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Der Sklavenhandel Ostafrica's.
(Von Pred. Al. Michelsen in Lübec.)

(Schluß.) Wir lassen nun eine kurze Uebersicht folgen, theils der schon seit längerer Zeit bestandenen, ins Herz Africa's eingedrungenen evangelischen Missionsunternehmungen, theils der erst ins Leben tretenden, jedoch in der Beschränkung, welche nicht bloß der gewährte Raum, sondern namentlich der specielle Gesichtspunkt dieser Studie uns hierbei auferlegt.

Zuerst werde unseres ehrwürdigen Randsmanns des Dr. 3. L. Arapf') gedacht, welchem, wie der sel. Ch. New vol herzlicher Verehrung und Dankbarkeit sich ausdrückt, „die Ehre der Inauguration des Werkes in Ostafrica gebührt, dessen Muthe, Unternehmung&geiste und Missionseifer die Welt es zu danken hat, daß die fast hermetisch ver. schlossene Küste Ostafrica's geöffnet worden ist; wieviel auch Andere, sei es an Untersuchungen, sei es an Missionsversuchen, nachher geleistet haben

ihin bleibt die Ehre, die Wege dafür aufgesucht, bie Zustände des Landes enthüllt, die Möglichkeit, für das Wohl desselben etwas zu thun und seine unermeßlichen Hülf&quellen zu benußen, bewiesen zu haben.“ Krapf aber sagt von seiner Arbeit selber: „Von auffallenden Bekehrungen bieler Ostafrikaner kann ich freilich nicht reden, denn meine Aufgabe war mehr eine recognoscirende, vorbereitende, Stationen gründende, neue Sprachen auffassende, kurz, mehr eine Bahn machende. Der Eine pflügt, der Andere jäet, und der Dritte erntet" (Reisen in Dstafrica 1837–55. I. im Vorwort). Aus innigstem Mitleid mit dem tiefgesunkenen Ges hlechte Ham's in Inner - Africa, ruft er jedem Missionare zu: er möge nicht ruhen, bis in jenen Ländern des Sklavenhandels und der Grausamkeit das Banier des Gefreuzigten aufgepflanzt sei, weil kein Friede dort werden könne, bevor nicht die Liebe siege." Mit klarem Blicke hat er schon frühe diejenigen Punkte Innerafrica's bezeichnet, wo Missions

+) Derselbe lebt, nachdem er schon im Jahre 1855 seiner angegriffenen Gesundheit wegen aus Oftafrica zurüdtehren mußte, gegenwärtig in Kornthal (Württemberg), wo Shreiber Dieses im vorigen Jahre die Freude gehabt hat, ihn persönlich kennen zu lernen, und den wohlthuenden Eindruck zu bekommen, wie der noch immer geistesfrische Greis mit inniger liebe an dem Schauplaße seiner 18jährigen Wirksamkeit hängt, seine Studien vorzugsweise der Förderung der dortigen Mission dienstbar macht und sich mit großen Hoffnungen trägt für die Zukunft Ostafrica's und einer dort aufblühenden evangelischen Kirche. Er steht fortwährend in Verbindung mit der englisch - bischöflichen Missionsgesellschaft, in deren Dienst und Auftrag er im Jahre 1837 nach Ostafrica gesandt wurde.

stationen zu gründen seien, und wo endlich in neuester Zeit wirklich Hand angelegt wird. Nachdrüdlich erklärt auch er alle diplomatischen Acte zur Unterdrückung des Sklavenhandels für erfolglos. Seine Missionsthätigkeit übte er von seinen, 4 Gr. südl. vom Aequator gelegenen Stationen Rabbai Mpia und Risuludini (im Wanikalande), wo zum Theil mit ihm vereint, weit länger aber in großer Vereinsamung, unser trefflicher Landsmann, Rebmann gewirkt hat (im 3. 1875, nach 29jähriger treuer Arbeit und großen, gen Westen gerichteten Reisen, als fast erblindeter, frühzeitig gealteter Mann heimgekehrt). Nach Anleitung der Dr. Krapf, jedoch im Dienste der Methodist Missionary Society, trat der jugendfiche, hochbegabte Ch. New von der benachbarten Hafenstadt Mombas feinen großen Weg an, welcher ihn nicht bloß mit den Bewohnern des Küstenlandes, den (mohammedanischen, tiefgesunkenen) Suahili, bekannt machte, sondern insbesondre ihn in die sog. „lake regions“, also in die Binnenlande führte, wohin auch ein Burton, ein Speke und Grant, fowie endlich der größte der Entdedungsreifenden, livingstone vorgedrungen find, um alsbald die Augen der Welt nach diesem hochwichtigen Centrum Africa's zu richten. Alle Beobachtungen dieser und andrer Reisenden bestätigten die Thatsache, daß von den verschiedensten Seiten her die Handelswege der Eingebornen und die Sklavenkaravanen dem genannten Ziele zustreben, daß der Sandel mit der Menschenwaare jeden andern bei Weitem beherrscht, und daß diesem verruchten Treiben mehr, als jeder andern Ursache, die über alle Beschreibung furchtbare , fittliche Entartung und geistige Abstumpfung vieler Völker jenes Erbtheils zuzuschreiben ist. Und zugleich überzeugte man sich immer mehr, daß diese satanische Macht zu bekämpfen, die bisherige Kriegführung nimmermehr genüge. An verstärkte Gewaltmaßregeln wird hierbei fo wenig gedacht, daß man im Gegentheil jene Neußerung unsres Krapf auch in England beifällig an führt: er sei, bloß mit einem Regenschirme in der Hand, furcht- und gefahrlos gewandelt, wohin Andere sich selbst in voller Rüstung nid)t ges wagt hätten, und daß man den Missionaren zuruft: „Feuerwaffen gewähren euch keinen Schuß, sondern fordern nur heraus.“ Wohl aber wird darauf hingewiesen, wie doch alle bisherigen Bekehrungsversuche dieses und jenes Arbeiters, dieser und jener Gesellschaft, so äußerst wenig gewirkt

, wie auch die (im Vorigen angeführte) Thätigkeit der University - Miss. Society, auf Zanzibar und im Küstenlande, somohl durch das Uebergewicht der mohammedanischen Regierung, als die ganze moralisch verpestete Umgebung gehemmt werde. Zur geistigen Eroberung Africa's sei schlechters dings ein andrer Weg einzuschlagen, nämlich derjenige, auf welchen Gottes

bisherige Führung deutlich hinweise, und welcher sich an der Westküste im Wesentlichen als der zum Ziele führende bewähre. Es gelte also, fejte Niederlassungen (settlements) von befreiten Negern, und zwar mit europäisch-christlichen Elementen verseßt, theils an der Ostküste, theils im Innern zu gründen, und in diesen Kolonien, wie es ja ein geordnetes Gemeinwesen an und für sich erfordere, die Civilisationszwede, also Anleitung zu Gewerben und redlichem Þandeløverkehr, auch mancherlei Unterricht, mit der höchsten Aufgabe, der Evangelisirung von Jung und Alt, zu verbinden. Also Rolonialmission ist das, worin die verschiedenen Bes ftrebungen für das Heil Ostafrica's, wenn auch nicht gänzlich aufgehen, so doch ihren Salt und Mittelpunkt finden sollen, insbesondere darum, weil sie allein als wirksames und durchgreifendes Mittel erscheint zur Heilung des überal entgegentretenden þauptübels.

Man will nicht irgendwelchen Theorien, sondern ausschließlich den Lehren der Erfahrung folgen. Diese hat aber deutlich gezeigt, daß Negerkolonien nur alsdann gedeihen und auch christlicher Einwirkung erst wahrhaft zugänglich werden, wenn sie unter Zucht und festem Regimente stehen. Wo leßteres fehlt, wird jede gewährte Freiheit nur dazu dienen, unter den zusammenlebenden Africanern dem Fetischismus mit allen ihn begleitenden Gräueln (wie z. B. im Reiche Oman) Luft zu machen und das Gemeinwesen in ein Chao8 aufzulösen. Durch den Mangel einer ordentlichen Regierung war ohnlängst die Kolonie Liberia in wüste, anarchidhe Zustände gerathen, während Sierra Leona, bei allen Unvoukommenheiten, ein Zeugniß für die Weisheit seiner Gründer und Protectoren ablegt. Mag auch das Vorwaltende bei den christlichen Mitgliedern einer Kolonie, wie es leider meistens der Fall sein dürfte, nur ein Namen- und Formenchristenthum sein: jedenfalls muß die Ordnung und der ganze Betrieb dieses Gemeinwesens, gemäß den Bedürfnissen der Negerrace, durch die Auctorität der Europäer mit fester Hand geregelt und aufrecht gehalten werden. Triumphirend hebt ein Mann, wie þutchinson, wieder und wieder die an der Westküste gewonnenen Resultate hervor, nicht bloß die Blüthe jener Rolonie, sondern vornehmlich den Umstand, daß von dorther die Runde des englischen Namens, als des Hortes der schwarzen Stämme, bis tief ins Innere Africa's gedrungen sei (auch livingstone bezeugt es mit Verwunderung), sodann die herrliche, über Adles anzustrebende Frucht: die Bildung eingeborner Brediger jegt ungefähr 20, welche schon mit dem größten Erfolge miffionirt haben, namentlich der Negerbischof Crowther, ein Missionar, wie es deren nicht viele gebe. Kurz: ein Sierra Leona auch

auf der Ostküste, jo bezeichnet man das vom Herrn selber deutlich angezeigte Ziel. Das zunächst dargebotene Material hierfür sollen aber die mittelst der Kreuzer, in immer wachsender Zahl, aufgebrachten Negerfklaven hergeben. Sodann werden als geeignete Stätten der Niederlassung nur solche Territorien betrachtet, welche dem Schauplage des binnenländischen Sklavenhandels möglichst nahe gelegen, oder doch in Verkehr mit ihm stehend, auf die betheiligten Stämme einen unmittelbaren Einfluß ermöglichen, zugleich von genügender Ausdehnung, um die dort angehäuften Arbeitskräfte gehörig zu beschäftigen. Denn eine solche, auf das Wort des Evangeliums gegründete, in rüstiger Arbeit sich aufbauende Kolonie muß nach wenigen Jahren durch sich selbst bestehen (wie es z. B. der Faứ ist mit jener, am stillen Ocean gelegenen indianischen Station Metlahkatlah im nordwestlichen America). Das eigentliche Augenmerk bleibt aber immer die Verdrängung des Sklavenhandels durch einen rechtmäßigen Handel, welcher sich von selbst entwiceln wird, je mehr die zahllosen Bewohner Innerafrica's es lernen, die als unerschöpflich geschilderten Hilfsquellen der Binnenlande, besonders ihren außerordentlich fruchtbaren Boden auszubeuten, um fünftig andere Waare bieten zu können, als immer nur ihr Elfenbein, das weiße und – das schwarze".

Augenblicklich sind es drei in dieser Richtung gehende Unternehmungen, welche vor den übrigen ") das lebhafteste Interesse erweden: die Anlage einer Rolonie bei Mombas und am Victoria-Nyanza-See durch die Ch. M. S. und die ähnliche Missionsniederlassung der Sdhotten am Südende des Nyassa.

Allerdings waren anfänglich an der Ostküste, und zwar von Sir Bartle Frere, andre Gegenden ins Auge gefaßt, namentlich ein in der Nähe des Aequator8 gelegener Hafen mit dem, durch b. d. Deden bekannt gewordenen reichen Djubflußgebiete als Hinterland, auch ein anderer im Süden vom Cap Delgado. Die hierauf bezüglichen Verhandlungen des britischen Botschafters mit dem Sultan erzielten jedenfalls die Frucht, daß dieser, noch kurz vor seiner Abreise (1875) nach England, sich bereit erklärte, die fäufliche Ueberlassung des einen oder andern Küstenstriches für den ausgesprochenen Zweck zu genehmigen, wodurch im Voraus jedem Einspruche Nordamerica's und Frankreich's begegnet wurde. Stanley hat, von seiner zweiten Entdeckungsreise aus (1874), insbefondere anf den Kusidschifluß und das durch dessen Mündungen gebildete Delta (ca. 70 MI. südl. von Zanzibar) hingewiesen, und das namentlich, weil man einem der Þanptkaravanenzüge des Sklavenhandels hier am sichersten in den Weg komme. Indeß hat fürs Erste auch die englische Regierung derjenigen Station den Vorzug gegeben, welche die „Kirchliche Missionsgesellschaft“ als die providentiell angezeigte empfohlen hatte. (Vgl. das Schreiben des General - Consuls Smith zu Zanzibar an Minister Derby im Juli 1875, in þutchinson’8: The Victoria Nyanza, p. 94 ff.). Bei der Stadt Mombas hatte sie schon lange eine Station mit allen dazu gehörigen Gebäuden 2c. besessen. Zu jenem ansehnlichen Terrain, welches ihr zu Rabbai und Rissuludini seit Jahren gehörte, hat der gegenwärtige Leiter der Station, der früher in Indien thätige, Rev. Brice ohnlängst schönes und gesund gelegenes Land (über 2000 Morgen) fäuflich erworben. Innerhalb desselben liegt der famose Banyanen. Brunnen", bei welchem bisher die Sklavenkaravanen ihre Nachtruhe zu halten pflegten. Die Station hat den Namen Frere Town“, zum ehrenden Andenken an Sir Bartle, erhalten. Sofort konnte für die Aufnahme von 270 befreiten Negern Anstalt getroffen, und eine namhafte Anzahl solcher, die zuvor in Indien christlich erzogen waren, aufgenommen werden, welche alsbald in lohnende Thätigkeit geseßt wurden. Sämmtliche Felder sind urbar gemacht und nebst dem großen Garten (wo sogar etwas im Reiche Zanzibar bisher Unerhörtes die Rartoffel gedeiht) in Pflege genommen worden. Schulen sind für Jung und Alt eröffnet, sowie auch verschiedene europäische Handwerker ihre schwarzen Lehrlinge und Gehülfen mit dem besten Erfolge einüben. Die Sache ist freilich erst im Werden, gewinnt aber von Monat zu Monat größeren Umfang. Wie in Sierra Leona, ist man auch hier darauf bedacht, seiner Zeit die gehörig vorbereiteten christlichen Neger, soweit es thunlich sein wird, in ihre betr. þeimath und in die Mitte ihrer näheren Stammesgenossen zu entsenden. Der Segen Gottes wird dem in seinem Namen begonnenen guten Werke nicht fehlen. Dasselbe ist dazu bestimmt, als Basis zu dienen für weitere, im Inneren des jegt erst aufgethanen Landes anzulegende Stationen. Rabbai (Mombas) bildet den Vorposten, an welchen sich hoffentlich eine wachsende Kette von Missionsposten anschließen wird. „In meinen Augen hat Mr. Brice", so schreibt der genannte hohe Staatsbeamte auf Zanzibar ,,für diesen ganzen Theil Africa's eine neue Aera, eine neue Gestaltung der Dinge eingeweiht; und, sofern das System mit derselben Energie und demselben Takte durchgeführt wird, wie es eröffnet worden ist, so kann der erwünschte Erfolg, sowohl aus praktischem als humanem und christlichem Gesichtspunkte, nicht ausbleiben.“ Jedoch ist die dortige Stellung des Mannes eine sehr schwierige, mit

1) Siehe die Misl.-3tg. der v. Nummer.

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