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worden. Und selig ist und heilig, wer Theil hat an der ersten Auferstehung; über sie hat der zweite Tod feine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm herrschen tausend Jahre. Und wenn tausend Jahre vollendet find, wird der Satan befreit werden aus seinem Gefängniß und ausgehen, zu verführen die Heiden an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog 278), sie zum Krieg zu versammeln, daß sie auf die Breite der Erde kommen und das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt 274) umringen. Aber es fiel Feuer vom Himmel (so schaut der Verfasser voraus) und verzehrte sie, und der Verführer, der sie ver: führte, ward in feurigen Schwefelpfuhl geworfen, wo auch das Thier und der falsche Prophet war, und Tag und Nacht gequält werden 275).

Erst dann, nach dem tausendjährigen Reiche, folgt die mit dem allgemeinen Weltgericht verbundene zweite Auferstehung, die der Se: her ebenfalls schaut: Ich sah die Todten, beide groß und klein, vor Gott stehend, und die Bücher wurden geöffnet. Und das Buch des Lebens wurde geöffnet und die Todten wurden gerichtet, und das Meer gab die Todten, die darin waren, und der Tod und die Hölle gaben die Todten, die darin waren, und sie wurden ein jeglicher nach seinen Werken gerichtet, der Tod aber und die Hölle wurden in den feurigen Pfuhl geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuerpfuhl; und wer nicht im Buche des Lebens geschrieben erfunden wurde, ward in den Feuerpfuhl geworfen 276).

Nach der auf die tausendjährige Herrschaft Christi und der Seinigen folgenden zweiten, mit dem Weltgericht verbundenen allgemei: nen Auferstehung folgt endlich die Erneuerung der Welt: Ich fah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen; und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, von Gott wie eine geschmückte Braut ihrem Manne bereitet. Und ich hörte eine laute Stimme vom Throne sprechen: fiebe, das Zelt Got: tes mit den Menschen, und er wird mit ihnen wohnen, und sie werden sein Volf sein und Gott selbst wird mit ihnen ihr Gott sein, und Gott wird abwischen alle Thränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Schmerz, noch Mühe, denn das Erste ist vergangen 27r). Der Sieger wird dies ererben und ich werde ihm Gott und er wird mir Sohn sein 278); den Feigen aber und Ungläubigen und Greuelthätern und Mördern und Hurern und Zauberern und Gößendienern und allen Lügen wird ihr Theil im Feuer- und Schwefelpfuhl sein, welches ist der zweite Tod 279).

273) Nach Ezechiel Cp. 38 u. 39.

274) Also hier nicht mehr das frühere jüdische Jerusalem, sondern das zum Siß der Herrschaft des Messias erhobene neue Jerusalem.

275) Offenb. Joh. 20, 4–10.
276) Offenb. Joh. 20, 11-15.

Auch dieser himmlische Zustand aber wird, nach der Anschauung des Apokalyptikere, nicht etwa im Himmel selbst, sondern auf der erneuten Erde sein: Komm (so läßt er einen der sieben Engel zu fich sprechen) ich wil dir das Weib, die Braut des Lammes (Christi) zeigen. Und er führte mich im Geiste – d. h. im Gesicht — weg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabfahren, indem es die Herrlichkeit Gottes hatte. Es hatte aber eine große und hohe Mauer und zwölf Thore und auf den Thoren zwölf Engel und Namen, die Namen der zwölf Stämme der Söhne Jo

rael 280), geschrieben; und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grund• lagen und in denselben die Namen der zwölf Apostel des fam

mes281). In der Stadt aber sah ich keinen Tempel, denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel und das Lamm; und die Stadt bedarf keiner Sonne und keines Mondes, denn die Herrlichkeit Got: teg erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heiden werden wandeln durch dasselbe Licht und die Könige der Erde werden ihre Herrlichkeit in sie hereinbringen 282) und man wird die Herrlichkeit und Ehre der Heiden in sie bringen, und nichts Gemeines und Reiner der Greuel und Lüge thut, wird in sie eintreten, sondern nur die da geschrieben sind in dem Buche des Lebene des Lammes. Und der Thron Gottes und des Lammes wird darin sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht schauen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein, und sie werden herrschen in die Aeonen der Aeonen 283).

277) Offenb. Joh. 21, 1-4.

278) Man übersehe dies nicht: Ade Heilige und Gläubige werden in dieser auf das tausendjährige Reich Christi folgenden Zeit des himmlischen Lebens Söhne Gottes sein, also Christo gleich.

279) Offenb. Joh. 21, 7 f.

280) Also die Heiden sind aus der Stadt Gottes ausgeschlossen, sie stehen außerhalb. Vgl. 7, 9. 11, 12.

281) Also der Heidenapostel ist ausgeschlossen.

282) Nur von außen also werden die Heiden an der Herrlichkeit des messianischen Reiches in der heiligen Stadt der Gläubigen Theil nehmen ganz in der Weise der altprophetischen Anschauung des messianischen Reiches.

In diesem apokalyptischen Bilde von der Zukunft des Meffias hat sich der eigentliche Schwer- und Mittelpunkt des ganzen urchristlichen Glaubens feinen classischen Ausdruck gegeben, welcher ganz und gar dem Bewußtsein des Nazareners von seiner Wiederkunft entsprach. Die Vorstellung von der messianischen Zukunft Jesu war derjenige Punkt, worin das Bewußtsein der Palästinensischen Urapostel wesentlich nur den Gehalt und die Form der Vorstellung und Vers kündigung ihres Meisters über die Zukunft und Vollendung seines messianischen Werkes festgehalten haben, und sie thaten dies mit einer Glaubenszähigkeit, welche erst durch den thatsächlichen Gegenbeweiß der Geschichte, durch die Thatsache, daß Jesus in fichtbar persönlicher Gestalt nicht wieder erschien, allmählich erschüttert und zu der Einficht gebracht werden konnte, daß in dieser Gestalt der Glaube an die Wiederkunft Jesu ein Wahn, eine Täuschung der Phantasie, eine Schwärmerei war. In der Sache theilte auch der Apostel Paulus und das alerandrinische Juden christenthum des apostolischen Zeitalters diesen Glauben an Jesu Wiederkunft. Von lekterer Geistesrichtung wird dies durch die im ersten christlichen Jahrhundert entstandenen Stücke der fibyllinischen Weissagungen erwiesen, welche aus den Lehrkreisen des alerandrinischen Juden christenthums 284) hervorgingen. Und was den Apostel Paulus betrifft, so unterscheiden fich die in den Korinther- und Thessalonicherbriefen ausgesprochenen Erwartungen über die Zukunft des Herrn von den judenchristlichen nur in dem Einen Punkte, der überhaupt den Ausgangspunkt in den Lehrdifferenzen des Paulus bildet, die mit den Juden gleichberechtigte Stellung der Heiden zur mesfianischen Heilsökonomie.

288) Offenb. Joh. 21, 9 ff. 22, 3 ff. Ganz dieselbe Anschauung begegnete uns auch im Buche Henoch (92, 17): Der frühere Himmel wird untergehen und ein neuer Himmel entstehen und alsdann werden viele (Jahres-) Wochen (Aeonen) sein ohne Zahl.

284) Die Abschnitte 5, 361 ff. (unter Vespasian oder Titus) 4, 114 ff. (im nächsten Jahrzehend) 5, 138 ff. 5, 93 ff. 214 ff. (unter Hadrian) 8, 154 ff. (unter Marc Aurel) entstanden.

Auf das Banner dieser phantastischen Vorstellung von der Wiederkunft des Meffias Jesus zur Gründung seiner messianischen Weltherrschaft hat der Geist der Meffiasreligion höchst folgenwichtige weltumwälzende Gedanken und Hoffnungen gestigt, welche eine so tiefe innere Gluth der Freiheitsahnung für die Zukunft des Menschengeschlechts athmen, daß und die Verfolgungen nicht überraschen kön: nen, welche von Seiten der römischen Weltmacht gegen die verhafte Sefte der Christen ausgingen, sobald der eigentliche fern dieser Zukunftshoffnungen offenkundig zu werden anfing. Dazu hatte die juden christliche Apokalypse den Anfang gemacht, und die zum größten Theil von Christen verfaßten fibyllinischen Orkel, auf die sich schon in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderte lebende Justin der Märtyrer beruft und welche im ersten und zweiten christlichen Jahrhundert zur römischen Weltherrschaft in offen ausgesprochene Oppofition traten und deren nahen Fall verkündigten, schlossen fich diesen glühenden Freiheitshoffnungen an, die von vornherein an dem Namen des Meffiasthums hafteten. Dies eben war in den Augen der Heiden die Schwärmerei, die an dem Namen der Christen haften follte. Sprachen sich doch auch noch spätere Apologeten, im Siegesbewußtsein ihrer Zukunftshoffnungen, über die Römerherrschaft als eine nur durch Gewalt und Verbrechen gegründete aus, und wer mochte es ihnen im Uebrigen verargen, wenn sie Klugheit genug besaßen, wenn sie die Bedeutung ihres in nächster Nähe erwarteten mesfianischen Weltreiches möglichst verhüllten? Wir erwarten kein menschliches Reich und seßen unsre Hoffnungen nicht auf gegenwärtige Dinge, sagt der Apologet Justin, und wie diplomatisch-schlau drüđt fich noch Tertullian in seinem Apologetikus aus, wenn er sagt: Die Christen beten zu dem wahren Gott für das Wohl des Kaisers und Reiches, wohl wiffend, daß das Ende der Welt nur durch die Fortdauer der römischen Herrschaft aufgehalten werde. Was diese Apologeten der römischen Weltmacht gegenüber wohlweislich für fich behielten, war eben der wichtige Hintergedanke, daß die erwartete Erscheinung des Herrn dieser verhaßten römischen Weltherrschaft ein Ende machen werde, und die neue, an die Stelle der bisherigen tretende Weltherrschaft war freilich keine menschliche, der Messias war der von Gott gesandte König selbst und fein Reich hatte darum mit dieser gegenwärtigen Welt nichts zu schaffen.

Es wäre indessen höchst verwunderlich gewesen, wenn die An

hänger der bestehenden Weltherrschaft, je mehr die chriftlich-fibyllinischen Weissagungen den politischen Kern der messianischen Zukunftshoffnungen in den Eintritt des auf den Fall Roms gebauten meffianischen Weltreiches unverhüllt aussprachen, nicht gegen die Urheber folcher „schwärmerischer Hoffnungen“ immer argwöhnischer geworden wären; und es gingen die mit der Verbreitung dieser „unseligen Schwärmerei“, wie man sie heidnischerseits nannte, auch immer entschiedener hervortretenden Verfolgungen der Christen aus dem ganz richtigen politischen Instinkt der Machthaber hervor, daß das Reich Christi mit dieser bestehenden Welt aus dem Grunde Nichts wollte zu schaffen haben, weil der Erwartete mit Gottes Hülfe derselben den Todesstoß zu geben bestimmt sei. Die Farbe dieser Anschauung, die sich im nachapostolischen Zeitalter mehr und mehr in der römischen Welt Eingang verschaffte, je mehr der Christenglaube und die Christenhoffnung sich verbreitete, trägt auch der Vorwurf, welchen der Verfasser der Apostelgeschichte den Juden zu Thessalonich mit der Anschuldigung in den Mund legt: Paulus und seine Begleiter seien die Männer, welche den Erdkreis aufwiegelten, wider des Kaisers Beschlüsse handelten und sagten, ein Anderer sei König, nämlich Jesug 285). Ebenso läßt Lucas in seinem Evangelium Jesus mit der Anklage vor Pilatus geführt werden, er wende das Volt ab, verbiete dem Kaiser Steuer zu geben und sage, er sei der König Messias 286).

Die Anhänger Jesu waren fich recht wohl der Bedeutung bewußt, welche die erwartete Wiederkunft des gefreuzigten und wieder lebendig gewordenen, im Himmel weilenden Herrn haben sollte. In diesen Zukunftshoffnungen liegt der eigentliche Schwerpunkt des Urchristenthums, und wenn dieser Schwerpunkt allmählich mehr auf die Seite fiel, so war dies die Schuld der fatalen Thatsache, daß der Erwartete nicht fam. Der mit Jerusalems Zerstörung endigende jüdische Krieg war, wie wir im ersten Buche bei der Betrachtung des jüdisch-apokalyptischen Buches Esra saben, in der zuversichtlichen Hoffnung unternommen worden, daß der Meffias überhaupt jeßt erscheinen werde; daß in ebenderselben Zeit das ganze Urchristenthum

285) A. G. 17, 6 f. Auch die Juden in Jerusalem läßt der Verfasser vor dem Procurator Feliç ihrer Anschuldigung eine politische Wendung geben.

286) Luc. 23, 2.

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