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Fleisch wegnahm die Feindschaft, nämlich das Gefeß, so in Geboten gestellet war, auf daß ex aus zweien einen neuen Menschen in ihm selber schüfe und Frieden machte, und daß er beide versöhnte mit Gott in einem Leibe durch das Kreuz, und hat die Feindschaft getötet durch sich selbst; und er ist gekommen und hat verkündigt im Evangelium den Frieden euch, die ihr ferne waret, und denen, die nahe waren; denn durch ihn haben wir den Zugang alle beibe in einem Geiste zum Vater."

Unser Heiland tritt also mit seiner Erklärung nicht in Widerspruch mit den Meissagungen der Propheten noch mit dem Weihnachtsliede der Heerscharen Gottes, sondern ist und bleibt der einige wahrhaftige Friedefürst, der Wiederbringer des Friedens zivischen Gott und den Menschen und der Stifter des Friedens zwischen Menschen und Menschen. Wie ist denn sein Ausspruch gemeint? Das zeigt uns Simeon hier an.

Er sagt Joseph und Maria, er wünsche ihnen Glüd und Segen, Ehre und Freude an diesem Kinde. Und wie wird sein freundliches Wort ihre Herzen erhoben und erquidt haben! Dann aber schaut er durch das Licht des Heiligen Geistes, der ihm die Augen öffnet, in die Zukunft und sieht die Wirkung, den Erfolg der Gnadenthat Gottes, daß er diesen Heiland in die Welt gesandt hat. Er sieht, dieses unscheinbare Kindlein wird zunächst in Israel und dann auch in der ganzen weiten Welt eine ungeheure Umwälzung hervorrufen und die ganze Erde neu gestalten; die Geschichte der Menschheit wird an der Geburt dieses Kindleins einen entscheidenden Wendepunkt und von ihm aus einen neuen Verlauf nehmen. Durch die Lüge des Erzberführers, des Vaters der Lüge und des Mörders von Anfang, ist das menschliche Geschlecht auf falsche, abschüssige Bahn geraten, die in ewigem Verberben enben muß, wenn es nicht durch Gottes Wahrheit wieder auf den Weg, der nach oben führt, gebracht wird. In seinem natürlichen Zustande hat es die Lüge lieb und redet und thut die Lüge und hat Lust an der Ungerechtigkeit. In diese abgefallene, verlogene Welt, in welcher der Teufel regiert und der Tod herrscht, hat Gott bas Kindlein von Bethlehem als den ewigen Felsen der Wahrheit hineingeseßt. So lange das nicht geschah, blieb der Teufel ungestört in seinem Besitz und in seiner Herrschaft. Die Welt blieb ungestört in ihrer Fleischeslust, Augenlust und hoffärtigem Leben und konnte den Willen des Fleisches vollbringen, wie es ihr gefiel. Das Herz blieb ungestört in seiner Hervorbringung arger Gedanken, Mordes, Ehebruchs, Hurerei, falscher Zeugnisse, Lästerungen. Sobald aber der Fels der Wahrheit durch die Predigt des Evangeliums in diesen faulen Sumpf geworfen wird, giebt es eine Bewegung, eine Gärung, einen Aufruhr. Denn an ihm muß sich alles entscheiden, muß sich alles entweder rechts oder links wenden. Die einen lassen das Wort der Wahrheit auf ihr Herz einwirken, lassen sich die Augen über sich selbst und das Kindlein in der Arippe öffnen, erkennen ihre Sünde, ihre Hilflosigkeit, ihr Verderben und greifen mit der Hand des Glaubens begierig zu, um sich an diesem Felsen zu halten, daß sie nicht im emigen Untergang versinken. Er gereicht ihnen zum Auferstehen aus der Sünde, aus der Gewalt des Teufels, aus der Furcht des Todes; fie steigen an ihm wie an einer sicheren Jakobsleiter in den Himmel auf. Durch dieselbe Predigt der Wahrheit aber werden die Gedanken anderer offenbar, welche die Finsternis lieber haben als das Licht, welchen es in der Sünde gefällt, welche von der Stlaverei des Teufels nicht frei sein wollen. Denn sie fönnen bei dem Anhören der Predigt von dem neugebornen Weltheilande, von dem gefreuzigten und auferstandenen Christus nicht ruhig bleiben, sie werden wild und zornig, sie fahren auf und beginnen zu disputieren und zu lästern, wie die Juden zu Antiochien dem Apostel Paulus gegenüber (Apostelg. 13, 45). Sie möchs ten den ärgerlichen Felsen aus dem Wege schaffen, das können sie nicht; fo stoßen sie sich denn daran und zerschellen. Er ist ihnen ein Stein des Anstoßes, ein Zeichen, dem sie aus Antrieb des Teufels wider: sprechen zu müssen meinen. Und so ist der Krieg da. Der Friedefürst ist gekommen, ihnen den Frieden mit Gott zu bringen. Aber diesen Frieden wollen sie nicht, weil ihre Werte, in denen sie ihre Freude finden und die sie deshalb nicht aufgeben wollen, böse find. Darum streiten, toben und wüten sie, und lästern dann den Friedefürsten, als wäre er mit seinem Evangelio der Friedensstörer.

Das ist zunächst in Israel geschehen. Da haben sich die allermeisten an ihm gestoßen und sind gefallen, wie Jesaias geweissagt hatte (8, 14. 15): „Immanuel wird ein Stein des Anstoßens und ein Fels des Aergernisses sein den zweien Häusern Israel, zum Strid und Fall den Bürgern zu Jerusalem, daß ihrer viele fich dran stoßen, fallen, zerbrechen, verstridt und gefangen werden.“ Es kam so weit, daß ein Schwert, wie Simeon hier voraussagt, durch Marias Seele ging. Das geschah, als sie sehen mußte, daß ihr herzinnig geliebter Sohn von den Obersten und Heiligsten seines Volkes verworfen, in die Hände der Heiden überliefert, mit entsetzlicher Grausamkeit ans Kreuz geschlagen und zu Tode gemartert wurde. Da stand fie unter dem Kreuze und sah das alles mit an. Mas da ihr Mutterherz gelitten hat, ist nicht zu beschreiben. Da ging das Schwert durch ihre Seele.

Wie der Messias aber von den Juden verworfen wurde, so wird er noch heute von der großen Welt verworfen. Wo er mit der Predigt seines Evangeliums hinkommt, da fängt es alsbald an zu rumoren. - Wie kommt das? Weil er durch die Predigt der Wahrheit als der Stärtere über den starken Gewappneten, den Teufel, tommt, um ihn aus seinem Besiktum, dem menschlichen Herzen, hinaus zu werfen, darum empört sich der Teufel wider ihn. Weil er durch sein Evangelium die ganze Welt mit all ihrer Weisheit, Tugend und Kraft für eine verlorene erklärt und seine Gnade als das einzige, was sie retten kann, anpreist, darum empört sich die Welt wider ihn. Weil er durch sein Wort dem alten Adam alle Feßen der eigenen Gerechtigkeit abreißt und Gott allein die Ehre giebt, daß er gerecht, weise und gut ist, darum empört sich der alte Adam wider ihn. Denn „sein Wort ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert; es bringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens" (Hebr. 4, 12). Da werden dann der Herzen Gedanken offenbar. Wer hätte geglaubt, daß in dem gesegesstrengen Judenvolke, das sich mit seiner Verehrung des einen wahren Gottes gegenüber allen Heidenvölkern brüstete, eine solche Bosheit steďte, wie es durch die schändliche Ermordung seines Heilandes an den Tag legte? Wer hätte geglaubt, daß zu Luthers Zeit in dem römisch-katholischen Papsttum, welches sich als die alleinseligmachende Kirche Gottes auf Erden noch heute gebärdet, eine solche Selbstgerecha tigkeit, ein folcher Haß gegen Gott und seine freie Gnade glühte, daß es die Zeugen der Wahrheit verfluchte, verfolgte und umbrachte? Wer follte glauben, daß auch bei uns in diesem und jenem Herzen ein solches Hornissennest von zornigen Gedanken gegen Gott und Menschen brütet, wie es durch die Predigt des unverfälschten Wortes Gottes, der unüberzuđerten Wahrheit, ans Licht kommt.

Also, der Sohn Gottes ist in die Welt gekommen, um Frieden mit Gott zu bringen, um Frieden unter den Menschen zu stiften, aber nicht, um Frieden mit dem Teufel zu bringen, vielmehr feine Werte zu zerstören; nicht um Frieden mit der Welt, der gottentfremdeten, gottesleugnerischen Welt zu bringen, vielmehr sie zu überwinden; nicht um Frieden mit dem alten Adam zu bringen, vielmehr ihn zu töten. Er tommt zu den reumütigen Sündern mit dem Delzweig in der Hand; er kommt zu Teufel, Melt und Fleisch mit dem Schwert in der Hand.

II.

V. 36—40. Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter phanuels vom Geschlecht Aiser;bie war wohl betagt und hatte gelebt sieben Jahre mit ihrem Manne nach ihrer Jungfrausch aft; und war nun eine mit me bei bier und achtzig fahren; die tam nimmer bom Tempel, diente Gott mit Faften und Beten Tag und Nacht. Diefelbe trat a uch hin zu zu derselbigen Stunde und pries den Herrn und redete von ihm zu allen, die da auf die Erlösung zu Jerusalem wartete n. · Und da sie es alles vollendet hatten nach dem Gefeß des Herrn, tehrten sie wieder gen Galiläa zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Rind wuchs und ward start im Geist, boller Weisheit; und Gottes Gnade war bei ihm.

Kaum hatte Simeon seinen tiefsinnigen Ausspruch über den neugebornen Weltheiland, den er mit leuchtenden Augen auf seinen Armen hielt, gethan, als eine Witwe in schneeweißem Haar mit Namen Hanna dazutrat. Sie war nicht minder wie Simeon eine Prophetin, der Geist Gottes wohnte in ihr. Denn auch sie wartete mit inniger Sehnsucht auf den Trost 3sraels und hatte im Glauben an Gottes Verheißung von ihren jungen Jahren her in und außer der Ehe ein züchtiges, gottseliges Leben geführt. An ihrem Beispiel in unserem Texte können wir abnehmen, wie auch wir uns stellen sollen gegen das Kindlein von Bethlehem, wenn wir aus Simeons Munde hören, daß er von Gott gesetzt ist zu einem Fall und Auferstehen und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird, und wenn wir aus seinem eigenen Munde hören, daß er nicht gekommen sei, Frieden zu senden auf Erden, sondern das Schwert.

Das erste, was wir an Hanna hier wahrnehmen, ist, daß sie sich nicht stößt an dem Felsen der Wahrheit, dem Sohne Gottes, der in solcher Armut und Niedrigkeit erschienen ist; sie ärgert sich nicht an dem, was sie aus dem Munde des frommen Greifes über ihn hört. So laßt auch uns keinen Anstoß nehmen an dem Krieg und Streit, der überall da entsteht, wo Christus und sein Evangelium hinkommen. Lasset uns nicht Christo und dem lieben Evangelio die Schuld dafür beimeffen, sondern bedenken, daß Jesus Christus, wie sein Evangelium uns verfündigt, nicht gekommen ist, der Menschen Seelen zu berderben, sondern zu erhalten, nicht gekommen ist, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Bezahlung für viele. Er faßt uns, die wir im Sumpfe liegen, bei der Hand und zieht in die Höhe; seine Schuld ist es wahrlich nicht, wenn der, welcher Tich losreißt, tiefer sinkt und endlich umtommt. Er ist und bleibt der Fels der Wahrheit. Wer sich nicht an ihm aufrichtet, sondern in Haß und Verachtung gegen ihn anrennt, der muß freilich Hals und Bein brechen; und dann ist nicht Gottes Wahrheit die Mörderin, sondern der Feind der Wahrheit hat sich selbst seinen Untergang zuzuschreiben. Laßt uns vielmehr den Rumor, welchen das Evangelium anrichtet, ansehen als ein Zeichen, daß der wahre Heiland da ist, daß die Wahrheit berfündigt wird, daß wir mit unserm Glauben daran auf dem rechten Wege find; denn sonst würde der Teufel nicht dagegen wüten.

Ferner finden wir bei Hanna, fie pries Gott für die unbeschreibliche Wohlthat, daß jeßt der Messias erschienen war. Sie nahm das Kindlein der Maria also mit freudigem, dankbarem Glauben als ihren Heiland an. So wollen auch wir uns durch die Lästerungen der hochmütigen Vernunft nicht irre machen lassen, sondern den verachteten Jesus von Bethlehem und Golgatha mit jauchzendem Herzen als uns fern Erlöser von der Sünde und allem Unglüd aufnehmen. Dann gereicht er uns durch den Heiligen Geist zum Auferstehen für ein geistliches und ewiges Leben, während die falschberühmte Weisheit dieser Welt, die sich zu allen Zeiten an ihm ärgert, an ihm ewiglich zu Schanden wird. „Darum stehet in der Schrift: Siehe da, ich lege einen auserwählten, föstlichen Edstein in Zion; und wer an ihn glaubet, der soll nicht zu Schanden werden. Euch nun, die ihr glaubet, ist er föftlich; den Ungläubigen aber ist der Stein, den die Bauleute berworfen haben und zum Edstein worden ist, ein Stein des Anstoßens und ein Fels des Aergernisses; die sich stoßen an dem Wort und glauben nicht daran, dazu fie auch gesegt sind“ (1. Pet. 2, 6–8).

Weiter, Hanna redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem warteten. Sie bekannte ihren Glauben ohne Scheu vor Hohenpriestern und Schriftgelehrten, die da sein mochten, eben sowohl, wie vor Joseph und Maria und vielen andern Frommen, die von der gleichen Hoffnung wie sie beseelt waren. So lasset auch uns ohne Menschenfurcht und ohne Menschengefälligkeit die reine Wahrheit von Christo, dem Sohne Gottes und Heilande der Welt, vor jedermann, der es hören will, bekennen, und zwar desto fester und entschiedener und beständiger, je wilder und gehässiger die Feinde der Wahrheit dagegen

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