Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Ja, licht ist sein Kleid, das er anhat, und die Herrlichkeit seines Vaters ist die Krone auf seinem Haupte. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Alle Wunder, die er sonst thut, sind gleichsam nur einzelne Lichtstrahlen aus dunkler Wolte; hier aber steht er vor den Augen seiner erstaunten Jünger im vollen Mittagsglanze seiner göttlichen Majestät.

Als die überwältigten Jünger ihrer Sinne einigermaßen wieder mächtig sind, da sehen sie neben dem Herrlichen noch zwei andere Gestalten, die offenbar aus dem Himmel sind, und hören, daß sie sich mit ihrem lieben Herrn unterreden. Sie ahnen, wer sie sind, und hören ihre Namen wohl auch aus dem Munde Jesu: Moses und Elias, der Mittler des alten Bundes und der Reformator des alten Bundes; der Knecht Gottes, durch welchen Jehovah auf Sinai mit Israel den Bund des Gesekes schloß, und der Anecht Gottes, durch welchen Jehovah fich als den einzig wahren Gott mit Feuer vom Himmel herab bezeugte und das abgefallene Israel zur Buße rief. Den ersten hatte Gott auf dem Berge Nebo sterben lassen und selbst begraben, so daß kein Mensch auf Erden sein Grab wußte; den zweiten hatte er, ohne daß er den Tod gesehen, von den Ufern des Jordans mit feurigen Wagen und Roffen gen Himmel holen lassen. Elias war bor nahezu 900 und Moses vor 1500 Jahren aus der Welt geschieden, aber beide lebten. Die Freude darüber, daß ihr Herr und Meister, an den sie beide geglaubt, auf den sie beide gehofft und geharrt, dem sie beide bis ans Ende gedient, durch den sie beide Trost und Frieden gefunden hatten, jeft erschienen war, um ihre Weissagungen zu erfüllen und sein großes Wert auf Erden hinauszuführen, diese Freude hat sie aus dem Paradiese auf den Gipfel des Tabor hernieder getrieben, um Zeugen seiner Verherrlichung zu sein und mit ihm zu reden von dem, wovon ihre Herzen vol waren, nämlich von dem Ausgang, den er zu Jerusalem nehmen sollte, von seinem bittern Leiden und Sterben für die Sünde des menschlichen Geschlechtes und von seiner fröhlichen, siegreichen Auferstehung aus dem Grabe am dritten Tage. Ihre Freude, ihr jauchzendes Glüd über die Herrlichkeit ihres Heilandes, die seinen fünftigen Triumph über Teufel, Tod und Hölle vorbildet und verbürgt, strahlt aus ihren Angesichtern, so daß auch die Jünger davon ergriffen werden, und Petrus giebt wie immer ihren Gefühlen Ausdruck in den taumeinden, wonneberauschten Worten: „Herr, hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Moses eine und Elias eine.“ Seine Seele schwamm in einem solchen Meere himmlichen Entzüdens, daß er nicht wußte, was er redete. Unaussprechlich muß die Seligkeit dessen sein, der den Sohn Gottes in seiner Herrlichkeit sieht. Kein Wunder, daß im Herzen der Jünger der Wunsch glüht: Ach, daß es ewig so bliebe!

Als Petrus noch so redete, siehe! da überschattete sie eine lichte Wolte, und eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn! Dies ist, wenn man hier vergleichen darf, das Merkwürdigste von allem. Wer Ohren hat zu hören, der höre, was diese Stimme aus der Wolte sagt! Von wem redet sie? Selbstverständlich von dem, auf welchen aller Augen gerichtet waren, von dem verklärten Heilande der Melt. Und das ist Jesus von Nazareth, der in Bethlehem geboren wurde, der das Evangelium von der freien Gnade Gottes in die Welt brachte, der auf Golgatha sein Leben niederlegte zu einer Versöhnung für viele, der am dritten Tage als Ueberwinder aller Mächte der Finsternis von den Toten wieder auferstand, der die Werte des Teufels zerstört und das Reich Gottes, das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, aufgerichtet hat; und die Jünger sahen hier auf Tabor recht eigentlich, wie Johannes sagt, „seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1, 14). Wer war es demnach, der aus der lichten Wolke redete? War es ein Lügengeist aus der Hölle, der uns durch sein Blendwerk betrügen wollte, wie die Spiritisten von den angeblichen Geistern der abgeschiedenen Toten betrogen werden? Wahrlich nicht! Denn der Teufel hat noch niemals Freundschaft für den gefreuzigten Christus an den Tag gelegt, der ja gekommen ist, des Teufels Werke zu zerstören. Nein, es ist der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der aus den Tiefen des Himmels und der Ewigkeit hervor sich ausspricht und vor Himmel und Erde, vor Menschen und Teufeln diesen demütigen Jesus, der bald darauf in den schmachvollsten Tod gehen wird, als seinen eingebornen Sohn anerkennt und damit das Wort dieses Menschensohnes, der sich für den Sohn Gottes erklärt hat, als göttliche Wahrheit ein für allemal bestätigt und bekräftigt. Im Unterschied von Petrus, Jakobus und Johannes, von Moses und Elias, ja im Unterschied von all den Millionen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, stellt der allmächtige Gott, der da lebet von Ewigkeit zu Ewigkeit, mit diesem großen Worte den einzigen Jesus hin als das Ebenbild seines Wesens, als den Abglanz seiner Herrlichkeit, welchem er gegeben hat zu haben das Leben in ihm selber, zu welchem er in Ewigteit das Wort gesprochen hat, das er durch die Aufermedung desselben von den Toten in vollendete Thatsache und geschichtliche Wirklichkeit

umgeseßt hat, das hohe, unerforschliche Wort: „Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt“ (P. 2, 7).

Das gewaltige Wort, welches die Stimme aus der Wolke über dem Gipfel des Tabor vor nun bald 1900 Jahren, den menschlichen Dhren der Jünger bernehmbar, gesprochen hat, das ruft der ewige Gott noch heute allen denen zu, welchen das Evangelium von Jesu Christo verkündigt wird, auch dir und mir, mein Zuhörer! Darum laßt uns nun auch zu Herzen nehmen, was sie von uns will, wozu fie uns auffordert.

II.

V. 5—9. Dies ist mein lieber Sohn, an wel. che mich wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angeficht und erschraten sehr. Jefus aber trat z u ihnen, rührte sie an und sprach: Stehet a uf, und fürchtet euch nicht! Da sie aber ihre Augen aufh u ben, s ahen sie niemand denn gefum allein. Und da sie bom Berge her abgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt dies Gesicht nie mand sagen, bis des Menschen Sohn bon den Joten auferst an den i ft.

Was diese Stimme Gottes des Vaters aus dem Himmel von uns mill, wozu fie uns bewegen möchte, das zeigt der Vater im Himmel uns schon damit an, daß er Jesum seinen lieben Sohn nennt und hinzuseßt: An welchem ich wohlgefallen habe: er wil, auch wir sollen an diesem Beliebten Gottes Wohlgefallen finden, wie ja schon bei seiner Geburt die himmlischen Chöre zu Bethlehem gesungen hatten: Den Menschen ein Wohlgefallen! Noch deutlicher und nachdrüdlicher sagt uns Gott hier, was er von uns will, mit dem ausgesprochenen Befehle: Den sollt ihr hören!

Dasselbe, was wir hier hören, rief der Vater vom Himmel her: unter, als Jesus im Jordan stand und sich von Johannes taufen ließ. Zum dritten Mal that er eine ähnliche Erklärung kurz vor dem Leiden und Sterben unseres Heilandes in Jerusalem, wo aber das gegenwärtige Volt die Worte nicht verstand, sondern meinte, es habe gedonnert, oder ein Engel habe mit Jesu geredet. Wenn der wahrhaftige Gott dreimal einen Ausspruch thut, so muß es wahrlich feststehen und für uns von äußerster Wichtigkeit sein. Steht es also fest, daß Jesus Christus, der Gefreuzigte und Auferstandene, der geliebte Sohn Gottes ist, an welchem der heilige und selige Gott ein herzinniges und emiges Wchlgefallen hat, so müssen auch wir an dem Geliebten Gottes ein herzinniges Wohlgefallen haben, wollen wir mit dem heiligen und seligen Gotte in ewiger Gemeinschaft sein. Ja, „Christum lieb haben ist besser als alles Wissen" (Eph. 3, 19).

Was ist denn damit gesagt, daß Gott an Christo Wohlgefallen hat? In diesen wenigen Worten wogt und wallt ein ganzes Meer des Trostes für uns. Denn sie sagen uns: Gottes Augen finden an unserm Stellvertreter und Bürgen, Jesu Christo, nichts zu richten, nichts zu verdammen, sondern der ganze Christus, Gott und Mensch in einer Person, mit all seinem Reden, Thun und lassen, mit all seinem Leben, Leiden und Sterben ist ihm lieb, gefällt ihm unaus: sprechlich wohl, macht ihm unendliche Freude und verdient seine emige Belohnung. Was Jesus Christus uns gelehrt hat, das ganze Evangelium, was er uns darin sagt von Gott und seinem Willen, vom Werke der Erlösung, vom Wege zur Seligkeit, von der Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben, bom Wandel in der Liebe, von der Auferstehung und dem ewigen Leben, das ist recht in Gottes Augen, das heißt Gott gut, das ist unfehlbare Wahrheit. Alles aber, was dagegen streitet, das forbert Gottes Zorn heraus, das kommt vom Teufel, das ist Lüge, das stürzt in die Hölle. Was Jesus Christus gethan hat in seinem ganzen Leben auf Erden, den Willen seines himmlischen Vaters zu vollbringen und fein heiliges Geseß uns zu gute zu erfüllen, daran hat Gott seine Freude, das erkennt er an als eine vollfommene Erfüllung aller Forderungen seines heiligen Willens, so daß er nun von der ganzen Welt nichts mehr fordern will, sondern die Pforten des Himmels weit aufthut für jeden Sünder, der diese stellvertretende Gerechtigkeit im Glauben sich schenken läßt und sich dankbar ihrer freut. Mas Jesus Christus gelitten hat am Stamme des Kreuzes als ein Schlachtopfer für die Sündenschuld der ganzen Welt, das hat Gottes tiefste Zufriedenheit, das hat seinen gerechten Zorn über die Sünde des menschlichen Geschlechtes bis auf den legten Funken ausgelöscht, das reicht nach Gottes eigenem Urteil vollkommen hin, die blutrote Schuld der ganzen verlorenen Welt abzuwaschen und in die Tiefe des göttlichen Erbarmens zu versenken, wo sie emiglich nicht wieder ans Tageslicht kommen soll. Kurz, Jesus Christus, der Getreuzigte und Auferstandene, hat mit einem Opfer in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden" (Hebr. 10, 14). Gott ist mit der ganzen Welt versöhnt, der Himmel steht offen, es ist alles bereit. Nur eins fehlt noch, und das ist, daß auch die Sünder mit Gott versöhnt werden, daß auch die erlöste Welt an Christo, ihrem Erlöser, Wohlgefallen habe; dann ist sie in ihm eins mit Gott geworden und der göttlichen Natur und des ewigen Lebens teilhaftig. Sollten wir nicht Jesum Christum mit tausend Dhren, wenn wir sie hätten, hören? „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Mens schen g:geben, darinnen sie scllen selig werden" (Ap. 4, 12). Dinn .,, es ist nur ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den MenTchen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, daß solches zu seiner Zeit gepredigt würde" (1. Tim. 2, 5. 6). Wer nun in der ganzen weiten Welt von Sünde, Tod und Hölle erlöft sein und Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit erlangen will, der muß alle andern Religionen und Religionsstifter, alle anderen Propheten und Geister, auch den Papst in Rom und die Träume seines eigenen Herzens fahren lassen, und hören, was Jesus Christus ihm zu sagen hat, der muß das Evangelium hören, es annehmen, es glauben und im Bekenntnis desselben bis an sein Ende verharren. Denn nun gilt in alle Ewigkeit das Urteil: „Wer da glaubt und getauft wird, der mird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden" (Mark. 16, 16). Das ist deutlich genug geredet, daß auch ein Kind es verstehen kann.

Als die Jünger daher von ihrem Schreden, der ihr Herz überwältigt hatte vor dem feierlichen Gottesspruche aus der Wolte hernieder, sich wieder erholten und ihre Augen aufschlugen, fahen sie niemand als Jesum allein. Moses war verschwunden, Elias war in seine ewige Heimat zurüdgelehrt, und in der weiten Welt stand niemand vor ihren Augen da als Jesus allein.

Auch vor deinen Augen, mein Zuhörer, foll Tag und Nacht, in Gesundheit und in Krankheit, im Leben und im Sterben niemand als Prophet, Hohepriester und König dastehen denn Jesus allein. ber weißt du von einem andern, auf welchem das Wohlgefallen des ewigen Gottes ruht? Weißt du von einem andern, der den Zorn Gottes über dich versöhnt, sein Leben für dich niedergelegt und dir einen freien, offenen Zugang zur Gnade Gottes, zum ewigen Leben bereitet hat? Ich weiß keinen zu nennen. Wenn Jesus hier endlich seinen Jüngern verbietet, auszubreiten, was sie gesehen hatten, weil es von den Schwachen jeßt noch misverstanden worden wäre, so galt das doch nur bis nach seiner Auferstehung. Nachdem diese geschehen und Jesus durch seine Erniedrigung hindurch zu seiner Herrlichkeit eingegangen war, da haben sie es mit Jauchzen verkündigt, wie wir in der ersten Epistel des Petrus sehen. Und wenn wir im Glauben seine Herrlichkeit

« ͹˹Թõ
 »