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viele von ihren Unterthanen zu dem gleichen Schritte zu bewegen. Das thaten sie aber nicht etwa aus Eifer für ihren neuen Glauben, den sie ja selbst nicht einmal fannten, sondern aus dem sehr begreiflichen Wunjde, auch fernerhin mit ihren Unterthanen dieselben religiösen Ceremonien und Feste zu haben, außerdem aber fam dabei noch ein wesentlicher materieller Vortheil für sie in Betracht. Die Mohamedaner bringen nämlich alle Jahr zur Zeit des Fastenmonats eine Abgabe, bestehend in einem Quhn, einigen Pfund Reis und etwas Geld dar, und diese Abgabe wird dann zwischen dem Briester und dem Häuptling getheilt. So wuchs denn auch die Zahl der Mohamedaner bald sehr bedeutend und überflügelte die der Christen weit. Ate, bei denen die Furcht vor den Häuptlingen und deren Chikanen und Quälereien stärker war, als die Liebe zur Wahrheit und das religiöse Bedürfniß, die wurden eben Mohamebaner. Und wer wollte fidh darüber berwundern, daß dies bei weitem die Mehrzahl war, denn gar zu tief stedt es den Beiden im Blut, bei Ablem, auch bei der Frage der Religion, nur irdische Zwecke und Vortheile im Auge zu haben.

So ging es denn mit dem Zuwachs der kleinen Christengemeinden bald nicht mehr in gleicher Weise, wie in den Jahren 1867-69 voran, ja hie und da famen felbst einzelne Rückfälle in's Heidenthum oder Uebertritte zum Islam vor, wie man denn überhaupt grade den Bewohnern der Landsdhaft Sipirok den Vorwurf machen muß, daß sie gar zu (eicht und schnell ihre Religion wechseln. Fünf, sechsmaliger Religionswechsel ist dort gar keine Seltenheit. Die ganzen Verhältnisse sind auch keineswegs dazu angethan, das religiöse Gefühl, das ja an sich bei den Batta8 schon nicht stark ist, zu vertiefen. Der Bann des alten Heidenthums ist gebrochen, seit man gesehen hat, daß schon so viele den von den Vätern überkommenen Geisterdienst verlassen haben, ohne doch an Leib und Leben Schaden zu leiden, der Islam bietet absolut nichts zur Befriedigung oder zur Weckung des religiösen Gefühle, sondern giebt eben nur leere Formeln. Aber am bequemsten und einfachsten ist es nun doch, mit dem großen Strome zu schwimmen, man hat dabei am wenige sten Unannehmlichkeiten, keine Feindichaft von Seiten der Häuptlinge, keine Vorwürfe oder gar kirchliche Strafen von Seiten des Missionars zu fürchten, und weiß dod), was man bei allen wichtigen Anlässen, bei Eheschließung, Begräbniß 2c. zu thun hat. Faktisch werden viele Leute, wie sie selbst sagen, nur deshalb Mohamedaner, um doch eines ordentlichen Begräbnisses gewiß sein zu können.

Wie wenig Vertrauen die Anhänger des 3slam selbst in ihre neue Religion seten, das sicht man deutlich fast bei jedem ernstlichen Krant

be

heitsfalle. Denn da nimmt doch ein jeder Mohamedaner sofort wieder jeine Zuflucht zu den alten heidnischen Zaubereien. Als im Jahre 1874 die Cholera herannahte, da thaten alle Mohamedaner in der Landschaft Sipirof genau so, als ob sie noch in ihrem alten Heidenthum wären. In allen Dörfern wurden zu den alten, noch neue sibasos gemacht, und diese sammt den ehemaligen datus machten Tag und Nacht alle ihre arms seligen Künste und den Heidenlärm, mit welchen man das vermeintliche Heer der böfen Geister, das die Seuche bringt, abhalten und abschređen zu können meint. Sobald denn aber die Gefahr vorüber ist, ist man auch wieder Mohamedaner, grad als ob nichts vorgefallen wäre und als ob man nichts, den Lehren des Koran widerstreitendes, gethan hätte.

Man sollte erwarten, daß dergleichen Infonsequenzen, namentlich wenn sie in so großartigem Maaßstab, wie im Jahre 74 vorkommen, doch den Leuten die Augen öffnen und also dem Christenthum wesentlich zu gute kommen müßten, aber leider ist davon bis jeßt noch nichts zu spüren gewesen, im Gegentheil, grade nach jener großen Blamage hat sich der Islam zu neuen kräftigeren Anstrengungen aufgerafft, um alles an sich zu reißen, und seine Glieder noch fester an sich zu fetten. Freilich muß auch anerkannt werden, daß es die Christen vielfach an dem rechten Ernst und Eifer haben fehlen lassen, daß sie häufig durch ihren Wandel den þeiden nicht solch ein Vorbild gegeben haben, wie man es erwarten und wünschen sollte, sonst würde ohne Zweifel auch eine größere Wirkung auf die sie umgebenden Heiden und Mohamedaner nicht ausgeblieben sein. Auch sie leiden mit an der oben berührten allgemeinen religiösen Oberflächlichkeit, und eben darum ist es jeßt die Hauptaufgabe der dortigen Missionare, die kleinen Christengemeinden, zu vertiefen, zu verinnerlichen und lebenskräftiger zu machen, dann wird es auch an einem weiteren Wachsthum derselben nicht fehlen, das übrigens nie ganz aufgehört hat und grade in der legten Zeit wieder bedeutender geworden ist.

Außer den drei Hauptstationen befinden sich auch auf 5 Nebenstationen kleine Kirchen oder Kapellen, in welchen Sonntags und auch in der Woche durch die Missionare oder ihre eingeborenen Gehülfen Gottes Wort verfündigt, zum Theil auch Shule gehalten wird. Seit einer Reihe von Jahren hat man nämlich angefangen, in einer Katecheten -Schule zu Prau Sorat aus den christlichen Jünglingen Nationalgehülfen heranzubilden, und man kann mit den Leistungen derjenigen, die schon als Shulmeister und Evangelisten im Dienst der Mission stehen, im Ganzen zu

Neben den Regierungsschulen, in welchen keine Religion gelehrt werden darf, und deren Schüler fast ohne Ausnahme alle Moha

frieden sein.

medaner sind oder werden, hat man nun christliche Schulen errichtet, Hauptsächlich für die Christenkinder, doch werden sie auch von andern Kindern besucht. Es wird nun zunächst darauf ankommen, die kleinen Gemeinden so weit zu bringen, daß sie wenigstens diese, aus ihrer eigenen Mitte hervorgegangenen Lehrer selbst unterhalten. Das wäre ein erster wesentlicher Schritt, sie selbstständig zu machen. Kleine Anfänge dazu sind vorhanden. Ebenso sind die allernöthigsten Bücher

biblische Ges schichten alten und neuen Testamentes, Gesangbuch und Katechismus nebst einzelnen Theilen des neuen Testamentes in die Sprache des Volkes überseßt und gebrudt.

In ihrer äußerlichen Erscheinung, in Kleidung und Wohnung unterscheiden sich diese christlichen Battas in der Landschaft Sipirof wenig oder gar nicht von ihren heidnischen oder mohamedanischen Volksgenossen. Grade unter den dortigen Verhältnissen, wo doch die holländische Regie: rung nach der äußerlichen Seite des Lebens hin, einen starken kultivirenden Einfluß ausübt, hat der Missionar weniger Beruf, in dieser Beziehung zu wirken. Dagegen würde es sehr wünschenswerth und ersprießlich sein, wenn es gelänge, die Christen in besonderen Dörfern zu vereinigen,') sie so dem gefährlichen Einfluß ihrer mohamedanischen Umgebung zu entziehen und zugleich ihr Gemeingefühl zu beleben. Leider hat bis jeßt die Erlaubniß dazu noch nicht von der Regierung erlangt werden können,

wie denn überhaupt durch die Abhängigkeit von der holländischen Regierung die freie Bewegung und Entwicklung der Miffion ungemein gehemmt wird, ein Umstand, der bei der Vergleichung mit der Miffion außerhalb der Colonie, wo die Miffionare und ihre kleinen Gemeinden sich viel freier bewegen können, gar sehr in Anschlag zu bringen ist. So hat es mir seiner Zeit eine fünfmonatliche Verhandlung mit der Regierung gekostet, ehe ich die Erlaubniß bekam, um in Baringin, wo beinah 100 Christen fich befanden, ein kleines Gebäude zu errichten, das als Schule und Rapelle dienen sollte, nur weil der damalige Häuptling des Dorfe8, ein Mohamedaner, dem entgegen war, und der holländische Beamte sich deute, ein entscheidendes Wort zu sprechen. Auch dies, daß die Zeit der Leute durch Frohndienste für ihre eigenen Fürsten und mehr noch für die Regierung sehr in Anspruch genommen ist, hindert die Missionsarbeit vielfach.

(Schluß folgt.)

1) Eine sehr bedentliche Maßregel, von der entschieden abzurathen ist.

D. $.

Eine neue Missionsmethode.

Vom Herausgeber.

Unsre Leser erinnern fich vielleicht noch einer Anzeige, welche vor ca. 2 Jahren diese Zeitsdrift (I. S. 365 ff.) von den von Detan Stanley und Professor Mar Müller am 3. Dec. 1873 in der Westminster-Abtei gehaltenen und unter dem gemeinsamen Titel: On Missions“ (auch in deutscher Uebersegung herausgegebenen) Missionsreden brachte. Wenigstens tamen diese Reden dem Schreiber dieses lebhaft in Erinnerung bei der Lectüre eines vom ähnlichen Standpunkte aus geschriebenen deutschen Buches über die Diffion, nämlich der von der Haager Gesellschaft zur Vertheidigung der dhristlichen Religion getrönten, von dem Schweizer Pfarrer E. Buff berfaßten Preisschrift: Die driftlie Mission, ihre principielle Berechtigung und praktische Durdy führung" (Leiden, Brill, 1876). Mit noch mehr Recht als jene Reden darf man das Buff'idhe Buch als eine „seltene Erscheinung“, bezeichnen, denn es ist unsres Wissens das erste Mal, daß in der deutschen Literatur von dem Standpunkte der sogen. „freien Theologie“ die Misfion nicht nur einer wohlwollenden Besprechung gewürdigt, sondern der allgemeinsten Unterstügung weit über die Kirche der bisherigen Miffionsfreunde hinaus mit begeisterndem Eifer empfohlen wird, und daß die Besprechung fich nicht blos in der fritischen Negative hält, sondern eine Reihe positiver Borschläge liefert, die im Ernst den Zweck haben, der Christianisirung der Bölfer weitere Bahn zu machen. Zwar hat von einem verwandten theologischen Standpunkte aus bereits langhans fich 2 Mal mit der Mission beschäftigt, ja sogar in einem neusten Werke: das Christenthum und seine Mission im Lichte der Weltgeschichte“ (Zürich 1875) seinen rein negativ-tritischen Angriffen gewisse positive Propositionen (natürlich nicht ohne Wiederholung der hämischsten Verdächtigungen) hinzugefügt, die mit den von Buff aufgestellten fich vielfach deden – allein es würde eine Ungerechtigkeit gegen den leşteren sein, wollte man sein Buch mit den Langhans’ichen Elaboraten ist eine Kategorie werfen, obgleich er in sehr vielen Punkten zu ähnlichen Ansichten, besonders über die Methode der bisherigen Mission gelangt ift“ und „gerne zugesteht ihm nicht nur eine Fülle von Material zur Borarbeit, sondern auch manche schäßenswerthe Anregung zu verdanken“ (343). Nicht nur, daß Buss wirklich „frei ist von Langhans" oft bis zur Heftigkeit gesteigerter Animosität gegen die Mission und sein Gesammturtheil über den Werth derselben durchaus nicht theilt“ (343), das ganze Buch liefert den Beweis, daß es nicht ein Feind sondern ein aufrichtiger Freund der Mission ist, der hier von seinem Gewissen getrieben die Stimme erhebt“ (VII.) und dem es in Wahrheit darum geht meiner Mifflon Bahn brechen zu helfen, an welcher alle, die einen Funken von Begeisterung für die hohen, weltumfassenden Aufgaben des Christenthums in der Brust tragen, sich freudig betheiligen tönnten, gleichviel ob fte dieser oder jener Geistesrichtung angehören“ (VII.). Der theologische Standpunkt des Verfassers, der mit großer Offenheit als der des modernen, freifinnigen, die Thatsachen der evangelischen Heilsgeschichte verflüchtigenden Protestantismus durch das ganze Buch hin zum Ausdruc gelangt, ist selbstverständlich nicht der unsre dennoch bekennen wir mit Freuden, daß wir den Mann, der ihn mit so wohlthuender, Wärme (freilich auch mit der unvermeidlichen Rhetorik) vertritt, lieb gewonnen haben und daß troß der großen Kluft, die uns trennt, ein persönliches und bis zu einem gewissen Punkte auch ein sachliches Verständniß zwischen ihm und uns möglich ist. Wir können ja aus í a chlichen Gründen nicht anders als gerade die principiellsten seine

Vorschläge mit aller Entschiedenheit ablehnen, aber wir hoffen, daß er unsre Kritik und Polemik von aller Animosität ebenso freisprechen werde, wie wir der seinen gern dieses Zeugniß ausstellen.

Das Buff'sche Buch zerfällt in 2 Haupttheile, der erste behandelt die principielle Berechtigung“, der zweite die praktische Durchführung der Mission“. Obgleich die zweite Abtheilung wie dem Verfasser so auch uns die wichtigere ist, so müssen wir doch auch der ersten wenigstens mit einigen Worten gedenken, zumal wir zu unsrer großen Freude uns hier mit dem Verfasser in wesentlicher Uebereinstimmung befinden und dem Danke, zu welchem uns seine Apologetit verpflichtet, gern Ausdruc geben. Möchte es nur, das ist unser aufrichtiger Wunsch, dem Apologeten gelingen sich wirklich Gehör zu verschaffen gerade in denjenigen Kreifen, in welchen bisher alle biblischen wie geschichtlichen Ber: suche das Recht der Mission wie die allgemeine Pflicht zu ihr zu begründen erfolg108 zu berhallen pflegten.

Nachdem Buff in einer furzen Einleitung das Christenthum als die eigentlichste Missionsreligion charakteristrt (S. 1–14) und die moderne Mission als „eine unter allen Umständen höchst bedeutungsvolle und charakteristische Erscheinung im Leben der gegenwärtigen Christenheit“ durch einen „Rundblick auf den Umfang ihrer Thätigkeit, auf ihren Erfolg ') in der Ferne und auf ihre Rüdwirtungen auf die Heimath“ erwiesen

1) Was den Erfolg der heutigen Miffion betrifft, so äußert fich B. unter anderm folgendermaßen: „Schon die ganz beträchtliche Ausdehnung der von ihr bearbeiteten Missionsgebiete sowie der Umstand, daß die meisten Miffionsgesellschaften das Bedürfnis nach vermehrten Arbeitskräften empfinden, ist ein Beweis dafür, daß von Erfolg hier überhaupt die Rede ist. Nehmen wir auch jede Kunde, die uns über Ergebnisse berichtet, nur nad sorgfältiger Prüfung auf und lassen wir überall auch nur die niedrigsten Bes rechnungen gelten, so können wir doch nicht umhin dankbar anerkennen zu müssen, daß der Mission unsres Jahrhunderts mancher große Wurf gelungen ist. Unstreitig ist es ihr gelungen Hunderttausenden von Menschen, die in religiöser und fittlicher Verirrung dahin lebten, die göttliche Wahrheit in einer Form nahe zu bringen, welche im Bergleich zu denjenigen Formen, in welchen sie dieselbe bisher gekannt hatten, einen wesentlichen Fortschritt zum Höheren bezeichnet. (Wir werden später Gelegenheit haben uns gegen diese Auffassung auszusprechen.) Sie hat einem nicht zu verachtenden Theile der Heidenschaft im Christenthum neue Quellen innerer Erhebung und himmlischen Trostes eröffnet. Tausende haben mit ihren polytheistischen Traditionen gebrochen, rufent den Einen Gott der Aumacht und der Liebe an, haben im Glauben an die rettende Liebesthat Christi Erleichterung des Gewissens und Befreiung aus der Gewalt der sündlichen Triebe gefunden und find durch das Vorbild des heiligen Lebens Jesu zur Ablegung ihrer heidnischen Laster bewogen, zum Beginn eines neuen, würdigen, fittlichen Lebens begeistert worden. Es ist der Mission gelungen, unzählige Menschen der ausschweifendsten Rohheit und einem oft thierischen Zustand der Barbarei zu entreißen und die Sitten zahlreicher Bölferstämme vollständig umzuwandeln. Einzelne Länderstreden find in Religion und Lebensweise ganz oder doch großentheils dhriftlich geworden in noch andern ist unter dem Einfluß der Miffion das Vertrauen in die bisher herrIchenden Volfsreligionen wankend geworden, oder es find in Folge der durch fie in den Misfionsgebieten entstandenen religiösen Gährung Bersuche zu reformatorischen Des strebungen im Schoße der heidnischen Religionen selbst hervorgerufen worden. Es ist

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