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fich stoßen an ihm alle Stämme der Erde. Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und am Reich und an demi Harren auf Jesus Christus, war in Patmos um des Logos Gottes und des Zeugnisses Jesu willen und war im Geist am Tag des Herrn und hörte hinter mir eine große Stimme als einer Posaune, die mich dies an die sieben Gemeinden schreiben hieß. Und ich sah sieben Leuchter --- sieben Gemeinden und mitten unter ihnen Einen, der eines Menschen Sohne glich und der sieben Sterne die Engel der sieben Gemeinden – in seiner Rechten hatte und der da sprach: ich bin der Erste und der Leßte und der Lebendige, und ich war todt und siehe ich bin lebendig in den Aeonen der Aeonen und halte die Schlüssel des Todes und des Hades 228).

Dem Engel der Gemeinde in Ephesus soll nun Johannes Folgendes schreiben: Ich weiß deine Werke und deine Mühe und dein Harren und daß du Böse nicht tragen kannst und versucht hast die fich Apostel nennen und es nicht sind und hast sie als Lügner er: funden. Aber ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast; gedenke, wovon du gefallen bist; thue Buße und thue die er: sten Werke, sonst werde ich deinen Leuchter wegstoßen von seinem Orte. Aber dies hast du, daß du die Werke der Nicolaiten hasiest, die auch ich hasse 229).

Der Schreiber des Briefes lobt, daß die Ephesier die falschen, lügnerischen Apostel als solche erkannt haben, die Werke der Nicolaiten hassen, aber er hat gegen sie dies, daß sie die erste Liebe aufgegeben haben und nicht die ersten Werke thun. Erklären wir uns diese Züge. Für einen palästinensischen Judenchristen, als welchen sich der Verfasser kundgibt, der sich an die Ephesier wendet, in deren Mitte ein Jahrzehent vorher der Heidenapostel gewirkt hatte, nachdem dort auch an Jesus gläubige Johannesjünger fich fanden 230), kann unter dem Verlassen der ersten Liebe und der ersten Werfe nichts anders verstanden sein, als der Abfall von der judenchristlichen Prațis zu den Grundsäßen des Heidenapostels, der die Gültigkeit des mosaischen Geseßes und des frühern göttlichen Bundes für die Christen aufhob. Dafür, verlangt der Verfasser, sollten die paulinisch gesinnten Ephe

228) Offenb. Joh. 1, 9--20. 229) Offenb. Joh, 2, 1-8. 230) A. G. 19, 1 ff.

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fier Buße thun und ihren Sinn ändern, wenn sie an der Herrlich-
keit des kommenden Antheil haben wollten. Dagegen erfennt er
aber an ihnen an, daß sie den Verführungen der Lügenapostel kein
Gehör geschenkt hätten, die Werke der Nicolaiten hassen, die er
hasse. Der erste Tadel, die frühern Werke und die frühere Liebe
verlassen zu haben, wird aufgewogen durch das gute Verhalten der
Ephesier einem schlimmern Feinde gegenüber. Wen meint damit der
Verfasser? Er erklärt sich genauer über diese Nicolaiten, die auch in
der dritten Gemeinde, der zu Pergamus, ihren Anhang hatten. Hö-
ren wir, wie er sich darüber ausspricht, um dann darzuthun, wor
auf sich die Opposition allein beziehen kann.

Ich weiß (so schreibt er der Gemeinde zu Pergamos) wo du wohnst, wo der Thron des Satans ist, und du bewahrst meinen Namen und verleugnetest nicht meinen Glauben in den Tagen, da mein treuer Zeuge Antipas bei euch getödtet wurde; aber ich habe Weniges gegen dich, daß du dort Solche hast, welche die Lehre Bileam's festhalten, der den Balak 231) lehrte, Aergerniß aufzurichyten vor den Söhnen Israel und Gößenopfer essen und Hurerei treiben. So hast auch du Solche, welche die Lehre der Nicolaiten in ähnlicher Weise festhalten. Thue Buße, sonst werde ich mit ihnen kämpfen durch das Schwert meines Mundes 232).

Auch der Apostel Paulus fündigt den Thessalonichern an, daß der Geseßlose, welcher die Ankunft des Herrn noch aufhalte, von diesem durch den Geist seines Mundes umgebracht werden solle 233). Dort war, wie wir oben saben, kein anderer als der Magier und falsche Messias Simon gemeint. Denselben hat auch der Apokalyptiker im Auge, oder vielmehr nicht ihn selbst, sondern seine Anhänger, die an seiner Lehre Haltenden, da er selbst damale, als die Apokalypse verfaßt wurde, nicht mehr lebte. Wie begründet sich diese Auffassung?

Daß die Bezeichnung Nicolaiten nur die griechische Ueberseßung von Bileamiten ist, zeigt die Etymologie: das hebräische Bileam bedeutet Voltsverführer, das griechische Nikolaus Volksbesieger. Der in den mosaischen Büchern vorkommende Bileam war ein falscher Pro

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231) Einen Moabiterfönig. 4 Mose 22 ff. Josua 24, 9 ff.
232) Offenb. Joh. 2, 12-17.
233) 2 Thessal. 2, 8.

phet, welcher aus Bethor in Syrien nach Mesopotamien gekommen war. Der Moabiterfönig Balak verlangte von ihm, daß er das Volk Israel verfluchen solle; aber der Engel des Herrn trat ihm wiederholt in den Weg, ihm zu widerstehen, und Bileam selbst fah ihn auch im Wege stehen mit bloßem Schwert in der Hand und versichert ihn, daß er von diesem Widerstand nichts geahnt habe. Zulegt segnet Bileam das Volk Israel, anstatt den von ihm verlangten Fluch auszusprechen, und weissagt den aus Jakob aufgehenden Stern und das aus Israel kommende Scepter 234). Zulegt er: würgten aber die Kinder Jsrael den Weissager Bileam mit dem Schwert 235).

In der Gestalt dieses Bileam nun schildern Josephus und Philon die Ruchlosigkeiten aller falschen Propheten 236); lekterer aber läßt ihn, obgleich er nur vorgegeben habe, Jehovah zu sehen, gleichwohl vom göttlichen Geist ergriffen werden. Die spätere jüdische Sage, wie sie im jerusalemitischen Targum zu jenen Stellen des vierten Buches Mose's niedergelegt ist, macht diesen Bileam zur Seele aller gegen Moses angezettelten Ränke, obgleich sie ihn zugleich als großen Propheten anerkennt, der die ganze Geschichte Jsraels sammt den Schicksalen des Messias vorausverkündigt hätte 237).

Atein anderer als dieser Bileam eignete sich besser für unsern Apokalyptifer, um das teuflische Treiben des falschen Messias und Magiers zu bezeichnen, welcher von Ort zu Ort zog, um sein Mefsiasthum der apostolischen Messiaspredigt entgegenzuseßen und die an Jejus Gläubigen zu verwirren. Auch in seiner spätern apokalyptischen Schilderung erhielt darum eine Schilderung des falschen Propheten ihren Plaß, in welcher uns alle Züge begegnen, welche von der Person und dem Auftreten des Magier-Messias Simon uns sonst überliefert sind.

Zwei Thiere sieht der Apokalyptiker sich erheben, das eine aus dem Meere, das andere aus dem Lande 238). In dem ersten Thier ist die römische Weltmacht in ihrer Vertretung durch Nero, desjen Wiederkehr der Apokalyptifer erwartet, vorgestellt; der Drache, der Satan 239), gab diesem ersten Thier die Macht, sodaß es vom ganzen Erdboden, außer denen, deren Namen im Buche des Lammes (Christi) geschrieben find, angebetet wurde und Macht über jedes Geschlecht und Volk und Sprache und Heiden hatte 240). Das andere Thier, das aus dem Lande aufstieg, stellt den falschen Prophe: ten vor, in dessen Person der Drache (Satan) seine geistige Kraft, wie die Weltmacht in das erste niederlegte. Es hatte zwei dem Lamme (Christus) ähnliche Hörner und redete wie der Drache, und thut die Macht des ersten Thiers vor dessen Augen und bringt die Erde und ihre Bewohner dahin, das erste Thier anzubeten, und es thut große Zeichen, sodaß es auch Feuer vom Himmel auf die Erde vor den Menschen herabsteigen läßt241) und verführt die Bewohner der Erde durch Zeichen, die ihm gegeben sind vor dem ersten) Thier zu thun, indem es zu den Bewohnern der Erde spricht, daß sie dem (er: sten) Thier [Nero 242)] ein Bild machen sollen, und es ward ihm gegeben, dem Bild des Thieres Geist zu geben, sodaß das Bild des Thieres redete 243) und es machte, daß diejenigen, welche des Thieres Bild nicht anbeteten, getödtet wurden 244).

234) 4 Mose 22, 1 ff. 22 ff. 31 ff. 23, 7 ff. 24, 17 ff.
235) Josua 13, 22.

236) Josep hus, Alterthümer 4, 6, 3 u. 6. Philo n’s Werke (Mangey's Ausgabe) II, S. 123. 1, 204.

237) Vgl. Gfrörer, das Jahrhundert des Heils II, S. 402 ff.
238) Offenb. Joh. 13, 1 ff. 13, 11 ff.

Von diesem falschen Propheten wird dann weiter gesagt: Aus seinem Munde geht ein unreiner Geist des Satans aus, der Zeichen thut und zu den Königen der Erde geht, daß sie sich zum Streit auf den großen Tag des Herrn versammeln. Aber der falsche Prophet,

239) Offenb. Joh. 20, 2.
240) Offenb. Joh. 13, 3—10.

241) In einer Schrift über die Wiedertaufe, aus dem vierten Jahrhundert, wird vo den Simonianern erzählt, sie hätten durch magische Künste bei ihren Taufen Feuer über dem Taufwasser erscheinen lassen. Cyprian's Werke (Ausg. von Steph. Baluzius) S. 365 u. 607.

242) A18 der von seiner Wunde Wiedergenesene bezeichnet (13, 14).

243) In den clementinischen Recognitionen 2, 6. 9. 13. 3, 47 werden die magischen Wunderthaten Simon's erzählt, unter andern auch dies, daß er todten Statuen Leben und Bewegung gegeben und Lebloses beseelt habe.

244) In Pergamus, wo des Satans Stuhl aufgerichtet und die Lehre der Bileamiten und Nicolaiten Beifall gefunden hatte, wurde auch ein treuer Zeuge Jesu, Antipas, getödtet, wo der Satan wohnet (2, 13), ohne Zweifel also, weil er dem Unwesen des Magiers Simon sich widerseşte und dadurch als ein Solcher, der dem Kaiserbilde die schuldige Berehrung versagte, getödtet wurde.

der die Zeichen vor dem Thier (Nero) that, wird lebendig sammt dem Thier in den feurigen Schwefelpfuhl geworfen und der Satan zu ihnen 245).

Unter diesen falschen Propheten hat zwar Baur eine bloße Personification der heidnischen Magie angenommen 246), allein offenbar gegen die vom Apokalyptiker deutlich befolgte allseitige Parallelisirung des falschen Propheten mit Nero, des zweiten Thiers mit dem ersten. Ist das erste Thier, wie Baur zugibt, keine blos ideale Person, sondern darin die Gestalt desselben Nero, dessen Wiederkehr erwartet wird, geschildert, so kann auch das zweite Thier keine blog ideale Persönlichkeit gewesen sein, sondern er wird dabei ebensogut, wie beim er: sten Thier, eine wirkliche geschichtliche Person im Auge gehabt haben, welche von ihm als Träger der geistigen Kraft Satans, wie das erste Thier (Nero) als Träger der weltlichen Macht Satans, gefaßt wird. Jener ist die persönliche Erscheinung der gottfeindlichen Weltmacht, dieser die persönliche Erscheinung der in einen Engel des Lichte sich verwandelnden gottfeindlichen geistigen Macht Satans selbst, die sich mit jener verbündet, aber nach der Anschauung des Apokalyptikers nur dazu dienen kann, um den Tag der Erscheinung des rechten Christus herbeizuführen.

Wichtig für die Kenntniß der geschichtlichen Situation ist auch der vierte, an die Gemeinde zu Thyatira, einer zwischen Sardes, und Pergamos am Flusse Lykus liegenden lydischen Stadt, gerichtete Brief, worin der Schreiber neben dem Lob, das er der Gemeinde wegen ihrer Werke, ihrer Liebe, ihres Glaubens und ihres Dienstes spendet, zugleich das Wenige an ihr auszuseßen hat, daß sie ihr Weib Isa: bel lasse, die da sagt, fie sei eine Prophetin und lehret und verführt Christi Anechte, zu huren und Gößenopfer zu essen. Ich habe ihr (läßt der Apokalyptifer Jesum sprechen) Zeit gegeben, ihren Sinn zu ändern von ihrer Hurerei, aber sie thut es nicht; fiehe, ich werfe fie in ein Bett und die mit ihr die Ehe gebrochen haben, in große Trübsal, wenn sie nicht ihren Sinn ändern von ihren Werken, und ihre Kinder 247) will ich zu todt schlagen, und alle Gemeinden wer: den erkennen, daß ich es bin, der Herzen und Nieren prüft. Euch

246) Offenb. Joh. 16, 13. 19, 20 f.
246) Baur, theologische Jahrbücher 1852. S. 370 f.
247) D. h. ihre Anhänger, die sich zu ihrer Lehre bekennen.

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2r Band.

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