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Ein beachten&werthes Zeichen von dem sich bereits fühlbar macheader Einfluß Bdes es in Japan ist Christenthumdie merkung in der Vorrede, daß wenn man die Leute, welche die Religion Jesu im ganzen Lande verbreiten möchten, nicht widerlege, ,, die Anhänger dieser Religion immer mehr an Stärke und Einfluß zunehmen werden, bis sie endlich die ganze Nation mit sich fortreißen und ihrer Lehre unterwerfen, und dann werde nichts dieselbe aufhalten fönnen.“

Der Inhalt des Buche, besonders die darin gegen das Christenthum erhobene Beschuldigung der Staatsgefährlichkeit, aber auch viele Einwürfe gegen einzelne Stellen des A. u. N. Test., erinnert uns lebhaft an die gleichen Vorwürfe von Seiten Gelehrter und Ungelehrter, namentlich aber der römischen Machthaber, denen gegenüber die Christen der ersten Jahr hunderte sich zu verantworten hatten. Was der Verfasser gegen die Scho pfungslehre des A. Test., den Umgang Gottes mit den ersten Menschen, die Sündfluth, Sprachverwirrung, Beraubung der Egypter beim Auszug Israels u. s. w., dann gegen die Aufnahme des Judas unter die Jünger, den Versöhnungstod des Herrn, seine Auferstehung (die einfach geleugnet wird, „die Jünger stablen seinen Leichnam“) u. A. vorbringt, sind die oft erhobenen und oft widerlegten Einwürfe. Er meint, die Leute vor der Sündfluth seien ja ,,ohne Unterricht, ihre Vernichtung also eine schredliche Gewaltthätigkeit gewesen, durch die sich Jehova als durchaus nicht zum Regenten der Welt befähigt gezeigt habe“ (!). Er fragt: „warum machte Gott den Pharao nicht dem Volt 3srael geneigt, statt ihn zu be strafen? Warum bestraft er überhaupt irgend Jemand, während er doch von uns verlangt, daß wir unsern Nächsten vergeben sollen ?" und dergl., und zeigt damit, wie schwer es oft auch gebildeten Heiden wird, die Heiligkeit Gottes in ihrem Verhältniß zur sittlichen Freiheit des Menschen zu begreifen.

Er verficht dann mit Eifer den Confucianismus gegen das Christen thum und erklärt letteres für noch schlechter als den Buddhismus, „weil es nicht verlangt, daß wir um das zukünftige Wohl unsrer Eltern und Herren beten sollen (der Verf. blict also nur auf den Protestantismus), sondern unsre Achtung vor denselben bloß auf das irdische Leben beschränkt, und weil es feine anderen Götter duldet, so daß, wenn das Christenthum überhand nehmen sollte, die Tempel des Dschimmu Tenno und die Shreine der kanonisirten Kaiser und Heroen vernachlässigt werden würden. Confucius und andere Weise haben es nicht so gemacht, sondern den Tos dten dieselbe Achtung wie den Lebendigen gezout. - Die Anhänger Jeju

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fümmern sich um nichts als um ihre eigene zukünftige Seligkeit. Wenn diese Anschauung, die aus Selbstsucht hervorgegangen ist, sich bei uns einbürgern würde, so wären unsre guten Sitten der größten Gefahr des Berderben8 ausgesetzt." Dabei versteigt er sich zu dem Saß: „Gefeßt Jesus wäre der Sohn Gottes und würde die bestrafen, welche ihre Eltern mehr lieben als ihn und ihren Herren mehr Achtung erweisen als ihm, so würde ich, selbst wenn ich dafür der leibhaftige Teufel werden müßte, deßwegen doch nicht ein Zota ablassen von meiner Elternliebe oder von meiner Unterthanentreue" (S. 16).

Sehr bemerkenswerth und abermalige fünftige blutige Verfolgungen des Christenthums in Japan gar sehr in den Bereich der Möglichkeit stelsend sind die Stellen, in denen der Verf. für den Fall weiteren Umsichgreifeng dieser neuen Religion an die Staats gewalt appellirt: „In den legten Jahren ist eine leidenschaftliche Neuerungssucht bei uns eingerisjen, und wenn das allezeit unwissende und leicht verführte Volt (vergl. dazu Joh. 7, 49!) sich jeßt dem freilich hohlen aber doch plausibel scheinenden Christenthum ergeben sollte, so wird diese Religion dermaßen überhand nehmen, daß nichts al 8 die Hinrichtung ihrer Anhänger im Stande sein wird, ihren Fortschritt zu hemmen.

Wenn wir auch gegenwärtig auf freundschaftlichem Fuß mit den auswärtigen Mächten stehen, so können doch auch andere Zeiten kommen; und wenn je ein schlauer Feind unter dem Aushängeschild des Christenthums sich bei uns einschleichen sollte, so würden alle japanischen Christen ihm zufallen und gegen ihre eigenen Landsleute das Schwert ergreifen.“

Zulegt faßt er das Resultat seiner Untersuchung dahin zusammen: „Wer das Christenthum in Japan begünstigt, der wünscht nichts anderes, als daß Unruhen bei uns ausbrechen, die Leute umgebracht und die gebührende Achtung vor Eltern und Herrscher hintangesetzt werden möchte."

In der japanesischen Zeitung Nisshin Shinjisshi ist bereits eine Widerlegung des „Bemmo“ erschienen, worin das protestantische Christenthum als „die beste Religion für Japan“ empfohlen, ja die Hoffnung ausgesprochen wird, daß der Verf. des Bemmo gleich einem Paulus aus einem bittern Feind noch einst ein eifriger Vertheidiger des Christenthums werden könnte.

Christlieb.

Die chinesische Auswanderung.

Daß in den legten Jahrzehnten eine nicht unbedeutende chinesische Einwanderung in den Westen der Vereinigten Staaten stattgefunden, die besonders in San Franziskco zu heftigen Demonstrationen der weißen Arbeiter bevölkerung gegen ihre gelben Rivalen geführt hat, daß das Reis der Mitte überhaupt eine beträchtliche Anzahl Emigranten jährlich entiende, die als Handelsleute und Arbeiter in Hinterindien, im indischen Archipe und in Australien eine Rolle spielen – das ist allerdings eine unter une nicht gerade unbekannte Thatjache. Aber wie unfassend diese Au Swan derung, wie alt und bedeutungsvoll sie für die Kulturgeschichte, wie hon nungsreich sie vielleicht für die Zukunft, das dürfte in weiteren Preisen doch kaum gekannt sein und ist noch niemals so gründlich, zusammenhängend, ershop fend und auf Grund eines so reichen Quellenmaterials dargethan worden, als in der eben erschienenen dankenswerthen Monographie Dr. Rašelis: „die chinesische Auswanderung. Ein Beitrag zur ftultur und Handel&geographie (Breslau, Rern"). Auch für die Missions wissenschaft ist diese Arbeit von hohem Werthe, obgleich der Verfafia felbst diese Seite der Frage nicht in den Kreis seiner Betrachtung gezogen but. Wol benutt er, soweit sie ihm zu Gebote standen, auch die von evangelischen und katholischen Missionaren berfaßten Schriften, z. B. Williams, Güşlaff, Lechler, Williamson, Ballegoir; sonst hat er aber das reiche Material, welches hin und her in den Missionsberichten zerstreut auch über den qu Gegenstand fich findet, unauðgebeutet gelassen; auch findet sich nur ab und zu eine kurze Notiz über die Stellung, welche die Chinesen in der Fremde zum Christenthum einnehmen, während der Missionsthätigkeit unter der Emigranten mit feiner Silbe gedacht ist.

Es wird für unsre Leser von Interesse sein, wenn wir sie zunädi mit dem Hauptinhalte des Buche bekannt machen, um dann einige Betrat tungen über die Bedeutung der qu. Auswanderung für die Mission anzureihen

Indem der Verfasser in einem ersten Abschnitt die Ursachen der Ans wanderung untersucht, giebt er zunächst sehr schätzenswerthe Mitteilungen über die Größe (S. 7 f.), die Bodenbeschaffenheit (S. 11 ff.), die Bevölkerung (S. 20 ff.) und die wirthschaftlichen Verhältnisse Chinas (S. 25 ff.), die er in dem Schlußkapitel (S. 252 f.) also resümirt: „Wir lernten in China eins der glücklichst begabten Gebiete kennen, welche die Erde aufzuweisen

1) Vergl. den Artifel desselben Berf. über denselben Gegenstand im „Ausland“ v. 9. Dctober d. J.

hat. Fruchtbar durch Boden und Relima, für den Verkehr wegsam durch Oberflächengestalt, Bewässerung und weitgestreckte Meeresküsten, vom wüstenhaften, nomadenbewohnten Innern des Erdtheils abgeschlossen durch mauer- und wallartige Grenzen, in die Nähe der reichsten Tropenländer gerückt, ohne selbst kaum die Tropen zu überschreiten - dazu von einer Ausdehnung, welche der Hälfte Europas gleichkommt (nämlich das eigentliche China der 18 Provinzen), ist es ein Land, wie die alte Welt fein gleich begünstigtes mehr aufzuweisen hat. Nur Amerika bietet in dem Gebiet der Vereinigten Staaten etwas annähernd Aehnliches.

,, Wir fanden dann in diesem Lande eine Bevölkerung, die zwar über die einzelnen Provinzen verschieden vertheilt, im Ganzen aber dicht gedrängt lebt. Wir sahen, daß die zuverlässigsten Gewährsmänner sie auf eher mehr denn weniger als 400 Millionen zu schägen geneigt sind. Indessen erkannten wir auch bei der Betrachtung der wirthschaftlichen Verhältnisse, der Gewohnheiten und der altüblichen Lebensweise dieser Massen, daß alles darauf hinzielt, denselben dieses dichte Zusammenleben erträglich zu machen. Ihren emsigen Fleiß und ihre Genügsamkeit in erster Reihe, dann das Ueberwiegen des Ackerbautes unter ihren wirthschaftlichen Bethätigungen und den sorgfältigsten, gartenartigen Betrieb desselben, 4) die immer große Nachfrage nach menschlicher Arbeit als Folge des mangelnden Maschinenbetriebes in Gewerbe und A&erbau, die Erleichterung der Erwerbung des Nothwendigsten durch den Zusammenhalt der Familienglieder, die wenigstens in früheren Jahren bewundernswerthe Fürsorge der Regierung für die Ordnung des Staates und das Wohlergehen der Unterthanen, endlich den regen Erwerbssinn, der das ganze Volk durchdringt und die Erleichterung, welche das Land in seiner Oberflächenbeschaffenheit und durch die zahlreichen Kanal- und Straßenbauten dem Verkehr bietet dies alles lernten wir ale ebensoviele Gründe kennen, die uns die nicht allzusehr beengte Eristenz einer so großen und stellenweis so dichten Bevölkerung in einem einzigen Pande verstehen lassen."

Von ganz besonderem Interesse war nur das Kapitel über die wirthschaftlichen Verhältnisse", welches die vollkommen befriedigende Erklärung bringt, wie das Land eine so dichte Bevölkerung zu tragen vermag. Wir heben aus diesem Kapitel nur einen Bassus hervor , der sich auf den Handel bezieht, weil derselbe eine Bemerkung enthält die einem land

1) Der Großgrundbesig wie die Großindustrie ist äußerst spärlich in China vertreten, Maschinen giebt es sehr wenig. Die Löhne sind sehr niedrig wie auch die Lebenspreise (S. 31 ff.).

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läufigen Vorurtheile entgegentritt und die wahrscheinlich auch für nos andere Lebensgebiete ihre Berechtigung haben wird. Auffallend ist in erster Reihe die Beweglichkeit, welche sie (die Chinesen) als Handelsleute zeigen. Es ist nicht übertrieben wenn Bowring (A visit to the Philippine Islands S 183) sagt: „Wohin geht ein Chinese nicht — welchen Gefahrer

. unterzieht er sich nicht was läßt er sich nicht gefallen

in weld Unternehmungen läßt er sich nicht ein welche Ausdauer wird er nid: entfalten, wo es sich darum handelt Geld zu gewinnen.“ Man sieht jo fort, sein conservativer Sinn erstreckt sich auf diese Fragen nicht. Er i als Kaufmann weder conservativ von Gesinnung, noch starr, wo an passung gefordert wird, noch unbeweglich in der Wahl seines Niederlassung ortes oder seines Geschäftskreises. Die Unbeweglichkeit scheint is der That bei ihm mehr Wirkung der Umstände al 8 des Cho rakter 8 oder der N e igungen. Man hat hier offenbar je rasch von der verknöcherten Aristokratie des Mandarinen thum 8 auf das lebendige Volk zurü&geschlossen. Wäre niør diese Unbeweglichkeit eine Anomalie bei einem so praktischen und verständigen Volke?" (S 44 f.) - Es ist dies auch der Eindrud den das Studium der neueren Literatur über China je länger je mehr auf uns macht, daß man dem Volfe einen starreren Conservatismus anat neralisirt hat, als es ihn in Wirklichkeit befißt, wie Schreiber dieses über, haupt immer fester davon überzeugt wird, daß unser Verständniß für chinesische Sitten und Eigenthümlichkeiten bis jetzt noch ein sehr dürftiges ist und unsre Vorurtheile gegen die Chinesen vielleicht nicht viel geringer sind, als die der Chinesen gegen uns. Doch dies nur beiläufig; jest zu unserm eigentlichen Thema zurüc.

Uebervölkerung ist also nicht die Hauptquelle der Auswanderung, ob gleich die Dichtigkeit der Bevölkerung eine große Masse derselben immer in Bewegung erhält und trotz der wunderbaren Festigkeit der Familien bande eine leichte Trennung von der Heimath bewirkt. „Würde die Ueberbevölkerung die nächste Ursache der Auswanderung sein, so müßten die dichtbevölkertsten Provinzen nothwendig das größte Contingent zu iht stellen." Dem ist aber, wie unser Verfasser nachweist, nicht also. ,, Die ungeheure Mehrzahl der Colonisten in Hinterindien, im Archipel, auf Formosa, in Polynesien, in Amerika sind Leute aus den beiden Südpropinzen Fukian und Kuangtung; und doch umschließen diese zusammen nod nicht den 10. Theil der Gesammtbevölkerung. Aber Tshekiang und Kiangsu, die wie Ameisenhaufen bevölkert sind (die erstere Brovinz hat

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