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Einleitung

Kanaan und seine Ureinwohner; die Israeliten.

Land.

Es ist ein kleines und engbegrenztes, aber durchaus eigentümliches Stück Erde, worauf die Geschichte des Volkes Israel sich abgespielt hat. Im Norden begrenzt durch das Alpengebiet des Libanon und Hermon,') im Westen durch das mittelländische Meer, im Osten und Süden durch die Wüste von den alten Kulturländern des Euphrat und Nil getrennt, wird das 25 000 qkm umfassende Land, ähnlich wie Ägypten, durch den in nordsüdlicher Richtung fließenden Jordan in zwei Teile geteilt. Das Westjordanland erstreckt sich vom 31° n. Br. bis 33° 10' und vom 52° 20' ö. L. bis 53° 15', das Ostjordanland vom 31 ° 25' n. Br. bis 33° 10' und vom 53 ° 15' ö. L. bis 54° 20'. Der alte Name des Landes ist Kanaan oder auch Land Israel und nach dem Exil Land Juda. Die Beziehung des Landes zur Gottheit kommt zum Ausdruck in der Bezeichnung Land Jahves. Der Name Palästina bezeichnet eigentlich den von den Philistern bewohnten Küstenstrich zwischen Joppe ?) und Gaza. Trotz seiner geringen Größe vereinigt dies Land viele Gegensätze. Neben alpinen Gegenden

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Neh. 5, 14;
Jes. 14,2.

1) Hermon d. i. der „geweihte Berg“; nach Deut. 3, 9 Senir, auch Sirjon genannt.

2) Vgl. Herodot 3, 5; 7, 89; Josepbus antiquitates 1, 6. 2; 2, 15. 2. Maurer, Völkerkundliches aus dem Alten Testament.

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finden sich solche mit tropischem Klima, neben Steppen und Wüsten blühende Oasen, neben sonnenverbrannten Kalksteinfelsen mit zwerghafter Vegetation fruchtbare Täler mit den köstlichsten Südfrüchten; dazu zwei Teile wie das Ost- und Westjordanland mit so verschiedenen Lebensbedingungen, daß „soweit 1) wir wissen, niemals eine einheitliche Nation dieses Land eingenommen hat“.

1. Das Westjordanland ist von der Küste nach Osten ansteigendes Bergland, das am Jordan seine Höhe erreicht und steil nach der Jordaneinsenkung (el Ror) abfällt. Der Bergzug läuft von Norden nach Süden und bildet das Bindeglied zwischen dem Libanon und der sinaitischen Halbinsel, getrennt und zugleich verbunden durch die auf derselben geologischen Grundlage aufgebaute Wüste et-Tih. Das Westjordanland selbst zerfällt in drei Teile:

a) Die Küste südlich vom Karmel ist eine von niedrigen Hügeln durchzogene Ebene, nach dem Meere zu ohne einen natürlichen Hafen. Der nördliche Teil ist die wegen ihrer Fruchtbarkeit und ihres Blütenreichtums berühmte Ebene Saron, der südliche die getreidereiche Sephela. Nördlich vom Karmel tritt das Gebirge nahe ans Meer; hier finden sich verschiedene treffliche Häfen.

b) Das Land zwischen der Küstenebene und dem Jordan ist ein langgestrecktes, nach Süden an Breite zunehmendes Bergland. Der Gebirgskamm läuft von Norden nach Süden, parallel dem Jordan. Durch die Jizreelebene wird das Ganze in zwei Teile geteilt. Der nördliche ist quellenreich und fruchtbar, während dem südlichen die Höhenzüge des Nordens und die breiten anbaufähigen Täler fehlen. An die Jizreelebene, das eigentliche Schlachtfeld Israels, schließt sich im Norden der Gebirgszug des Karmel, im Süden das Gebirge Ephraim und Juda an.

c) Das Jordantal mit seinem tropischen Klima ist vegetationsarm, ausgenommen die Ebene südlich vom Hulesee und die Gefilde von Jericho. Einzelne Oasen finden sich da, wo. beständiges Wasser die Vorbedingung für die Fruchtbarkeit schafft; z. B. bei Betšean und Engedi.

1) Stade: Geschichte des Volkes Israel. Gießen 1883. S. 101.

2. Das Ostjordanland ist eine von einzelnen Gebirgszügen unterbrochene Ebene, die der Jarmuk in zwei Teile teilt. Der nördliche, Hauran genannt, enthält vulkanisches Gestein und bietet im Norden und Osten des Golan gute Weideplätze, im Süden wegen des dunkelbraunen Lavabodens ertragreiches Ackerland, im Nordwesten jedoch eine mit Lavamasse bedeckte Ebene (el Lega) mit kümmerlichem Pflanzenwuchs. Das Land südlich vom Jarmuk bis zum Arnon ist das alte Gilead, von dem Jabbok in das heutige Ağlun und el-Belka geteilt.

Die Natur des Landes übt den größten Einfluß auf seine Bewohner. Wie bei den Kanaanitern, so finden wir auch bei den Israeliten keinen geeinten Staat, sondern eine Reihe kleiner Gemeinwesen mit ihren Sonderinteressen. Entsprechend der unter der Tropenhitze schnell welkenden Vegetation ist Baal mehr der Gott des Todes als des Lebens. Derselbe düstere Zug tritt auch im Jahvismus hervor.) Was der Semit an Gottesvorstellungen, an tiefem, religiösem Gefühl aus dem Schrecken und der Erhabenheit der Wüste mitgebracht, das mußte hier in derselben Richtung sich weiter entwickeln."

Kanaan, das zum nördlichen Subtropengebiet der alten Welt gehört, nimmt an dessen klimatischen ?) Eigentümlichkeiten Anteil, die in der Beschränkung der Hauptniederschläge auf die Zeit zwischen dem Herbst- und Frühlingsäquinoktium (Winterregen) und in der Trockenzeit des Sommers bestehen. Das Jahr zerfällt also in eine nasse, relativ warme und in eine trockene, heiße Jahreszeit. Der „Frühregen“ bezeichnet den Anfang, der „Spätregen“ das Ende der Regenzeit. Im Küstenland ist die Niederschlagsmenge geringer als im Gebirgsland, wo sie äquatorwärts eine Abnahme, polarwärts eine Zunahme aufweist. Nazareth hat nach einer zehnjährigen Beobachtungsreihe 611,7 mm, Jerusalem nur 570,1 mm, Jafa

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1) Benzinger: Archäologie. Leipzig 1894. $ 6.

3) Ankel: Grundzüge der Landesnatur des Westjordanlandes. Frankfurt 1887. S: 76 u. 92.

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440—470 mm Regenhöhe. Südlich von Beerseba beginnt die regenarme Wüste. Von Bedeutung sind ferner die täglichen Land- und Seewinde. Ein großer Teil der Niederschläge ist daher Steigungsregen.

Nach den Temperaturverhältnissen lassen sich drei Gebiete unterscheiden: das Küstenland, das Gebirgsland und der Ror. Die mittlere Jahrestemperatur des Küstengebietes beträgt ungefähr 20,5 ° Cels., die des Gebirgslandes ist etwas niedriger (z. B. im 800 m hochliegenden Jerusalem 17,2). Die Temperaturen maxima fallen auf Mai, Juni, August und September, die Minima auf Februar. Das bis beinahe 400 m unter dem Meeresspiegel eingeschnittene Jordantal, von hohen, Licht und Wärme reflektierenden Felswänden eingeschlossen, hat tropischen Charakter. Die mittlere Jahrestemperatur am Nordufer des Toten Meeres berechnet sich auf 24,1° Cels., daneben finden sich Schattentemperaturen von 44° und darüber.

Den drei klimatischen Regionen ') entsprechen drei Vegetationsgebiete.

1. Die Küste gehört der Mittelmeerflora an mit dem gleichen Charakter wie Spanien, Algerien, Sizilien. Oleander und Myrte, Pinie und Ölbaum, Tulpen und Anemonen sind hier heimisch.

2. Das Gebirgsland enthält orientalische Steppenvegetation. Das Gebirge Juda bildet die Scheidelinie. Was östlich davon liegt, gehört der orientalischen Flora an. Hier tritt an Stelle der Baumvegetation Buschgewächs, schnell verblühende und absterbende Frühlingsblumen und mannigfaltige Distelarten.

3. Das winterlose Jordantal hat durchaus tropische Vegetation, die der Nubiens am nächsten steht. Hier finden sich gummiliefernde Akazien, die Papyrusstaude, die Dattelpalme usw. Der Wälderreichtum Palästinas ist nie groß gewesen. Das Bauholz lieferten die Waldungen des Libanon. Von Fruchtbäumen waren bekannt: der Nußbaum, die Pistazie, der Ölbaum, der Granat-, der Mandelbaum, der Maulbeerfeigenbaum, der Feigenbaum, die Dattelpalme, der Apfelbaum und der Johannisbrotbaum.

Cant. 6,11;
Gen. 43, 11.
Cant. 8,2;
Gen. 30,37.
Jes. 38, 21.

1) Nowack: Hebräische Archäologie.

Freiburg i./B. 1894. I. S. 69 ff.

Jes. 2,13; 2. Sam. 5,11;

Harzhölzer waren: die Terebinthe, Tamariske, die Balsamodendren, Cistrosen (Cistus creticus, C. salvifolius), Astragalus (A. verus, A. gummifer), der Mastixbaum. Außerdem werden erwähnt: die Eiche, Zeder, Zypresse, die Weide, Platane, die Akazie in mehr als 200 Arten und der wilde 1. Kön. 6, 15;

Lev. 23, 40. Ölbaum. Von Sträuchern sind noch aufzuführen: die Myrte, die Cyperblume, der Kappernstrauch, die Melde und der Ginster.

Als Gewürzkräuter wurden verwendet: Dill, Kalmus,
Kreuzkümmel, Schwarzkümmel, Minze, Raute, Senf, Koriander.

Von Getreidearten wurden gebaut: Gerste und Weizen.
Neben dem Flachs war den Israeliten wohl auch die Baum-
wollstaude bekannt.
Ureinwohner.

Bei der Einwanderung nach Kanaan stießen die Israeliten auf die verschiedenen Stämme der Ureinwohner. Wie die Tell-Amarnafunde und die Mesainschrift beweisen, hatten diese an der über ganz Vorderasien verbreiteten phönizischen Kultur Anteil. Näheren Aufschluß darüber gibt das Alte Testament nicht. Denn das Verhältnis der Israeliten zu den Ureinwohnern (insgesamt Kanaaniter genannt) blieb stets feindlich, wie Ex. 17; 1. Sam. 15; Jos. 12; Ez. 25 beweisen. Besonders stark machte sich der Einfluß auf die eingewanderten Israeliten in kultischer Hinsicht geltend. Daher sind wir über ihre Kulte verhältnismäßig noch am besten unterrichtet.

Bei den Kanaanitern und Phöniziern waren die Lokalkulte besonders ausgebildet. Dafür zeugen Namen wie Baal („Herr zu Chazor“) Chazor, Meon usw.; denn der Baalkult ist im ganzen Machtbereich der Phönizier zu finden. Neben Baal erscheint noch Baaltis als ,,Herrin“ und zugleich als Zauberin. Dem Wesen nach mit ihr identisch, im Kult aber verschieden ist die große semitische Göttin Astarte. Das Richterbuch bezeugt die große Verehrung, die sie genoß. Sie wird auch die Göttin der Sidonier genannt; denn nach der Mythe soll sie sich in Tyrus ?) zehn Jahre lang preisgegeben haben. Außerdem findet sich die Gottheit Milk. Der Milk

Nah. 3, 4.

") Baethgen: Beiträge zur semitischen Religionsgeschichte. Berliu 1888. S. 33, 157 ff.

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