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Vorrede.

as Leben und Wirken des großen Mannes, dessen Gedädtuiß zu ers neuern sich die vorliegende Darstellung zum Ziele gefegt hat, war von fo mådhtigein und entscheidendem Einfluß auf das religijs = fittliche, wissens schaftliche und gesellschaftliche Leben der Menschheit, daß ihm die Bewur: derung aller vorurtheilsfreien, für Wehrheit und Recht begeisterten Sterbs lichen gefichert bleibt. Aus diesem Grunde darf Jeder, der sein Nach: denkeu diesem Gegenstande zuwendet, nicht allein auf eigene volle Befries digung zählen, fondern auch auf die ungetheilte Aufinerksamkeit der Mitwelt rechnen, woferu er es versteht, fest und sicher in den Mittelpunkt hineinzutreten und von demselben die Lichtstrahlen, welche ihn eingeben, in ihrer eigenthümlichen Reinheit nach ihren verschiedenen Richtungen ausströmen zu fassen.

Alber dieß ist freilich eine große, schwierige Aufgabe, wozu nicht ges wöhulicher Muth und nicht geringe Kraft erfordert werden, denn er muß nach Vorstellung und Empfindung eins mit dem Gegenstande werden, den er sdhildert. Db der Verfasser hiezu Beruf und Weihe gehabt habe, darüber steht ihm naturlich die Gutscheidung nicht zu; er kann und will zu seiner Rechtfertigung nur sagen, daß zum inneru Drang Aufforderuns gen von außen gekommen sind, die feine gerechten Bedenklichkeiten gehus ben und den Ausschlag gegeben haben.

Mit größerm Rechte dagegen glaubt er, behaupten zu dürfen, daß er von Anfang bis zu Ende darnach gerungen hat, trok der vielen von ihm benußten fremden Quellen und Bearbeitungen ersten und zweiten Rangs aus alter und neuer Zeit, des ren Nachweisung sich iin Werke selbst findet, den selbstständig entworfenen Plan nie allzuweit sich aus den Augen rücken zu lassen und die Empfins dungen der Ehrfurcht und Bewunderung den Mauen eines Mannes zu bewahren, dessen Name, wenn er gleich zu allen Zeiten, auch der unseren, durds Ehre und Schande, durch gute und böse Gerüchte aller Art gehen inußte, dennoch in der Hauptsache fo herrlich ftrahlt, daß alle Veruns glimpfungen nur auf denjenigen zurücfallen, der sie wagt. Es lag nicht in der Absicht des Verfassers, Dinge ins Andenken

zu rufen, die als bloße Persönlichkeiten jekt nichts mehr frommen, weswegen Manches gemildert oder weggelassen wurde, was in diesen Kreis gehört; aber was die Sache selbst, 8. i. die Charakteristiť des Mannes und seis ner Zeit mit ihren Gebrechen, an deren Nachwehen unsere Zeit noch ims mer leidet, betrifft, das durfte nicht verschleiert werden. Freilich muß audy jest wie damals die Entschiedenheit der Sprache, die den Sdhein des Duppelsinnes und der Anbequemung verschmähte, dazu dienen, Luther bars

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zu einem Schmeichler oder Feind der Fürsten, bald zu einem Freund oder Feind des Volkes zu stempeln, allein der Unbefangene wird bald erkeunen, daß in ihm nur Gin leitendes Princip vorherrschend war - die Wahrs heit, und daß die Liebe zu ihr auch da unvertenubar hervorleuchtete,

er irrte.

Eine weitere Absicht ging dahin, nicht sowohl die Thatfachen und die aus ihnen hervorgegangenen zwar großen, aber längst bekannten Res fultate in ihrein ganzen Umfange zu beleuchten, als vielmehr einen ties fern Blick in das Geistes- und Gemüthsleben des großen Mannes thun zu lassen. Daher kam es auch, daß man Luther oft mit größerer Auss führlichkeit sprechen ließ, deun die Nachwelt sollte nicht blos erfahren, was, sondern wie und in welchem Zusammenhang er geredet habe, da an fragınentarischen Berichten eine zahllose Menge vorhanden ist. Die vielen Aufhellungen chronologischer Standpuncte, welche dieses Werk zur Berichtigung Anderer gibt, werden, wie man hofft, nicht übersehen werden.

Und nun, lieber Leser! hast du eine kurze Rechenschaft über das Ents stehen dieser Schrift, so wie über die in derselben vorherrschenden Grundfüße.

Id hätte freilich irgend einen in der gelehrten Welt bedeutenden Mann oder geiftesverwandten Freund ersuchen können, eine Vorrede zu dem vorliegenden Werke oder eine Empfehlung desselben in anderer Form zu schreiben, allein was Jene betrifft, so erfdheint es immer als eine kleine Indiscretion; zudem ist es eine eigene Sache, Anderer Geistesgeburten ins Daseyu einzuführen, da man sie doch nicht liebt wie eigene Kinder, noch fie schelten wil wie fremde.

Was aber die gelehrten Freunde anlangt, die anonyın fich hören lass sen sollen, so kommt neben dem bereits Erwähnten noch häufig binzu, daß fie entweder zu bequem find und den armen, selbst ungeduldigen und unter fremder Ungeduld leidenden Verfasser durch Zaudern oft auf harte Proben stellen, oder daß sie im Drange des Wohlwollens mehr fagen, als ihre Ueberzeugung mit sich bringt, ober daß man eine geheime Vers schwörung zwischen ihnen und dem Verfasser auf Kosten eines Dritten wittert. Und auf diese Weise gewinnt das liebe Publikum nichts dabei, selbst weun es auch Vorreden liest, was ich nicht so allgemein behaupten möchte.

Nimm also, lieber Leser, mit dem Verfasser selbst vorlieb! Taugt sein Wert etwas, so wirst du ihm feine Vorrede zu gut halten, Tey fie, wie sie wolle; ist aber fein Werk nicht nach deinem Sinn, nun so wird ein fremdes Vorwort es auch nicht höher in deinen Augen heben, felbft wenn ein Stern erster Größe gleich dem heurigeu Kometen seinen Glauz darüber ausgegossen hätte.

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Siglingen, am 24. Julius 1835.

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