Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

5,840, die andere 12,480 Einwohner auf der Quadrat meile, wähuud Fufian nur 5170 und Kuangtung 4510 zählen), liefern sehr wenige Ausanderer. Selbst Formosa, das diesen dichtbevölkerten Brovinzen so nahe egt, ist vorzüglich von Fufian aus bevölkert. Der Auswanderungstrieb heint also nur erst einen kleinen Theil der chinesischen Bevölkerung erBt zu haben und wurzelt allem Anschein nach nicht so sehr in der Ueberevölkerung, als in der Gewöhnung an die See, an den Verkehr mit cemden Ländern, an das Fischer- und Schifferleben und wohl auch in em unabhängigeren unternehmenderen Charakter, den man den Südchiejen allgemein zuschreibt und der geringeren Macht, die über sie die aiserlichen Verbote haben ... Daß aus der Nordprovinzen eine ziemlich starke (uswanderung nach den mongolischen und mandschurischen Ländern stattin det, steht außer Zweifel. Es bleibt also die auffallende Thatsache estehen, daß die am dichtesten bevölkerten Provinzen, das eigentliche Land er Mitte, am wenigsten, ja praktisch genommen fast nichts zur Ausvandrung beitragen. Die chinesische Auswandrung ist also zunächst eine (ofale Erscheinung. Wenn nun aber einmal in China, wie es jegt allen Anschein hat, der Trieb zur Auswanderung aus dieser Lokalisirung herauszutreten und über das Land sich zu verbreiten anfängt, so steht ihm noch eine Entwicklung bevor, von der seine jeßige Ausdehnung kaum eine Ahnung giebt. Werden Provinzen wie Tschefiang, Riangsu und Nganhoei von diesem Trieb erfaßt, so wird leichtlich 1/2 Million alljährlich zur Auswanderung bereit stehen.") Und es ist wahrscheinlich, daß gerade diese Provinzen am ehesten in den Kreis des den Auswandrungsstrom speifenden Gebietes gezogen werden, denn der anregende und aufklärende Einfluß des Weltverkehrs muß in ihnen am raschesten zur Wirkung kommen, da sie ja dem Emporium des fremden Handels, Shanghai und seiner Hauptverbindungsstraße nach dem Innern, dem Yantjze, am nächsten gelegen sind. Jedenfalls sehen wir schon ein Zeugniß für die Zunahme der Popularität der Auswanderung darin, daß nicht blos die Zahl der Auswanderer überhaupt, sondern auch die der Frauen bedeutend zugenommen hat, welche früher in den chinesischen Colonien ganz zu fehlen pflegten“ (S. 257 ff. cf. S. 60 f.).

Sehr beachtenøwerth scheint uns ferner was Dr. Rapel in dem Rapitel über die politischen und religiösen Ursachen der Auswanderung be

1) Zur Zeit beträgt die Gesammtsumme der Auswanderer jährlich c. 150,000, von denen jedoch nur 60-80,000 über See gehen, die übrigen begeben sich nach der Mandschurei, der Mongolei und Hinterindien (S. 257. cf. S. 62.).

merkt. Wir lassen ihn wieder selbst reden: ,,Die Chinesen sind weder ein politisch noch religiös leidenschaftliches Volf, und wir dürfen in keinem Fall erwarten, daß sie wegen bloßer theoretischer Unzufriedenheit mitden Zuständen, die auf dem politischen oder religiösen Gebiete herrschen, jemals ihr Land verlassen würden. Ein solcher Idealismus ist den Abend ländern vorbehalten.) Nur wenn politische Mißstände zu einem Drude führen, der materiell empfunden wird, wenn sie Ungerechtigkeit, Unehrlichkeit der Beamten, Nachlasseu der Fürsorge für das materielle Wohl des Volfes im Gefolge haben, dann erheben sich die Klagen und Mahnungen und während im Innern sich die Uuzufriedenheit zulegt in Aufständen Luft macht, entzicht sich das Volk an den Grenzen durch Auswanderung dem Drucke des verdorbenen Systems." (S. 51.) Die hochgehendsten Wellen in der chinesischen Auswanderung sind in alter und neuer Zeit daher durch Dynastienwechsel und Bürgerkriege hervorgerufen. Der Verfasser gedenkt des Taiping-Aufstandes und fügt hinzu: ,,es unterliegt keinem Zweifel, daß die heutige Auswanderung wesentlich verstärkt worden ist durch einen allgemeinen Rüdgang in der Energie und Intelligenz der Regierenden und dem entsprechend in der Thätigkeit, der Ehrlichkeit und dem heils samen Einflusse der Beamten." Vielleicht theoretisirt er mit dieser letzten Behauptung ein wenig, während er uuzweifelhaft Recht hat, wenn er später sagt: „Auf den heutigen Niedergang fällt noch ein Schatten von andrer Seite her. Während bisher das Volk durch seine Emsigkeit und seinen Fleiß im Kleinen immer wieder gut machte, was seine þerrscher und Beamten im Großen verdarben und während es durch seine Gewohnheitsund Ordnungsliebe den staatsverderbenden Wirkungen, die sich in den höheren Schichten geltend machten, die Spiße abbrach, fängt nun durch den Verkehr mit Europa und Nordamerika auch dieser feste Boden sich zu lockern, an, auf dem sonst die Dauerhaftigkeit Chinas beruhte. Der Glaube an China an die Einzigkeit und Heiligkeit des Reiches, der Glaube an sich selbst, der

1) Bei so vielen guten Eigenschaften untergeordneter Art, welche die Chinesen besißen, fehlt ihnen eine große Gabe, deren Mangel alle kleinen Vorzüge aufhebt: der deale Zug. Mit diesem sind sie der Begeisterung und der hohen moralischen Gesinnung baar, welche über Rücksichten augenblidlicher Nüglichkeit hinweg das Rechte um seiner selbst willen volbringt. Dies erklärt die Häufigkeit der Zeiten des Verfalls und dessen reißende Zunahme, sobald nicht eine starke Hand von oben her Halt gebietet." (S.53.) — Dies erklärt auch zum großen Theil den geringen Eingang, welchen bisher das Evangelium gefunden. Dennoch müssen wir gestehen, bleibt uns ein ungelöstes X. Woher die jahrtausend lange Dauer des Reiche, während andere, besser regierte Reiche mit Bevölferungen von idealem Zug keinen Bestand gehabt? cf.in dessen S. 569 Anm.

sonst als der schärfste Zug im chinesischen Volfscharakter hervortrat, wird sich auf die Dauer angesichts der unzweifelhaften Ueberlegenheit der åbendländischen Cultur nicht mehr so rein erhalten können wie bisher.) Es ist zu fürchten, daß wenn heute selbst ein neuer Hongwu erstünde, er China nicht vor dem zerseßenden Einfinß der abendländischen Cultur hüten könnte, welche auf tausend Wegen Eingang sucht. Ja ein starker, energischer Herrscher würde dem Lande wahrscheinlich mehr schaden, als nüßen, denn er würde es für seine faiserliche Pflicht halten, den Anmaßungen der europäischen Barbaren endlich eine Schranke zu setzen und der Stoß, der dadurch · unvermeidlich kommen würde, könnte den alten Bau in einem einzigen

Augenblick stürzen machen, während das jebige System der Umwege und Ausflüsse ihn wenigstens noch für einige Zeit aufrecht erhalten kann. Ob andrerseits unter den gegenwärtigen Verhältnissen ein fremdenfreundlicher Raiser möglich wäre, ist eine Frage, die man fast mit Bestimmtheit verneinen fånn. Das Beispiel Japans beweist hier nicht, denn Japan ist gerade in seinen Beziehungen zum Auslande von jeher der Gegensaß zu China gewesen Es ist am wahrscheinlichsten, daß China noch längere Zeit so wie bisher laviren wird, daß aber ein Zusammenstoß mit den fremden Mächten heftiger als alle vorhergehenden auf die Dauer nicht zu vermeiden ist.“ (S. 53 f.)

Wir haben diesen Auslassungen einen breiteren Raum gegeben, weil sie auch für die Beurtheilung des Verhaltens Chinas gegen das Evangelium und für die Zukunft der dortigen Mission wichtige Fingerzeige geben,

Die Auswanderung ist in China nichts Neues. „Sie ist im Gegentheil so alt wie die chinesische Geschichte selber und hat in dieser Geschichte seit mindestens 2000 Jahren eine sehr hervorragende Rolle gespielt.“ (Ausland S. 801.) China hat durch seine Colonijation einen Culturkampf geführt, durch welchen es seine Nachbarn sich unterworfen hat.

") Consul Medhurst, wahrscheinlich der Sohn des bekannten Missionars, ein durch seinen langen Aufenthalt in Schanghai mit den chinesischen Verhältnissen durchaus vertrauter Mann, jagt in seinem sehr instructiven, viele Vorurtheile gegen China beseitigenden Buche: The Foreigner in Far Cathay (London 1872), auf das wir seiner Zeit zurüdtommen werden: And here it may be remarked parenthetically that the succession of collisions with Western powers, which has marked the history of China during the past thirty years, has done her grievous harm. They have gradually but cffectually undermined the prestige of the rulling powers and so have led directly to the series of devastating rebhellions, which have revaged the country of late years, sappet its resources and brought the governement to the helpless condition, in which it now practically lies.“

[ocr errors]

Nicht auf den friegerischen Eigenschaften seiner Bewohner, sondern auf seiner Culturmacht und seiner Golonisationspolitik beruhten zum größten Theil die asiatischen Eroberungen Chinas. „Man kann nachweisen, daß die Chinesen den größten Theil des heutigen China, ein Land von 70,000 Meilen, durch Colonien gewonnen haben, welche sie aus ihren ursprünglichen Sißen im Nordwesten des Landes aussandten und die sie vorwiegend in friedlicher Culturarbeit den rohen Urbewohnern des Landes abgewannen, um sie mit der Zeit sich ganz zu eigen zu machen." (Ausland S. 801.) Von der Mandschurei bis nach Tongfing hinab hat China duro seine colonisirende Auswanderung in politischer wie geistiger Beziehung Er: oberungen gemacht.

Von dieser älteren Auswanderung in der erobernden und colonisirenden Form, die von der Regierung selbst auf alle Weise begünstigt wurde, unterscheidet sich nun aber die moderne freiwillige überseeische Emigration, ohne Antrieb und Förderung seitens der Regierung, die erst seit c. 15 Jahren formel erlaubt ist. Da die legtere für uns von weit höherem Interesse ist, so übergehen wir dieses Orts die ersten Capitel des zweiten Abschnitte des vorliegenden Werkes, in welchen der Verfasser ,, die Besiedeling der Mandschurei“ (S. 75 ff.) ,,die Besiedelung der Mongolei“ (S. 84 ff.) ,,die Chinesen und die Bergvölfer des Westens und Südens" (S. 102 .) „die Chinesen im Amurland und auf Sachalin" (S. 108 ff.), in ,,Korea, Ja pan und den Liukiu-Inseln" (S. 112 ff.), ,,die Besiedelung von Formosa" (S. 120 ff.), „die Chinesen auf den Philippinen“ (S. 129 ff.), „in Hinterindien“ (S. 136 ff.) und der „malaiischen Halbinsel" (S. 198 ff.) behan delt und begnügen und bezüglich dieser Gebiete nur mit wenigen Notizen. Abgesehen von der Mandschurei und Mongolei, die als ziemlich chinesisirt zu betrachten sind, giebt es nach den Berechnungen Dr. Raßel's im Amur land 20,000, auf Formosa 3,000,000, auf den Philippinen 18,000, in Hinterindien 1,600,000, auf der malayischen Halbinsel 150,000 Chinesen (S. 257). ") Auf den meisten der gannnten Colonisationsgebiete geht der chinesische Einfluß aber weit über diese Zahlen hinaus, da nicht nur der Handel und mit diesem der Reichthum vorwiegend in den Händen der Chinesen sich befindet, sondern selbst die chinesisch: Sprache verbreitet ist und chinesische Sitte und Cultur Eingang gefunden hat.

1) „In (allen) diesen Grenzländern, welche rings um China herum als mehr oder weniger ausgeprägte chinefische Colonien fich ausbreiten, gewissermaßen vorgeschobene Posten des Chinesenthums geworden sind, leben mindestens 25 Millionen Chinesen und die Mehrzahl dieser Bevölkerungen ist auf Einwanderungen zurüdzuführen, die innerhalb der legten 200 Jahre stattgefunden haben. Große Theile der Mandschurei, die Mongolei, Formosa's sind auf diese Weise so vollständig chinesisch geworden, daß man fie jetzt bereits zum eigentlichen Chiua, zum Kern des chinesischen Reiches zählt.“ (Ausland. 802).

Schon im 17. Jahrhundert begann auch eine Auswanderung nach dem indischen Archipel (S. 221 ff.), die eine Zeit lang so mächtig an schwoll, daß ihr theils von den eingebornen Fürsten, theils von der Colonialregierung durch Verbote entgegengearbeitet werden mußte, wenn große Theile der indischen Inseln nicht ebenso chinesisirt werden sollten wie Formosa. Þeut rechnet man c. 10,000, die jährlich nach dem Archipel gehen und in Summa 310,000, die besonders auf den Inseln der Dsthälfte desselben sich aufhalten und theile colonisirend thätig sind, überal aber eine nicht unbedeutende Macht darstellen.^) Java, ist das chinesenreichste Gebiet, darnach sind sie besonders stark auf Borneo's West- und Nordküste vertreten. In Sumatra sind sie weniger zahlreich, hingegen auf Banka, Biliton, Rio, Bali leben fie in Menge.

Auch Australien hat seine Chinesencolonien (S. 248 ff.). Allein in der Colonie Viktoria zählte man 1871 17,935 Chinesen. In Polynesien sind die Sandwich Inseln und Tahiti von Chinesen aufgesucht; auf den ersteren gibt es ihrer zwischen 2 und 3000, die sich meist aller Privilegien freier Birger und eines gewissen Wohlstandes erfreuen, während in Tahiti nur c. 600 Kulis eingeführt worden sind.

Bon besonderer Wichtigkeit ist endlich die Auswanderung nach dem Westen von Nordamerika , speciell nach Californien (S. 229 ff.), die erst innerhalb der legten Jahrzehnte stattgefunden und jährlich etwa 8000 in San Franci&co gelandet hat. Fier find die Chinesen durch ihren Fleiß, ihre Genügsamkeit, Geschidlichkeit und Billigkeit) der dortigen Þandwerkerund Arbeiterbevölkerung so gefährliche Coucurrenten, daß man allerlei Mittel

1) „Man muß bedenken, daß diese 21/2 Millionen (die zusammen im Archipel, der malaiischen Halbinsel und þinterindien leben) vorwiegend im träftigsten, arbeitsfähigsten Alter stehen und daß fie alle von dem Triebe beseelt sind, so rasch wie möglich zu Bermögen zu gelangen. Ihre wirthschaftliche Bedeutung ist daher keineswegs nach dieser Zahl zu messen, sondern sie wiegen ihren Leistungen nach eine viel größere Zahl von Eingebornen auf. Dieser Bruchtheil Chinesen arbeitet sicherlich mehr als alle Einges bornen Hinterindiens und des Archipels zusammen“ (Ausland S. 805.).

2) Der durchschnittl. Tagelohn eines Chinesen beträgt in Californien 3/4-1/2 Dollar, je nach der Arbeit, die er leistet ein drittel des Lohnes, den der amerikanische Arbeiter beansprucht! Fast in demselben Verhältniß stehen die Preise der von chinesischen Handwerkern gelieferten Waaren zu den von den Amerikanern producirten.

« ͹˹Թõ
 »