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Pflege des Nationalen statt der Predigt des Evangeliums von einem Missionar zum Mittelpunkt seiner Thätigkeit gemacht werden follte. *)

Prof. Qofstede de Groot: Nationale Elemente find in der Kirchengeschichte von Anfang an herborgetreten. Die Juden erfaßten das Evangelium wesentlich als neues Geseß, die Griechen als neue Philosophie, die Römer als einen Gottesstaat, die Germanen als persönliche Verbindung mit Gott. Das ist gerade das Göttliche am Christenthum, daß es sich dem Charakter eine8 jeden Volkes anpassen kann und seine Individualität nicht zerstört sondern heiligt. Es ist noch gar nicht abzusehen, welche neue nationalen Auffassungen des Evangelii etwa bei den þindus oder Chinesen hervortreten werden. Leider wird diese berechtigte Berücsichtigung des Nationalen oft überseheu. Daß die Evangelisirungsarbeit der Engländer und Amerikaner in Italien z. B. so wenig Erfolg hat, kommt gewiß zu einem großen Theil aus diesem Grunde. Die Mission muß die Beschuldigung unwahr machen, daß sie den Bölfern ihre Eigenthümlichkeit nehme.

Dr. Schreiber: Man verwechsele zu viel Christwerden und Europäerwerden. Wenn z. B. ein Batta Christ werde, sagen die Heiden: „5ast du nun eine weiße Haut gefriegt ?“ Wir wollen christliche Battag. Der Same, der ausgestreut wird, ist überal derselbe, aber die Pflanze entwickelt sich in dem verschiedenen Volksboden verschieden. Das Ziel sind nicht die heimischen Zustände. Wie verschieden sind z. B. die Anstands begriffe. Hier muß der Missionar Takt besigen. Wo ein Volt seinen eigenthümlichen Charafter verloren, da gewinnt das Evangelium gemeiniglich auch wenig Eingang.

Insp. Zahn spricht zunächst ein Wort zur Ehrenrettung der Engländer. Die Ch. M. S. habe die Bedeutung des Nationalen lange erkannt. Männer wie Crowther und Patteson seien redende Beweise, daß auch Engländer die Nationalität ehren und pflegen. Wir Deutsche feien in diesem Stück eigentlich noch eine unversuchte Unschuld. Und wenn wir ießt, nach dem nationalen Aufschwung

*) Referent hat diesen Vortrag in extenso bereits abdruđen lassen in dem von ihm herausgegebenen „Christl. Hausfreund“ (Mai).

Colonien hätten - wer weiß ob wir nicht in denselben Fehler der Ueberschägung der eignen Nationalität fallen würden. Uebrigens scheine ihm mit Pflege des Nationalen zu viel der Mission zugemuthet. Man fönne ihr nur zuinuthen das berechtigte Nationale nicht zu verderben.

Dr. Warned. Der moderne Weltverkehr wirke entnationalisirend. Viele Völker schämen sich den Europäern gegenüber ihrer Nationalität. Hier hat die Mission eine wichtige Aufgabe durch Regulirung der entnationalisirenden Einflüsse des Weltverfehres. Es wird viel Selbstverleugnung vom Missionar gefordert werden müssen in Bezug auf Wohnung, Nahrung, Kleidung. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Pflege der Sprache. Ja nicht die deutsche Sprache als Unterrichtssprache oder auch nur als Unter: richtsgegenstand auf den Seminaren einführen. Auch die dem Volfe fremden Stationsnamen müssen fort. Warum denn immer biblische Namen? Ferner wird sich der Cultus national verschieden gestalten müssen. 3. B. der nüchtern reformirte Cultus wird nie den Spaniern zusagen. In China mnß sich der Cultus anders gestalten als in Indien und bei den Grönländern anders als bei den Raffern.

Dr. Wangemann betont die Bedeutung des nationalen Liedes, will jedoch die deutsche Sprache nicht von den Seminaren ausgeschlossen wissen. Sodann macht er darauf aufmerksam, daß bei allen nationalen Gestaltungen wesentlich 2 Faktoren in Betracht kamen: das Natürliche, Anerschaffne, Individuelle und die Sünde und es sei meist sehr schwer, sofort zu erkennen, ob in einer nationalen Eigenart der zweite Faktor der eigentlich constituirende sei. W. bespricht eingehend das Häuptlingswesen, die Eheverhältnisse und das Rothschmieren bei den Raffern, überau fomme hier mehr oder weniger die Sünde in Betracht.

Insp. Petri: Macht auf das Studium der Ethnologie aufmerksam in den Missions-Seminaren und verweist besonders auf die Zeitschrift der Berliner ethnol. Gesellschaft.

Dr. Gundert: Wenn das Nationale mit Religion und Sittlichkeit nichts zu thun hätte, dann hätte die Mission keine Verpflichtung zur Pflege. Gewiß ist alles Nationale viel mit der Sünde verflochten und in der Erkennung dieser Verflechtung lernt die Mission nicht aus. Auch er betont entschieden die Pflege der Sprache. Die Sammlung von Sprichwörtern ist am instructivsten für den, der sie macht. Uebrigens giebt es auf diesem Gebiete viel Schmuß und der Missionar muß sich sehr hüten im Gebrauch derselben. Das Singen im Volkston ist eine große Macht. In Formoja haben 3 Lieder dem Evangelio den Eingang verschafft.

Dr. Fabri: Gewiß ist bei der Erziehung der Mission8zöglinge auf Shärfung des Blicks und des Takts in der Behandlung des Nationalen Rücksicht zu nehmen, aber es folle und könne dies nicht geschehen durch Einführung der Ethnologie als speciellen Unterrichtsgegenstandes, sondern durch Benußung der vorhandenen Bildungsstoffe. Nicht Wissensvermehrung sondern psychologische Bildung gebe die erforderliche Befähigung. Man bewahre die Zöglinge vor dogmatistischen Schablonen und pietistischen Engigkeiten. Die Liebe gebe auch hier die rechte Befähigung.

Den zweiten Gegenstand der heutigen Besprechung bildete das Thema: „Wie gelangt man zu einer Bibelübersekung in der Mission ?"

Dr. Gundert trug hierüber folgendes Referat vor:

1. Bei allen Bibelüberseßungen neuerer Zeit, welche sich Anerkennung erworben haben, läßt sich nachweisen, daß ein vom Herrn berufener Ueberseker das Meiste daran that. 3ft nun auf dem Missionsfeld ein solcher vorhanden, so wird er sich vielleicht Bahn machen durch irgend welche Verkennung und Schwierigkeiten, und die Sache kommt zu Stande; er fann aber auch so in der Ede stehen, daß er sich nicht vorwagt und geschoben sein will. 3st kein solcher da, jo bringt es alle Mühewaltung doch nur zu Vorarbeiten, die freilich auch ihren Werth haben. As evangelische Christen aber glauben wir, daß es dem Herrn daran liegt, jedem zahlreicheren Volfe sein Wort in der Zunge die es redet zu geben, und bitten ihn also von Anfang an um das Geschenk eines solchen Mannes, suchen auch und klopfen an.

2. Wem ein solcher Beruf zukommt, das wird nur in seltenen Fällen anfangs schon erkannt. Meist stellt es sich erst im Ring en heraus, wer die meiste Aussicht auf Siege hat, und gar oft wirds eine Reihe von Anläufen bedürfen, ehe etwas Erkledliches erreicht ist. Es kann ein Menschenalter dazu genügen oder auch ein Jahrhundert; und auch im besten Fall geht mit der Entwidlung der Sprache und der Erweiterung der Kenntnisse das Nachhelfen nicht aus. Es ist nöthig vor Ueberstürzung im Lösen dieser Aufgabe zu warnen (wie sie früher in Sirampur und sonst zu Tage trat).

3. Eine Bibelübersegung fann nur durch Männer beschafft werden, welche die Kenntniß der Grundsprachen mit der der Landessprachen vereinen.

4. El versteht sich aber von selbst, daß während principiell möglichst gleichmäßige Kenntniß bei den Sprachen vom Ueberseker gefordert wird, die Wichtigkeit der Landessprache überwiegt (Luther war kein großer Ebräer, fein vollkommener Grieche und hat doch eine Uebersegung auf Jahrbunderte geschaffen. Neuere haben für die alten Sprachen ganz andere Hilfsmittel, mögen sie diese wenigstens recht zu benüşen verstehen! Als Nothbehelf mag auch auf längere Zeit eine Uebersegung dienen, die kein eigentlicher Gelehrter ausgearbeitet hat)

5. Nur ein Volksangehöriger kann die Landessprache poulkommen handhaben. Wohl mag unter gewissen Voraussegungen auch ein Außengeborner eine Sprache tüchtig lernen, jie frei und fräftig brauchen (wie z. B. Mar Müller den englischen Dialect des Deutschen), nur werden solche bei grundfremden Sprachen überaus selten zutreffen. (Ein Europäer heirathet etwa eine Eingeborene und lebt lange genug, um sich in die Sprache einzuleben, oder ein Rolonistenkind ist von Kind an zweisprachig 2c.)

6. Ein bekehrter Heide kann durch den neuen Geist eine beredte Zunge in seiner eigenen Sprache empfangen, er kann aber auch durch seine Führung der eigenen Sprache bedeutend entfremdet werden. (Er liebt z. B. das Englische mehr, weil er in dieser Sprache das zündende belebende Wort erhalten hat, glaubt am Ende nur im englischen recht beten zu können. Ebenso hindert die polyglottische Ausbildung welche viele in Seestädten oder Verkehrspläßen empfangen, die Vertiefung in irgend eine Sprache; so vermögen am Ende, Afrikaner wie Indier in 6–12 Sprachen zu verkehren, beherrschen aber keine mehr.)

7. Es ist natürlich, daß der Missionar welcher ein noch unangebautes Missionsgebiet betritt, die Ueberseßung der h. Shrift auch bald zu seiner Aufgaberechnet. Sie ist aber etwas so Großes, daß sie am Besten verschoben wird, bis ihm zuverläßige Hilfe von Eingebornen zu Gebot iteht.

8. Verzieht sich diese, jo versucht er sich nothgedrungen in Anfängen von Uebertragung. Da und dort muß er ja schon nach einem Namen für Gott jagen, und kann Tage, Wochen darauf verwenden müssen, verständliche Ausdrücke für die einfachsten geistlichen Begriffe zu finden. Was für einen ersten Ratechismus, ein Spruchbüchlein nothwendig ist, umfaßt schon Bibelübersegung und theilt der sich sammelnden Gemeinde einen Anfang von biblischer und kirchlicher Sprache mit, der möglicherweise gelungen ausfällt, aber auch folgenreiche Mißgriffe einschließen kann, deren Aenderung fich später schwer bewerkstelligen läßt (der Streit in China über den Namen Gottes.)

9. Man fängt gewöhnlich die eigentliche Uebersetzung mit einem Evangelium an, viele schon nach sehr kurzen Studien. Gewiß mit Recht, wenn sie selbst den Versuch blos als Vorarbeit betrachten welche keine besondere Geltung anspricht. Aber Thatsache ist, daß solche Anfänge leicht überschäßt werden. Das schlimmste ist, wenn der Ueberseger so sicher vorangeht, daß er etwa – wenn in einem sprachreichen Lande jedes Jahr eine weitere Sprache in Angriff nimmt und sich befähigt glaubt, damit etwas Tüchtiges zu leisten.

10. Jede Sprache ist etwas Unendliches, bedeutend mehr als aus dem besten Dußend derjenigen welche sie handhaben, herauszuloden ist. Es mögen Wilde sein, die der Weiße instinktartig verachtet, weil sie sich überaus arm an den von ihm gewünschten Worten und Wendungen zeigen; leicht verachtet dann der Lerner auch ihre Sprache als eine Art Vögelgezwitscher oder Bärengebrumm. Da mag es Zeit brauchen, bis der Ankömmling herausfindet, welch ein Kunstwerk auch die herabgefommenste, ärmste Sprache ist. Er muß erst die Sprache bewundern lernen ehe er ein Stück Ueberjebung bewältigt, mnß sie auch immer wieder mit gespigten Ohren hören. (Vgl. Dr. Bleef der von Buschmännern 84 Bände (?) ihrer Traditionen gesammelt hat).

11. Erst wenn man mit den Leuten eines Drts gut verkehren kann, ist man in den Stand gesetzt, dialectische Abweichungen gehörig zu würdigen. Es gehört aber viel Reisen oder Zusammenführung mit allerlei Angehörigen eines Sprachstamms dazu, um einen Ueber

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