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53, 6): „Der Herr warf unser aller Sünde auf ihn", und die Folge war, daß er gestraft und gemartert ward".

Der Herr aller Herren, der große Jehovah, der allmächtige, heilige, gerechte Gott, der Richter der Lebendigen und der Toten, der ewige Vergelter für Menschen und Engel, dem ein jeglicher Rechenschaft schuldig ist, der allein zu entscheiden hat, was Sünde und nicht Sünde ist, der allein zu bestimmen hat, das mit dem Sütider und seiner Mifsethat geschehen sold, der Herzen und Nieren erforscht und auch die verborgensten Regungen der menschlichen Seele sieht, der mit der verdienten Strafe auch den mächtigsten Sünder heimsuchen kann und nicht den leisesten unreinen Gedanken ungestraft lassen wird, - dieser einzig wahrhaftige Gott warf unser aller Sünde auf den, der da im Garten unter dem nächtlichen Himmel bor fein Angesicht hintritt als Bürge und Stellvertreter des ganzen menschlichen Geschlechtes. Und was ist die Sünde?

Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes, des Gottes, der die Liebe ist, der die ganze Welt aus überströmender Liebe ins Dasein gerufen hat, der sie aus unermeßlicher Liebe versorgt und beschüßt und ihr aus grenzenloser Wohlthätigkeit ein Leben in Unsterblichkeit und Freude zugedacht hat. Sie ist eine Beleidigung des heiligen Gottes, vor welchem selbst die Himmel nicht rein sind, bem gotiloses Wesen nicht gefällt und vor dem der Böse nicht bleiben wird, dessen Zorn über alle Ungerechtigkeit hinunterbrennt bis in die unterste Hölle, der die Sünde verflucht und verdammt, weil er gerecht ist. Schon gleich der erste Stammbater des menschlichen Geschlechtes hat gesündigt und die ganze Menschheit, die aus ihm erwassen ist, in den Abfall von Gott mithineingerissen. Gleich sein erstgeborner Sohn wurde zum Brudermörder. Bald war die ganze Welt so in Sünde bersunken, daß Gott fie durch eine allgemeine Wasserflut vertilgen mußte. AIS. die neue Menschheit wieder wuchs, bersant sie aufs neue in Sünde, Abgötterei und Heidentum, in schändliche Empörung, in unflätige Greuel, und fant tiefer und tiefer bis auf die Zeit Christi, und fint noch heute und wird sinken, bis Gott abermal der ganzen Welt ein Ende macht, und zwar diesmal durch Feuer. Und von solchem sündlichen Verderben ist nicht ein Volt, nicht ein Land, nicht ein Mensch weder Mann noch Weib, weder Kind noch Greis, weder Fürst noch Bettler ausgenommen. „Es ist hier kein Unterschied, sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den sie an Gott haben sollten" (Röm. 3, 23). „Der Herr schauet vom Himmel auf der Menschen Kinder, daß er sehe, ob jemand flug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig; da ist keiner, der Gutes thue, auch nicht einer“ (Ps. 14, 2. 3). Und jeder einzelne Mensch hat mit jeder einzelnen Sünde den Tob, den emigen Tod von dem Angesichte des Herrn, verdient; denn „verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in allem, das geschrieben steht im Buche des Gesekes, daß er es thue" (Gal. 3, 10). Und welcher endliche Geist bermag zu ermessen, was es heißt, von Gott verflucht zu sein! Aber stimme ein jauchzendes Triumphlied an, meine Seele! Denn der Herr warf unser aller Sünde auf ihn! Er nahm sie uns ab und warf sie auf ihn, auf ihn! Alle Abgötterei, Lästerung, Sabbatschändung, Verachtung der Eltern, Aufruhr und Empörung, Mord und Todschlag, Ehebruch und Hurerei, Diebstahl und Raub, Lüge und Verleumdung, Meineid und Sodomiterei und alle die tausend Greuel, in deren Unflat das menschliche Geschlecht bis an das Herz hinein watet, mitsamt dem ganzen erbsündlichen Verderben des menschlichen Herzens, woraus alle Greuel und Laster entspringen, Gott selbst hat es alles von uns genommen und auf Jesum, seinen einigen Sohn, geschleudert. Das ganze Alpengewicht, die ganze Bergeslast aller Sündenschuld von Adams berderblichem Fruchtgenuß an bis auf die leiseste unreine Herzensregung des legten der vor dem jüngsten Tage geboren werden wird, hat Gott von unserer Seele abgewälzt und auf die unschuldigen Schultern dessen gerollt, der in Gethsemane zittert. Ihin allein rechnet er alles zu, als hätte er allein alle Frevel begangen, als wäre er der einzige Sünder unter dem Himmel. Ihn fordert er vor sich zur Rechenschaft; mit ihm geht er deswegen nach aller Strenge seines gerechten Geseßes ins Gericht; über ihn spricht er dafür den verdienten Fluch aus. Ueber ihn läßt er daher auch den Donner seines gerechten Gerichtes herabrollen, ihn verstößt er von seinem Angesicht, ihn läßt er den gedrohten Tod in seiner ganzen Bitterfeit und Giftigkeit fühlen, ihn läßt er den Kelch des emigen Zornes bis auf den letzten Tropfen austrinken. Schauerlich! schauerlich! Schredlich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!

Kein Wunder, daß unser Bürge anfängt zu trauern, zu zittern und zu zagen, daß ihm der Notichrei entfährt: „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod!" Kein Wunder, daß er sich dreimal hintereinander von seinen Jüngern losreißt und in der Einsamkeit sich vor seinem himmlischen Vater, dem zornigen Richter, auf sein Angesicht zur Erde nieder wirft und in unaussprechlicher Angst seiner Seele stöhnt: „Vater, willst du, fo nimm diesen Relch bon mir!" Ist es möglich, dem menschlichen Geschlechte feine Sünde zu bergeben, es aus der Gefangenschaft des Fürsten der Finsternis zu erlösen, ihm das ewige Leben zu schenken, ohne daß ich das bittere Gift des Todesbechers austrinke, so erlaß mir den höllischen Trunk! Kein Wunder, daß er bei den steigenden Schreden des Gerichtes, die über ihn losges brochen sind, während der Stachel des Todes immer tiefer und immer grausamer in seine Seele dringt, blutigen Schweiß ichwißt und sogar seine Jünger bittet, sie sollen mit ihm beten. Aber seine Jünger schlafen. Er ringt und kämpft, betet und fleht, leidet und blutet allein, ganz allein: „Ich frete die Kelter allein und ist niemand unter den Völkern mit mir", spricht der Messias bei dem Propheten (Jes. 63, 3). Und wie unbeschreiblich lieb auch der Vater den Sohn hat, wie schmerzlich auch seine menschliche Natur in ihrer Unschuld und Zartheit vor dem Grauen des Todes und den Mächten der Finsternis zurüdschaubert, Gott läßt den bittern Kelch nicht an ihm vorübergehen, er muß ihn austrinken bis auf den Boden; er muß den Stachel des Todes, fo lang und scharf und giftig er ist, sein zitterndes Herz durchstechen und die ewige Qual der Verdammten über sich zusammenschlagen lassen. Es war also nicht möglich, selbst für den allmächtigen Gott nicht, uns auf andere Weise von der Sünde und dem ewigen Tode zu erlösen als durch das Leiden und Sterben des einigen Sohnes Gottes. „Rann doch ein Bruder niemand erlösen noch ihn Gotte versöhnen; denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlösen, man muß es anstehen lassen erdiglich" (P. 49, 8. 9). Dwelch ein greuliches Ding muß unsere Sünde fein in Gottes Augen! Wie muß doch das innerste Herz Gottes in heiligem Hasse gegen das Böse glühen! Welch ein verzehrendes Feuer muß sein Zorn über den Verdammten sein!

Doch lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Jesus weicht nicht! Jesus wanft nicht! Er trinkt den Kelch, und weigert sich nicht! „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“! spricht er zu seinem zürnenden Vater. Und durch diese volkommene Beugung seines Willens unter den heiligen Willen Gottes hat er wieder gut gemacht, was das menschliche Geschlecht durch seinen Ungehorsam gegen Gottes Willen verdorben hat. Durch diesen bolikommenen Gehorsam des einen Jesus, der Gott gehorsam wurde bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuze, ist die ewige Gerechtigkeit für die ganze Welt erworben worden. Denn obwohl Gott ihm den vollen Todestelch einschenkt und ihm nicht einen Tropfen davon erläßt, fo sendet er ihm doch einen Engel, der ihn stärkt, als eine frohe Verheißung des endlichen ewigen Sieges über Sünde, Tod und Hölle. Die Sünde ist also gebüßt, der Zorn Gottes ausgelöscht, der Himmel aufgethan. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat! Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig zu nehmen Lob, Preis und Anbetung! Amen.

Am Sonntag Invocavit.

Matth. 4, 1-11.

G

eliebte im Herrn! Als Gott Himmel und Erde und

alles, was darinnen ist, geschaffen hatte, da sah er an alles,

was er gemacht hatte, und siehe da, nach Gottes eigenem Urteil war alles sehr gut. Also auch der Mensch, die Krone der ganzen Schöpfung, war sehr gut. wäre er fo geblieben! Wie so ganz anders stünde es dann um das menschliche Geschlecht! Gott hatte den Menschen zu seinem Bilde gemacht und ihn an seiner Stelle zum Haupt über die ganze sichtbare Schöpfung geseßt. Der Mensch war von Gott, durch Gott und zu Gott geschaffen. Darum fürchtete er Gott mit findlicher Furcht über alle Dinge; Gott und seine Heiligkeit lag ihm beständig in Gedanken, stand ihm immer vor Augen. Er liebte Gott mit herzinniger Liebe über alle Dinge, und in seinem Herzen sang es: Herr, wenn ich nur dia; habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil! Er vertraute auf Gott mit fröhlicher Zuversicht über alle Dinge, wie der Säugling an der Brust seiner Mutter auf diese, daß nicht der leiseste Schatten einer ängstlichen Sorge über den heiteren Spiegel seiner Seele flog. Die Folge von dem allen war voditommener Friede mit Gott, unbestrittene Herrschaft über alle Kreaturen und eine selige Unsterblichkeit für alle Zukunft. O wäre doch der Mensch in diesem Zustande geblieben!

Aber der Versucher trat an ihn heran, und er fiel. Gott stellte dem herrlichen Geschöpfe, das am legten aus seiner Hand hervorgegangen war, durch das Verbot eines besonderen Baumes im Paradiese eine Probe, um zu sehen, ob er mit freiem Entschlusse seines Willens sich gehorsam unter Gottes Willen beugen und also Gotte feinen Dant für die Wohlthat der Schöpfung an den Tag legen werde. Das listigste Tier auf dem Felde, eine Schlange, als Werkzeug benußend, schlich sich an den Menschen der Fürst der Finsternis heran. Er war als ein herrlicher Engel von Gott er chaffen, aber aus freien Stüden von ihm abgefallen. Mit Gottes Fluche beladen, hafte er ießt Gott und seine Geschöpfe mit grimmigem Hasse und beneidete den

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