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aber und den Andern in Thyatira, die nicht solche Lehre haben und nicht die Tiefen des Satans erkannten, sage ich: wer überwindet und bis an’s Ende meine Werke bewahrt, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit eisernem Stabe 248).

Es ist aus dieser Stelle zunächst soviel gewiß, daß die von einem Theil der Thyatirer angenommene Lehre, die eine Erkenntniß der Tiefen des Satans genannt wird, ein wirklicher Abfall vom Glauben an den Messias Jesus war, da es ausdrücklich heißt, daß diejenigen, welche leßterm treu bleiben und die Verführung überwinden, an seiner Herrschaft Theil nehmen sollen. Diese Satanslehre nun wird auf eine Prophetin Isabel zurückgeführt, die sich in Thyatira befunden habe. An wen wir hierbei zu denken haben, darüber werden uns die alttestamentlichen Züge des geschichtlichen Bildes der Isabel einen Fingerzeig geben, die hier in ähnlicher Weise, wie oben Bileam, als Vorbild und Repräsentantin einer vom Verfasser verworfenen Geistesrichtung bezeichnet wird, denn wir werden annehmen dürfen, daß der Apokalyptiker zur Bes zeichnung der unter den Thyatirern gerügten Verirrung mit Absicht gerade die alttestamentliche Isabel gewählt habe. Zur Zeit des Propheten Elia lebte Isabel, die Tochter eines sidonischen Könige und die Gemahlin des Könige Ahab, der zu Samaria über Israel herrschte und dort dem Baal einen Altar baute. Von ihr heißt es nun, daß sie die Propheten Jehovah's ausrottete und die Baalspropheten von ihrem Tische essen ließ und ihrem Manne zum Weinberge Nabothe, den dieser um Geld herzugeben sich weigerte, dadurch verhalf, daß sie diesen steinigen und tödten ließ. Der später von Elisa zum König von Samarien gesalbte König Jehu ließ aber bei seinem Einzug in Samarien diese Isabel wegen ihrer Hurerei und Zauberei zum Fenster herabstürzen und zertreten, auf daß die Hunde ihr Fleisch fräßen und man nicht sagen könne, daß sei Isabel 249).

Sollte nun diese geschichtliche Isabel als Vorbild und Reprä: sentantin der Verirrungen gelten, welche der Apokalyptiker unter den Thyatirern als Abfall von Jesus rügt, so stellen sich folgende

248) Offenb. Joh. 2, 18 ff.
249) 1 Könige 16, 29–32. 18. 19. 21, 6 ff. 2 Könige 9, 7 ff. 22 ff. 30'ff.

bedeutsame Züge dar, welche bei der Vergleichung von Gewicht sind: fie ist Sidonierin ihrer Herkunft nach), treibt Hurerei 250) und Zau: berei, fie verschafft für Geld ihrem dem falschen Gott dienenden, gößendienerischen Manne den Weinberg und Samarien ist der Schauplaß ihres Treibens. Alles dies sind nun aber Züge, welche uns in der Geschichte des samaritischen falschen Messias und Magiers Simon und seinem Verhältniß zu seiner Genossin Helena, der Tyrierin, wieder begegnen. Erfahren wir nun von Origenes, daß die Anhänger des Simon (oder wohl nur ein Theil derselben), welche die Helena verehrten, Helenianer genannt worden seien 251), so wüßten wir in der That nicht, was uns abhalten könnte, in der Thyatirischen Isabel die Helena des falschen Propheten zu finden, gegen welchen der Apokalyptiker sein Anathema aussprach. Ja, es liegt sogar eine weitere Vermuthung nahe, die wir schließlich noch aussprechen wollen, weil damit ein neues Licht über eine sonst dunkle und bedeutungslose Notiz der Apostelgeschichte fällt. Der Verfasser der Apostelgeschichte, welcher bekanntlich den Betrus und Paulus in allen Stüden mit einander zu parallelisiren und in Allem beide gleichzustellen bemüht ist, hatte den Simon Petrus mit seinem Namensverwandten, dem Magier Simon, in Verbindung gebracht. Wie nun, wenn derselbe Verfasser den Paulus mit der Genossin Simon's, der Helena, in jener Notiz in Verbindung gebracht hätte, daß der Herr in Philippi einer Lydierin in Thyatira, einer Purpurhändlerin 252), das Herz geöffnet habe, auf die Reden des Paulus Acht zu haben und sich und ihr Haus taufen zu lassen 253)? Wie? wenn dem Berfasser der Apostelgeschichte, der seine Darstellung für seinen bestimmten Zweck aus dem ihm vorliegenden Geschichtsstoff auswählte, eine ähnliche, den geschichtlichen Thatbestand bis in's Unkenntliche verwirrende Darstellung, wie bei der Erzählung des Zusammentreffens zwischen Petrus und dem Magier Simon, sich auch bei der Erwähnung des Zusammentreffens der Helena mit Paulus hätte zu Schulden tommen lassen? Dann dürften wir an nehmen, daß auch das Freudenmädchen, das dem Paulus in

250) D. h. nach alttestamentlich-prophetischer Anschauung: Abfall von Jehovah, Gößendienst und die damit zusammenhängenden Sittenlosigkeiten.

251) Origenes, gegen Celsus 5, 62.
262) Also wohl aus Tyrus ?
253) A. G. 16, 14 f.

Philippi aufstieß, welches ihren Herren 254) durch den Geist ihrer Weissagung Geld eingebracht hätte, bis ihr Paulus diesen unsaubern Geist im Namen Jesu Christi austrieb 255), feine andere ale die Helena Simon's gewesen. Nicht zwar, als ob Baulus wirklich auf seinen Bekehrungsreisen mit Simon und seiner Reisegefährtin in persönliche Berührung gekommen wäre, sondern die Apostelgeschichte bringt vielmehr nur die sonsther bekannten Notizen von dem Treiben der Isabel-Helena mit dem Aufenthalt des Paulus in Philippi aus keiner andern Absicht in Verbindung, als um auch für ihn ein Seitenstüd zu dem früher berichteten Zusammentreffen des Betrus mit Simon dem Magier zu haben...

In den Schreiben an die Gemeinden zu Smyrna und Philadelphia werden solche Gemeindeglieder erwähnt, die sich für Juden ausgäben und es nicht seien, sondern seien eine Synagoge des Satans 256). Siehe (so schreibt er an die Philadelphier) ich will sie machen, daß sie kommen sollen und anbeten vor deinen Füßen 257) und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und meinen Namen nicht verleugnet. Weil du behalten hast das Wort meines Ausbleibens, wil ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird. Wer überwindet, den will ich mas chen zum Pfeiler im Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Got: tes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen neuen Namen 258). Die Gemeinde Laodicea sei weder kalt noch warm, sondern lau, darum wolle er sie ausspeien, spricht der Anfang der Schöpfung Gottes 259), d. h. der Erstling in der Gemeinde Gottes,

264) Da die Simonianer die laresten lehren über Geschlechtsverhältnisse vortrugen und eine eigentliche Emancipation des Fleisches verkündigten, so kann der Dienst mehrerer „Herren“ bei der emancipirten Helena Isabel nicht auffallen.

265) A. G. 16, 16–18.
256) Offenb. Joh. 2, 9. 3, 9.

297) Wie dies ja die Heiden in der messianischen Zeit vor Gott und sei. nem Gesalbten thun sollen.

258) Offenb. Joh. 3, 10–12.
259) Er wird auch (19, 13) der Logos Gottes genannt; der Apokalyp-

als der aus Gott Gebornen. Ich rathe dir, läßt er ihr schreiben, daß du dir weiße Kleider kaufft und sie anthust, damit (nicht die Schande deiner Blöße offenbar werde. Thue Buße; denn siehe, ich stehe vor der Thüre und klopfe an; und wenn jemand meine Stimme höret und die Thür aufthut, zu dem werde ich eingehen und mit ihm speisen und er mit mir 260).

Auf diese einleitenden Briefe folgt in einem neuen Gesicht, welches der Apokalyptifer hat, die vorbereitende Entwickelung der bis zum Strafgericht über die Juden gehenden Ereignisse. Dem Lamme, d. h. dem Messias, wird aus der Rechten Gottes das Buch des Schicksale zum Deffnen gegeben 261); die Deffnung der seche ersten Siegel ist nur vorbereitend: in den einzelnen erblickt der Seher je ein far: biges Pferd mit einem Reiter, worauf der Engel, der das legte Siegel des lebendigen Gottes hatte, das Gericht ankündigt 262). Nach

dem das Lamm das siebente Siegel geöffnet hat, entsteht eine lang· dauernde und tiefe Stille im Himmel, und was aus dem Siegel hervorgehen soll, wird vom Apokalyptiker an sieben vor Gotttes Thron stehende Engel mit Posaunen vertheilt. Sie stoßen nach einander in die Posaunen; sechs dieser Posaunenstimmen bringen große Plagen und verkünden das herannahende Gericht; ehe die siebente Stimme erschallt, wird die gänzliche Enthüllung des an die Erscheinung des Meffias geknüpften göttlichen Geheimnisses angekündigt268).

Die heilige Stadt wird eine Zeitlang durch die Heiden in Befits genommen ; zwei Propheten, die als Bußprediger auftreten, sterben als Märtyrer; über Jerusalem kommt ein Strafgericht, und die übrigen Bewohner befehren fich. Nachdem die fiebente Posaunenstimme den Sieg Gottes und des Meffias im Himmel angekündigt hat 264), werden die Feinde Christi und seines Reiches aufgeführt, der Satan wird aus dem Himmel geworfen und verfolgt mit Wuth die Christen; in Gestalt zweier Thiere tritt die heidnische Weltmacht, in dem von seiner tödtlichen Wunde geheilten, wiederkehrenden Nero persos

tiker hatte sich also bereits die aleşandrinisch-jüdische Anschauung vom Logos als eins mit Christus angeeignet.

260) Offenb. Joh. 3, 16 ff.
261) Op. 4 u. 5.
262) Op. 6 u. 7.
263) Sp. 8–10.
204) Op. 11.

nificirt, und der falsche Prophet ale lügenhafter und betrügerischer Wunderthäter auf 265). Der Sieg Christi und der Seinigen wird vorausgeschaut, der Untergang Babylone, der großen Stadt, des vom Blute der Heiligen triefenden Weibes (Rome), und das Gericht über die Heidenwelt wird angekündigt: in sieben Schalen wird der Zorn Gottes über die Erde ausgegossen, von denen die drei legten Verderben über das gottlose Rom bringen, das die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden genannt wird 266). Das vom Blute der Heiligen 267) trunkene Weib fißt auf einem Thier mit fie: ben Häuptern, welche sieben Berge sind und fieben Könige. Fünf find gefallen 268) und Giner ist an der Regierung 269), der andere, fiebente, ist noch nicht gekommen, und wenn er kommt, muß er noch eine kleine Zeit bleiben 270). Der achte ist Einer von den fie: ben, das Thier, das gewesen ist und nicht ist und in die Verdamm: niß fahren wird: der ale Antichrist wiederkehrende Nero, welcher mit dämonischer Hülfe und von asiatischen Fürsten begleitet, auftreten, aber alsbald durch den persönlich erscheinenden Meffias und seine himmlische Legionen vernichtet werden wird 271). Der Drache selbst, der dem ersten und zweiten Thiere, dem Antichrist Nero und dem falschen Propheten ihre Macht gegeben, die alte Schlange, die da ist der Versucher und der Satan, wird in den Abgrund geworfen, das mit er die Heiden nicht mehr verführe, bis tausend Jahre erfüllt wären, worauf er eine kleine Zeit befreit würde 272). Die aber um des Zeugnisses Jesu und des Wortes willen enthauptet worden und nicht das Bild des Thieres angebetet hatten, lebten (so schaut der Seher) und herrschen mit Christus tausend Jahre; die andern Todten wurden aber nicht wieder lebendig, bis daß tausend hre vollendet

266) Op. 12 u. 13.
266) Op. 14–16.
261) Seit der neronischen Christenverfolgung in Rom.
268) Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius und Nero.
209) Galba.

270) Der zur Zeit der Abfassung des Buches eben zum Kaiser ausgerufene und aus Palästina nach Rom abgegangene Vespasian (im Jahre 69, kurz vor Jerusalems Zerstörung).

271) Op. 17—20, 3. Der Volksglaube von dem als Antichrist wieder: kehrenden Nero begegnet und auch in den Sibyllinen 4, 114 ff. 5, 28 ff. 105 ff. 142 ff. 361 ff.

272) Offenh. Joh. 20, 3.

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