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Am ersten Adventssonntage.

Matth. 21, 1-9.

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n dem Herrn Jesu Christo geliebte 3 u hörer!

Gott sei Lob und Dant, es ist uns wieder vergönnt, mit dem heutigen ersten Adventssonntage abermal in ein neues

Kirchenjahr einzutreten! Wir Christen sind nämlich zugleich Bürger zweier Reiche, des irdischen und des himmlischen. Wir leben in dieser Welt, aber wir sind nicht von dieser Welt, sondern unser Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, welcher unsern nichtigen Leib berklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe nach der Wirkung, damit er kann auch alle Dinge ihm unterthänig machen“ (Phil. 3, 20. 21). Darum teilen wir unsere Zeit auf Erden auf zweierlei Weise ein: wir haben ein bürgerliches und ein kirchliches Jahr. Das erstere beginnt mit Januar und führt uns in seinem Kreislaufe durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das leßtere beginnt mit dem ersten Advent und zerfällt in zwei Hälften, eine festliche und eine festlose, die man auch Halbjahr deg Herrn und Halbjahr der Kirche nennt.

In der ersten Hälfte des Kirchenjahres haben wir die drei großen Feste, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, mit etlichen andern Festtagen, die sich um diese gruppieren und mit ihnen zusammengehören. Weihnachten ist das Fest Gottes des Vaters. Da predigt und singt die Kirche mit Freuden von der frohen Botschaft, daß der ewige, verborgene Gott sein Herz und seinen Himmel aufgethan und der verlornen Menschenwelt seinen eingebornen Sohn zum Bruder und Erlöser geschenkt hat. Dstern ist das Fest Gottes des Sohnes. Da erinnert sich die Kirche mit tiefer Zerknirschung an das Kreuz auf Golgatha, da der Sohn Gottes, Jesus Christus, am Karfreitag für die Sündenschuld des ganzen menschlichen Geschlechtes in den bittern Tod gesunken ist, und jauchzt ein Hallelujah nach dem andern, daß er am dritten Tage lebendig von den Toten wieder auferstanden ist, zum thatsächlichen Beweise, daß er die ewige Erlösung wahrhaftig vollbracht habe. Pfingsten ist das Fest Gottes des Heiligen Geistes. Da erfahren mir immer wieder aus dem dankbaren Munde der Kirche, wie sie selbst gegründet wurde, nämlich durch die Ausgießung des Heiligen Geistes über die Apostel zu Jerusalem, und wie sie durch diesen Geist der Wahrheit bis ans Ende der Tage in alle Wahrheit geleitet, zu allem Guten gestärkt und in aller Nct getröstet wird. Nachdem wir im Trinitatisfefte alles, was der dreieinige Gott zu unserem Heile thut, noch einmal kurz zusammengefaßt haben, beginnt die lange Reihe der Trinitatissonntage, die festlose Hälfte des Kirchenjahres oder das Halbjahr der Kirche. In dieser Zeit verkündigt die Kirche ihren Kindern und der Welt, was durch diese großen Thaten Gottes für uns zuwege gebracht worden ist, wie wir desselben teilhaftig werden und genießen können, was es bei uns allen im Herzen und im Wandel für Wirkungen hervorbringen soll, wie wir einen siegreichen Kampf gegen alle unsere Feinde führen, in aller Not geduldig ausharren und das Ende des Glaubens, der Seelen Seligkeit, dabontragen können; wie Jesus Christus am Ende der Tage in Herrlichkeit wiederkommen, alle Toten und Lebendigen vor sein Angesicht stellen und einem jeglichen geben wird, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse; wie er diese von der Sünde besudelte und vom Tode entstellte Welt durch Feuer in Asche verwandeln und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Damit ist dann die Kirche in dem wunderbar inhaltreichen Kreislaufe ihrer Betrachtungen wieder beim Advent angelangt, und diese vier Adventssonntage vor Weihnachten dienen als Einleitung zu dem Ganzen.

Unser heutiger evangelischer Abschnitt nun erzählt uns von dem Einzug unseres hochgelobten Herrn und Heilandes Jesu Christi in die Hauptstadt des jüdischen Voltes. Auf Grund desselben sei der Gegenstand unserer heutigen Erwägung unter dem gnädigen Beistande des Heiligen Geistes:

Christi Einzug in Jerusalem.

1. Wer es ist, der da ein zieht;

Welche Aufnahme er findet.

1.

V. 1–5. Da sie nun nahe an Jerusalem tamen, gen Bethphage, an den Delberg, sandte Jesus seiner Jünger z w een und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Fleden, der bor euch liegt; und albald werdet ihr eine Ejelin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. und so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet: Der Herr bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, a uf daß erfüllt würde, das gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanft mütig, und reitet auf einem Efel und auf einem Füllen der I a ft baren Eseli n."

Unser Herr Jesus Christus hatte zu Bethanien Lazarus von den Toten auferweďt, und diese herrliche Wunderthat hatte eine tiefe Bewegung unter den Einwohnern Jerusalems und den Hunderttausenden von Festgästen, die zum Dsterfeste zusammenströmten, hervorgebracht. Die Hohenpriester und Pharisäer versammelten einen Rat und sprachen: „Was thun wir? Dieser Mensch thut viele Zeichen. Lassen wir ihn also, so werden sie alle an ihn glauben; so tommen dann die Römer und nehmen uns Land und Leute!“ Von dem Tage an ratschlagten sie, wie sie ihn töteten. Ja die Hohenpriester trachteten darnach, daß sie auch Lazarus töteten; denn um seinetwillen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesum (Joh. 11).

Nachdem Maria in Bethanien Jesum mit ungefälschter, föstlicher Narde gesalbt, und zwar, wie er selber es deutete, zu seinem Begräbnis, und seine Füße mit den Haaren ihres Hauptes getrođnet hatte, machte er sich auf, seinen Einzug in Jerusalem zu halten. Als er in Begleitung seiner Jünger in die Nähe von Bethphage, das am öftlichen Fuße des gewaltigen Delberges lag, gekommen war, hielt er an, um etwas Außerordentliches vorzunehmen. Er fandte nämlich zwei von seinen Jüngern, wahrscheinlich Petrus und Johannes, voraus mit dem Auftrag, ihm eine Eselin mit ihrem Füllen, die dort in Bethphage angebunden auf dem Wegscheide ständen, herzuholen. Dabei rüstete er fie aus mit der Verheißung: wenn jemand ihnen dreinreden wollte, so sollten sie nur sagen: Der Herr bedarf ihrer, so würden die Eigentümer der Tiere ihnen dieselben sofort willig überlassen. Markus (11, 4–6) erzählt uns: „Sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an der Thür, außen auf dem Wegscheid, und lösten es ab. Und etliche, die da stunden, sprachen zu ihnen: Was macht ihr, daß ihr das Füllen ablöset? Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen's zu."

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