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Wiedergeburt, Heiligung, ja selbst was Demuth, Selbstverleugnung, Danfbarkeit 2c. eigentlich ist. Nicht wahr, ein Missionar muß sich legitimiren durch viel Geduld!

Wir kommen zu einer dritten Geduldsschule, das sind die Reisen. Bei uns heißt es heutzutage kaum noch: „kein Reisen ist ohn' Ungemach", so bequem haben wir'8. Und doch wie ungeduldig werden wir, wenn sich der Schnellzug einmal um 10 Minuten verspätet! Aber ganz anders ist es mit den Missionsreisen in den meisten Heidenländern. Manche denken sich solche Reisen höchst romantisch und beneiden wolgar die Missionare darum. Aber in Wirklichkeit sind sie eine Rette von Geduldsproben, welche die meisten Phantasiereisenden und Abenteuerliebhaber schwerlich bestehen würden. Der Missionar reist nicht zum Vergnügen oder aus bloßer Reiselust, sondern weil sein Beruf ihn zu einem Reiseprediger macht, der meist weithin im Lande den Samen des Evangelii ausstreuen muß. Nun will ich jeßt nicht davon reden, was fitr Gefahren den Missionar umgeben auf diesen Reisen theils in Folge des Klimas, der Rälte im Norden,") der Hiße im Süden, theils von wilden Thieren oder wilden Menschen u. f. F., sondern nur auf die Geduld wil ich hinweisen, welche meist auch die ungefährlichen Reisen fordern. 3. B. die Reisen in Südafrika. Endlich ist der liebe Bruder reisefertig, der große Wagen in Stand, die 10, 12 Paar Dchsen davor, die Weiber alle zur Stelle und fort gehts nach dem Lande seiner Sehnsucht. Aber o weh, schon nach 3 Stunden bleibt die ganze Karawane im Sumpfe stecken, alles Schlagen auf die Ochsen hilft nicht, man muß mitten im Sumpfe ausspannen und neue Zugthiere besorgen, was eben nicht sehr eilig vor sich geht.) Oder man kommt an einen Fluß, der wegen der Regenzeit noch zu volls ufrig ist, als daß das Durchfahren könnte riskirt werden.

Was ist zu thun? da es weder eine Brücke noch eine Fähre giebt, so muß man eben warten bis sich das Wasser verlaufen hat, vielleicht 8 oder 14 Tage. Denkt aber der junge Missionar, das sei doch „um aus der Haut zu fahren“ und er will nicht warten, weil's ihn pressirt und fährt durch, so tommt er wol erst recht aus dem Regen in die Traufe, er verfehlt die Furt und der Wagen schlägt um! Nun kann er noch Gott danken, wenn Menschen und Thiere nicht ertrinken, wenn er, nachdem das Wasser sich verlaufen hat, seine Sachen wiederfindet, was nicht verdorben ist trodnet, und nach 2 oder 3 Wochen weiter ziehen kann. Segt geht's über ein Gebirge, natürlich ohne Weg und Steg; '8 ist eine halsbrecherische Bartie, aber doch geht's besser als der Missionar sich dachte, dies Mal bewährten sich die Dhjen; plößlich knack, bridit die Are entzwei ! Zum Glück ist eine kleine Schmiedewerkstatt im Reisewagen, aber es vergeht doch Zeit bis alles wieder in Ordnung ist. „Gott sei Dank," spricht der Missionar, ,, die Berge und Flüsse habe ich nun hinter mir, die Ebene wird ja keinen weiteren Aufenthalt bringen". Man spannt Abends aus und läßt die Ohsen, wie gewohnt, grajen; aber am andern Morgen sind alle verschwunden! Nun geht's an’s Suchen, über dem möglicherweise ein ganzer Tag verloren wird. Endlich sind wieder alle zusammen und die Reise wird fortgesett. „Aber“, fragt der Missionar den Treiber, der den Zug führt, ,, bist du auch sicher, daß wir auf dem rechten Wege sind, mir kommt die Sache bedenklich vor ?“ „Mir auch, Herr“, lautet die Antwort, ,,ich weiß nicht wo wir sind, noch wohin wir uns wenden müssen". Mit Schelten ist da natürlich gar nichts gethan, sondern der Missionar muß sich in Geduld fassen, die Wagenspur mühsam suchen oder mit seinen Instrumenten sich zurechtfinden und darauf verzichten, daß auf missionarichen Reisen die gerade Linie die fürzeste Verbindung zwischen 2 Punkten ist.")

1) Man lese 3. B. die Reise der Br. Rinderknecht (Miff. BI. der Brüdergemeinde 1874 Nr. 3) oder die noch gefährlichere des Br. Bindschedler (Ebendaselbst 1875 Nr. 4) in Labrador!

2) Siehe 3. B. Wange manu: „Maleo uiid Sekukuni“ die Reise der Misstos nare Grügner und Merensky zu dem König Swaz S. 9 ff.

Wenn auch nicht ganz so schlimm aber doch Geduld genug fordernd sind die Reisen auch in China. Meist geht's zu Wasser per Boot. Wie oft wird da der arme Missionar von den Bootsleuten genarrt, daß sie zur verabredeten Stunde nicht da sind, oder auf einmal erklären nicht fahren zu können ac. Doch genug, ihr seht, auch der reisende Missionar muß ein Mensch sein, der warten kann und der ruhig bleibt, wenn er es mit widerwilligen oder trägen Menschen zu thun hat, die noch nichts davon wissen, daß Zeit Geld und für den Missionar noch mehr als Geld ist!

1) Die Sache hat auch noch eine andere sehr ernste Seite. Die unged uld hat schon manchem jungen Missionar das Leben gekostet. Statt sich erst zu acclimatisiren und ihrer Kraft zu schonen eilen sie, besonders bei Untersuchungsreisen, als ob ihnen der Boden unter den Füßen brennte, ganz vergessend, daß man im heiBen Klima zumal als Neuling nicht 10stündige Märsche machen darf, wie eben wieder die Basler auf ihrer Recognoscirungstour nach Otwau gethan. (Siehe: „Begoro und Ofwait. Bericht über 2 Untersuchungsreisen als Vorbereitung für die Ajante-Mission"). Möchten doch alle Missionsleitungen ihre ausgehenden jungen Boten mit allem Ernst vor dieser unverständigen Ungeduld warnen und ihnen für alle, spnderlich aber für die Anfangsreisen Vorsicht und langsamkeit zur ernstesten Gewissenspflicht machen!

Aber wir sind mit unsern Geduldeschulen noch lange nicht am Eud. Nur flüchtig will ich daran erinnern, wie sehr der Missionar oft seine liebe Noth hat, wenn er eine Station gründen und sich ein Hüttlein bauen will, wie ihn da die Heiden oft aufhalten, wie sie ihn übertheueru, ihr Wort zurücknehmen,-) oder wie sein Häuschen wieder umstürzt, die Ameisen oder Schlangen oder sonstiges „verdrüßliche Gewürm“ sich einnistet, oder wie durch die Ariege, welche die Eingebornen unter einander führen, die kaum aufgerichteten Stationsgebäude wieder zerstört werden, ein Schicksal, das z. B. die Station Neu-Barmen im Hererolande in i Jahren 9 Mal erfuhr - auch dabei wollen wir uns nicht aufhalten, daß es nichts ist mit den „lieben" Heiden, sondern ihr Schmuß, ihre Zudringlichkeit, Bettelhaftigkeit, Verlogenheit, Faulheit und was dergleichen Untugenden mehr sind, dem armen Missionar gemeiniglich viel zu schaffen machen – wir wollen uns jegt zur Missionsarbeit selbst wenden.

Mit Lust und Eifer beginnt der angehende Missionar sein Werk und hofft bald Erfolge seiner Arbeit zu sehen. Aber die Heiden wollen fib nicht bekehren, vielleicht nicht einmal seine Botschaft hören, ja sie stellaa sich ihm feindlich gegenüber und machen ihm auf allerlei Weise das Leben schwer. Der liebe junge Bruder hat sich das alles ganz anders gedacht, er gedachte Berge umzureißen und im Sturm die Festung zu nehmen und nun arbeitet er 5, 10, 15 Jahre ohne auch nur die geringste Frucht seiner Bemühungen wahrzunehmen. Nicht wahr, lieben Freunde, das ist niederschlagend. Der Missionar ist sich bewußt die reinsten Liebesabsichten zu haben, er scheut kein Opfer, keine Selbstverleugnung, er scheut selbst sein Leben nicht und - die Heiden halten ihn für einen Zauberer oder den Agenten einer Regierung und ichieben ihm lauter eigennüßige Beweggründe unter. Heißt's da nicht: „Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen“ ? Ja wahrlich, Geduld braucht der Missionar, daß er bei Mißerfolgen, Verkennungen u. 1. f. nicht die Flinte ins Korn wirft und davon läuft, weil ,,die Stöße des Heidenthums“ so gar gewaltig auf ihn eindringen.

Und doch ist auch das das Schlimmste noch nicht. Hat der Missionar nun endlich eine Gemeinde aus den Heiden gesammelt, wie viel Ges duld fordert die Pflege dieser , jungen Kinder“, die im Glauben oft noch

1) Siehe z. B. Warneď: „Nacht und Morgen auf Sumatra “ % Ausl. S. 7 ff.

sehr schwach sind und feinesiege immer als Lichter leuchten in die Finsterniß des fie umgebenden Heidenthums hinein! Wie viele von ihnen fallen und wie mancher fällt gar wieder ab und wandelt die Wege des verlornen Sohnes, ohne die Buße desselben zu finden! Wie manchmal hat der Missionar eine „schöne Bekehrung&geschichte“ in die Heimath berichtet und während man sie mit Erbauung daheim liest, ist der „Befehrte“ wieder ein Kind des Verderbens geworden und der Missionar weint über diesen zweifach erstorbenen Baum!) Ach, das ist ein trauriges Kapitel, über das jeder Missionar nur „mit Weinen“ redet. Und trop aller sola cher schmerzlichen Erfahrungen soll er mit freudigem Aufthun seines Mundes das Evangelium verkündigen und nicht müde werden in der Liebe, die ,, alles trägt, alles glaubt, alles hofft, alle8 duldet."

Woher diese Geduld ? Fleisch und Blut giebt sie gewiß nicht, aber Christus, der in dem Schwachen mächtig ist und der Glaube, der aus seiner Fülle täglich nimmt Gnade um Gnade. Wer glaubt der flieht nicht.

Nun Gott sei Dank durch solchen Geduld wirkenden Glauben legitimiri sich auch die moderne Mission und zwar mehr als durch „Zeichen und Thaten und Wunder“. Was für eine Geduldsmission treibt z. B. die Norddeutsche Missions - Gesellschaft in Westafrika ;-) die Brüdermission im West - Himalaya ;) die Finnische Mission im Ovambolande;4) die Rheinische Mission auf Borneo ,5) nachdem auch ihre Hereromission über 20 Jahre diesen Charaf ter getragen6) ga 113 zu geschweigen der Mission in China, die zur Stunde noch als die Geduldsmission vor andern bezeichnet werden muß! 3a, hier ist Geduld und Glauben der Heiligen!

Doch nach dieser Seite hin möchte ich heute mein Thema nicht weiter ansführen sondern

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1) Siehe 3. B. Wangemann: „Ein Reisejahr in Südafrika“ S. 189 ff. „Berichte der Rh. M. G. “ 1873. S. 37 ff. Die Gesch. des Oberhäuptling8 Raden, der bald nach seiner „Bekehrung“ in sein Sündenleben wieder zurüdfiel.

2) Siche „Zahn: „Von der Elbe bis zum Volta“; „Vier Freistätten im Sllavenlande“.

3) Siche Rechler: „die Missionsarbeit der Brüdergemeine im West - Himalaya“ Bd. I S. 444. 500.

4) Siehe von Rohden: „die Mission im Ovambolande.“ Ebend. S. 541. 5) Siehe von Rohden: „Gesch. der Rhein. M. G.“ Š. 279 ff. 6) Ebend. S. 253 fi.

II. lieber noch ein Wort an die Missionsfreunde richten, auf daß auch sie sich erfinden lassen zuerst ,in aller Geduld".

Wir leben jeßt in einer rastlos eilenden Zeit, deren Signatur der Dampf, ja der Electromagnetismus geworden ist. „Wir eilen schnell da hin als flögen wir davon". Auch unser politisches Leben krankt an die ser Fieberhast. Man baut schnell, sehr schnell - aber ob auch das Fundas ment solid ist und das Gebäude nicht etwa einen großen Fall thun wird ?? Jedenfalls fehlt die Geduldslegitimation. Wie es nun so mit den Zeitmächten geht sie erfüllen die Atmosphäre, die man athmet und beeinflussen auch die christlichen Kreise. Wir haben es hier aber nur mit den missionsfreundlichen Kreisen' zu thun. Auch da möchte man, daß es mit Dampf gehe, will schnelle und große Erfolge sehen und hat wenig Sympathie für die Geduldsmissionen. Nun, Gott sei Dant, es fehlt den modernen Missionen auch der Erfolg nicht. Ich denke 14/2 Million Christen aus den Heiden,') die heute unter der Pflege der Missionare in aller Welt stehen, das ist ein Erfolg, der sich sehen lassen kann! Wir haben Missionen, wo eß eilends geht und gegangen ist, z. B. in Madagaskar, unter den Karenen, kolhs und den Insulanern der Südsee! Aber al das ist vieler Missionsfreunden nicht genug, sie möchten, daß es in Indien, Westafrika, China 2c. auch so gehe, und es stehen diese Missionen, in denen es nad einem langsameren Tempo geht, nicht in Gunst und es bedarf oft vieler Ueberredungskunst und der Steckens des Treibers um die müden Hände zu stärken.

Was sollen wir sagen? Geduld, lieben Freunde, Geduld thut euh noth. Es erweist sich auch ein rechter Missionsfreund zuerst „in aller Ge: duld" „Siehe ein Acersmann wartet auf die föstliche Frucht der Erde und ist geduldig darüber, bis er empfange den Morgenregen und Abendregen. So seid auch ihr geduldig und stärket eure Herzen.“ „Ein Geduldiger heißt es auch hier — ist besser denn ein Starker" und durch Stillesein und Hoffen werdet ihr stark sein.“ Was ist ihm denn? Habt ihr vergessen, daß „das Himmelreich gleich ist einem Senftorn, das ein Mensch nahm und fäete es auf seinen Acker"? Weil heut alles mit Dampf geht, muß deshalb etwa auch das Reich Gottes feine Senffornart verlieren? Aber es ist kein Reich von dieser Welt und nicht die Zeit sondern die Ewigkeitsmächte herrschen in ihm. Mag sich heutzutage vie:

1) Siche Band II S. 513.

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