) der gefeierte Vorsteher der jerusalemitischen Gemeinde, Jakobus der Jüngere, der Bruder Jesu, befleißigte. Das Christenthum des Verfassers ist weder das palästinensisch-jüdische, noch das pharisäisch hellenistische des Apostels Paulus, sondern die vergeistigte alerandriniích judenchristliche Auffassung des Christentums.

211) Wie die Tübinger Schule (Baur, das Christenthum der drei ersten Jahrhunderte, S. 97) und Ritschl (die Entstehung der altkatholischen Kirche) S. 150 annehmen.

212) Galater 2, 12.

213) Hegesipp'e, bei Eusebius, Kirchengeschichte 2, 23. Vgl. Schwego ler, das nachapostolische Zeitalter, I, S. 137 f.

Die von Paulus bei Seite geschobene tiefere Wahrheit des ur: sprünglichen Christenthums, welche in der einfachen Hingebung an Gott und der darin enthaltenen vollfommenen Gesekeserfüllung liegt, ist im Gegensatz gegen die paulinische Einseitigkeit von dem Alerandriner Apollos dargestellt worden. Das Erlösende wird nicht, wie es von Paulus geschah, in die Persönlichkeit Christi und den Glauben an ihn, sondern in das vollendete Verhalten des Menschen zu Gott gefeßt, in einen Glauben, welcher von der paulinischen Fassung des Glaubens grundverschieden ist, seinem Wesen nach aber mit der von Jesus geforderten Hingebung an den Willen Gottes zusammenfällt, d. h. in der Liebe wurzelt 214), welche in unserm Brief als das königliche Gesek bezeichnet wird. Auch in seiner Fas: sung des Glaubens ist der Verfasser ganz philonisch, indem auch Philon den Glauben, der Abraham's Zierde und Belohnung war, als Vertrauen auf Gott schildert, im Gegensaß zum Vertrauen auf irdische Dinge, Reichthum, Chre und Genüsse des Körpers, und die Frage, wie Gotte geglaubt werde, so beantwortet: Wenn Einer lernt, daß alles Andere sich wandelt, Gott allein treu und unwandelbar ist 215).

Die tiefere Fassung des Begriffes der Sünde, welche man gewöhnlich als dem paulinischen Christenthum eigenthümlich und dem übrigen Urchristenthum abgehend bezeichnet, verträgt sich mit der alerandrinisch-jüdischen Anschauung unseres Briefee, wenn sie auch nicht die paulinische ist, nichtsdestoweniger so gut, daß der Verfasser öfter auf die Sünde zurüdkommt und ihren Ursprung gründlich erfaßt. Nicht Gott, so lehrt derselbe 216), ist ein Versucher zum Bösen, sondern ein Jeder wird versucht, von seiner eignen Begierde gezogen und verlodt, und wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde, die vollendete Sünde aber erzeugt den Tod 217).

214) Jakobus 2, 1, 5. 24. 1, 6. 5, 15.
215) Dähne a. a. D. I, S. 392 f.

216) Auch hier, wie es scheint, in Opposition gegen die paulinische Anschauung, wornach das Geseß, das doch göttlichen Ursprungs ist, die Sünde mäch. tiger werden lasse.

217) Jakobus 1, 13—15.

Weiter lehrt der Verfasser, was wider die Liebe streite, sei Sünde; der Geist aber im Menschen gelüstet wider den Neid 218) und gibt größere Gnade219). Wer einen Sünder bekehrt von der Täuschung seines Weges, der hat eine Seele vom Tode errettet und wird die Menge der Sünden bedecten 220).

Eine Opposition anderer Art, als wie fie uns im Jakobusbriefe vorliegt, fand durch das ganze apostolische Zeitalter hindurch von Seiten der das palästinensische Judenchristenthum vertretenden Urs apostel gegen Paulus statt, und dies ist die dritte unterscheidende Geistesrichtung, die uns auf dem Boden des apostolischen Zeitalters begegnet.

Als Paulus mit dem Anspruch hervorgetreten war, von Christus berufen zu sein, unter den Heiden das Evangelium zu verkündigen, hatten ihm die Urapostel nur mit Widerstreben seine Heidenmission zugestanden; sie wollten von einer Aufnahme der Heiden unter die Gläubigen, ohne vorausgegangene Beschneidung und Verpflichtung zur Beobachtung des mosaischen Gesebes Nichte wissen. Bei seinem zweiten Aufenthalt in Jerusalem, bevor er seine zweite größere Bekehrungsreise antrat, hatte Paulus von den Uraposteln nur das Zugeständniß erlangt, daß ihm die Heidenpredigt, ihnen das Evangelium der Beschneidung anvertraut sei. In Antiochien hatte er mit Petrus darüber einen Auftritt, daß dieser zuerst mit Heidenchristen zusammenaß, nachher aber aus Rücksicht auf den Anhang des Jakobus die bisherige Tischgemeinschaft mit den Heiden christen wieder aufhob. Den dadurch zerrissenen Zusammenhang zwischen ihm und den ältern Aposteln, wovon der Galaterbrief ein denkwürdiges Zeugniß gibt, durch versöhnliche Schritte und Kundgebungen wiederherzustellen, scheint nach den mancherlei trüben Erfahrungen, die Pauluß während seiner zweiten großen Befehrungsreise gemacht hatte, seine Hauptabsicht bei der Ueberbringung der unter den Heiden christen gesammelten Collecte nach Jerusalem gewesen zu sein 221). Daß bei den tumultuarischen Auftritten, welche nach der Erzählung der

218) Durch des Teufels Neid ist der Tod in die Welt gekommen. B. d. Weisheit 2, 24.

219) Jakobus 2, 9. 4, 5 f. Vgl. Luc. 7, 47 (ihr ist viel vergeben, denn sie hat viel geliebt).

220) Jakobus 5, 20.
231) Theologische Jahrbücher 1850. S. 176 ff.

Apostelgeschichte 222) bei dieser Anwesenheit des Apostels in Jerusalem stattfanden, nicht blos die Juden selbst, sondern auch die Judenchristen betheiligt waren, läßt sich in dem die Thatsachen möglichst verhüllenden Bericht der Apostelgeschichte zwischen den Zeilen lesen.

Ueber den Kampf, welchen der Baulinismus auch noch nach dem Tode des Apostele mit den Anhängern der ältern Apostel zu bestehen hatte, liegt uns in der Apokalypse des Johannes ein bedeutfames Zeugniß vor. Einer der drei Säulenapostel, Johannes, scheint wahrscheinlich beim Beginne des jüdischen Krieges nach Ephesus über: gesiedelt zu sein, als an den Ort, wo gerade Paulus durch jahrelange Wirksamkeit seine Auffassung des Christenthums am festesten begründet zu haben 'hoffen konnte 223). Hier, in Ephesus, oder in der Nähe, ist die Apokalypse nach ihrer eignen Neußerung 224) geschrieben, und in der Umgebung von Ephesus sind die sieben Gemeinden, an welche der Apokalyptiker seine Offenbarungen richtet, welche den Zweck hatten, unter den Drangsalen des jüdischen Krieges die Wiederkunft Christi zur Stiftung seines Reiches, den Gläubigen zum Trost und als Ermunterung zur standhaften Treue gegen den Herrn, zu verkündigen.

Das Buch beginnt mit einer Zuschrift an sieben kleinasiatische Gemeinden, als deren Mutterstadt Ephesus bezeichnet wird 225), worin der Verfasser deren kirchliche Zustände unter Beziehung auf daselbst herrschende Gegenfäße schildert 226).

Gnade und Friede (so redet er die Gemeinde an) sei mit euch von dem der da ist und war und kommt, und von den sieben Geis stern, die vor seinem Throne sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Todten und Herrscher der Könige der Erde. Ihm, der uns geliebt und von Sünden ge waschen hat in seinem Blute und uns zum Reich gemacht hat, Gott und seinem Vater zu Priestern, ihm sei Herrlichkeit und Macht in die Aeonen! 227) Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn gestochen haben, und es werden

222) 21. 9. Sp. 21 ff. 223) 1 Korinther 16, 9. 224) Offenb. Joh. 1, 9. 226) Offenb. Joh. 1, 20. 2, 1. 226) Offenb. Joh. 1, 4 bis 3, 22. 227) Offenb. Joh. 1, 4–6.

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