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übernatürliche Kraft. Es kann uns aus dem tiefen Schlamm der Sünde hervorziehen, und vor Gott gerecht machen. Es kann uns, als einen Brand aus dem Feuer, aus dem Nachen der Hölle reißen und zum Himmel führen. Aber dazu ist nothwendig, daß wir nicht vergebliche Hörer, sondern Tväter desselben fein, und dazu helfe uns Gott! Wir wollen uns, dainit die Ermahnung dieses Portes durch Gottes Gnade Eingang bei uns finde, zuvörderst den vergeßlichen Hörer, und demnach den häter des Wortes vor die Augen stellen.

Wer ist ein vergeblicher Hörer? Es hat mancher Mensch ein starkes Gedädytniß, er kann viel auswendig behalten, ganze Capitel aus der Bibel berjagen, den Inhalt einer Predigt, und wie es Alles aufeinander folgte, mit Sicherheit auffassen und wiedergeben. Ein solcher weiß denn viele Lieder, viele Sprüche, und andre Sachen aus gottseligen Büchern auswendig. Manger Andere hat ein schwades Gebädytniß, fann ivenig behalten, wenig wieder erzählen von dem, was er gehört, oder gelesen Hat. Nun könntet ihr meinen, dieser Leştere würde der vergebliche Hörer sein, und der Erstere nicht, der alles so fdjön behalten kann. Aber irret euch nicht, das würde weit gefehlt sein. Es ist gar zu oft gerade umgekehrt, daß der, welcher Alles behalten kann, der vergeßlichste Hörer, und der, welcher wenig behalten kann, der Thäter des Wortes ist; denn es kommt dabei gar nicht auf das viele Auswendigwissen an, auch nicht auf die Worte, die Femand reden kann, sondern auf die That, die er thut, auf die Früchte, die das Wort schafft. Seht nur an, daß der Apostel in unsrer Epistel dem vergeßlichen Hörer nicht den Hörer, der gut behalten kann, sondern den Thäter des Wortes entgegenstellt. Er sagt: ,, Seid Thäter des Wortes und nicht Hörer allein;" und darnach: i So Jemand ist ein Hörer des Wortes und nicht ein Thäter. Daraus merket, daß alle diejenigen vergebliche Hörer sind, welche nach dem Worte Gottes nicht thun. Das Ausivendigwiffen ist wohl gut, aber es macht noch keinen Thäter des Wortes. Vielmehr steht geschrieben: „Das Wissen bläset auf, aber die Liebe bessert." Wiederum ist der noch kein vergeßlicher Hörer, welcher wenig beþalten und reden kann von sei göttliden Worte. Diese sind oft die besten Hörer, welche sich wenig auf die Worte, aber desto mehr auf das Thun nach dem göttlichen Worte verstehn. So ist nun der ein vergeßlicher Hörer, der das Wort Gottes nicht in sein Herz und Leben eindringen läßt, und nicht danad tuto

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Wie geht es in solchem Menschen zu? Unsere Epistel sagt: „Er ist gleich einem Manne, der sein leibliches Angesicht im Spiegelbeschaut; denn nachdem er sich beschaut hat, geht er von Stund an davon, und vergißt, wie er gestaltet war.“ Das ist eine Vergleichung aus dem täglichen Leben. Wenn wir unser Angesicht im Spiegel sehen, und treten von dem Spiegel hinweg, fo kommen uns andre Dinge vor die Augen, bes kannte und unbekannte Gegenstände, andre Geschäfte nehmen unsre Gedanken ein, wir vergessen unsre Gestalt, die wir im Spiegel sahen. Das ist nichts Unrechteś. Warum sollten wir die Gestalt unsers Angesichts, die wir im Spiegel sahen, nicht vergessen? Immerhin! Aber mit dem Worte Gottes soll es nicht so sein. Ein großes Unrecht ist es, daß es mit dem Worte Gottes gar zu oft eben so gemacht wird. Das Wort Gottes ist auch ein Spiegel, ein Spies gel der Seele, des inwendigen Menschen. Hier im Hause Gottes, oder wenn wir sonst das Wort Gottes hören oder lesen, stehen wir vor diesem Spiegel. Da beschauen wir das Angesicht unsers inwen= digen Menschen. Da hören und merken wir, daß wir fündige Menschen sind, voll Makel und Gebrechen, oft leer an Glauben und leer an Liebe. Da hören und merken wir, daß wir Buße thun müssen von unsern Sünden, daß wir von Neuem geboren werden müssen, wenn wir ins Reich Gottes eingehn wollen. Ja das Wort Gottes dringt in die innersten Tiefen unsers Herzens ein, es deckt uns den Schaden der Seele auf, es richtet unsre geheimsten Gedanken und Neigungen des Herzens; denn es ist schärfer denn kein zweischneidig Schwerdt und durchdringt, bis daß es scheidet, Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Das Wort Gottes zeigt uns den einigen Weg der Erlösung, stellt uns Christum vor, den einigen Heiland unsrer Seele, giebt uns Kräfte zum neuen Leben, Kräfte der zukünftigen Welt. Wenn nun die vergeßlichen Hörer von diesem Spiegel weggeben, so sollten sie behalten und thun, was ihnen das Wort gezeigt und gesagt hat; aber siebe, da treten andre Dinge vor ihre Seele, da kommt die Welt mit ihrer Lust und ihren Sorgen wieder, da kommen tausend Dinge, die ihrem unbußfertigen Herzen lieber sind, da kommen böse Gefchwäge und Herzen wohnt, und nur zu bald ist Alles vergessen, was das Wort

? dem Gottes zeigt, fordert und giebt. Auf das Hören folgt keine That, keine Bekehrung, keine Erneuerung des Sinnes und Wandels. Das ist die Art der vergeblichen Hörer. Ihr Herz ist, wie ein Sieb, darin kein Wasser bleibt, ob man gleich tausend Eimer hineinschöpfen möchte; mit hörenden Ohren hören sie nicht, mit sebenden Augen seben sie nicht una nehmen es auch nicht zu Herzen.

Welches ist die Folge eines solchen vergeßlichen Hörens? Unsre Epistel sagt: „Damit ihr euch selbst betrüget." Sie führt uns auch ein Beispiel an in den Worten: So aber sich Jemand unter euch läßtdünken, erdiene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern verführet fein Herz, deß Gottesdienst ist eitel." In dieser Art können wir mehr sagen: So jemand sich läßt dünken, er sei ein Christ, und ringet doch nicht darnach, wie er Christo nachwandeln möge, deß Christenthum ist eitel. So jemand sich läßt dünken, er habe den Glauben, und hat doch die Werke, die Früchte des Glaubens nicht, deb Glaube ist todt. So jemand fich läßt dünken, er habe die Buße

, und bessert doch sein Leben nicht, dessen Buße ist nichts. So jemand sich läßt dünfen, er habe die Vergebung der Sünden, und vergiebt doch seinem Bruder nicht seine Fehler, der betrüget sich selbst. So jemand fich läßt dünfen, er habe die Liebe, und erbarmt fich doch nicht über den Nothleidenden, dessen Liebe ist nichts. Mit solchem todten Christenthum, mit solchem vergeßlichen Hören betrügen wir uns selbst. Wir betrügen uns damit um himmlische Güter, um die ewige Seligkeit

. Wenn ein Mensch die Jahre seiner Jugend verträumt, wenn er dieselben, anstatt sie zu benußen, nur genießen, anstatt nüßlicher Dinge nur Narrentheidinge treiben will, der betrügt fich selbst

. Jeder Verständige sieht es voraus, daß auf eine solche Jugend ein elendes Leben folgen wird. Wenn ein Mann seine Habe im Unverstand vergeudet, Müßiggang und Verschwendung liebt, und nicht seben noch bedenken will, daß er binnen Kurzem ein Bettler sein wird, der betrügt sich selbst. Wenn ein Handelsmann seine Sache nicht versteht, immerdar mit Schaden verkaufen muß, und die Zeit nicht zu benußen weiß, wann er zugehen und etwas erwerben muß, so nennen wir ihn unweise, als der seinen Vortheil nicht versteht. Aber, meine Liebsten, solche Kinder, solche Verschwender, solche unklugen Kaufleute werden wir sein, wenn wir vergeßliche Hörer und nicht Thäter des göttlichen Wortes find. Und zwar jene betrügen sich um zeitliches Gut und zeitliches Wohlergeben, wir aber würden uns um ewige Güter, um ewiges Heil betrügen. Welch ein elendes Leben wird für uns folgen, wenn wir diese unsre Gnadenzeit verträumen wollen, anstatt uns zum Himmelreich geschickt zu machen, anstatt uns einen guten Grund auf das zukünftige Leben zu legen! Welch ein Gericht wird über uns ergeben, wenn wir die Gnadengüter, welche Gott uns zum ewigen Leben geschenkt hat, als vergeßliche Hörer verachten und verschwenden wollen! Welch eine Armuth und Noth wird uns überfallen, wenn wir nicht als kluge Kaufleute die eine köstliche Perle, die uns geboten wird, das

ewige Leben zur rechten Stunde erkaufen wollen! Wir würden uns um das rechte ewige Gut, um der Seelen Seligkeit betrügen. Das thun die vergeblichen Hörer des Wortes. Sie haben die Mittel“ in Händen, die Kindschaft bei Gott, das ewige Leben zu gewinnen, schnell fährt die Gnadenzeit dahin, aber sie schlafen, und wenn sie erwachen werden, so ist Leben und Friede, Himmel und Seligkeit verloren, Tod, Pein und Verdammniß dagegen gewonnen. Das ist die Folge des vergeßlichen Hörens. Helfe Gott, daß wir vielmehr rechte Thäter des Wortes werden! Wir wollen uns zu weiterer Ermahnung noch den rechten Thäter des Wortes vor die Augen stellen.

Wer ist der rechte Thäter des Wortes? Vor der Frage kann unsre Seele zagen, wenn wir an unsre tägliche und mannigfaltige Sünde gedenken. Soll és der sein, der auch in keinem Worte fehlt? der in keinem Werke, in keinem Gedanken von dem Worte Gottes abweicht? wie das Wort des Herrn sagt: „Ihr sollt vollkommen sein, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist;" dann giebt es auf dieser Erde unter uns fündigen Menschen Keinen, auch nicht Einen. Der wird vielmehr der rechte Thäter des Wortes heißen müssen, welcher in allen Stücken nach der Vollkommenheit ringt, der sein Herz und Hände danach sehnlichst ausstreckt

, und dem Kleinod nachjagt. Wir haben es noch nicht ergriffen, aber wir jagen ihm nach. Wie der Apostel Paulus schreibt und that nach den Worten: „Nicht daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei, ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte. Ich jage nach dem Kleinod nach, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.“ Das ist der Streiter Jesu Christi, welcher mit der Sünde keinen Frieden hält, und in dem Ringen nach der Vollkommenheit kein andres Ziel kennt, als zu werden, wie Jesus Christus auch war. Das ist der rechte Thäter des Wortes. Seine Sünden, die noch übrig find, bedeckt die Gnade und Ges rechtigkeit Jesu Christi, und löscht fie aus mit seinem Blute. Nicht die äußerlich, vor Menschen sichtbar vollbrachte That, sondern die ganze Richtung des Herzens und Sinnes, die inners liche That ist die That, welche Gott, der Allwissende, ansieht, nach welcher er den Menschen richtet. Diese innerliche That macht den rechten Thäter des Wortes.

Wie geht es in folchem Thäter des Wortes zu? Unsre Epistel nennt' ibn einen solchen, „welcher durchschaut in das

vollkommene Geleg der Freiheit, und darinnenbeharrt. Er vergißt nicht, wie er gestaltet war, sondern er beharrt in der Erkenntniß seiner Sünden, in der Erkenntniß der göttlichen Gnade durch Jesum Christum. Der rechte Thäter des Wortes schaut durch in das vollkommene Geseß der Freiheit

. Das vollkommene Gesek der Freiheit ist das heilige Evangelium, daß Gott die Sünder selig macht durd Jesum Christum. Das ist ein Gefeß, denn es muß ihm gehorchen, wer da will selig werden. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden.“ Es ist ein vollkommenes Gese, denn es ist einzig und unfehlbar, von oben herabgekommen, von dem Vater des Lichts, von welchem alle gute und alle vollkommene Gabe kommt. Es ist ein Gesetz der Freiheit, denn es macht die Gefangenen und Gebundenen frei. Es macht sie frei von dem Fluchy des Geseßeß, denn „Christus ist des Geseßes Ende, wer an Den glaubt, der ist gerecht. Es macht sie frei von der Sünde, wie geschrieben steht: „Nun ihr seid von der Sünde fret und Gottes Knechte' geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr Heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben.“ Es macht sie frei von des Teufels Gewalt; denn dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre." Es macht sie frei vom Tode, Gericht und Hölle; denn wer an Christum glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, er fömmt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ Wenn nun die Gnade Gottes von unsern Augen die Sündendecke wegnimmt, daß wir dieses vollkommene Geset dec Freiheit, d. i. das heilige Evangelium durchschauen können, daß wir im Glauben uns in die Liebe Gottes, die uns gegeben ist, versenken können; dann wird unser Herz von der Erde gelöst und zum Himmel gehoben. Christus ist dann unser Leben, und Sterben unser Gewinn. Wir haben dann nur Ein Ziel vor Augen, Ein Kleinod dem wir nachjagen. Der Bund der Seele mit Gott wird unauflöslich geschlossen, wir können ihn nicht lassen, der uns geliebt und sein Leben für uns gegeben hat. In ihm leben, in.ihm bleiben, an ihn glauben, auf iyn hoffen, bei ihm beharren in Freude, in Leid, in Angst

, in Zagen, im Tode, im Gericht

, das ist die' Art der rechten Thäter des Wortes, só geht es in ihnen zu.

Endlich die Folge eines solchen Thuns beschreibt uns unsre Epistel in den Worten: „Derselbige wird selig sein in seiner That.“ Wohl freilich ist ein solches Leben in Christo hobe Seligkeit. Schon hier auf Erden ist es Šeligkeit

, denn der Herr Jesus Christus giebt einem solchen Thäter des Wortes seinen fries den, wie sein Wort sagt: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." Was kann über den Trost, über die Freude

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