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blick über das gesammte Sprachgebiet zu gewinnen. Ghe das geschehen ist, wird oft die Wahl des Dialekts schon getroffen, das Werk vorangerückt sein. Man lasse sich nicht entmuthigen! 3st nur die Uebersepung gut, sie wird sich auch weiter hinaus Bahn machen. Wo immer das Evangelium Gemeinden bildet, dahin gehört der Anfang der Bibelübersegung (Luthers Hochdeutsch. In Tyi wurde der Akwapemdialect gewählt gegenüber von Fante, Ajante 2c.) Aber der Wortvorrath, der sich aus Dialecten ersammeln läßt, mag für prophetische und poetische Schriften dienen.

12. Ebenso findet der Fremde erst bei längerem Verkehr wie jede Sprache außer dem Alltäglichen in Dichtung, Tradition, Sprichwort zc. alte Elemente birgt, welche für den Ueberseker von außerordentlichem Werthe sind. In Sprachen die eine Literatur haben, sind diese Elemente leichter zu erreichen, können auch übermäßigen Reiz ausüben; aber selbst in nie geschriebenen Sprachen mangeln sie nicht völlig; da gilt es nur die rechten Träger dieser Ueberlieferungen zu finden.

13. Es ist vorgekommen, daß in einer Sprache das N. T. schon ein Vierteljahrhundert gedruckt war, ohne daß die Ueberseger etwas früher darin Geschriebenes gelesen hätten. Sie behaupteten erst, es gebe in ihr keine Literatur, nachträglich lehnten sie ab, darauf einzugehen, um ihren Styl nicht zu verderben. Geschieht das bei Schriftsprachen, wie einseitig mag erst mit den Sprachen roher Völfer umgegangen werden? Wenn jeglichem Menschen empfohlen werden muß, schnell zum Hören, langsam zum Reden zu sein, ziemt das im eminentesten Sinne dem Bibelüberseker.

14. Eine besondere Vorarbeit, die stetig fortgesett wird, besteht in der Sammlung von Aequivalenten oder nahefommenden Ausdrücken für die höchsten geistigen Begriffe. Man vergleicht dazu nach Kräften was einem von Arbeiten in verwandten Sprachen zu Gebot steht, hofft aber immer auf noch zuträglichere Funde.

15. Entlehnung aus Kultursprachen ist ein Nothbehelf, der doch auch sein geheiligtes Recht hat (Halleluja, Amen 2c.). Wo aber zieht man die Grenze ? Unsere Nahranis in Malabar haben viel Syrisches in ihre Kirchensprache herübergenommen, die Katholiken Romanisches, das sich auf uns forterbte (Prophet, Píalm, baptize; die Hallenser zuerst noch Espiritu santo im Tamil). Daß in

man an.

Südafrika englische oder holländische Zahlen sogar in die TschuanaBibel eindringen, scheint doch ein starkes Wagniß; oder ist es als ein richtiger Griff zu betrachten, entsprungen aus der Ahnung vom künftigen Gang der dortigen Sprachentwicklung ?

16. Als eine andere Vorarbeit ist die Wiedergebung biblischer Namen in Angriff zu nehmen. Wo solche schon in etwas bekannt sind, ist Anlehnung auch an mohammedanische Formen nicht absolut zu verwerfen (z. B. 3brahan, Muja für Abraham und Mose8 aber 3ja gegenüber von Jeju schon bedenklicher). 3m Deutschen wäre

3eschu" das sprachlich richtige, aber gegen die geschichtliche Nöthigung zu „Jesu“ läßt sich nicht streiten. Wo tabula rasa ist, wird man die hebräischen Namen dem Lautsystem der Sprache möglichst anpassen, man hüte sich aber vor den in der Heimath liebgewonnenen Klängen (Gesu der Katholiken in Tamil lautet Seju, während die Sprache ein 3 hat. Das englische Kraist stört in mancher Uebersegung). 17. Mit Prosa und zwar der einfachsten, erzählenden, fängt

Das Uebrige ist Geduldsarbeit, wobei das Hämmern und Feifen auch des scheinbar fertigen nicht ausgeht. Paulinische Syntar und Poesie der Propheten wird aber auch dem Geübten noch manchen Schweiß auspressen. Ohne poetische Gabe vermag selbst der Fleißigste nicht alle Schriften zu übersepen.

18. Der Einzelne mag noch so gewissenhaft gearbeitet haben, zur Vervielfältigung und Verbreitung seines Werks braucht er den Beifall anderer. Diejen gewinnt er nicht ohne allerhand Compros inisse. Bald wird er über der Wahl des Textes, den er zu Grunde legte, bald über der Auslegung und deren Abweichung von maßgebenden Versionen, bald über allerhand Kleinigkeiten sich in Streit verwickelt sehen. Gott schenke ihm Geduld, sich so durchzuschlagen, daß er sich in Untergeordnetem überstimmen lassen, aber doch Wesentlicheres durchseßen könne. Er schenke auch seiner Arbeit Revisoren die was taugen, seis zu seinen Lebzeiten oder nach seinem Abgang!

Lic. Plath: Das Curatorium der Goßnerschen Mission habe um die Behandlung dieses Themas gebeten, da in Indien eine Bibelüberseķung ins Mundari begehrt werde. Es lägen von competenten Männern die gewichtigsten Zeugnisse vor, daß es viele sdhlechte Bibelübersegungen gebe und es frage fich ob die Warnung vor neuen Uebersegungen gerechtfertigt sei.

Insp. Zahn: Man fönne unmöglich mit der Bibelübersegung warten bis eine in jeder Beziehung gute Arbeit zu erwarten sei. Es schade ja gar nicht soviel, wenn nadh 5 oder 10 Jahren revidirt werde. Man solle auch hier nicht zu ängstlich sein. Shwierig sei die Wahl des rechten Dialekts. Hier müsse man der Führung Gottes nachgehen. Der erwählte Dialekt wird dann die Schriftsprache werden.

Dr. Schreiber unterscheidet zwischen Bibelüberseßung für den mündlichen Gebrauch und für den Druck. Die erstere muß jeder Missionar sofort vornehmen, mit dem Druck hingegen sou man sich nicht übereilen. Wenn man erst die bibl. Geschichte, einzelne Evangelien, dazu Gesangbuch und Katechismus hat, so fann man mit dem ganzen neuen Testament und gar mit der ganzen Bibel wenigstens 10–15 Jahre warten. Die fremden Worte, die die Volkssprache nicht hat, entlehne man den nächst verwandten Sprachen oder nehme sie aus dem Griechischen und Hebräischen herüber.

Dr. Wangemann ermahnt zum langsamen Bibelüberseßen. Es daure lange bis der Missionar die Sprache bemeistere. Es liegen Beispiele vor, daß Missionare noch nach 8 Jahren den baaren Unsinn nicht haben erkennen können. Bibelübersegungen dürfen nicht mit andern literarischen Versuchen auf eine Linie gestellt werden. Die Schrift ist Gottes Wort und wir sollen es nicht darauf ankommen lassen, ob in dieses Wort frrthümer hinein übersetzt werden.

Dir. Rühn: Eigentlich sind nur tüchtige Eingeborene zu einer guten Bibelübersegung befähigt. Es liegen Fälle vor, daß die tüchtigsten Sprachkundigen unter den Missionaren doch ganz sinnentstellende Fehler gemacht z. B. in der Kafferbibel. Es gäbe z. B. im Kafferschen eine doppelte Bezeichnung für Vögel, das eine Wort bedeute samenfressende, das andre fleischfressende Vögel. Nun sei die zweite Bezeichnung zur Uebersegung von Matth. 13, 4 gewählt

was die Kaffern natürlich unglaublich gefunden.

Dr. Warneď: drückt seine Freude aus, daß im Ganzen die Conferenz dodh für langjames Vorgehen mit Bibelübersetungen gestimmt sei. Man möge nur die Blüthenlese von Fehlern und abfälligen Urtheilen nachlesen, die Hoffmann in den ,, Beleuchtungen der Missionsjache" und Marshall in seinem berüchtigten Buche gegeben. Die Bibelübersegung sei kein Versuchsfeld für literarische Dilettanten. Er achte es gehöre ein Menschenalter dazu bis einer der Sprache so Herr sei, daß er eine Bibelüberlegung wagen dürfe, und Sprachkenntniß befähige noch nicht allein zu so großem und verantwortungsvollem Werke. Statt dessen mache sich mancher Missionar schon nach wenigen Jahren daran. Für lange genüge eine bibl. Geschichte, ein Gesangbuch und der Katechismus. Dann lasse inan einzelne biblische Abschnitte z. B. Gleichnisse, die Bergpredigt zc. als fliegende Blätter drucken. Die Leute können auch gar nicht so geschwind so dicke Bücher lesen. Ihm sei das wichtigste für die Missionsanfänge die Predigt. Der Missionar repräsentire das Wort in seiner Person.

Insp. Petri unterstüßt diese Ausführungen durch Hinweisung auf den heiligen Respect, den die Heiden vor dem Buche" haben.

Insp. Zahn vertheidigt nochmals seinen andern Standpunkt besonders mit Rücksicht auf die Verhältnisse auf der Westküste Afrikas, wo selten ein Missionar lange lebe und mit Hinweisung darauf, daß ja eine Uebersegungs-Commission existire, welche den einzelnen Ueberseßer controlire.. Ohne verfehlte Versuche werde es nie zu einer guten Uebersegung kommen und man kein bibellesendes Volt erziehen.

Dr. Fabri macht darauf aufmerksam, daß auf keinem andern Gebiete so leicht und viele Streitigkeiten erwüchsen als auf dem der Bibelübersegung. Es mache sich gerade hier die ungetödtete 3chheit vielfach breit. Man habe sich vor einer protestantischen Ueberspannung des Werthes des gedruckten Wortes zu hüten. Jedenfalls müsse immer eine sprachliche Commission controliren. Im allgemeinen gelte, daß gedruckt werden müsse in demjenigen Dialect in dem gepredigt werde.

Prof. Hofstede weist endlich auf eine universale Bibelüberfeßung in Bildern hin. Wenn sich viele Miff.-G. zur Herausgabe einer solchen Bilderbibel vereinigen, so könne nicht nur ein billiges, sondern auch ein fünstlerisch vollendetes Werk geliefert werden. Er begründet seinen Antrag folgendermaßen:

Bis jetzt werden die Bilderbibeln fast ausschließlich besorgt von Malern und Buchhändlern, die meistens, ihrem Vorteile fröhnen und jedenfalls ihrem Sejdinace folgen.

Es scheint wünschenswerth und ausführbar, daß Theologen und Pädagogen sich der Sache annehmen, um eine Bilderbibel herzustellen, die in christlichen Ländern für Schule und KatechumenenUnterricht und auswärts für die Predigt des Evangeliums recht geeignet wäre und eine Art von Bibelüberseßung für alle Nationen fein fönnte.

Es müßte dazu ein Comité aus einigen Missionsgesellschaften ernannt werden, um sich zu berathen:

1. Welche Gegenstände zur bildlichen Darstellung auszuwählen seien, selbstverständlich aus der biblischen Geschichte,

2. Wie die Auffassung dieser Gegenstände sein müßte.

3. Wie die Ausführung der bildlichen Darstellung zu überwachen sei.

Der Zweck wäre nicht der Kunst zu dienen, sondern durch die Kunst dem christlichem Unterricht daheim und draußen.

Große Wandbilder, die von etwa 30 Kindern zugleich deutlich gesehen werden könnten, wären die Hauptsache. Doch fönnte man auch kleine, und zwar colorirte Bilder, zum Verschenken an einzelne Personen veranstalten.

Das Comité müßte von Zeit zu Zeit zusammenkommen, was dann einige Ausgaben nöthig machen würde. Sonst würde aber der große Absaß die Kosten reichlich deđen können.

Der Antrag fand vielen Anklang und wurde sofort die gewünschte Commission gewählt, bestehend aus dem Antragsteller, Insp. Zahn, Dr. Gundert, Dr. Warneck, Dr. Schreiber, Dr. Grundemann und dem als Gast anwesenden Buchhändler Andr. Berthes. Darauf wurden die Verhandlungen mit Gebet geschlossen.

Donnerstag, den 25. Mai. Himmelfahrtstag.

Nachmittags um 5 Uhr fand in der u. 9.-Frauen-Kirche eine öffentliche Versammlung statt, in welcher die 5 Referenten nach einander zu Worte famen um auf diese Weise auch vor dem größeren Publikum Zeugniß abzulegen von den Dingen, die die Conferenz beschäftigt hatten.

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