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Vater unfres Herrn Jesu Christi." Da findet fich abermal ein Stein vor des Herzens Thür, welcher Christo den Eingang verhindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muß. Es ist der Eigensinn, der Eigenwille und das Eigenlob. Wer feinen Eigensinn und seinen Eigenwillen im Herzen nicht brechen will, wie kann der mit Christi Gliedern einerlei gesinnt werden nady Jesu Christo? Wer sich selbst lobt, es sei im Herzen oder mit Worten, wie kann der Gott allein die Ehre geben, und Gott loben um alle die unverdiente Barmherzigkeit, die ihm wiederfahren ist? Wie man einen Baum, den man ausrotten will, damit er das Land nicht hindere, bei den Wurzeln angreift und eine nach der andern ausgräbt und abhaut, so kommt die aufrichtige Buße, wenn sie den Baum des Verderbens aus unserm Herzen ausrotten will, auch an diese Sündenwurzel, und rastet nicht, bis sie dieselbe vertilgt hat. Wir sollen einerlei gesinnt werden. Eine schwere Aufgabe. Nach der Welt Art und nach dem verkehrten Sinn unfers Herzens heißt es: ,,Ein Jeglicher sieht auf seinen Weg; fie suchen Alle das Ihre; so viel Köpfe, so viel Sinne.“ Wie sollen wir da einerlei gesinnt werden? Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott doch möglich. Der Geist des Herrn wußte es wohl, daß es uns' unmöglich ist

, mit unserer Kraft den Eigensinn des Herzens zu brechen und mit unsrer Weisheit den Grund zu finden auf welchem die Herzen in Eins zusammenfließen, daß Adler Ein Herz und Eine Seele set, darum sagt er in unsrer Epistel zuerst: „Gott gebe euch, daß ihr einerlei gesinnt seid;" und er fügt hinzu: „nach. Jesu Ćhristo." Also Gott will es geben, so dürfen wir es nur nehmen. Gott offenbart uns den Grund, auf welchem wir zu Einem Tempel Gotteß im Geiste aus vielen lebendigen Steinen erbaut werden können; er giebt uns das Haupt, unter welchem wir Viele Ein Leib werden können. Es ist Jesus Christus, das Lamm Gottes, welches unser Aller Sünden getragen hat. Je mehr wir zu ihm dringen, ihm nachringen, desto mehr werden wir einerlei gesinnt werden, desto mehr werden wir einmüthig mit einem Munde Gott loben. Und fiebe, Christus dringt auch zu uns, er dringt durch die harte Rinde des versálossenen Herzens, er bricht den Eigenfinn mit seiner Gotteskraft, er macht das eigne Lob verstummen, er nimmt uns gefangen unter den Gehorsam des Glaubens und der Liebe, er löst das Band der Zunge, daß wir ihn und den Vater recht loben können.

Was sollen wir thun, daß wir Christum recht empfangen? Wir müssen uns untereinander aufnehmen,

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gleich wie Christus uns aufgenommen hat. Das sagt unsre Epistel in den Worten: ,,Darum nehmet euch untereinander auf gleich wie euch Christus hat aufgenommen zu Gottes Lobe." Laßt uns das wohl merken. In den Mitmenschen und besonders in den Brüdern will Christus aufgenommen sein. Er sagt: „Was ihr gethan habt dieser Geringsten Einem unter meinen Brüdern, das habt ihr mir gethan." Wir sollen nun an den Brüdern thun, wie er an uns gethan hat, wir sollen uns untereinander aufnehmen, gleichwie er uns aufgenommen hat zu Gottes Lobe. Das gilt nicht allein von der äußern That, als ob es schon erfüllt wäre, wenn wir nur fleißig den Armen Almosen geben, sondern es gilt von der Stellung des Herzens und von der That zugleich. Denn wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte der Liebe nicht, so wäre es mir nichts nüße. Da findet sich abermal ein Stein vor des Herzens Thür, welcher Christo den Eingang hindert und welcher aus dem Wege geräumt werden muß, das ist die Eigenliebe. „Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Das Wörtlein: verleugne sich selbst,“ lehrt es uns, daß wir Christo nicht anders nachfolgen, also ihn auch nicht recht empfangen können, als wenn wir die Eigenliebe aus dem Herzen vertilgen. Dieses

Wohlgefallen an uns selbst, welches unser Herz von Natur ganz besessen hält, dieses Trachten nach Allem, was uns behagt, dieses Ueberschägen unsers eignen Werthes macht uns so hart und so kalt, so ungerecht und ungeduldig gegen den Nächsten. "Wir müssen uns verleugnen, uns vergessen, dann erst können wir uns untereinander aufnehmen, wie Christus uns aufgenommen hat. Fraget euch nur: Wie hat uns Christus aufgenommen? Wie hat er uns gefunden? Waren wir nicht vod Sündenelend, von der Fußsohle bis auf's Haupt nichts Gesundes an uns? Waren wir nicht voll verkehrten Sinnes und Bosheit, todt in den Sünden und seine Feinde? Da ist nun Jesus gekommen, und so arm, so verachtet geworden um unsertwillen. Da hat er uns mit großer Liebe gesucht, alle unsre Schmerzen, alle unsre Krankheit, ja unsern Fluch auf sich geladen, und ist in den bittern Tod am Kreuze gegangen. Da ist er uns nachgegangen, als ein treuer, guter Hirte und hat uns gesucht, bis daß er uns fand. Da hat er uns auf seine Achseln genommen und getragen mit Freuden, d. h. durch seine Kraft und Gnade sind wir aus dem Sündenelend gezogen, aus der Jrre zurecht gebracht. Durch seine Liebe hat er den Haß und die Feindschaft unsers Herzens überwunden; durch seine Geduld und Langmuth hat er unser Verderben aufgehalten, daß wir nicht in unsern Sünden abgehauen und in's

Feuer geworfen sind. Und wenn wir bedenken, wie er uns noch beute findet und aufnimmt, so müssen wir gestehen, noch heute ist

unser Herz mit so viel Verkehrtheit und eitlem Sinn beladen; noch heute hangen wir an der Welt und vergessen das Ewige, noch heute sind wir so oft voll Kleinglaubens und Únglaubens, noch heute find wir lüstern nach irdischem Reichthum, nach eitler Ehre, noch Þeute verleugnen und verlassen wir die Liebe so oft, daß wir ausrufen müssen: „Wenn Du, Herr, willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehn?" Aber Christus ist noch langmüthig und freunde lich gegen uns, vergiebt uns unsre Sünde und heilet alle unsre Gebrechen, erlöst unser Leben vom Verderben, krönt uns mit Gnade und Barmherzigkeit, daß wir singen und sagen 'müssen: ,, Du strafst uns Sünder mit Geduld und schlägst nicht allzusebr, ja endlich nimmst Du unsre Schuld und wirfst sie in das Meer." Und wir follen uns untereinander aufnehmen, gleichwie Christus uns hat aufgenommen zu Gottes Lobe, mit Geduld, mit Langmuth, mit Liebe. Seid untereinander mitleidig, brüderlich, barmherzig, freundlich, und vergebet euch untereinander, gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr. So ein Mensch etwa von einem Fehler übereilet würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmüthigem Geist, die ihr geistlich leid, und siehe auf dich selbst

, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des Andern Last, so werdet ihr das Geseß Christi erfüllen. Einer komme dem Andern mit Ehrerbietung zuvor." Nicht aber die Brüder in Christo allein, sondern auch die Feinde sollen wir mit Geduld in der Liebe tragen. ,,Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, thut wohl denen, die euch haffen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen!" Sebet da, indem wir die Mitmenschen und besonders die Brüder so aufnehmen, so nehmen wir Christum in den Brüdern auf, und empfangen ihn, wie er es begehrt.

Was sollen wir thun, daß wir Christum recht empfangen? Wir müssen unser Vertrauen ganz auf Gottes Verheißung und Barmberzigkeitseßen. Hierauf weist unsre Epistel uns hin, indem sie sagt: „Ich jage aber, daß Christus sei ein Diener gewesen der Bedneidung um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen; daß die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen." Also der Beschneidung d. 5. dem jüdischen Volke ist Christus ein Diener geworden, nicht um ihrer Werke und Gerechtigkeit willen, als ob sie es verdient hätten, sondern darum, weil Gott es ihren Vätern verheißen hatte, und seine Verheißung erfüllen wollte, und die Heiden sind der Gnade theilhaftig geworden, nicht als ob sie es verdient hätten, oder würdig gewesen wären, sondern um der Barmherzigkeit Gottes willen, wie geschrieben steht: „Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit

, die wir gethan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit macht Gott uns selig." So sollen auch wir unser Vertrauen ganz auf die Gnade seßen, und hoffen allein darauf, daß Gott ung erretten werde, weil er es verheißen hat, daß die auf ihn hoffen nicht sollen zu Schanden werden, und weil seine Barmherzigkeit so unermeßlich ist

. So werden wir Christum recht empfangen. Da findet fich aber ein Stein vor des Herzens Thür, welcher Christo den Eingang hindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muß, das ist das Vertrauen auf das eigene Verdienst und die eigne Gerechtigkeit. Du dünfst dich gerecht, du siehst auf deine guten Werke, und ach, vor lauter Wohlgefallen an dir selbst wirst du dein Elend nicht gewahr. Du rechnest darauf, daß es dir wohl gelingen werde, weil du so gut, so ehrlich und treu zu sein glaubst

, und ach, vor lauter Vertrauen auf dich selbst, fiebst du den treuen und einzigen Erretter, den Fels des Heiles nicht. Siehe, wenn du Alles gethan hättest, was du zu thun schuldig bist, und du haft es lange nicht gethan, sondern wohl das Gegentheil, — so sprich: Ich bin ein unnüßer Knecht; und reße dein Vertrauen allein auf Gottes Verheißung und Barmherzigkeit in Christo Jesu, dann wirst du Christum recht empfangen.

Was sollen wir thun, daß wir Christum recht empfangen? Wir müssen seinen Namen auch unter den Heiden loben, auf daß die Heiden sich mit uns freuen, mit uns ihn preisen, mit uns auf ihn hoffen. Davon sagt unsre Epistel: „Es steht geschrieben: Darum will ich Dich loben unter den Heiden, und Deinen Namen singen. Und abermal: Freuet euch, ihr Heiden, mit seinem Volk! Und abermal: Lobet den Herrn, alléHeiden, und preiset ihn, alle Völker. Und abermalspricht Jefaias: É 8 wird sein die Wurzel Jeffe, (d. h. der Sprößling aus dem Stamme Šfat) und der auferstehen wird zu herrschen, auf den werden die Heiden hoffen." Seht, da foll nun unser Herz fich ausbreiten zu den Völkern der Erde, die noch ferne sind vom Reiche Gottes, und soll im Drang der Liebe beten und arbeiten, daß sie mit uns den Herzog der Seligkeit erkennen und als ihren König empfangen: Christus will nach seiner Verheißung zu allen Heiden, zu allen Völfern der Erde kommen. Sie sollen ihn loben, sie sollen sich seiner freuen mit seinem Volke. Wenn wir aber mitwirken, daß sein Reich den Erdkreis erfülle, so empfangen wir selbst ihn auch

auf: Neue und immer völliger. Es ist gut und recht, wenn wir ihn zu unserm Theile als den rechten König der Ehren erkennen und anbeten, aber es ist noch besser und herrlicher, wenn wir mitwirken, daß aud die, so noch draußen sind, insbesondere die armen Heiden, genöthigt werden, hereinzukommen, auf daß unser8 Rönigs Þaus voll werde, und seine Ehre die Welt erfülle. Auch hierbei findet sich ein Stein vor unsers Herzens Thür, welcher Christo diesen Ehreneinzug hindert, und welcher aus dem Wege geräumt werden muß, das ist die Freude an der Welt und ihren Zeitlichen Gütern, die wir noch haben. Diese macht uns das Herz so eng und klein, daß wir es nicht ausbreiten können zu den Heiden in der Ferne, daß wir ihre Noth nicht empfinden, und die Šeligkeit nicht schmecken können, die daraus hervorgeht, daß den armen Seelen vom Tode geholfen werde, daß sie bekehrt werden von der Gewalt des Satans zu Gott. Woblan, laßt uns die Art auch an diese Sündenwurzel legen, und lernen, das Christus allein unsre Freude sei, und nicht die vergänglichen Dinge der Erde. Dann werden wir auch Freude und Wonne haben mit den Engeln Gottes über jeglichen Sünder der Buße thut; werden mitarbeiten an dem großen Werk des Herrn, durch welches alle Völker zu Christo gesammelt werden sollen, und werden auch in diesem Stücke Christum recht empfangen.

Gott aber der Hoffnung erfülle uns mit aller Freude und Frieden im Glauben, daß wir völlige Hoffnung haben durch die Kraft des Heiligen Geistes! Amen!

Du hast besucht und erlöset Dein Bolt, Du Aufgang aus der Höhe, Du hast Deine Bamherzigkeit predigen lassen, die da ist in Vergebung der Sünden; Du läfsest Dir auch unsre Armuth gefallen, o Jesu, und bereitest Dir eine Wohnung unter uns. Dafür banken wir Dir von Grund der Seele, daß Du nicht ansiehst unsre Sünde, und unsre Uebertretung hinter Didy jurüdwirfft. Du weißt alle Dinge, Du weißt, ob wir Dich lieb haben, ob unsre Herzen dir entgegengestredt sind: o Herr, richte dir selbst eine Bahn an unter uns; laß Deinen Geist unsere Herzen öffnen, bereiten, schmüđen, Dich als König der Ehren zu empfangen! Gieße Deine Liebe aus in uns, daß wir fest vereinigt mit Dir und unter einander in Einem Geiste und Glauben als eine Mauer und Wehr baftehen gegen alle Anläufe des Bösewichts. Amen!

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