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unter den guten Weizen, um alles anzusteden und zu verderben.

So war schon gleich in der Kirche Adams ein vom Teufel gefäetes Kind der Bosheit, Rain; in der Kirche Noahs Ham; in der Kirche Abrahams Ismael; selbst unter den erlesenen Aposteln des Herrn ein Judas Jícharioth, der Verräter. So fand sich auch mitten in der Gemeinde zu Korinth der Blutschänder, unter den Galatern die Wertgerechten, in der Reformationszeit ein Karlstadt, ein Thomas Münzer und andere.

Und so müssen auch wir uns an den Gedanken gewöhnen, daß auch zu unserer Zeit und unter unserem Volte, ja zu allen Zeiten und an allen Orten bis an den jüngsten Tag nicht alle Getaufte wahrhaft Gläubige find, nicht alle Berufene Auserwählte, nicht alle Prediger zuberlässige Verfündiger der Wahrheit, nicht alle Religionsgemeinschaften, die sich christlich und lutherisch nennen, wirklich christliche und lutherische sind. Das Untraut wuchert überall und schießt in dieser gefallenen, im Argen liegenden Welt immer schneller in die Höhe als der gute Same.

Aber von welcher Kirche reden wir denn, von der lutherischen, oder tatholischen, oder reformierten, oder von welcher andern? Antwort: Wenn wir von der Gestalt der Kirche auf Erden reden, wie sie vor den Augen der Jünger Christi erscheint, so meinen wir die ganze christliche Kirche in diesem Leben, alle diejenigen kirchlichen Gemeinschaften, Kirchen und Kirchlein zusammen genommen, in welchen von der feliga machenden Wahrheit des Wortes Gottes wenigstens noch so viel erschallt, daß ein Mensch dadurch zum Glauben an Jesum Christum tommen kann. Von der christlichen Kirche sind also ausgeschlossen alle diejenigen Gemeinschaften, Gemeinden und Menschen, die Jesum Christum, den gekreuzigten, verleugnen, die von der stellvertretenden Genugthuung des Sohnes Gottes auf Golgatha und vom Glauben an ihn nichts wissen wollen, wie z. B. die Unitarier, die Universalisten, die Rationalisten und andere. Der ganze Haufe derjenigen aber, die wir unter dem Namen der sichtbaren christlichen Kirche zusammenfassen, ist leider Gottes in verschiedene einzelne Kirchen oder Gemeinschaften gespalten, die sich unter einander beißen, fressen und zu verzehren suchen. Und diese endlose Zerrissenheit der christlichen Kirche auf Erden ist eben auch so recht einer von den Giftbäumen, die der Teufel gepflanzt hat, während die Leute schliefen; und in unserer Zeit heimset er wie nie zuvor die höllischen Früchte dieses Baumes ein, da auch die klugen Jungfrauen bei dem Verzuge des himmlischen Bräutigams immer tiefer in Schlaf sinten (Matth. 25,5). Das müssen wir jedoch zu aller

Zeit und unter allen Umständen unerschütterlich festhalten: Mo Gots tes Wort der Hauptsache nach noch gepredigt wird, da finden sich auch noch wahre Christen; denn Gott hat ausdrüdlich verheißen (Jes. 55, 10. 11): „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin kommt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und wachsend, daß sie giebt Samen zu fäen und Brot zu effen: also soll das Wort, so aus meinem Munde gehet, auch sein. Es foll nicht wieder zu mir leer tommen, sondern thun, das mir gefällt, und soll ihm gelingen, dazu ich's sende."

Wer nun meinen würde, es sei demnach einerlei, zu welcher sicht: baren Kirchengemeinschaft er gehöre, wenn nur genügende Stücke des Wortes Gottes da seien, daß er zum Glauben kommen könne, der würde sich sehr irren. Denn das reine, lautere, unverfälschte Wort Gottes allein ist der gute Same, aus welchem die Kinder des Reichs geboren werden; aus aller Lüge des Teufels kann nur Unkraut erwachsen, Kinder der Bosheit. Je fester und treuer und rüdhaltloser daher eine Kirche und Gemeinde an dem unverfälschten Evangelium hält, desto mehr Weizen, Kinder des Reiches, läßt sich von vorn herein daselbst erwarten. Wiederum, je weiter eine Gemeinschaft von der reinen Wahrheit, wie sie in der Bibel geschrieben steht, abweicht, je weniger sie davon in ihrer öffentlichen Lehre vorträgt, desto weniger ist von vorn herein Aussicht, wahre Gläubige in ihr zu finden. Ja, auch in derjenigen Kirche, die von allen am treuesten bei dem lauteren Evangelium bleibt, in der evangelisch-lutherischen, dürfen wir keineswegs lauter Weizen zu finden erwarten; denn auch sie ist in verschiedene Parteien zerspalten, die sich unter einander bekämpfen, und zwar oft in einem so bitteren, verleumderischen, gehässigen Geiste, daß es eine Sünde und Schande, eine Schmach dem Kreuze Christi ist. Auch hat die lutherische Kirche bei weitem nicht lauter folche Glieder, die von Herzen glauben, was ihr Mund betennt. Ja, eine Kirche, die absolut rein von Jrrtümern, Aergernissen und Heuchlern wäre, hat es nie gegeben und wird es nie geben. Denn unser Heiland redet von der ganzen Kirche zu aller Zeit, er nimmt keine einzige Kirchengemeinschaft oder Partitularkirche aus, und sagt, der Teufel fäe unter fie sein Unkraut, nicht bloß außen her in den Sandwüsten, sondern mitten aufs Feld, mitten unter den Weizen, wo er am didtsten und besten steht.

Das ist die Gestalt der Kirche Gottes auf Erden, für alle Kinder des Reichs eine Ursache tiefer Trauer, für unzählige Schwache und Draußenstehende ein großes Aergernis, für das Wort Gottes bei den Ungläubigen eine Schmach, daß sie lästern. Was ist da zu thun.

II.

V. 28-30. Da sprachen die Anechte: Will ft du denn, daß wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein, auf daß ihr nicht zugleich den Wei: zen mit a usr a ufet, so ihr das Unkraut a usjätet. Laiset beides miteinander wachsen bis zu der Ernte. Und um der Ernte 3 eit will ich z u den Schnittern sagen. Sammelt zuvor das un traut und bindet es in Bündlein, daß man es berbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer.

Das legt unser Heiland selbst weiterhin also aus (V. 39 b—43): „Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleich wie man nun das Unfraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, fo wird's auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reiche alle Aergernisse und die da Unrecht thun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Dhren hat zu hören, der Göre!"

Wir haben Ohren; laßt uns hören, was der Prophet aus dem Schoße des Vaters, das Haupt der Kirche, uns hiermit sagen will!

Wie der Anblick des Unkrauts auf dem Ader auf die Jünger, so macht auch auf uns, besonders die Verkündiger des Wortes, die mit Aergernissen und Heuchlern durchlebte Gestalt der Kirche oft einen äußerst niederschlagenden Eindruct. Und solche Trauer schlägt nur zu leicht in Entrüstung und Ungeduld um, die im misverstandenen Eifer um den Herrn zum Sturmangriff auf das Untraut vorgehen möchte. Aber unser Heiland berbietet hier mit ausdrüdlichen Worten, das Untraut auszujäten, es gewaltsam auszureißen; wir sollen vielmehr beides, Weizen und Unfraut, Kinder des Reichs, die der Säemann vom Himmel gefäet, und Kinder der Bosheit, die der nachäffende Säemann aus der Hölle gefäet hat, mit einander, unter einander, bei einander wachsen lassen, und zwar nicht bloß so lange, bis es uns gut dünkt, dem Ueberhandnehmen des Untrauts mit Gewalt Einhalt zu thun, sondern bis zur Ernte, bis an den jüngsten Tag. Dann will er selbst eingreifen, alles, was auf dem Ader der Welt im Laufe der Jahrtausende gewachsen ist, abmähen und seiner gerechten Prüfung unterziehen. Dann will er selbst seine Worfschaufel zur Hand nehmen, seine Tenne: fegen und den Weizen in seine Scheune fammeln, aber das Untraut verbrennen mit ewigem Feuer (Matth. 3, 12). Er wird alle Völker vor sein Angesicht stellen und die große, ewige, gerechte Scheidung vollziehen, er wird sie mit unfehlbarem Urteil von einander sondern, wie ein Hirte die Schafe von den Böden scheidet, und die Kinder der Bosheit ins höllische Feuer werfen lassen, wo sie vor Qual und Angst ohne Ende heulen und mit den Zähnen klappen werden, hingegen die Kinder des Reichs mit sich einführen in die ewigen Wohnungen seines himmlischen Vaters, wo sie Freude die Fülle und liebliches Wesen zu seiner Rechten ewiglich genießen werden, wo insonderheit die Lehrer der Wahrheit leuchten werden, wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit gewiesen haben, wie die Sterne immer und ewiglich (Dan. 12, 3).

Welch ein herrlicher Trost liegt nicht hierinnen für uns! Denn den traurigen Zustand seiner Kirche auf Erden giebt er nicht dem Samen, den wir in seinem Auftrage ausstreuen, schuld; der ist durch und durch gut, und es kann nichts als Gutes daraus entsproffen. Auch uns, seinen Knechten, seinen Jüngern, giebt er nicht die Schuld; denn von uns tann Kraft und Gedeihen nicht kommen, wir fönnen nur säen, pflanzen und begießen; und darum hat er uns auch nicht das Richteramt über Weizen und Untraut aufgetragen, sondern das will er selber ausüben. Wir fönnen uns jedoch nicht von aller Schuld freisprechen, wenn wir wohl den guten Samen gesäet, aber dann geschlafen haben, nicht so ernstlich gemacht und gebetet und dem Teufel gewehrt haben, wie wir hätten thun follen.

Wenn wir daher nun fragen, was für uns aus dem allen folgt, so ist das erste dies, daß wir für unsere Untreue ernstliche Buße thun und uns selbst ja vor Gott prüfen sollten, ob wir selber Kinder des Reiches oder Kinder der Bosheit find. Niemand betrüge sich selbst! sagt der Apostel Paulus, und ruft uns zu (2. Kor. 13, 5): „Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben feid; prüfet euch selbst. Oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr untüchtig seid." Sodann ergiebt sich hieraus, daß wir uns in unwandelbarer Treue zu derjenigen Gemeinde und Kirche halten sollen, die unentiegt bei dem Worte Gottes bleibt, wie es in der Heiligen Schrift lautet; und das thut immer noch am treuesten die evangelischlutherische Kirche. Dazu gehört denn auch, daß wir nicht nur wenn die Sonne des Glüces uns scheint, sondern auch in Sturm und Ungewitter, in Kreuz und Verfolgung den Namen des Herrn Jesu und seine Wahrheit vor jedermann, der es hören will, betennen, standhaft und freudig bekennen, und durch Wachen und Beten dem Teufel und seinen Propheten das Unkrautsäen, so viel wir durch des Heiligen Geistes Kraft bermögen, wehren.

Ferner haben wir uns durchaus nach dem Befehl des Hauptes der Kirche zu richten und das Untraut nicht auszujäten, nicht gewaltsam auszureißen, sondern wachsen zu lassen. Aber, wendet jemand ein, hat Christus nicht selbst die Kirchenzucht befohlen? Er sagt ja (Matth. 18, 1511.): „Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und ftrafe ihn zwischen dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zween zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Munde. Höret er die nicht, so sage es der Gemeinde. Höret er die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner." Und der Apostel Paulus schreibt ((1. Kor. 5, 11 ff.): „So jemand ist, der sid, läfset einen Bruder nennen, und ist ein Hurer oder ein Geiziger oder ein Abgöttischer oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber; mit demselbigen sollt ihr auch nicht essen. Thut von euch selbst hinaus, wer da böse ist.“ Wie stimmt das mit dem Verbot, das Unkraut nicht auszujäten? Sehr wohl! Menn unser Heiland der Kirche befiehlt, Zucht zu üben, so will er, daß sie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder in ihrer Mitte für Heiden und Zöllner erkläre und von der christlichen Gemeinde, von der Teilnahme an den Gnadengütern des Hauses Gottes ausschließe. Wenn er aber das Ausjäten des Unkrauts verbietet, so dürfen wir, um seinen Willen recht zu verstehen, nicht vergessen, daß er sagt, der Ader ist die Welt. Aus dem Acer der Welt, aus dem irdischen Leben soll die Kirche die Kinder der Bosheit nicht herausreißen; sie soll nicht zu äußerlicher Gewalt und Zwangsmaßregeln greifen, nicht Feuer und Schwert und Gefängnis anwenden, nicht den gewaltigen Arm des weltlichen Staates in Bewegung seßen, um die Reger auszurotten, die falsche Lehre und alle ergernisse zu unterdrüden, die Ungläubigen und Spötter umzubringen und dem Evangelium zur Herrschaft zu verhelfen. Und warum nicht? Meil wir nur zu oft den Weizen zugleich mit ausraufen würden. Denn auch alle wahren Glieder der Kirche, auch die größten Heiligen auf Erden sind und bleiben hienieden irrtumsfähige Menschen und wir können niemand ins Herz Fehen. Daher würden wir nur zu leicht Weizen für Unkraut, finder des Reichs für Kinder der Bosheit und umgekehrt ansehen, und meinen, wir thäten Gott einen Dienst daran, wenn wir in unserer blinden Wut die Seinen umbrächten. So hat z. B. die römisch-katholische Kirche durch ihr Wüten mit Feuer und Schwert

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