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1) für die Missionsleitung. Der Direktor lernt durch eigene Anschauung das Werk genau kennen, und gewinnt dadurch viel Material zu fruchtbringender Amtsführung. Zugleich erhöht sich seine Theilnahme für die Sache durch persönliches Eingehen in die Leiden und Freuden, in die Sorgen und Mühen des Missionslebens.

2) Weiterhin kommt eine Inspektionsreise dem Missionar zu gut. Der einzelne Arbeiter, welcher durch schwere Erfahrungen, durch Enttäuschungen mannigfacher Art oft auzusehr niedergedrüdt wird, kann ermuntert werden durch den Visitator, welcher doch einen weiteren Ueberblick über das Ganze, auch über die Fortschritte des Werfes, zu haben pflegt. Andererseits fönnen diejenigen, welche allzu fanguinisch ihre Arbeit betrachten, durch ihn ernüchtert werden. Manchem Bruder kann der Inspektor eher als die anderen Brüder seelsorgerlich nahe treten, das Gewissen schärfen u. dgl.

3) Erfährt der Missionar eine gewisse geistliche Erfrischung, so kommt das der ganzen Gemeinde zu gut. Diese wird überdieß im Besuch des Inspektor: einen Liebesbeweis der heimathlichen Missionsgemeinde erkennen, ein neues Liebesband, welches sie mit dieser verknüpft. Manches, was dem Missionar zu ordnen nicht gelungen ist, kann der Inspektor durchsetzen, im Familienleben und im Gemeindeleben.

4) Der heimathlichen Gemeinde der Missionsfreunde wird nach mehrfacher Erfahrung auch ein Segen zu Theil; sie erblidt in der Reise ihres Inspektors eine ernste Aufforderung zur Fürbitte für ihn und das ganze Werk. Sie wird fester mit der Missionssache verknüpft, durch den Bericht des Inspektors wird das Bild des Missionsfeldes klarer, richtiger, vollständiger, und die wachsende Kenntniß des Werks erhöht wiederum das Interesse daran.

5) Der Betrieb des ganzen Werke8 wird sicher gefördert. Die Förderung des Inspektors fommt ohnehin dem Ganzen zu gut. Er fann aber auch an Ort und Stelle bei den Behörden das Werk empfehlen, zur Aufklärung von Mißverständnissen beitragen; auch in der Achtung der Þeiden steigt das Werk durch den Besuch des ..großen Lehrers".

Dr. Fabri spricht den Dank der Conf. aus.

Dr. Wangemann dankt ebenfalls auf das herzlichste für dieses Referat, welches ihm einen Nachgenuß seiner vor 12 Jahren ausgeführten Visitationsreise gewährt habe; erklärt sich mit allem Gejagten völlig einverstanden. Redner möchte besonders den Segen der Gebetsgemeinschaft hervorheben, den eine solche Reise veranlassen fönne, erzählt seine eigene Einsegnung zur Inspektionsreise durch Pastor knak, der die Missionsgemeinde zu täglicher, treuester Fürbitte für den Inspektor kräftig ermahnt habe, und bezeugt, daß ihn das Bewußtsein, von den Gebeten der heimathlichen Gemeinde getragen zu sein, außerordentlich gestärkt, ja, daß er den Segen hievon fast körperlich habe spüren dürfen.

Dr. Fabri ist vollkommen überzeugt von dem großen Segen der Inspektionsreisen, weist aber darauf hin, daß gewisse Umstände aus der Ferne deutlicher gesehen und richtiger beurtheilt werden fönnen. Immerhin sei es das Normale, daß ein Inspektor im Anfang seines Berufslaufer hinausgehe, – nur fou die Reise nicht zu kurz bemessen werden, da sonst leicht die Brille des einen oder andern Missionars für die Ansicht des Inspektors maßgebend werden könnte.

Insp. Zahn erinnert daran, daß diese Reisen bei der Brüdergemeinde eine ältere Institution seien, und daß man die Erfahrung gemacht habe, wie spätere Inspektionen etwaige schiefe Resultate früherer Inspektionsreisen corrigiren. Redner sieht eine Gefahr in dem Umstand, daß ein Inspektor, der draußen gewesen sei, geneigt werden könne, alles immer nach dem Eindruck zu beurtheilen, den er empfangen habe. Jedenfalls müßte der Aufenthalt auf dem Arbeitsfeld ein längerer sein.

Dr. Schreiber fordert öftere Wiederholung der Inspektionsreisen. Aber dieselben sollen vom Visitator nicht sogleich nach seinem Amtsantritt unternommen werden, sondern erst nach genauer Instruktion und Orientirung, wozu immerhin mehrere Jahre erforderlich sein dürfen. Ferner foute ein Inspektor, um nicht die verschiedenen Missionsgebiete nach einem einzigen zu beurtheilen, wo möglich alle besuchen. Er soll nicht mit einem Missionar oder Superintendenten reisen, sondern allein, und sollte die Sprache der Eingebornen verstehen.

Lic. Plath: Der sel. Wallmann sei principiell gegen alle Missionsinspektionsreisen gewesen, weil alles durch die Akten ersichtlich sei und jede erforderliche Einwirkung auf brieflichem Wege geschehen könne. Beide Vorausseßungen sind unrichtig. Freilich, manchmal sind die Wirren derart, daß selbst der umsichtigste Visitator den Knoten nicht zu lösen vermag.

Dr. Wangemann theilt, wiederholter Aufforderung folgend, einige Specialfälle mit als Belag für die Bunkte 3 u. 4 des Referats mit, berichtet namentlich ad 3, von seiner Einwirkung auf die Gemeindeorganisation, wie er es habe durchseßen können, daß der Zehnte der Landesprodukte ale firchensteuer überall eingeführt worden sei (die ad 2 gegebenen Aufschlüsse entziehen sich wegen ihres vertraulichen Charakters der weiteren Veröffentlichung).

Dir. Rühn bemerkt gegen Schreiber, es sei doch sehr vortheilhaft, den Vorsteher eines Bezirkes auf der Reise mitzunehmen, da dieser sehr schäßenswerthe Winke geben könne. 3m übrigen muß man doch auch dem Visitator das zutrauen, daß er so viel Schärfe des Blicks besißt, um das Trübe und Schiefe im Urtheil eines Begleiters herauszufinden zu können.

Dr. Fabri fragt wegen des Tauschhandels, ob derselbe nicht für die Mission gefährlich sei.

Dr. Wangemann constatirt, daß er bei den Missionaren einen heftigen Widerwillen gefunden habe, durch Tauschhandel Geld zu machen. Kleine Nebeneinkünfte durch ärzliche Berathung u. dgl. kommen nicht in Betracht. Als ein großer Schaden wäre es anzusehen, wenn die Missionare so schlecht befoldet würden, daß sie Handel treiben müßten. Das lähme und trübe die geistliche Wirtsamkeit.

Dr. Schreiber: Die Gehaltsverhältnisse der Missionare fönnen nur durch Autopsie der allgemeinen Verhältnisse erkannt und geregelt werden, da die Länder hierin sehr verschieden sind.

Dr. Wangemann berichtet ad 5, von seinem Verkehr mit Häuptlingen in Südafrika und von dem heilsamen Eindruck, welchen die Anwesenheit des „großen Lehrers" (oder des „großen Elephanten") bei ihnen zurückgelassen habe.

Pfarrer Schott: Auch Inspektor Josenhaus halte auf Grund seiner vor 25 Jahren in Indien gewonnenen Visitationserfahrungen die Inspectionsreisen für sehr wichtig, und besonders zur Orientirung eines neuen Inspektors für dringend nothwendig.

Es wird noch berathen über die Militärverhältnisse der Missionszöglinge.

Insp. Zahn theilt ein Schreiben der Leipziger Missionsgesellchaft mit, worin die Frage angeregt wird, ob nicht alle deutsche Gesellschaften gemeinjame Schritte thun wollen, um für die Candidaten des Missionsdienstes die gleichen Vergünstigungen zu erhalten, wie die Lehrer sie genießen (6 Wochen).

Dr. Fabri giebt ausführlichen Bericht über den Verlauf der in Bezug auf diese Sache von ihm mit dem Kriegsministerium geführten Verhandlungen wie über das befriedigende Resultat derselben, daß nämlich zur Zeit die Barmer Zögling thatsächlich nur ein Jahr dienen und schließt mit dem Rath nicht gegen ein einjähriges Dienen zu petitioniren, zumal auf manchen Zögling der einjährige Dienst in mehrfacher Hinsicht eher förderlich als schädigend eingewirkt habe. Statt eines gemeinschaftlichen Schrittes in dieser Angelegen= heit empfehle sich, daß jede einzelne Missionsgesellschaft die in Barmen mit so gutem Erfolg eingeschlagenen Wege gehe. Damit ist die Sache erledigt und die Verhandlungen dieses Tages werden mit Gebet geschlossen.

Zweiter Tag. Mittwodi, den 24. Mai.

Nach Gesang und Gebet berlas Inspektor Lic. Blath aus Berlin fein Referat über: „Die Pflege des nationalen Elementes durch die Mission.“

Referent wies zuerst hin auf die Berührung des heutigen Themas mit der vor 8 Jahren behandelten Frage: „Nach welchen Gesichtspunkten dürfen Rechte, Sitten und Gewohnheiten der Heiden in den Missionsgemeinden geduldet werden“, und mit dem vorm Jahr auf einer Londoner Conferenz besprochenen Thema: „Bis zu welchem Grade follen befehrte Heiden die Sitten und Gebräuche des occidentalischen Christenthums annehmen? und fennzeichnet sodann den Unterschied zwischen englischer und deutscher Behandlungsweise dieser Frage. Was das nationale Element sei, wurde dann nach dem Wortverstande näher

bestimmt und die Bedeutung der Nationalität namentlich auch gegenüber den Anschauungen der neusten Cultur-Historifer (Hellwald) betont. Bei der ungeheuren Weite dieses Gebietes könne es sich nur darum handeln, allgemeine Grundregeln aufzustellen für die Praxis, um nicht nur möglichst viel einzelne Seelen zu gewinnen, sondern um die heidnische Nationalität zu einer christlichen umzubilden. Dazu ist von Seiten des Missionars ein liebevolles Eingehen auf die volksthümliche Eigenart erforderlich, daß er sie nicht im Gefühl seiner Ueberlegenheit behandelt, als etwas das gegenüber der eigenen Nationalität doch verschwinden müßte, andrerseits sich jedoch auch hüte vor der zu weitgehenden, verwerflichen Accomodationspraxis der Jesuiten. Diese hier behandelte Frage tritt uns übrigens auf dem Missionsgebiet überall auf Schritt und Tritt entgegen, sei es daß man z. B. wie gestern am Aeltesten-Amt, oder wie hernach von der Bibelübersegung redet, überall darf dabei die Pflege des Nationalen nicht übersehen werden. Als Beispiele wurden näher beleuchtet die Pflege der Sprache, z. B. die rechte Weise der Wahl der Taufnamen, bei welcher der Missionar aus dem Sprachschatz des Volkes die passenden soll hervorsuchen, sodann die Behandlung der Tracht, in welcher durch den Missionar nur in soweit Aenderungen sollten herbeigeführt werden, als es der Anstand erfordert. Was sich von Runst unter einem Volfe findet, das muß möglichst bald in die Bahn geleitet werden, daß es dem Evangelium und zur Ehre Gottes dienen kann, namentlich können dazu nationale Melodien und volksthümlich gedichtete geistliche Lieder dienen, die ungleich besser sind als wenn unsere Psalmen und Gesänge nur in die Sprache des Volkes übersegt werden.

Der Sinn für diese Dinge, der Blick für die Bedeutung des nationalen Elemente8, der auch das kleine und Unscheinbare beachtet, muß in den Missionaren geweckt werden. Es ist schon viel, wenn nur auf jedem Gebiet wenigstens Einer sich findet, der hierfür rechtes Verständniß hat. Aue Missionare aber müssen es verstehen, sich zu dem Volke herab zu lassen. Solcher intime Umgang mit dem Volk wird mehr helfen als etwa das Studium der Ethnologie. Zum Schluß wurde noch einmal an die große Wichtigkeit einer Sammlung von Sprüchwörtern auf allen Missionsgebieten erinnert und auf die Gefahr hingewiesen, die darin liegt, wenn etwa diese

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