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zur Sünde verführt. Bald verführt fie uns, daß wir Christum verleugnen, balb, daß wir uns seiner Worte schämen, bald, daß wir uns einer Sache rühmen, balb, daß wir unsere Fehler beschönigen. Wie oft reden wir, um der Menschen Beifall zu erhaschen; was thun wir nicht Alles, um geehrt und gerühmt zu sein? Und ach, wie eitel, wie so nichtig und vergeblich ist Das! Davon muß das Herz los, meine Liebsten, wenn wir Christo nachfahren wollen, denn die eitle Ehre zieht das Herz nicht überwärts zum Himmel, sondern unterwärts zur Hölle. Salomo aber sagt in seinen Sprüchen: „Der Weg des Lebens gebet überwärts, flug zu machen, daß man meide die Hölle unterwärts." Hat Jesus gelitten, ob er wohl hätte mögen Freude haben; wie vielmehr müssen wir uns zu Leiden bereit Halten, und in Trübsal geduldig sein, denn der Weg zum Himmel geht durch Dornen und Kreuz, wie geschrieben steht: , Dulden wir, so werden wir mit herrschen" (2. Tim. 2, 12), und an einem anderen Drte: „Sind wir denn Kinder, so sind wir aud Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir anders mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden". (Röm. 8, 17). Wer also Christo nachfahren will, der sehne fich nicht nach guten Tagen, sondern verleugne fich selbst, nehme sein Kreuz auf sich, und folge ihm nach. Hat Jesus sein Leben darge geben, und ist gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuze; wie vielmehr sollen wir täglich sterben, das Fleisd freuzigen, und der Stunde entgegen eilen, da unser Leib zur Ruhe gehen, die Seele aber Christum finden soll; wie vielmehr sollen wir Gott gehorsam werden, und ihm als Herrn und Vater folgen in allen Dingen. Das ist der Weg, auf dem Christus zur Himmelfahrt und zur Herrlichkeit gelangte, das sehen wir, indem wir ihm nachsehen.

Wir müssen zweitens Christo das Herz nach schicken, um eine selige Nachfahrt zu haben. So sagen es die Worte des Liebes:

„Nur daß ihr den Geist erhebt von den Lüften dieser Erden, und euch Dem schon jeßt ergebt, dem ihr beigefügt wol't werden. Schickt das Herze da hinein, wo ihr ewig wünsch't zu sein!“ Wir haben vorhin gehört, daß das Herz von der Welt, und von den Gütern dieser Erde los sein müsse; wir Hören nun, daß es an dem Himmel und an den Himmlischen Dingen hangen müsse. Hier war Jesus ein Fremdling in seinem Eigenthüm; droben im Himmel ist er ein Herr über Alles. Hier war er arm und verachtet; droben ist er in Herrlichkeit und göttlicher Majestät. Hier mußte er leiden und sterben; dort ist er der Herr des Lebens, der über Himmel und Hölle, über Seligkeit und Verdammniß

gebietet, wie geschrieben steht

, daß er die Schlüffel der Hölle und des Todes habe. Nun will er so gerne das Verlangen in unseren Herzen erwecken, daß wir uns sehnen sollen, seiner Herrlichkeit theil. Haftig zu werden. In herzlichem Verlangen sollen wir das Herz

ihm nachschicken, darum läßt er uns seinen Willen wissen und spricht: „Wenn ich erhöhet bin von der Erde, so will ich sie Alle zu mir ziehen." Hörest du das, o Christ? Dein Heiland, der nun erhöhet ist von

der Erde, will dich zu fich ziehen, durch Kreuz zur Herrlichkeit. Eben darum spricht er betend: „Vater ich will, daß wo ich bin, auch Die bei mir sein, die du mir gegeben hast; auf daß fie Alle Eins sein, gleichwie Du Vater in mir und ich in dir, daß auch fte in uns Eins sein!" Merkest du, o Christ, den Willen deines Erlösers? Du sollst sein, wo er ist, bet ihm, mit ihm in der Herrlichkeit Gottes. Siehe, hier bist du ein Fremdling, dort sollst du ein Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenoffe sein; hier verachtet, dort gekrönt; hier leidend und duldend, dort triumphirend; hier in Schmerz, Seufzen und Thränen, dort in ewiger Freude und Wonne; hier sterbend, dort im ewigen Leben. So liegt es uns vor in dem Testamente Gottes, seinen Kindern als Erbtheil festgeschrieben, besiegelt mit dem Blute Jesu Christi, und durch den Tod des eingebornen Sohnes Gottes gewiß gemacht. Wie weit geht das über unser Bitten und Verstehen! Wie weit über Alles, was dieses arme Erdenleben und bieten kann! Sollte da unser Herz nicht voll Verlangen werden, einzugehen zu unseres Herrn Freude? , In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen," spricht der Herr. „Wenn es nicht so wäre, so wollte ich zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten. Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch wiederkommen, und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo ich bin; und wo ich hingehe, das wisset ihr, und den Weg wisset ihr auch." Sollte da unser Herz sich nicht fehnen, in die Hütten des Friedens einzukehren, und zu werden wie die Engel Gottes ? Was hätten wir denn, das Tins diese Welt noch angenehm machen könnte, daß wir darüber des Himmels vergäßen? Müssen wir nicht vielmehr mit Paul Gerhard fingen und sagen: „ Die Herberg' ist zu böse, der Trübsal ist zu viel ; ac, komm, mein Gott! und löse mein Herz, wenn Dein Herz will. Komm', mach ein sel'ges Ende an meiner Wanderschaft, und was mich kränkt, das wende durch Deinen Arm und Kraft!" oder mit den Worten eines anderen Liedes: „Ich habe Lust zu scheiden, mein Sinn geht aus der Welt; ich fehn mich zu den Freuden nach Zions Rosenfeld !" O jó lasset denn sold Verlangen eure Seele durchdringen, so fchickt man Jesu das Herz nach, und bereitet sich auf eine felige Nachfahrt !

Doch wo ist solch eine Sehnsucht ohne den Glauben? Darum fage ich ferner, daß wir Jesu' das Herz im festen Glauben nachschicken sollen. Ob wir ihn schon nicht sehen, so darf darum unser Glaube nicht wanken, denn er spricht: ,,Selig sind, die nicht feben, und doch glauben.“' Glaube, Glaube beißt die Gotteskraft, durch welche wir Berge verseken, durch welche wir die himmlischen Dinge ergreifen, und uns zu eigen machen können, nicht in der Einbiidung, sondern in der Wahrheit. „Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig.“ Glaube, daß der Herr Jesus dich erlöset hat, erworben, gewonnen von allen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; glaube es, so hast du es, so bist du erlöset, und hast das ewige Leben. Glaube, daß dein Erlöser zur Rechten Gottes thront und über alle Dinge herrscht, so wird dein Herz einen Anker im Himmel haben, der nicht los läßt untér allen Stürmen deines Erdenlebens, bis du selbst nachgefahren, und zu seiner Herrlichkeit eingegangen bist. Wenn wir am Glauben arm sind, dann sind wir die Äermsten unter allen Creaturen; wenn wir im Glauben schwach sind, dann will weder Herz noch Leben himmelwärts gehen, sind wir aber im Glauben fest und unbeweglich, dann dürfen wir mit St. Paulo rühmen: Ich weiß, an welchen ich glaube, und bin gewiß, daß er kann meine Beilage bewahren bis an jenen Tag. Der Herr wird mich erlösen von allem Uebel, und mir aushelfen zu seinem himmlischen Reich!". Darum glaube nur, so wirst du Ades überwinden, und eine selige Nachfahrt halten, wie der Herr spricht: „Wer überwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu fißen, wie Ich überwunden habe und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl."

„Schick dein Herze da hinein, wo du ewig wünsch’st zu sein, das will endlich dich mahnen: schicke dein Herz Jefu in Liebe nad, so wirst du eine selige Nachfahrt halten. Hat er dich doch zuerst geliebt, o Christ, solltest du ihn nicht wieder lieben müssen? Hat seine Liebe ihn doch für dich vom Himmel herniedergebracht, sollte diese Liebe es nicht fordern, daß du ihn wieder liebest, wiewohl du ihn nicht fiehst? O merke doch, die Liebe hört nimmer auf; sollte es bei dir Heißen: „Aus den Augen, aus dem Sinn?“ Wo ist der Vater, der da aufhöret, sein Kind zu lieben, sobald der Tod es ihm entrissen hat? Wo ist das Mutterherz, das sich nicht mit Verlangen dem Himmel entgegenstreckt, wo es den heimgegangenen Liebling aufgehoben weiß? Wo ist die Braut, der nicht die ganze Welt bitter geworden, wenn der Bräutigam von ihr genommen ist? Siehe hier ist mehr, denn diese Alle dir je sein oder werden können, hier ist Jesus, der einige Sohn Gottes, dein Ein und Alles; o wäre kein Zug in deinem Herzen, der dich ihm nachzöge? Ermanne dich, o Christ, reiß los dein Herz von Dem, was dich hier noch gefangen hält, los von der Liebe die von unten stammt: „Laß was irdisch ist dahinten, schwing' dich über die Națur; wo Gott und die Menschheit in Einem vereinet, und alle vollkommene Fülle erscheinet, da, da ist das beste, nothwendigste Theil, dein Ein und dein Álles, dein seliges Heil." Siehe, wer ihn also liebt, ihm also nachfolgt, der wird ihm nachfahren in seine Herrlichkeit, und bei ihm sein allezeit!

Ist das aber auch gewiß? Ja, mein Christ, mehr hat hier Niemand zu thun; die Engel Gottes werden dann das Uebrige thun. Wer will uns scheiden von Dem, den unsre Seele liebt? Doch nicht der Tod? Onein; sondern dann gerade wird er seine Engel senden, und uns die Bothschaft seiner Himmelfahrt bringen lassen: „Dieser Jesus, welcher von euch ist aufges nommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gent Himmel fahren." Ja, ja, das ist der Trost, der auchy dem Tode feine Schrecken nimmt, vor dem selbst die Hölle nicht bestehen kann. Wie er gen Himmel gefahren, als Fürst des Lebens, als Sieger über Tod und Teufel kommt er wieder; wie einst am Ende der Tage in Pracht und Herrlichkeit, also schon mit Segenghänden für seine Gläubigen, wenn er sie beimholt durch einen seligen Tod, und seine heiligen Engel um ihn her. Denn gleich wie es vom Lazarus heißt: Der Arme starb, und ward getragen von den Engeln in Abrahams School" also gilt es auch von allen, die da geistlich arm dem Himmelreich nachgetrachtet haben. Liegen sie vielleicht auch einsam da auf ihrem Sterbebette, ist keine Hand da, den Todessdweiß zu trocknen, das müde Auge zu schließen, und ihnen das legte Geleit zu geben; die Engel Gottes, die dienstbaren Geister, ausgesandt zum Dienst'um Derer willen, die ererben sollen die Seligkeit, sie lagern sich um Die her, so den Herrn fürchten, trösten sie in ihrer Noth, erquicken ihre Seele mit der Aussicht in die Seligkeit, und tragen sie endlich beim in Jesu Schooß, dahin wo kein Leid, noch Geschrei, noch Schmerz mehr ist, wo alle Klage verwandelt wird in einen Reigen, daß sie allda leben in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit, und das ewige, unverwelkliche und unbefleckte Erbtheil erhalten aus des Herrn Hand! D, welchy eine Gnade, welch eine Hoffnung ist das ! Wie weit übertrifft fie alle die kurzen Sorgen, Mühe und Kämpfe dieses Lebens! Darum lasset uns oft den Blick dorthin erheben, wo Jesus Christus ist, und seine heiligen Engel mit ihm, und die ganze Schaar der schon Vollendeten. Dort ist unsere Heimath, das heilige Jerusalem, das

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unser Ader Mutter ist! Dorthin das Herz; täglich, stündlich! Sollten wir uns nicht sehnen, nicht Lust haben abzuscheiden und bei Christo zu sein in der herrlichen Freiheit der Rinder Gottes ?

Tag des Todes, der du zugleich der Tag des Lebens sein wirst, du machst das Herz wohl beben, aber deine Schauer sind kurz, und ewig der Sieg! Wann wirst du kommen, du Stunde der Erlösung! Ach, Herr, wie so lange noch! Wohl Dem, der den Pilgerstab des Glaubens von sich werfen kann; deß Seele werden Deine Engel zu Deinen Füßen, zum Schauen Deiner Herrlichkeit tragen! Dazu hilf, Herr Jesu! Amen!

Zieh' und nach dir, so laufen wir,
Gieb uns des Glaubens Flügel;
bilf, daß wir flieben weit von hier
Auf 3sraelis Hügel.
Mein Heiland, komm;
Und nimm mich an!
Auf daß ich fröhlich jauchzen tann,
Und klopfen in die Hände :
Kallelujah, ohn' Ende! Amen!

36.

Am Sonntage Exaudi.

Herr Gott, Heiliger Geist, der Du nicht verschmähest, die Herzen sündiger Menschenkinder zu Deiner Wohnung zu machen, und Deine Kraft den Schwachen und Elenden mitzutheilen, weiche nicht von uns, sondern bleib', ady bleibe, daß wir wachsen in Christo, und täglich gestärkt werden mit Deiner herrlichen Macht. Gleb Deinem Worte allezeit neue Kraft unter uns, und unsern Herzen allezeit neuen und rechtschaffenen Glauben. Von den vielen Wegen, welchen unser Herz nachhängt, wollest Du uns ablenken, und auf den Einen Weg der Wahrheit, auf den Einen Weg des Lebens uns hinführen, auf daß unsre Schritte unverrüdt dem Kleinod entgegeneilen mögen, welches die himmItsche Berufung Gottes uns in Christo Jesu borhält! Amen.

Geliebte Christen! Unmittelbar vor unsrer heutigen Epistel, welche wir bernadi im ersten Briefe Petri lesen werden, thut der Apostel Petrus den Ausspruch: Es ist aber nabe gekommen das

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