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Werten, sondern den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, fo thue Gutes, so wirst du Lob von der: selbigen haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut. Thust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst, sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses thut. Darum ist's not, unterthan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen. Derhalben müsset ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schuß sollen handhaben. So gebet nun jedermann, was ihr schuldig feid: Schoß, dem der Schoß gebührt; Soll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“ Was will unser Heiland und sein Apostel uns also lehren? Zum ersten dies, daß alle Obrigkeit, in einer Republit sowohl als in einer Monarchie, bon Gott verordnet ist und als Gottes Dienerin das Schwert in der Hand trägt, um die Guten zu schiißen und Sie Bösen zu strafen. Mögen daher auch unsere bürgerlichen Beamten vom Friedensrichter und Stadtmajor bis hinauf zum Präsidenten der Vereinigten Staaten durch die freie Wahl des Voltes ihr Amt und ihre Macht überkommen, so sind sie doch unsere von Gott uns verordnete Obrigkeit, welche die Pflicht und die Befugnis hat, die Geseße unseres Landes auszu: führen. Darum gilt auch uns in Betreff unserer Landesbeamten mit vollem Nachdrud das Wort: Gebet dem Kaiser, was des Raisers ist! Sodann hören wir auch, was wir dem Kaiser geben sollen, nämlich, was des Kaisers ist, was ihm wegen seines Amtes von Rechts wegen zukommt. „So gebet nun jedermann, was ihr schuldig seid: Schoß. dem der Schoß gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.“

Was sind denn wir Christen, die wir in Christo freie Kinder Gottes sind, unserer Obrigkeit in diesem unseren freien Lande schuldig? Zum ersten sind wir ihr Gehorsam schuldig, wie jeder andere Bürger, bollen, willigen, beständigen Gehorsam. „Jedermann fei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Wer sich wider die Obrigkeit feget, der widerstrebet Gottes Ordnung.“ Derjenige Christ würde seinem Heilande eine große Schande bor der Welt bereiten, welcher die Freiheit der Kinder Gottes, die wir durch Christum empfangen haben, als Vorwand brauchen wollte, um sich über die Gefeße des Landes hinwegzuseken; oder der dieses oder jenes Geset heimlich oder öffentlich mißachten und übertreten wollte, weil es ihm und seiner Partei nicht gefiele, oder ihm in dieser oder jener Hinsicht lästig und nachteilig wäre. Wer so der Ordnung Gottes widerstrebt, der wird über sich ein Urteil empfahen; er gilt in Gottes Augen als ein Aufrührer und hat die Wohlthaten der bürgerlichen Ordnung verwirkt; denn er thut an seinem Teile, was er kann, um der Revolution und Anarchie Thür und Thor zu öffnen. Wenn ein Geset oder eine Einrichtung in unserem Lande schlecht, ungerecht und verderblich ist, so können wir es durch Petitionen an unsere Gefeßgeber und entsprechende Neuwahl unserer Legislaturen auf geordnetem Wege abschaffen und ein beijeres an seine Stelle sehen. Aber nimmermehr darf jeder Einzelne sich durch Selbstemanzipation ein unliebfames Gefeß oder eine drüdende Pflicht vom Halse schaffen. Gehorsam ist auch des christlichen Bürgers erste und schönste Zierde; ja bei wem soll man sie suchen, wenn nicht bei ihm?

Zum andern sind wir unserer Obrigkeit schuldig, die Steuern, Tayen, Abgaben, die sie uns auflegt, zu bezahlen, mit willigem Herzen zu bezahlen. Denn wo Pflichten sind, da sind auch die entsprechenden Rechte. Haben unsere rechtmäßig ermählten Stadt- und Landesbeamten, hohe wie niedrige, die heilige, beschworene Pflicht, die bestehenden Gefeße ohne Ansehen der Person in Ausführung zu bringen, den öffentlichen Frieden zu wahren, Leib und Leben, Besitz und Geschäft, Stand und guten Namen jedes einzelner. Einwohners zu schüßen, Recht und Gerechtigkeit im Lande zu üben, die Guten zu loben und die Bösen zu strafen, so haben sie auch vor Gott und Menschen das Recht, von denen, welche solche Wohlthaten genießen, einzufordern, was zu ihrem Unterhalt und zur Vollstređung ihrer Amtspflichten nötig ist; denn ein Arbeiter ist seines Lohnes wert. „Derhalben müsset ihr auch Schoß geben; denn sie sind Gottes Diener, die solchen Schuß sollen handhaben.“ Schande daher über den Christen, der allerlei krumme Wege sucht, um sich dieser Pflicht zu entziehen, der vielleicht gar unter Eid falsche Angaben über seine Vermögensverhältnisse macht, um unsere Regierung um die gebührenden Steuern zu betrügen!

Zum dritten sind wir, uvie aus dem Bisherigen von selbst folgt, schuldig, bei der Wahl unserer Beamten mit aller Gewissenhaftigkeit zu verfahren. „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum Herrn. Denn wenn's ihr wohl gehet, fo gehet's euch auch wohl!" So ruft der Prophet (Jer. 29, 7) dem gefangenen Juda in Babylon zu. Es ist eine sündliche Vernachlässigung unserer Bürgerpflicht, wenn wir uns vom politischen Leben unseres Landes als zu niedrig und gemein gänzlich zurüdziehen und alles den Spißbuben und Drahtziehern überlassen, daß sie uns Randidaten und Beamte aufhalsen können, die uns oft in die äußerste Gewissensnot bringen und dem Volke wie gierige Vampyre das Blut aussaugen. Jeder Christ, der das bürgerliche Stimmrecht hat, ist es Gott, seinem Vaterlande, seiner Familie und seiner Kirche schuldig, feinen vollen Mann am Stimmtasten zu stellen, und Schande, dreimal Schande über den Christen, der seine Stimme kaufen läßt! Suchet der Stadt Bestes, arbeitet für des Landes Wohl! Das sollte ein Christ sich gesagt sein lassen.

Nicht minder auch endlich das, was der heilige Prophet in den obigen Worten schon ausspricht: Und betet für sie.zum Herrn! Wenn wir Christen das nicht thun, wer foll's denn thun? Darum sagt auch der Apostel im Neuen Testament (1. Tim. 2, 1–3): „So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst thue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Rönige und für alle Dbrigkeit, auf daß wir ein geruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit; denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland.“ Wahrlich, gewissenhafte und pflichttreue Beamte sind eine so segensreiche Wohlthat Gottes für Land und Volk und darum auch für die Kirche, daß die Kinder Gottes. es nie vergessen fodten, sie vor Gott auf betendem Herzen zu tragen, und das Amt der Obrigkeit ist ein so schwieriges und oft gefahrbolles, daß wir den Geber aller guten Gaben fleißig um Weisheit, Mut und Kraft für sie anrufen sollten.

Und was ist es, was einen Christen bei alledem treibt? „Es ist not, unterthan zu sein, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen." „Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen" (1. Petri 2, 13). So rufen uns die Boten unseres Heilandes zu. Was also einen christlichen Bürger von einem unchristlichen unterscheidet, das ist dies: Der legtere erfüllt seine Bürgerpflichten, wenn er sie erfüllt, um Strafe zu vermeiden oder um eigenen Vorteil zu gewinnen oder, im besten Falle, aus rein weltlichem Patriotismus, der Christ hingegen erfüllt sie um des Herrn willen, um des Gewissens willen, weil er weiß, Gott will es haben, und seinem Gotte will er dienen. Darum läßt er auch den zweiten Teil der Antwort Christi nie aus den Augen: Gebet Gotte, was Gottes ist! Was gehört denn Gott? Leib und Seele, Gut und Ehre, Himmel und Erde, das Gegenwärtige und das Zufünftige, alles, alles. Darum giebt ein Christ seinem Gotte sein Herz, fein ganzes Herz in Buße und Glauben, in Liebe und Hoffnung, und damit hat er ihm alles gegeben. Darum trachtet er am ersten nach dem Reiche Gottes, bie Bürgerschaft mit den Heiligen ist sein höchstes Gut, Gottes Wort ist sein oberstes Gefeß, Jesus Christus ist sein unumschränktester Herr und König. So lange baher die Forderungen der weltlichen Obrigkeit mit Gott und seinem Worte nicht in Widerspruch stehen, gehorcht er mit Freuden. Wo fie ihm aber seinen Glauben schädigen und sein Gewissen knechten wollen, da spricht er mit Petrus (Apostelg. 5, 29): „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen“; sollte er dann Guch, wie vor Zeiten die heiligen Märtyrer, sein Leben und Blut hergeben müssen.

D Gott, der du lebeft und regierest in Ewigkeit, wie sollen wir bir genugsam banken, daß du noch immer auch unter uns deine Dienerin, die Obrigkeit, erhältst und durch dieselbe uns so viele Wohlthaten an Leib und Seele zuteil werden läfsest. Vergieb uns und unserm Volte unsere Undankbarkeit und Ungehorsam und bewahre uns den goldenen Frieden. Richte Recht und Gerechtigkeit an im Lande und gieb allen Beamten Verstand, ihre Pflicht zu thun, und allem Volt ein gehorsam Herz, daß wir dir dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die dir gefällig ist! Amen.

Am vierundzwanzigsten Sonn

tag nach Trinitatis.

Matth. 9, 18-26.

I

n Christo Geliebte! Johannes in der Offenbarung

(Kap. 6, 12 ff.) schaute das Hereinbrechen des endlichen Weltgerichtes und sagt: „Die Könige auf Erden und

die Großen und die Reichen und die Hauptleute und die Gewaltigen und alle Anechte und alle Freien berbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen und sprachen zu den Bergen, und Felsen: Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhle fißt und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist kommen der große Tag seine3 Zorns, und wer kann bestehen?“ Damit ist auch der Zustand eines Menschenherzens abgemalt, das über seine Sünde gründlich aufgemacht und über Gottes Zorn bis in seine untersten Tiefen hinein erschroden ist, so lange es nämlich vom Evangelio nichts weiß. Da drüdt seine Schuld ihm wie Bergeslast aufs Gewissen! Gott ist ihm ein verzehrendes Feuer. Jeder Gedanke an den Tod und das Gericht erfüllt es mit Entseßen, und die leiseste Erinnerung an die Ewigkeit bohrt ihm wie ein Schwert durch die Seele. Darum flieht es vor Gott; es wünscht, es gäbe keinen Gott; es haßt ihn. Denn Gott kann es sich nicht anders vorstellen als einen grausamen Tyrannen, als ein alles verschlingendes Ungeheuer. Dwie trostlos ist das arme Menschenherz ohne das Evangelium!

Ja auch da, wo das Evangelium, die frohe Botschaft von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu, in vollem Schwange gehen und feinen reichen Himmelstrost in Strömen ausgießen sollte, muß ein zerschlagenes Herz durch die Schuld falscher Propheten oft in der Angst seiner Sünde versch machten. So wird im römischen Papsttum der Sohn Gottes, Jesus Christus, den Leuten meistens hingestellt als ein schredlicher Richter, der nur immer auf dem großen weißen Throne figt und das Schwert in der Hand hält, um denen, die sich von ihren Sünden gereinigt und einen Schap guter Werke angeschafft haben, den Himmel zuzusprechen, aber diejenigen, die es nicht so weit

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