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Vorrede zur ersten Auflage.

Je lebendiger das neu erwachte kirchliche Leben in der Gegenwart theils fich selbst entfaltet theils den alten Kampf der Kirchen und Confessionen neu entzündet: um so wichtiger ist es, alle diese Bestrebungen und Befeindungen dahin zu weisen, von wo allein ihnen Lösung kommen kann: auf die heilige Shrift in ihrer Unmittelbarkeit gegenüber den vielfachen und vielgestalteten Vermittlungen. Das feste Wort der offenbarung, geschrieben im heiligen Geiste, bleibt der Grund jeder christlichen Kirche, die unverrückbare Basis alles durch Gottes Gnade wieder so lebendig erwachten kirchlichen Lebens und Ehrebens, das Licht und der Trost heilbegieriger Seelen, der Mittelpunkt aller Lehre und Wissenschaft, die entweder von ihm ausgehet oder zu ihm hinführt, oder doch von Rechts wegen ihm nicht widerstreiten darf. Diesem Worte immer fleißiger und völliger und unmittelbarer Bahn zu bereiten, ist immer fühlbarer Bedürfniß und Pflicht der Zeit.

Von diesem Standpunkte aus haben die Unterzeichneten die Bearbeitung der „Polyglotten - Bibel zum praktischen Handgebrauch“ unternommen, nicht minder zur Befriedigung eines Bedürfnisses der wissenschaftlich gebildeten 'Nicht-Theologen, als zur Förderung der Theologen und Geistlichen.

Zunächst wird eine übersichtliche Nebeneinanderstellung des Grundteļtes und der wichtigsten alten und neuen Ueberseßungen allerdings den Männern vom Fach nicht blos eine erwünschte Erleichterung des Stutiums, sondern auch eine heilsame Anregung zum tiefern Eindringen in das Verständniß darbieten. Wie die Eregese des Einzelnen bis in die zartesten seinheiten des Gedankens und der Redewendung sich erst in einer dies ausfrückenden Ueberseßung abschließt: so sind umgekehrt vorliegende Uebersegungen treflich geeignet, auf die möglichen Eregesen aufmerksam und dadurch das Verständniß völliger zu machen. Durd, ihre Zusammenstellung gibt die „Polyglotten - Bibel“ zugleich einen sehr reichhaltigen eregetischen Apparat.

Aber auch die Zahl der wissenschaftlich Gebildeten wird immer größer, welche mit dem Interesse des Herzens und Verstandes fich der Bibel zuwenden und dabei weder in dieser oder jener Ueberseßung noch in den zunächst der Erbauung dienenden glossirten Bibeln Befriedigung finden. Während die glossirten Bibeln dem selbständigen Forschen gewissermaßen durch das Gegebene zu sehr vorgreifen, auch zu weit von dem sich selbst bezeugenden und unmittelbar ansprechenden heiligen Terte abführen: bleibt bei den Uebersegungen ein möglichst erleichtertes Zurückgehen auf den Grundtert doch zuleßt die Hauptsache. Eine Nebeneinanderstellung der mancherlei Gestalten des Bibelwortes wird hier am einfachsten die Mittel zur Prüfung und Vergleichung darbieten; wie sie denn auch rücksichtlich des immer dringender werdenden Bedürfnisses einer Berichtigung des Luthertertes zur Herbeiführung eines entscheidenden Urtheilens und Verhaltens am geeignetsten sein möchte.

Indem wir hiermit dem Publikum, dankbar für die gefundene Anerkennung, die Bearbeitung des Neuen Testaments übergeben), haben wir im Einzelnen noch Folgendes zu bemerken.

In Beziehung auf den Grundtert fonnte zwar, um ein zu großes Mißverhältniß zu Luther's Uebersegung zu vermeiden, weder eine neue Recension versucht noch eine der vorliegenden neueren gegeben werden; es durfte jene Rücksicht aber auch nicht soweit gehen, den griechisdhen Tert aus den in den verschiedenen Ausgaben aufgenommenen Lesarten möglichst dem Luthertexte zu conformiren. Es wurde daher der sogenannte Textus receptus nicht blos zum Grunde gelegt, sondern auch da festgehalten, wo die Uebersegung entweder in Folge von Ungenauigkeit oder durch Vermittlung der Vulgata mehr mit dem seit Griesbach nach und nach gestalteten Tește zusammentraf. Auch hinsichtlich der Interpunktion war mehr auf den griechischen Sprachcharakter, als auf die Auflösungen und Zerlegungen des Uebersegers Rücksicht zu nehmen, und eine ausdrückliche Anpassung nur da nothwendig, wo eine verschiedene Auslegung vorlag. Die beigegebenen Varianten enthalten mit Ausschluß bloßer Verschiedenheiten der Orthographie ) und Reihenfolge der Worte — eine vollständige Uebersicht des Textes der Recepta und der Ausgaben von Griesbach ?),

1) Die Bearbeitung der griechischen und lateinischen Spalte gehört dem mitunterzeiđịneten Dr. Theile, die der beiden deutschen dem Pi. Stier an.

2) z. B. bei Lachmann anuyeofai, ovventeiv zc., aút. (für avt, und aút., auch in der zweiten Tijdendorf'iden Ausgabe); [vatos, 8oi, yvoi, 2c. bei 2. u. 2.; Apaör. u. apaót., nóv. u. £8úv., ηυδόκ. 1. ευδόκ. 20.

3) N. T. graece. Textum ... recensuit et lectionis varietatem adj. J. Jac. Griesbach. 2. Voll. ed. 2. Hal. 1796. 1806. (Vol. I. ed. 3. emendatam et auctam curavit Dav. Schulz. Berol. 1827.) H KAINH ALAOHKH. N. T. graece. Ex recens. J. Jac. Griesb. c. selecta lectionum var. Lips. 1805 (ed. 2. 1825).

knapp 4), Scholz '), Lachmann“), Tischendorf '), Hahn S) und Theile °) (hier und da mit Angabe der betreffenden Uncialhandschriften), sowie eine Ueberficht verschiedener von den Kritikern gemachter Conjecturen.

Bei der lateinischen Uebersegung wurde der Leander van Eh'sche Abtruf der Ed. Clementina ?') zum Grunde gelegt und nur die ganz unhaltbare Jaterpunktion, soweit sie nicht auf abweichenden Erklärungen beruhte, geändert. Beigegeben sind, außer andern, die Varianten der Fled'schen Vergleichung des Codex Aniatinus oder Laurentianus "), der Ed. Sixtina vom I. 1590, der Lachmann'schen Recension und der ihr beigegebenen eigenthümlichen Lesarten des Codex Fuldensis 12), gleichfalls mit Ausnahme der blos orthographischen 3) oder die Reihenfolge der Worte betreffenden Abweichungen.

Die für die Auslegung wie für den praktischen Gebrauch gleich wesentliche Rachweisung der Parallelen, welche aus typographischen Rücksichten dem griechischen Texte zur Seite gestellt werden mußten, ist so angeordnet, daß die Stellen, so lange sie nicht durch einen Zwischenraum oder ein Semicolon unterthieden werden, zusammen und zu der Zeile gehören, an welcher sie beginnen. Um aber bei den beengten Raumverhältnissen doch eine gewisse Vollständigkeit zu ermöglichen, wurden die betreffenden Parallelen nöthigenfalls an mehrere

4) H KAINH GIAOHKH. N. T. graece. Recognovit ... Geo. Christ. Knappius. Hal. 1797. (ed. 5. 1840).

5) N. T. graece. Textum.. rec., lectionum familias subjecit... J. Mart. Augustin. Scholz (prof. Der tathol. Theologie zu Bonn). 2 Voll. Lips. 1830. 36. 4.

6) N. T. graece. Ex recens. C. Lachmanni. Ed. stereot. Berol. 1831. – N. T. gr. et latine. Car. Lachmannus recensuit Philipp. Buttmannus Ph. t. graecae lectionis auctoritates apposuit. Tom. prior. Berol. 1842.

7) N. T. graece. Textum.. rec., brevem apparatum crit. una c. lectt. Elzevirior. Knapp. Scholz. Lachmanni subjunxit... Aenoth. Friedr. Constant. Tischendorf. Lips. 1841. – N. T. gr. ad antiquos testes recens. lectionesq. variantes Elzevirior. Stephani Griesb. notavit C. T. Paris 1842.

8) H KAINH 41AOHKH. N. T. graece. Post. J. Aug. H. Tittmannum... secundis curis recognovit lectionumq. varietatem notavit Aug. Hahn. Ed. stereot. Lips. 1840. — H K. 4. N. T. gr. Ex recens. Aug. Hahnii denuo editum. Ed. stereot. Lips. 1841. 16. (mit abgesetten Versen).

9) I KAINII AIAOHKH. N. T. gr. Ex recognitione Knappii emendatius ed. argumentorumq. notationes locos parallelos annotationem crit. et indices adj. Car. Godofr. Guil. Theile. Ed, stereot. Lips. 1844. 16.

10) Biblia sacra vulgatae editionis. Juxta exemplar ex typographia apost. Vaticana Rom. 1592... Ed. Leand. van Ess. P. III (das Neue Test.) Tub. 1822.

11) N. T. vulgatae editionis juxta textum Clementis VIII. romanum ex typogr. apost. Vatic. a. 1592. accurate expressum. Cum variantibus in marg. lectionibus antiquissimi et praestantiss. cod. olim monasterii montis Amiatae in Etruria, nunc bibliothecae Florentinae Laurentianae Mediceae saec. VI. p. Chr. scripti. Praemissa est commentatio de cod. Amiat. et vers. lat. vulg. Edente Ferd. Flor. Fleck. Lips. 1840. 12.

12) In dem bis jeţt erschienenen die Evangelien enthaltenden Tomus prior der größern Ausgabe (der Codex ist auf Befehl bes Bisdofs Victor von Capua geschrieben und von diesem durchgesehen, wobei das Zaht 546 bezeichnet wird; die Evangelien sind zu einer Þarmonie zusammengestellt).

13) Außer der Schreibart adf. adn. adp., inl. inm. u. dergl. 3. B.: intellegere, oboedire, abicere, temptare, harundo, Israhel, Ihesus ac.

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Stellen vertheilt und diese durch zwei Punkte nebeneinander bemerklich gemacht. (Die Parallelen der synoptischen Evangelien, der Briefe an die Spheser und Kolosser, sowie des Briefs Judä und des 2. Kap. des 2. Briefes Petri sind durch pp. und p. bezeichnet.) Für die Auswahl selbst bleibt die Nachsidyt der Leser um so mehr in Anspruch zu nehmen, als hier eine feste Regel weder aufgestellt noch durchgeführt werden konnte; nur das möge noch bemerkt sein, daß dabei namentlich die dem lateinischen Terte beigegebenen und die der neuesten von Meyer'sdyen Ausgabe 14) berüdsichtigt wurden, daß die ferner liegenden, besonders sprachlicher Art, durch ein ( bezeichnet sind, und daß diesfalls bisweilen auch auf den Ausdruck der deutschen Uebersegung Beziehung genommen ist.

In den deutschen Kolumnen ist zuerst Luther’s im Wesentlichen unübertreffliche, die rechte Sprache des Heiligthums auf immer für Deutschland bestimmende, nie zu verdrängende Dolmetsdung gegeben. Wohl ist dabei mit Recht zu Grunde gelegt die kürzlich zum Jubiläum neu abgedructe Normalausgabe legter Hund (von 1544 und 1545) – aber wie schon billig nicht mit der nur störenden, für das wesentliche Interesse ganz unnügen damaligen Orthographie, so auch nicht einmal diplomatisdy genau mit allen ihren jetzt mehr oder minder ausgeschiedenen Lesarten. Die deutsche Lutherbibel hat näm= lich im Laufe der Zeiten viel mehr Modifikationen und Varianten durch geschickte und ungeschickte Herausgeber oder Drucker erlangt, als die gewöhnliche Meinung der an ihrem Buchstaben Haftenden sich vorstellt. Für den praktischen Zweck der „Polyglotten-Bibel“ schien es daher das einzig Richtige, nicht etwa gar einen

ächten Luthertert“, wie fast lächerlich angepriesen wird, zu geben, sondern denjenigen Tert, wel cher ießt im kirchlichen Gebrauche sich findet. Also nach einer den Mittelweg haltenden Bestimmung: weder mit ängstlicher Beibehaltung jeder ursprünglichen Lesart, wo eine solche bereits obsolet geworden, noch mit vorschneller Aufnahme der hie und da eingedrungenen, ohnehin nicht immer wirklichen Besserungen. Damit jedoch nicht wirklich Interessantes vorenthalten, sondern der Stand der Sache möglichst genau dargestellt werde, stehen unter dem Terte zweierlei Varianten. Die mit U.L., d. h. Ursprünglich luther, bezeichneten zeigen, was Luther eigentlich regte, wo es vorherrschend schon beseitigt ist; die mit A.A., d. h. Andre Ausgaben, bezeichneten machen aufmerksam, wo eine von uns als mittlerer Teyt noch nicht anerkannte Abweichung sich hier und da findet. Daß diese Bestimmung des vorherrschenden, mittleren Tertes freilich eine gewisse Unsicherheit und versdwimmende Grenze

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14) Die Bibel, oder die ganze Heilige Sdrift Alten und Neuen Testamente. Dr. Martin Luthers Uebersegung, nach dem Grundtext berichtigt. Neu revidirte, mit Parallelen (durd R. Stier) versehene Uusgabe. (Halle, Schwetschke u. S. 1842.)

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