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Am fünfzehnten Sonntag nach

Matth. 6, 24-34.

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eliebte im Herrn! Das menschliche Herz ist ein

Schlund, den nichts unter dem Himmel ausfüllen kann.

Es hat einen Hunger, einen Durst, den nichts Erschaffenes stillen kann. Es wird von einer Unruhe umhergeworfen, von einem Verlangen gejagt, von einer Sehnsucht getrieben, die teine Kreatur zu beschwichtigen vermag. Es ist einem Fasse gleich, das keinen Boden hat; wenn es auch Himmel und Erde verschlänge, so würde es doch nicht satt sein. Denn von Gott und durch Gott und zu Gott sind alle Dinge, sonderlich der Mensch, und seine Seele ist so geschaffen, daß fie durch nichts als durch Gott selbst zufrieden gestellt werden kann. So sagt daher der alte Kirchenvater Augustinus: „Unsere Seele ist unruhig, o Gott, bis sie ausruhet in dir!" Und David betet (PT. 42, 2. 3): „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürftet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Mann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue!"

Bliđen wir um uns! Woher das unruhige Treiben und Jagen, Arbeiten und Schwißen, Mühen und machen, Sorgen und Seufzen, Laufen und Rennen, das kein Ende zu nehmen scheint? Niemand ist zufrieden, alle suchen etwas. Ist der eine Wunsch erfüllt, so bewegen schon hundert andere wieder das Herz. Ist der eine Plan hinausgeführt, so schmiedet der ruhelose Geist schon wieder zehn neue. Ist das eine Ziel erreicht, so schaut das begehrende Auge schon wieder in weitere Ferne hinaus. Und so geht die rastlose Jagd immer von neuem an. Und wenn die Seele nicht die wahre Befriedigung gefunben hat, ehe sie ihren Abschied vom Leibe und von dieser Welt nimmt, so muß sie ewig verschmachten. Nur in dem, der sie für sich geschaffen hat, in Gott, findet die unsterbliche Seele des Menschen, wie gesagt, wahre, volkommene, ewige Sättigung. Darum singt David (PF. 16, 5): „Jehovah ist mein Erbteil und mein Becher." Und Afaph ruft jauchzend aus (P. 73, 25. 26): „Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leibund Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil!"

Dieses unendliche Sehnen und Verlangen des menschlichen Herzens, das in nichts Irdischem Ruhe finden kann, ist etwas von Gott ihm Anerschaffenes und darum gut. Es kommt aber alles darauf an, worauf sich dieser Hunger richtet, womit das Herz feine Sehnsucht zu stillen trachtet. Macht es die Kreatur, die bergänglichen Güter dieser Erde zum Gegenstand seines Verlangens, so macht es diese zum Mammon und treibt Abgötterei, die ins Verderben führt. Und davor will unser Heiland in dem verlesenen Abschnitte uns warnen. Wir betrachten also den Ruf:

Sorget nicht für den andern Morgen!

Wir fragen
I. Warum nicht ? und
II. Wie geht das?

I, V. 24. Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er id ird den einen hassen und den an: dern lieben; oder wird dem einen anhangen und den andern berachten. hr fönnt nicht Gott dienen und dem Mam mo n.

V. 25. Darum sage ich euch : Sorget nicht für euer Leben, was ihr eien und trinken werdet; a uch nicht für euren Leib, was ihr anziehen merbet. Ist nicht das Leben mehr, denn

benn Sie Speise, und der Leib mehr, denn die Kleidung?

V. 26. Se het die Vögel unter dem Himmel an: fie fäen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? V. 27.

Wer ist unter euch, der seiner länge eine Elle zu feßen möge, ob er gleich darum forget!

V. 29–30. und warum forget ihr für die Kleidung ? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie machen; fie arbeiten nicht, a uch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewere'n ist, als derselbigen ein s. So Denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Dien gewor : fen wird: follte er das nicht viel mehr euch thun? Dihr Kleingläubigen!

Niemand kann zugleich zweien Herren dienen, die wider einander sind. Denn das menschliche Herz ift eins, und kann daher nur einen lieben, einem anhangen, einem sich hingeben. Gott ist auch nur einer und will das Herz für sich haben, er will es ganz haben, er will es allein haben. Darum sagt er (Spr. 23, 26): „Gieb mir, mein Sohn, dein Herz!" Darum gebietet er (2. Mose 20, 2. 3): „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“ Wir sollen also ihn, unsern Schöpfer, Erlöser und Tröster, über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Wer nun den Verlust irdischer Güter mehr fürchtet als den Verlust der Gnade Gottes; wer brünstiger ist in seinem Trachten nach irdischen Gütern als in seinem Trachten nach der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt; wer sich beruhigter fühlt in dem Bewußtsein, daß er irdische Güter befißt, als in dem Gedanken an die Verheißungen Gottes, der macht die irdischen Güter zum Mammon, zum Gößen, und wirft Gott in feinem Herzen vom Throne; der liebt den Mammon und haßt Gott; der hängt dem Mammon an und berachtet Gott. Denn Gott will tein geteiltes Herz, sondern er will es entweder ganz haben oder gar nicht. Da nun das Herz in fich felbst keine Befriedigung finden kann, sondern von außen etwas haben muß, um seinen unendlichen Hunger zu stillen, so muß es einem von beiden dienen, entweder Gott oder dem Mammon. Fragen wir uns daher: Wer ist der Gott unserer Herzen? Wem hangen wir an, wem dienen wir, wen lieben wir? D laßt uns hören auf die warnende Stimme unseres Heilandes: Sorget nicht für den andern Morgen! Warum nicht?

Warum also sollen wir nicht sorgen für den andern Morgen? Zum ersten daruin nicht, weil solche Sorge Mammonsdienst ist. Es ist leicht einzusehen, daß das Mammonsdienst ist, wenn du Gott und sein Wort offenbar verleugnest, um irdische Güter zu gewinnen; wenn du lügst und betrügst, stiehlst und raubst, um irdische Güter zu gewinnen; wenn du falsch schwörst, in antichristische Logen läufst, Christum verwirfst, seine Kirche verfolgst, die Witwen und Waisen darber läßt, dein gutes Gewissen in die Schanze schlägst und den Himmel daran giebst, um irdische Güter zu gewinnen. Das ist grober Gößendienst. Wir erstaunen oft, wenn wir die Geschichte des Voltes Israel lesen, wie oft fie in groben Gößendienst versanten und den Göten der Heiden, dem Baal, dem Samos, dem Moloch und andern, mit greulichen Sünden und Schanden und grausamen Menschenopfern dienten. Aber was ist solcher grobe Mammonsdienst, wie er in unserm Lande so entseßlich im Schwange geht, anders und besser, als jener heidnische Gößendienst? Er stürzt ebenso grausam wie jener Leib und Seele in zeitliches und ewiges Verderben.

Doch wer hätte gedacht, daß schon die Sorge um den nötigen Unterhalt des Lebens Mammonsdienst sei? Und das ist es, was uns Christus hier sagt. Darum spricht er, weil es unmöglich ist, Gott und dem Mammon zugleich zu dienen, darum forget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet! Gott hat euch Leib und Leben gegeben und beides so eingerichtet, daß sie Speise und Kleidung zu ihrer Erhaltung bedürfen, damit ihr Ursache hättet, euch fortwährend eurer Abhängigkeit von ihm bewußt zu bleiben und auf seine Güte zu warten, euch in der Demut, im Glauben, im Gebet und in der Geduld zu üben ohne Unterlaß; und nun sollte er euch die nötige Nahrung und Kleidung nicht geben wollen? Wofür haltet ihr euren Gott eigentlich? Was für eine Schlechtigkeit traut ihr ihm zu?

Ein Vöglein, welch ein schwaches, schüchternes Geschöpf! Und doch, wenn es abends sein Lied gesungen hat, ftedt es den Kopf unter den Flügel und schläft ohne einen Gedanken an den nächsten Morgen. Menn es wieder aufwacht, singt es seinem Schöpfer ein Morgenlied und fliegt hierhin und dorthin, bis es das Körnlein findet, welches Gott ihm irgendwo hingelegt hat. Seid ihr nicht viel mehr als ein solches Vöglein? ruft unser Heiland uns zu. Ja, die Vögel sind nur unvernünftige Tiere, wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Sie sind um unsertwillen da, wir sind ihre Herren. Uns hat Gott erlöst durch das Blut seines eigenen Sohnes, nicht die Vögel. Unser Fleisch und Bein hat der Sohn Gottes an sich genommen, uns hat der Heilige Geist zu seiner Wohnung gemacht. Und uns sollte Gott nicht ernähren wollen, da er uns doch obendrein geboten hat zu arbeiten, zu fäen und zu ernten, während er die Vögel ohne ihre Arbeit versorgt? Welch ein schändliches Ding ist die ungläubige Sorge!

Die Sorge um Nahrung und Kleidung ist hiernach nicht nur deswegen zu meiden, weil sie Mammonsdienst ist, sondern auch, weil sie nichts hilft, ia boltommen thöricht und 'unsinnig ist. Denn so unmöglich es ist, daß jemand sich durch Sorge sein Wachstum ausdehnt und sich einen Kopf größer macht, als Gott ihn hat wachsen lassen, ebenso unmöglich ist es, daß jemand durch seine Sorge auch nur ein Weizenförnlein aus der Erde bringt oder einen Regentropfen vom Himmel holt. „Wo der Herr nicht das Haus bauet, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wo ter Herr nicht die Stadt behütet, so wachet der Wächter umsonst. Es ist umsonst, daß ihr frühe aufstehet und hernach lange siget und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden giebt er es schlafend" (Pf. 127, 1. 2).

Die Blumen auf dem Felde arbeiten und spinnen nicht, weben und striden nicht, nähen und fliden nicht, wie wir Menschen nach Gottes Befehle thun, und doch sind sie herrlicher gekleidet, als der große König Salomo, deffen Reichtum und Pracht bis an das Ende der Erde gerühmt wurde, also daß die Königin von Saba im fernen Arabien nach Jerusalem kam, um seine Herrlichkeit zu sehen. Sie sind darum herrlicher gekleidet, weil ihr Schmuck nicht von außen angehängt ist, wie bei Salomo, sondern von innen herausgemachsen; weil ihr Kleid keine Sünde bedeďt, sondern die reine Natur; weil ihr Anzug nicht von Menschen händen gemacht, fondern ein Wert der Hand Gottes ist. Und doch sind sie nur Gras, das eine kurze Zeit blüht, und bald zertreten, gefressen und zum Feueranzünden gebraucht wird. Wir aber sind für ein ewiges Leben ins Dasein gerufen und zum Preise Gottes da. Wir sind mit dem Rocfe der Gerechtigkeit Christi als mit einem hochzeitlichen Kleide geschmüdt und mit den Gaben des Heiligen Geistes inwendig geziert. Und uns sollte Gott nicht auch den Leib fleiden wollen? Dwie kleingläubig sind wir doch! Wie müssen wir uns vor Vögeln und Lilien schämen, die uns zu Lehrmeistern im Gottvertrauen dienen können! Welch eine Gewalt übt der Mammon aus über unser Herz, das troyige und verzagte Ding!

Sorget nicht für den andern Morgen! So ermuntert unser Herr und Heiland Jesus Christus uns. Damit will er nicht die befümmerten und begehrlichen Gedanten um das eigene Seelenheil und alles, was dazu gehört, berboten haben; dazu spornt uns ja Gottes Wort immerdar an. Er meint auch nicht die Sorge um das zeitliche und emige Wohl unseres Nächsten, die Sorge der Eltern um ihre Kinder,

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