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Dr. Wangemann: Es wird allgemein gefühlt, daß der gegenwärtigen Betreibung der Mission etwas fehlt von der Frische der ersten Jugendliebe. Eine Erlahmung ist eingetreten. Wir haben eine 4-6fach größere Einnahme als früher, aber das Werk ist nicht in die Tiefe gewachsen. Freilich ist das christliche Interesse jeßt auch nach vielen Seiten hin in Anspruch genommen, früher hat innere Mission und Kirchenpolitik noch nicht diese Bedeutung gehabt wie gegenwärtig. Die Mission war früher das einzige gemeinsame Wert und das Schooßkind der christlichen Kreise. Das ist anders geworden. Die Vereine betreffend sei die Berliner Mission die beste organisirte genannt worden. Allein von 287 Hilføvereinen haben auf ein Rundschreiben des Inspektor8 zuerst 23, und dann auf 2, resp. 3malige Erinnerung zusammen 84 geantwortet. Die Vereine sind zum Theil eingeschlafen, die Vorstände desorganisirt. Mit Leuten ohne Herz und Glauben kann man nicht ausrichten. Man sondere das alte, trockene Holz aus den Hilføvereinen, eine Sichtung ist durchaus nöthig. Daß der Superintendent den Vorsig führt, ist nicht unter allen Umständen zweckdienlich, denn er hat oft so viel zu thun, daß selten oder nie eine Sigung gehalten wird. Ieder Verein sollte Aktenfascikel haben. In der Pfarrchronit sollte die Rubrik Mission nicht fehlen. Die Bereisung durch Zöglinge ist mißlich, denn sie sind noch unreif, werden oft als die zukünftigen Helden auf Händen getragen, so daß es schwer ist, manche in die richtigen Bahnen zurückzubringen.

Dr. Fabri: Im Westen ist das Vereins wesen als solches für die Mission ziemlich unbedeutend geworden, nur einzelne persönliche Kräfte tragen die Sache. Die Synodalvereine zeigen gewöhnlich am wenigsten Leben. Zu der Bemerkung Wangemann's über das trocne Holz ist hinzuzufügen, daß die faulen Aeste mit der Zeit von selbst abfallen. In Betreff der Zöglinge ist allerdings aus pädagogischen Gründen vor einer systematischen Verwendung zu Missionsstunden sehr zu warnen, wenn es gleich oft das beste Mittel wäre, um Geld zu machen. Aber ganz läßt sich die Verwendung von Zöglingen nicht abweisen, und man hat z. B. mit der Ferienthätigkeit derselben im Ganzen keine üblen Erfahrungen gemacht. Barmen ist durch die Umstände genöthigt worden, Zöglinge in dieser Richtung zu gebrauchen. Durch einen ungeschidten

Missionar war ein Gebiet für die rheinische Mission fast ganz vers loren gegangen, beinahe 10 Jahre dauerte es, bis jener Kreis wieder gewonnen wurde. Von dorther kam die Anforderung Zöglinge zu schicken, und es hat merkwürdig gewirkt, man hat dem jungen Manne das Geld förmlich zugeworfen. Die eigentliche Wurzel der Mijjionsliebe ist ein stark entwickeltes Gemeinschaft 8 leben. Wo solches sich findet, braucht eine Missionsleitung gar nicht viel zu machen, sondern nur den Anregungen solcher Kreise zu folgen. Dieser Stand der Sache ist eigentlich der gesündeste.

Dr. Schreiber nimmt gegen Warneck die Missionsberichte in Shuş, dieselben können unmöglich allen Anforderungen genügen. Diejenigen Kreise der Heimath, aus welchen ein Missionar hervorgegangen sei, interessiren sich eben auch für solche Mittheilungen, welche anderen fleinlich oder langweilig erscheinen.

Dr. Fabri: Die von Schreiber angeregte Frage, betr. die genauere Abgränzung der Missionsgebiete in der Heimath sollte noch brüderlich besprochen werden. Es liegt freilich nicht in unserer Macht, die Verhältnisse zu ändern; aber es ist auch nicht gut, wenn irgendwo über einen anderen geseufzt wird; darum wäre es gewiß Gott wohlgefällig, wenn die Conferenz offen und brüderlich diese Frage erörtern würde.

Dr. Wangemann ist damit einverstanden, daß eine deutliche Abgränzung wünschenswerth wäre, aber sie ist kaum durch führbar. Unsere Besprechung hierüber wird ziemlich erfolglos sein, da manche Persönlichkeiten oder Vereine es für eine besondere Vielseitigkeit halten, den verschiedensten Missionsgesellschaften anzugehören.

Insp. Zahn: Eine große Schwierigkeit für Anregung des Missionslebens liegt in unseren allgemeinen Zeitverhältnissen, unter anderem auch in den Bildungsverhältnissen unseres Volkes. Die Anforderungen, welche unsere Missionsblätter an das Volf stellen, stehen nicht im Gleichmaß mit der übrigen geistigen Entwidlung des Volfes. Ferner liegt etwas Anomales auch darin, daß das Missionsleben isolirt zu werden droht von der Gesammtheit des kirchlichen Lebens. Die Langweiligkeit der Missionsblätter betr. ist doch zu sagen, daß sie eben besonders in den Augen derer existirt, welche sehr wenig sich mit Missionsberichten beschäftigen. Sehr viele Notizen bieten in ihrer Isolirung lediglich fein Interesse, während sie im größeren Zusammenhang wichtig und interessant erscheinen. Ein allge meines Missionsblatt für ganz Deutschland wäre sehr zu empfehlen, denn der bisherige Betrieb schließt theils eine Verschwendung literarischer Kräfte in sich, theils erfordert er mehr schriftstellerische Talente, ale wirklich vorhanden sind. Man suche eine ausgezeichnete Kraft zu gewinnen, dann würde ein solches Generalblatt sich schnell einbürgern. Daneben sollten die einzelnen Gesellschaften nur noch ein Particularblatt für ihr Missionsfeld herausgeben. Aus Veranlassung der Besprechung unserer Missionsgränzen erinnere er an ein schon früher gebildetes Wort: „Missionshöflichkeitspflicht.“ Wir fönnen allerdings auf den sog. Concurrenzgebieten nichts ändern, doch wäre ethunlich, daß von Seiten der Missionsgesellschaften selbst gewisse historisch gewordene Gränzen berücksichtigt würden.

Pastor Müller aus Bremen: Manche, die sich durch Feste früher zurückgestoßen fühlten, haben durch die Generalconferenzen der einzelnen Mission8-Vereine neues Interesse an der Sache gewonnen. Das über die Missionsblätter Gesagte ist sehr beherzigenswerth.

Pf. Shott: Die Basler Mission habe es bewährt gefunden, sich durch ständige Agenten in einzelnen Ländern und Landestheilen vertreten zu lassen. Da nun die Missionsjache fast aus. schließlich ihren Halt an den Gemeinschaften habe, so müssen auch die Agenten Ceute sein, welche in diesen wurzeln. Das sind die Missionare, welche doch meist aus Gemeinschaften hervorgehen. Ein treffliches Mittel, um im engeren Kreis die Missionsliebe warm zu erhalten, sind Missionsbetstunden, wie sie sich da und dort finden, in welchen einige Brüder sich vereinigen, um ausschließlich für die Mission zu beten. Auch Kinder missions stunden fönnen viel Segen stiften. Eine ganz missionstodte Gemeinde ist durch solche Kinderstunden zu thätiger Mitwirkung an der Missionsarbeit angeregt worden. Die Festpredigten nehmen oft viel Lust des Hörens vorweg, daher sollte man bei Missionsfesten lieber gleich in mediam rem gehen. Zöglinge sendet die Basler Mission auch aus, zunächst zur Pflege der Gemeinschaften und in Nothfällen zur Aushilfe für Pfarrer. 3st nun einmal das Bedürfniß vorhanden, daß Zöglinge so verwendet werden, so darf die Sache nicht dem Gutdünken der Einzelnen überlassen werden, sondern muß in fester Hand sein. Der Inspektor muß die Disposition darüber haben. Nach unseren Erfahrungen ist es vom pädagogischen Standpunkt aus nicht zu verwerfen, daß die Zöglinge, das rechte Maß vorausgesett, zu einer solchen Thätigkeit zugelassen werden.

Insp. Blath erinnert an ein früheres Wort von Gundert: „die Mission hat es auf sich, daß sie auch die Reputationen nicht schont." Man möge in der Entwickelung der einzelnen Missionsgesellschaften Gottes Führungen anerkennen. Wenn einzelne Personen besondere Vorliebe für diese oder jene Gesellschaft haben, so fann da Niemand drein reden.

Dir. Kühn: Die Brüdergemeinde erhält ihre Missionsbeiträge nicht aus einem bestimmten Gebiet, würde daher bei der beabsichtigten Grenzberichtigung ziemlich benachtheiligt werden. Man lasse die Sache gehen, wie sie bisher gegangen ist. Reichen wir uns brüderlich die Hand und freuen wir uns neidlos, wenn, wo wir vielleicht früher Gaben erhielten, nun andere ernten.

Der Herr bescheert es, und wird gewiß jeder Gesellschaft das 3hrige geben.

Dr. Fabri: Handle jeder prüfend vor dem Herrn und vergesse nur nie der brüderlichen Rücksichtnahme und Liebesübung!

Nachdem man sich dahin geeinigt, daß die Himmelfahrtswoche als Versammlungszeit und Bremen als Versammlungsort festzua halten, wurde die nächste Conferenz auf 1879 spätestens 1880 festgesegt und Bremen und Barmen wieder mit den Vorbereitungen beauftragt. Der Vorsigende schloß darauf die Verhandlungen mit Sebet.

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