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und all seinem Wesen und Christo nachfolgen ins Schifflein der Kirche, in die gewagte Meerfahrt hinein; ja wir müssen unser Schidsal an das feinige binden und ihm uns ergeben auf Tod und Leben. Dann als die Jünger mit Jesu ins Schiff traten und abstießen, da waren fie vom festen Lande, von den Menschen, von allerlei geschöpflicher Hilfe gänzlich abgeschnitten, und die Kluft zwischen ihnen wurde von Stunde zu Stunde größer. So müssen auch wir, wollen wir von Tage zu Tage Dem Himmel näher kommen, uns von dieser Welt und ihren Gütern und Gößen immer völliger losreißen und uns immer rüdthaltsloser unserem Heilande in die Arme werfen, um ihm bis in den Lod nachzufolgen, wo er hingeht. Thust du bas, mein Zuhörer? Oder hinkst du nach beiden Seiten? Willst du den Baum auf beiden Schultern tragen? Das wird dir nicht gelingen. Gott ist kein halber Gott, und Jesus Christus ist kein halber Heiland, und darum ist er nicht zufrieden mit einem halben Herzen; er will dein Herz entweder ganz haben oder nichts davon.

Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folget mir nach, der ist mein nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und mer fein Leben berliert um meinetwillen, der wird's finden.“ So spricht unser Heiland (Matth. 10, 38. 39). Und hier sehen wir an einem lebendigen Beispiele, wie wahr dieses Mort ist. So lange Jesus noch am Lande steht, ist alles ruhig, still und heiter; schier kein Blättchen am Baume rührt sich, schier teine Welle im See fräufelt fich. Aber kaum ist er ins Schiff getreten und mit den Seinen vom Lande abgestoßen, da ist es, als wollte das Meer dieses Schifflein nicht auf seinem Rüden bulden. Es empört sich; wie Markus schreibt, tocht es von unten her auf, wie von einem Erdbeben. Die Wogen türmen fich berghoch auf und schlagen wieder in die Liefe hinunter und werfen das Schiff herum, als wäre es eine Nußschale, als wollten sie es durchaus in allen Fugen, Balken und Masten zertrümmern und in den Abgrund verschlingen. Dazu stürzen die Sturmwinde daher und drehen es wie einen Wirbel im Kreise herum, daß denen, die drinnen sind, Hören und Sehen bergehen sollte. Die aufgejagten Wellen rauichen und schäumen herüber und hinüber, als läge das Schifflein schon in die Tiefe des Meeres versenkt, so daß die Jünger meinen, an den Pforten des Todes zu stehen, und halb verzweifelt schreien: Wir verderben! Und Christus? Er - schläft! Er liegt hinten beim Steuerruder auf einem Kissen und schläft. Das Schifflein, das von Wind und Wellen gar unsanft geschautelt wird, ist für ihn nur eine Wiege. Er hatte diesen Tag viel gearbeitet: er hatte nach Schluß seiner Bergpredigt den Aussäßigen rein, den Knecht des Hauptmanns gesund gemacht und die Schwiegermutter des Petrus vom Fieber geheilt, wie auch einer großen Anzahl von Kranken aller Art, die das Volk von allen Seiten herbeischleppte, geholfen, und dazu viel und lange gepredigt; er war müde. Und so liegt er jeßt, während seine Jünger in Todesangst geraten, hinten im Schiffe und schläft.

Was ist es also, was wir finden und erfahren, wenn wir als wahre Glieder der Kirche im Glauben ihm anhangen und ihm nachfolgen? In Sturm und Ungewitter, in Kreuz und Elend, in Not und Tod, ja in die Hölle führt er uns hinein. Wenn wir seinen Namen und Evangelium offen und frei vor jedermann bekennen, mit unserm Zeugnis und Beispiel die Sünde strafen -und allein den gefreuzigten Christum rühmen; wenn wir darum auch als Kinder des Lichtes wandeln und uns entschieden lossagen vom Teufel und al seinen Werten und all seinem Wesen, von der Welt und ihrer Fleischeslust, Augenluft und hoffärtigem Leben, dann werden wir so gewiß den Haß des Teufels und der Welt auf uns laden und durch viel Trübíal in das Reich Gottes eingehen müssen, so gewiß die Jünger hier, als sie Christo nachfolgten, in Sturm und Not hineingingen. Ja, so unausweichlich folgt auf solche Nachfolge Christi in Bekenntnis und Wandel der Haß aller Feinde Christi und das liebe Kreuz, daß unser Heiland selber einmal ausruft (Lut. 6, 26): „Wehe euch, wenn euch jedermann wohl redet!" Dahin gehört auch der überaus scharfe Ausspruch (Matth. 10, 34-36): „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht kommen, Frieden zu fenden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“ Und an diesem Ungewitter, welches das Bekenntnis der Wahrheit in dieser argen Welt erregt, müssen die treuen Betenner immer die Schuld tragen. Da giebt es dann freilich Angst und Not und innerliche Anfechtung. Und darinnen standzuhalten und alles Unrecht geduldig über sich ergehen zu lassen, dazu gehört mehr als Menschenkraft, dazu ist die Kraft des Heiligen Geistes erforderlich. Denn was ein gläubiges Herz bei dem allen am tiefsten anficht, das ist dies, daß sein lieber Herr Jesus Christus - schläft. Er ist es, um desmillen der Gläubige fich alles Unheil in dieser Welt auf den Hals ladet, und doch scheint er oft lange Zeit sich nicht im mindesten um die Verfolgung, die Not, das Schreien seines Bekenners zu kümmern, ja ihn gänzlich in die Gewalt des Teufels und der gottlosen Buben dahingegeben zu haben. Das macht Höllenangst.

So wunderbar ging der Herr Christus mit seiner Kirche um z. B. , in den ersten drei Jahrhunderten. Es giebt keine Grausamkeit, die sich ein Mensch ausdenken kann, welche die Heiden nicht gegen die Christen angewendet hätten, um ihren Mund, der immer nur von der Menschen Sünde und der Gnade des Getreuzigten zu reden wußte, zum Schweigen zu bringen. Man enthauptete, erträntte, erdrosselte und verbrannte sie nicht nur, sondern suchte ihnen auch den Tod besonders erschredlich und qualvoll zu machen. Man warf sie den wilden Tieren zum Fraße vor, man röstete sie langsam am Feuer, man erstickte sie in Morast, man kreuzigte sie mit dem Kopfe nach unten, man riß ihnen nach und nach mit glühenden Zangen das Fleisch von den Anochen, man goß ihnen siedendes Del und Pech in den Hals, man band ihre naďten Leiber an Leichen und warf sie in finstere Gruben, wo sie an den Leichnamen verhungern und verfaulen mußten. Unter solchen satanischen Martern und Greueln mußten Hunderttausende von Betennern des Evangeliums ihr Leben lassen, und sie konnten mit Wahrheit in den Worten des Psalmisten (42, 7. 8. 11. 12) klagen: „Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir. Deine Fluten rauschen daher, daß hie eine Tiefe und da eine Tiefe brausen; alle deine Wasserwogen und Wellen gehen über mich. Es ist als ein Mord in meinen Gebeinen, daß meine Feinde mich schmähen, wenn sie täglich zu mir sagen: Wo ist nun dein Gott?" Aber die Kirche Jesu Christi tröstete sich immer wieder mit dem Gedanken: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Und mit diesem Vertrauen ist sie auch in den furchtbarsten Zeiten der Verfolgung niemals zu Schanden geworden.

Aber auch in unserer Zeit sieht es oft aus, als sollte das Schifflein der Kirche Christi in den Abgrund verschlungen werden. Zwar sucht die ungläubige Welt jegt nicht mehr so vielfach, die Kirche mit Feuer und Schwert auszurotten; denn sie hat längst gefunden, daß das vergebliche Mühe ist. Wiewohl 3. B. die blutdürftigen Türken auch in diesem Stüde noch heute nicht gewißigt sind, sondern die Christen durch höllische Grausamkeit entweder zu ihrem Muhammed betehren oder aber ausrotten wollen. Allein um so boshafter über schüttet die Welt das liebe Wort Gottes und seine freuen Bekenner mit Spott und Schmach und wirft ihnen unabläffig das Neß ihrer Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigen Lebens vor die Füße, oder sucht sie durch tausend Repereien und Hirngespinste, falsche Propheten und

Betrüger zu zerreißen und verderben. Und dieser Sturm, der jest gegen das Schifflein Christi wütet, ist noch gefährlicher als der Sturm äußerer Verfolgung. Denn das Blut der Christen hat sich zu allen Zeiten als der Same der Kirche erwiesen, zum großen Verdruß ihrer Feinde. Aber wenn das Gift des Teufels, wie jest, im Dunkeln schleicht und lieblich überzudert ist, wenn die Wölfe in Schafskleidern auftreten und der Fürst der Finsternis als ein Engel des Lichtes erscheint, dann werden die Christen gar zu leicht sicher und gleichgiltig und reden sich selber ein, es habe keine Gefahr. Und so fallen getaufte und konfirmierte Christen haufenweise wieder dahin, wie das wurmstichige Obst von den Bäumen. D laßt uns wachen! Möge der Heilige Geist jeden einzelnen unter uns in seinem Herzen täglich in die Hölle führen, nämlich in die Höllenangst über die Sünde, daß ein jeder mit immer größerer Reue und Schmerz die Bosheit seines eigenen Herzens erkennt und als ein armer, zerknirschter Sünder immer von neuem seine Zuflucht nimmt zum Areuze Christi, welcher allein eine vollgiltige Bezahlung für alle unsere Schuld geleistet hat. Dann werden wir nicht umkommen noch verderben, wie groß, wie häufig und wie mancherlei auch die Stürme sein mögen, die nach Gottes weisem Rat über uns im Schifflein der Kirche Christi in dieser Welt und Zeit hereinbrechen mögen. Denn sie werden nicht emiglich währen, und Gott führt nicht bloß in die Hölle, sondern auch wieder heraus. Das laßt uns zweitens sehen.

II.

V. 25—27. und die fünger traten zu ihm und weďten ihn auf und sprachen: Herr, hilf uns; wir verderben! Da sagte er zu ihnen: hr Kleingläubigen! Wa r um seid ihr so furchtsam? und st und auf und bedräute den Wind und das Meer; da ward es ganz st ille. Die Menschen aber ber wunderten sich und sprachen: Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?

Jesus Christus schläft im Schifflein; der Sturm stört ihn nicht. Aber seine Jünger geraten in Todesangst. Es ist ihnen, als sperrte die Hölle ihren Rachen nach ihnen auf. Da suchen sie Hilfe, und zwar nirgends anders als bei ihrem geliebten Herrn und Meister, den sie bei sich im Schiffe haben. Daß fie bei Christo Hilfe suchen, damit beweisen sie, daß sie wirklich an ihn glauben, daß sie Christum nicht bloß mit dem Munde, sondern auch von Herzensgrunde für ihren Heiland

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halten. Daß fie aber vor Todesangst erblassen, an allen Gliedern zittern und wie verzweifelt zu Christo springen und ihn anschreien: Herr, hilf uns, wir verderben; oder wie Lutas erzählt: Meister, Meister, wir verderben; oder wie Markus schreibt: Herr, fragst du nichts darnach, daß wir verderben? damit offenbaren sie die Schwachheit ihres Glaubens. Wäre ihr Glaube so start gewesen, wie er sein follte, so hätten sie sich selber gesagt: Wenn auch Himmel und Erde und Meer durch einander sprudeln und toben, es ist unmöglich, daß wir zu Grunde gehen; denn wir haben ja Jesum bei uns im Schiffe, den allmächtigen Schöpfer des Windes und der Wellen. Darum fönnen wir nicht verderben, wenn auch unser Schifflein von Stroh wäre, und alle Elemente noch hundertmal schredlicher wüteten; sonst müßte ja der Sohn Gottes mit in die Tiefe sinten, und das ist unmöglich. Wäre ihr Glaube so recht fest gewesen, fo hätten sie das Rauschen der Wellen und das Heulen des Sturmwindes übertönt mit dem siegreichen Glaubensliede des Psalmisten (Pf. 46, 1–8): „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns betroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unter: ginge und die Berge mitten ins Meer fänken; wenn gleich das Meer wütete und wallete, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. Dennoch fou die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. Der Herr Zebaoth ist mit uns; der Gott Jakobs ist unser Schub. Sela."

Warum also ließ wohl der Herr Christus dieses Unwetter über feine Jünger hereinbrechen? Warum führt er hier auf Erden seine Kirche oft in die Hölle? Er will es ihnen zum Bewußtsein bringen, wie schwach ihr Glaube noch ist. Er will uns unsere Fehler, Thorheiten und Gebrechen aufdecken, damit unser Glaube gereinigt, geläutert, bewährt und gestärkt werde; darum läßt er uns noch heute in Trübsal, Todeŝnot und Höllenangst geraten. Denn so lange gut Wetter ist, so lange es einem wohl geht und man alles vollauf hat und im Frieden genießt, so lange ist es leicht zu sagen: Ich glaube; ich verstehe Gottes Wort; wie denn eben diese Jünger, die jetzt so entseßt um Hilfe schrieen, einmal, als Jesus nach einer langen Predigt sie fragte: Habt ihr das alles berstanden? frischweg zur Antwort gaben: Ja, Herr! Aber wenn Christus seine Gläubigen von den Wassern der Trübsal bebedt werden läßt, dann zeigt es sich, was im Herzen ist; dann wird es offenbar, daß man doch heimlich und ohne es zu wissen auf das Glüd,

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