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sehen, eine Herrlichkeit, als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit, so wollen auch wir unser Lebenlang nicht schweigen, sondern verkündigen die Tugenden dessen, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte.

Lieber Herr Jesu, Sohn des hochgelobten Gottes, bei dir ist gut sein. Gieb uns deine Gnade, daß wir dich hören und dir folgen, damit wir nicht wandeln in Finsternis; denn du bist das Licht der Welt. Verkläre dich durch deinen Geist in unsern Herzen, damit auch unser Mund und unser Wandel dich verklare vor der Welt. Derhalte uns in deiner Liebe, auf daß wir einst deine Herrlichkeit schauen, die der Vater dir gegeben, in emiger Freude und seligem Lichte. Amen.

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eliebte im Herrn! Ein Mensch hatte zwei Söhne, fo

hebt unser Heiland in dem wundervollen Gleichnisse von

dem verlornen Sohne an. Der jüngste verlangte eines Tages vom Vater sein Erbteil. Der Vater willigte ein und gab es ihm. Bald darauf nahm der eigenwillige Sohn au sein Eigentum zu sich, indem er es zu Geld machte, und zog in ein anderes Land, wo er in kurzer Zeit sein ganzes Vermögen durch Saufen, Fressen und Huren verschleuderte. Zu allem Unglüc trat jeßt auch eine große Teurung in demselben Lande ein; er fing bald an zu hungern und war froh, als er durch Säuehüten für einen Bürger des Landes fich das Notdürftigste erwerben konnte. Doch auch das war bald am Ende, und er mußte in seiner Not weder ein noch aus. Da schlug er endlich in sich. Seine Undankbarkeit, sein Leichtsinn, sein Lasterleben fiel ihm schwer aufs Herz, indem er sich erinnerte, wie gut er es daheim gehabt hatte, wie gut es sogar die Tagelöhner noch jeßt bei seinem Vater hätten; und er entschloß sich rasch, umzukehren und seinem lieben Vater reumütig sein Unrecht zu bekennen und abzubitten. Gesagt, gethan.

Als er heim tam, sah ihn schon das suchende Auge des Vaters von ferne; da wallte das väterliche Herz über vor Mitleid, er lief feinem Sohne entgegen, fiel ihm um den Hals, füßte und herzte ihn mit Ihränen der Freude. Dem Sohne war das Herz nicht minder voll, aber von Scham und Reue, er tonnte es nicht lassen, er mußte seine Schuld bekennen: Vater, ich habe gesündigt in den Himmel und bor dir, und bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße. Aber in der überströmenden Freude seines Herzens nahm der Vater sich gar nicht einmal Zeit, auf sein Schuldbekenntnis zu antworten, sondern rief gleich seinen Knechten zu: Bringet das beste Kleid hervor und thut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb hervor und chlachtet es; laßt uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

Als der ältere Sohn das hörte, der zu Hause geblieben war, nichts berschwendet, sondern alles zusammengehalten und im Dienste feines Vaters gearbeitet hatte, da wurde er zornig und woûte sich an dem Freudenmahle nicht beteiligen. Er wagte sogar seinem Vater zu sagen: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bod gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber dieser dein Sohn getommen ist, der sein Gut mit Huren verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. Der Vater aber wies ihn zurecht mit den Worten: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und gutes Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren, und ist wieder gefunden worden.

Mit diesem Gleichnis stellt Christus uns in einem lebendigen Bilde anschaulich vor, wie überschwenglich bereitwillig der himmlische Vater ist, uns verlorne Sünder wieder zu Gnaden anzunehmen, wenn wir nur in uns schlagen und umkehren wollen; wie undankbar, lohnsüchtig, neidisch und lieblos hingegen das menschliche Herz ist, daß wir billig barob (chamrot werden sollten. Auf dieselbe wichtige Lehre läuft Das Gleichnis hinaus, welches unserer Betrachtung in unserm heutigen Evangelio vorliegt. Laßt uns also unter dem Beistande des Heiligen Geistes erwägen:

Die Arbeiter im Weinberge des Herrn;

und zwar

1. Ihre Tages a r beit; und II. Ihren Feierabend.

I.

W. 1-7. Das Himmelreich ist gleich einem Ha u svater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, fandte er sie in einen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markte müßig stehen und sp r a ch zu ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Aber mal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und that gleich also. um die elfte Stunde aber ging er a us und fand andere müßig ft e hen und sprach zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag müßig?, Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach 3 u ihnen: Gehet ihr auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werde n.

Petrus hatte den Herrn gefragt: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt, was wird uns dafür? Jesus hatte ihm versichert, es folle ihnen alles reichlich wieder vergolten werden, ja hundertfältig sollten sie es wieder nehmen und das ewige Leben ererben. Aber dann hatte er die Warnung hinzugesetzt: Viele, die da sind die ersten, werden die legten, und die lebten werden die ersten sein. Den Geist der Lohnsucht wil er mit Stumpf und Stiel aus den Herzen seiner Christen ausrotten. Darauf zielt er auch mit diesem Gleichnis, welches er gleich darauf folgen läßt. Da bergleicht er das Himmelreich, das Reich Gottes auf Erden, mit einem Hausvater, der einen Weinberg hat und zu berschiedenen Zeiten des Tages Arbeiter in denselben mietet und ihnen am Feierabend nach seiner Weisheit, Gerechtigkeit und Güte vergilt.

Der Hausvater also ist Gott, und sein Weinberg ist seine Kirche auf Erden. Diese wird in der Heiligen Schrift sehr häufig mit einem Weinberge berglichen. So heißt es z. B. Jes. 5: „Gott hat einen Weinberg an einem fetten Ort. Und er hat ihn berzäunt und mit Steinhaufen berwahrt und edle Reben brein gesenkt. Er baute auch einen Turm drinnen und grub eine Kelter drein; und wartete, daß er Trauben brächte, aber er brachte Herlinge. Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas feine Pflanzung, daran er seine Lust hatte. Wohlan, ich will euch zeigen, was ich meinem Weinberg thun will. Seine Wand foll weggenommen werden, daß er verwüstet werde, und sein Zaun soll zerrissen werden, daß er zertreten werde. Ich will ihn wüste liegen lassen, daß er nicht geschnitten noch gehadt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolfen gebieten, daß sie nicht darauf regnen.“ Dieser Weinstod muß gepflanzt, gedüngt, gehadt, geschneitelt, begossen, gewinzert und verwahrt werden, soli er die Frucht bringen, die Gott und Menschen gefällt. Die Arbeiter, die Gott für diesen Weinberg dingt, find also zunächst die Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer, Erzieher und Elterr., „, die ba zugerichtet sind zu dem Werke des Amtes, dadurch der Leih Christi er

baut werde" (Eph. 4, 11. 12). Zu der Zeit, als unser Heiland dieses Gleichnis redete, waren es die Hohenpriester, Priester, Schriftgelehrten, Pharisäer, Leviten, Aeltesten, Lehrer und Eltern. In so fern aber im Reiche Gottes einer dem andern in der Liebe dienen und einer des andern Laft tragen soll, einer dem andern nicht ärgerlich, fondern förderlich sein und ein Glied dem andern Handreichung thun fou, ift jeder, der durch die Predigt des Wortes Gottes zur Gemeinschaft der Heiligen berufen wird, auch ein Arbeiter in diesem Weinberge.

Am Morgen ging der Hausvater aus und mietete Arbeiter in seinen Weinberg und als er mit ihnen eins geworden war um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie ans Werf. Wie das geschah, berichtet uns Mojes, der Knecht Jehovahs und Mittler des alten Bundes, wo er uns erzählt, wie Gott mit Israel, den Nachkommen Abrahams, Isaats und Jakobs, am Sinai den Bund des Geseges schloß, sie zum Volt seines Eigentums annahm und sie an die Arbeit stellte, die Gebote von der Liebe Gottes und des Nächsten, von den Gottesdiensten und Opfern, von den reinen und unreinen Speisen, den heiligen Zeiten und Festen, den Fasten und Maschungen und andern heiligen Handlungen und Zeremonien zu erfüllen. Was er ihnen dabei versprach, das waren seine Wohlthaten und Segnungen, sein Reich, sein Messias.

Aber ach! wie viele standen nicht noch müßig am Markte! Denn mer außerhalb der Bürgerschaft Israels und fremd von den Testamenten der Verheißung ist, wer ohne Gott in der Welt lebt, und von dem Erlöser der Welt nichts weiß oder wissen will, der mag thun, was er will, und wenn er auch die Welt umgestaltete und vor Menfchenaugen in allen Tugenden strahlte, so ist doch au sein Thun und Wirken, seine schweißtriefende Mühe und ruhmvolle Laufbahn vor Gott lauter Müßiggang und schlimmer als Müßiggang; denn „was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde" (Röm. 14, 23). Darum ist der Hausvater in seiner ewigen Erbarmung zu verschiedenen Seiten im Laufe der Jahrhunderte ausgegangen und hat viele andere, die am Markte der Welt müßig standen, zur Arbeit in seinen Weinberg gerufen, ohne erst mit ihnen den Bund des Gesetes geschlossen und ihnen den Messias verheißen zu haben. Das that er z. B. durch das Zeugnis Mofis, Aarons und Israels in Aegypten, wodurch viele Aegypter für den Gott Israels gewonnen wurden; durch die Einnahme Kanaans, wobei die Gibeoniten in den Bund des Voltes Gottes mit aufgenommen wurden; durch die Gefangenschaft der Juden in Babel, wodurch den Assyrern und Persern die Verheißungen Gottes nahe ge

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