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Aus deutschen Lesebüchern

Dichtungen in Doesie und Prosa
erläutert für Schule und Haus

Unter Mitwirkung namhafter Schulmänner

herausgegeben von
Rudolf Dietlein Woldemar Dietlein Friedrich Polack
weil. Reitor a. D. in Halle Kreisschulinspektor in Dortmund Königl. Schulrat a. D. in Treffurt

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Vorwort zur erften Auflage. Mit diesem dritten Bande findet das Erläuterungswerk „Uus deutschen Lesebüchern“ seinen Abschluß für Volfs- und Mittelschulen. Das leßte Heft wird darum eine kurze Poetik, Biographien der Dichter, Sach- und Namenregister und literarische Fingerzeige bringen.

Die Úuswahl muß sich bei der Fülle des Stoffes auf „Perlen aus den Lesebüchern der Oberklassen“ beschränken und minderwertige, besonders prosaische Stoffe, von eingehender Besprechung ausschließen.

Die Änordnung wird mehr als bisher auf die innere Verwandtschaft der Dichtungen Rücksicht nehmen. Maßgebend soll dafür das Uhlandsche Wort aus „Des Sängers Fluch" sein:

Sie fingen von Lenz und Liebe, von sel'ger, goldner Zeit,
von Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit;
sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,

fie singen von allem bohen, was Menschenherz erhebt." Naturgemäß und zwanglos werden sich epische, lyrische und didaktische Dichtungen zu Gruppen vereinigen.

Für die Methode gelten auch in dem vorliegenden Bande die Grundfäße, welche im Vorwort zum I. Bande aufgestellt und in ihrer psychologischen Berechtigung nachgewiesen sind.

Die meisten Dichtungen bedürfen einer gewissen Vorbereitung, um die unmittelbare Wirkung des Vortrags und der Lektüre zu erhöhen. Diese Vorbereitung gleicht der Bereitung des Ackerbodens zur Aufnahme der Aussaat. Vorbereitet wird der Genuß einer Dichtung dadurch, daß man die Seele des Hörers in die rechte Stimmung und Spannung versekt und ihr die notwendigen Vorbedingungen für das Verständnis gibt

. Die rechte Stimmung entsteht meistens dadurch, daß man die Quelle und Veranlassung der Dichtung, die Situation und Stimmung des Dichters kennen lernt, aus welcher die Dichtung entstand. Leicht erzeugt sich dadurch eine Stimmung im Hörer und Leser, die der des Dichters beim Schaffen verwandt ist. Das Verwandte aber versteht und liebt fich. Die notwendigen Unterlagen für das Verständnis gibt man, indem neue, unbekannte Vorstellungen der Dichtung an bekannte angeknüpft und in deren Licht gerügt werden.

Die unmittelbare und stärkste Wirkung der Dichtung wird durch guten Vortrag erreicht. Auf ihn hat der Lehrer allen Fleiß zu verwenden.

Der tiefere Gehalt der Dichtung erschließt sich, wenn ich den fzenischen Aufbau gleichsam als Situationsgemälde schaue, die Charaktere in ihren Eigenschaften und Tätigkeiten verstehe, den Gedankengang, der in einem Grundgedanken gipfelt, verfolge und die Schönheiten der poetischen Form finde und empfinde.

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Wie jeder Bildungsstoff geistig, fittlich und praktisch zu verwerten ist, wenn er sich in Lebensstoff umseßen und zum Bildungsgewinn werden soll, so muß auch durch vielseitige Verwertung der Dichtungen ihre Wirkung kräftig und nachhaltig gemacht werden. Wenn die Dichtung ihren Schein warm in das Herz wirft und hell als ein Licht auf meinen Lebensweg strahlt; wenn sie in geistigen Zusammenhang mit verwandten und bekannten Bildungsstoffen tritt, so daß eins das andere hält und erklärt; wenn mündliche und schriftliche Übungen zu geistiger und sprachlicher Herrschaft über den Stoff führen; wenn durch Auswendiglernen und schönen Vortrag auch die schöne Form gedächtnismäßiges Eigentum wird: dann erst habe ich volles Besikrecht über die Schäße unserer Literatur erworben.

Möchte unser Buch diese Erwerbsarbeit fördern und deutsches Volfstum pflegen helfen!

Die Herausgeber.

Vorwort zur dritten Auflage. Die neue Auflage dieses dritten Bandes unseres Erläuterungswerkes Aus deutschen Lesebüchern“ hat keine wesentlichen Veränderungen, sondern nur verschiedene Berichtigungen erfahren, wofür wir insonderheit Herrn Gymnasialoberlehrer Dr. Rud. Klußmann in Gera dankbar verpflichtet sind. Mit Dant sind ferner die Verbesserungen des Herrn Gymnasiallehrers Gerhard Strottfötter zu Dorsten i. W. (in der Beilage zum Jahresberichte 1887) benußt worden. Möge das Buch im neuen Kleide fich neue Freunde gewinnen!

Die Herausgeber.

Vorwort zur vierten Auflage. Die neue Auflage ist nach Bedürfnis verbessert und vermehrt worden, besonders durch die hingebende Mitarbeit des Oberlehrers Dr. Paul Polad in Gera. Für die sprachliche Einzelerklärung hat er mit Dank Pauls vortreffliches , Deutsches Wörterbuch“ benußt.

Möchte das Buch weiter die Liebe zu unseren herrlichen Dichtungen steigern und ihre erziehliche Kraft flüssig machen helfen!

Die Herausgeber.

Vorwort zur fünften und sediten Auflage.

Nur einzelne Berichtigungen und eine Anzahl Erläuterungen von neuzeitlichen Dichtungen unterscheiden die neue Auflage von den früheren. Möge der Lebenslauf des Buches weiter wie bisher ein gesegneter sein!

Die Herausgeber.

I.
Sänger und Gesangesmacht.

,Sie fingen von Lenz und Liebe, von selger, goldner Zeit,
Bon Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit;
Sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt."

1. A. Der letzte Dichter.

Anastasius Grün. Gedichte. Berlin 1869. S. 191. 1. „Wann werdet ihr Boeten

8. Solang' noch Lenze grünen des Dichtens einmal müd'?

und Rosenlauben blühn; Bann wird einst ausgesungen

solang' noch Wangen lächeln das alte, ew'ge Lied ?

und Augen Freude sprühn; 2. Ist nicht schon längst zur Neige 9. Solang’ noch Gräber trauern des Überflusses Horn?

mit den Zypressen dran; Gepflüdt nicht jede Blume,

solang' ein Aug' noch weinen, erschöpft nicht jeder Born?"

ein Herz noch brechen kann: 3. Solang' der Sonnenwagen

10. So lange wallt auf Erden im Azurgleis noch zieht

die Göttin Poesie, und nur ein Menschenantlig

und mit ihr wandelt jubelnd, zu ihm empor noch sieht;

wem sie die Weihe lieh. 4. Solang' der Himmel Stürme 11. Und singend einst und jubelnd und Donnerkeile hegt

durchs alte Erdenhaus und bang vor ihrem Grimme

zieht als der leßte Dichter ein Herz noch zitternd schlägt;

der legte Mensch hinaus. 5. Solang' nach Ungewittern

12. Noch hält der Herr in Händen ein Regenbogen sprüht,

die Schöpfung ungeknict ein Busen nach dem Frieden

wie eine frische Blume, und der Versöhnung glüht;

auf die er lächelnd blickt. 6. Solang' die Nacht den Äther 13. Wenn diese Riesenblume mit Sternensaat besät

dereinstens abgeblüht und noch ein Mensch die Züge

und Erden, Sonnenbälle der goldnen Schrift versteht;

als Blütenstaub versprüht: 7. Solang' der Mond noch leuchtet, 14. Erst dann fragt, wenn zu fragen ein Herz noch sehnt und fühlt;

die Lust euch noch nicht mied, solang der Wald noch rauschet

ob endlich ausgesungen und einen Müden kühlt;

das alte, ew'ge Lied! I. Vorbereitung und dann Vortrag. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne!“jo sprechen viele dem Prediger Salomo nach. Was geschieht, ist schon dagewesen. Auch die Boeten oder Dichter wissen nichts Neues Aus deutschen Lesebüchern. Bd. III. 6. Aufl.

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