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ersten gezählt werden? Da wir die Predigt des Evangeliums von der vollbrachten Versöhnung Gottes hören, so sind wir mit unter den vielen Berufenen des neuen Bundes. Mollen wir nicht auch zu den wenigen Auserwählten gehören? Wollte Gott, daß wir alle, alle dazu gehörten! Wohlan, hütet euch, geliebte Zuhörer, wie vor dem Teufel selbst vor dem Geiste der verfluchten Lohnsucht und Selbstgerechtigkeit, vor dem Neid und der Scheelsucht. Lernet durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gründlich verstehen, was es heißt: „Uus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben; und dasselbe nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme“ (Eph. 2, 8. 9). Die Kirche Jesu Christi, das Reich Gottes, die Gemeinschaft der Heiligen ist vom Grundstein bis zur Turmspiße ein Reich der Gnade, und wer nicht von Gnade leben will, der bleibt emiglich draußen. Sind wir aber durch den Glauben an die Gnade Gottes in Christo Jeju drinnen, o so laßt uns auch arbeiten im Weinberge des Herrn mit aller Kraft und des Tages Last und Hiße tragen mit aller Geduld aus brünstiger Liebe zu unserm Herrn und Heilande Jesu Christo, der uns erst geliebt hat, aus inniger Dankbarkeit gegen unsern himmlischen Vater, der uns zum Erbteil der Heiligen im Lichte berufen hat. „Lasset uns Gutes thun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten ohne Aufhören" (Gal. 6, 9). Wenn einst der große Feierabend auch des neuen Bundes tommt, wo die ganze Kirche Gottes auf Erden Hade und Winzermesser niederlegt und vor dem großen Schaffner im Lichte erscheint, wie süß wird dann die Ruhe nach des Lebens Last und Mühe, Hike und Anfechtung sein, wie herrlich wird die Freude an dem überschwänglichen Gnadenlohne sein für alle diejenigen, welche auf Gnade gelebt, gewirkt und gelitten haben!

großer Gott der Gnade, siehe nicht an unser Verdienst; denn wir haben den Tod verdient. Gieb uns nicht, was unsere Thaten, auch die besten, wert sind, sondern schenke uns Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit aus ewiger Erbarmung um Christi willen. Gieb uns auch Mut und Kraft, Geduld und Freudigkeit, in dem Meinberge deiner Kirche auf Erden dir und unserm Nächsten in der Liebe zu dienen und im Schweiße unseres Angesichtes unverdrossen mitzuhelfen, daß dein Weinberg über die ganze Erde ausgebreitet werde, zur ewigen Seligkeit vieler unsterblicher Seelen und zum Preise beines herrlichen Namens! Amen.

Am Sonntag Seragesimä.

Lutas 8, 4-15.

I

n dem Herrn Jesu Christo geliebte Zuhörer! Zweierlei

falsche Vorstellungen sind es, welche sich die fündigen MenIchen oft von Gott machen, und die eine führt zur fleisch

lichen Sicherheit, die andere zur Verzweiflung. Die erste, welche zur fleischlichen Sicherheit führt, ist die der Unitarier, Univerfalisten, Rationalisten oder Vernunftgläubigen und der nichtsgläubigen Weltmenschen, wie auch der meisten geheimen Gesellschaften, die Religion treiben. Sie stellen sich Gott als einen schwachen Vater vor, der selber nicht recht weiß, was er wil, und so sehr von lauter Liebe und Güte und Barmherzigkeit schmaßt und trieft, daß er auch den ärgsten Spißbuben, der Christum gelästert, die Kirche verfolgt, Witwen und Waisen beraubt, Vater und Mutter gemordet, Ehe und Keuschheit in den Kot getreten und sein Leben lang den Mammon angebetet hat, nicht strafen kann, sondern, wenn er seine ich mußige Seele aushaucht, mit offenen Armen in den Himmel aufnimmt und gar nicht daran denkt, Gericht zu halten und eine Hölle zu bauen. So leben sie denn sicher und froh, hochmütig und unbußfertig dahin, vollbringen die Lüste ihres Fleisches und betrügen ihre arme Seele mit der falschen Hoffnung, daß Gott viel zu gut sei, als daß er eins von seinen lieben Kindern, wie sie sich nennen, verdammen, ins ewige Feuer berstoßen könnte. Gottes Wort sagt uns allerdings: „Gott ist Liebe"; es nennt ihn den Vater der Barmherzigkeit, den Gott alles Trostes; ja das ganze Evangelium ist weiter nichts als eine laute Verkündigung, daß Gott ist „barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da bewahret Gnade in tausend Glieder und bergiebt Missethat, Uebertretung und Sünde" (2. Mo. 34, 6. 7). Aber solche Leute vergessen, den Vers an der eben angeführten prophetifchen Stelle zu Ende zu lesen; denn da folgt noch: „Und vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missethat der Väter heimsucht auf Ainder und Kindestinder bis ins dritte und vierte Glied.“ Sie vergessen, daß Gott „nicht ist ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt, und wer böse ist, nicht vor ihm bleibt“ (P. 5, 5). Sie bergessen, daß er gegen die Sünde ,,ein verzehrend Feuer und ein eifriger Gott ist" (5. Mos. 4, 24), dessen „Zorn hinunterbrennt bis in die unterste Hölle“ (5. Moj. 32, 22).

Die andere falsche Vorstellung von Gott, die zur Verzweiflung führt, ist die der römisch-katholischen Kirche. Denn ihre Päpste, Priester und Pfaffen malen dem Volke Jesum Christum, in welchem doch „die Freundlichkeit und Leutseligkeit unseres Gottes erschienen ist" (Tit. 3, 4), unter dem Bilde eines schredlichen Richters vor, der auf den Wolken des Himmels fißt mit Flüchen auf den Lippen und mit dem flammenden Schwerte des göttlichen Zornes in der Hand. Rein Wunder, daß zitternde Gewissen bei solcher Predigt mit Entsegen vor dem, der doch ihr Heiland und Tröster sein soll, fliehen und ihre Zuflucht zu seiner Mutter und andern Heiligen nehmen, oder sich ganz der Verzweiflung in die Arme werfen.

Wollen wir also zur wahren und heilsamen Erkenntnis Gottes gelangen, so müssen wir ihn so im Glauben anschauen lernen, wie er fich uns in Christo offenbart hat, nämlich als den Gott heiliger Liebe, der aus ewigem, unergründlichem Erbarmen alles gethan hat, thut und thun will, um den verlorenen Sünder zu retten und selig zu machen, der aber auch von dem Sünder sich nicht spotten läßt. Hierauf führt uns unser heutiges Evangelium, welches uns eine sehr ernste Predigt thut über

Das Gericht der Verstockung.

1. Ueber wen es ergeht;
II. Wie wir ihm entfliehen können.

I.

V. 4-10. Da nun biel Volts bei einander war und aus den Städten zu ihm eileten, sprach er durch ein Gleichnis : Es ging eir Säe ma nn a u S, zu fäen seinen Samen. Und indem er säete, fiel etliches an den Weg und ward vertreten, und die Vögel unter dem Himmel fra Ben's a uf. Und etlidhe s fiel auf den Fels; und da es aufging, ber dorrte es, darum daß es nicht Saft hatte. Und etliche s fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erst iďten's. und etliches fiel auf ein gut Land; und es ging auf und trug hundertfältige Frucht.

das

er

sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis wäre. Er aber sprach: Euch ist's gegeben, zu wissen das Geheimnis des Reiches Gottes; den andern aber in Gleichnissen, daß sie es nicht sehen, ob sie es schon sehen, und nicht ber ft e hen, ob sie es schon hör e n.

Als unser Heiland sich durch den mordsüchtigen Unglauben seiner Landsleute aus seiner Heimatsstadt Nazareth vertrieben sah, machte er die Stadt Kapernaum, die am Nordwestufer des Sees Genezareth lag, auf längere Zeit zu seinem Aufenthalt. Hier in der Synagoge, die der römische Hauptmann erbaut hatte, wie auch am Ufer des Sees unter freiem Himmel predigte er nun gewaltig das Evangelium von dem Reiche Gottes und that herrliche Wunderwerke zur Bestätigung seiner Lehre. Von Kapernaum aus machte er auch verschiedene Predigtreisen nach allen Richtungen hin. Und bei dieser Wirksamkeit hatte er, wie es schien, mächtigen Erfolg. Denn die Bewegung im Volte und der Zudrang der Menge wurde immer größer, und das Reich Gottes schien mit großer Kraft das ganze Volk erobern zu follen.

Hierauf begab sich Jesus eines Tages wieder ans Meer, und die Leute eilten wieder zu Hunderten und Tausenden zu ihm, so daß er, wie die andern Evangelisten erzählen, in ein Schiff treten und von da aus zum Volte reden mußte. Und nun fängt er an, auf eine andere Weise als bisher zu predigen, nämlich nicht mit einfachen, klaren Wors ten der Lehre, sondern durch Gleichnisse, durch Bildreden. Er nahm irdische Dinge, die jedermann bekannt sind, her und bildete durch sie himmlische Dinge ab, die uns Sündern Geheimnisse sind und Geheimnisse bleiben, wenn nicht eben er, der Mensch gewordene Sohn aus dem Schoße des himmlischen Vaters, sie uns offenbart. Die erste derartige Gleichnisrede war folgende:

Ein Adermann hängt seinen Sad mit Saat um die Schulter und geht hinaus, den Samen aufs Feld zu streuen. Der Same ist gut und überall derselbe, und doch folgte eine vierfach verschiedene Ernte. Bei dem Säen nämlich fällt ein Teil der Saatförner auf einen breit und hart getretenen Weg, und da wächst gar nichts. Warum? Weil der Same obenauf liegen bleibt und die hungrigen Vögel ihn alsbald wegfressen. Ein anderer Teil der Saat fällt auf einen Felsen, der nur mit einer geringen Schicht Erde bedeckt ist. Da keimt und sprießt die Saat wohl und die grünen Halme schießen in die Höhe, aber bald fängt alles an zu welten und verdorrt, und es kommt zu feiner Frucht. Warum nicht? Weil die Wurzeln nicht in den dürren, harten Felfen bringen können und das bischen Saft, welches die dünne Erdschicht hatte, gar bald von der Sonne berzehrt ist. Ein dritter Teil des Samens fällt auf einen Boden, der nicht hart getreten und nicht steinigt ist, wohl aber voller Keime und Wurzeln von allerlei Dorngestrüppe. Hier kann der gute Same wohl seine Wurzel tief hinuntersenden, auch findet er Saft genug, aber die Dornen wachsen noch schneller, breiten sich aus, verdrängen, unterdrüden und erstiden ihn, und so kommt es abermal zu keiner Ernte. Ein vierter Teil des Samens endlich fält auf ein gutes Land, und siehe! da geht er auf und trägt hundertfältige Frucht, zur großen Freude des Adermanns. Warum? Weil er hier in den aufgeweichten Boden hineinfält, tief einwurzeln und unter dem Sonnenschein und Regen des Himmels frisch und frei und fröhlich in die Höhe wachsen kann. Zum Schluß dieser seiner mertwürdigen Bildrede ruft unser Heiland: Wer Dhren hat zu hören, der höre!

Wir haben Dhren; laßt uns hören und zu Herzen nehmen, was der große Prophet, der nicht von sich selber redet, sondern was er vom Vater gehört hat, uns hiermit sagen will!

Was ist der Grund und die Absicht, warum Jesus in Gleichnissen redete? Um es kurz zu sagen: Seine Absicht dabei war zweierlei: er wollte die himmlische, seligmachende Wahrheit enthüllen und zugleich berhüllen, je nach der Stellung der Hörer, die sie gegen ihn und sein Wort einnahmen. Er betet zu seinem Vater (Matth. 11, 25 ff): ,,Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Meisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir." Dem Vater im Himmel ist es von Ewigkeit her wohlgefällig gewesen, die Geheimnisse des Reiches Gottes denen, die in ihrer eigenen Weisheit und Klugheit der Ewigkeit entgegen gehen wollen, zu verbergen; hingegen den Unmündigen, den Einfältigen, den Kindlichen, den Demütigen sie zu offenbaren; und woran der Vater sein Wohlgefallen hat, daran hat der Sohn seine Freude. Darum fährt er zu den Umstehenden fort: „Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn wil offenbaren." Wem will es denn der Sohn offenbaren? Er ruft: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquiden. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr

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