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gefallen werde, er richtet fich hier oder da ein wenig danach, und siebe, dann ist es schon verdorben. Wie leicht greift man nach Künsten der Rede, und spricht bei sich, da werden sich die Leute wundern über die Gabe und über die Lebendigkeit der Rede, und siehe, dann ist der Geist hinweg, der heilige Geist, welcher doch allein der Rede das rechte göttliche Leben giebt. Wie leicht begehrt ein Prediger neben dem, daß er die Gemeinde erbaut, auch einen Ruhm für sich, und siebe, dann ist der Segen seiner Worte dahin. ,,So jemand redet, das er's rede als Gottes Wort," in dem Worte ist die ganze geistliche Redekurst enthalten, und zwar ist das die Kunst

, daß man nicht künstlich, sondern einfältig rede, als im Namen Gottes und vor Gottes Angesicht. Weil aber dies eine so große Aufgabe ist, so bitten und ermahnen wir abermal, ihr wollet doch nicht ablassen, unser in eurem Gebete zu gedenken, daß Gott uns gebe sein Wort unter euch zu reden mit Einfältigkeit des Herzens und mit freudigem Aufthun unsers Mundes. „So jemand ein Amt hat, daß er es thue als aus dem Vermögen, da8 Gott'darreicht.“ Diese Worte beziehen sich ursprünglich auf die verschiedenen Aemter, welche an den christlichen Gemeinden in der Zeit der Apostel und danach zu verwalten waren. Sie lassen sich aber füglich auf alle Aemter der Christen anwenden. Es soll in denselben Niemand seine eigne Ehre suchen, sondern die Ehre Gottes, soll sich nicht blähen, als ob er durch seine Kraft oder Verdienst solchen Stand erworben habe, und seine Sachen ausrichte, sondern soll bedenken und wissen, daß Gott das Vermögen dazu dargereicht hat und noch darreicht. Das Amt ist nicht um des Menschen willen da, sondern der Mensch um des Amtes willen. Also nicht, daß er sich einen Namen oder eine Ehre dadurch verschaffe, sondern daß er Gott und dem Nächsten darin diene mit aller Demuth und Gottesfurcht. Wir könnten den beiden Aussprüchen des Apostels noch andere anreihen, wenn wir sagten: Hat jemand einen Handel, oder Gewerbe, daß man es treibe als im Namen Gottes und vor Gottes Angesicht; dienet jemand, daß er es thue, als diene er dem Herrn und nicht den Menschen; es wird aber dies Alles von dem Apostel in die Worte zusammengefaßt: „Auf daß in allen Dingen Gott gepriesen werbe durch Jesum Christu in." Fhr wisset die große Gnade unferseGottes, daß er uns durch den Glauben an Jesum Christum Vergebung aller Sünden zu Theil werden lassen, uns aus aller Noth erlösen, und zu seinem himmlischen Reiche aushelfen will. Ihr wisset

, daß er ohne alles unser Verdienst und Würdigkeit uns von der Finsterniß berufen hat, und da wir noch Feinde waren, schon seinen eingebornen Sohn für uns dahin gegeben hat zur Erlösung von den Uebertretungen. Als der Tod uns noch gefangen hielt, da

suchte seine Liebe uns, und ließ uns Irinc Ruhe, daß wir ihn erkennen sollten, als den rechten Vater, und uns von ihm souten helfen lassen. Als kein Ausweg mehr da war für uns, da richtete er die Gerechtigkeit des Glaubens auf, durch welche auch ein Sünder kann errettet und selig werden. Hat aber Gott das Größeste für uns gethan, so sollen auch wir nun unser ganzes Leben dem Einen großen, vorgestreckten Ziele zuwenden, und vor allen Dingen und in allen Dingen nur das Eine sorgen, daß wir gewiß und unverrückt in Christo allenthalben erfunden werden. Da ist eine Perle zu gewinnen, die köstlicher ist, als alles Edelgestein, da kann aus dem elendesten Menschen noch etwas Großes werden, nämlich ein Kind Gottes, und ein Mitgenosse der ewigen Herrlichkeit. Wenn wir auf diesen Einen Wurf unser ganzes Leben seßen, und auf diesen Einen Zug alles Uebrige wagen, dann steht es wohl um uns, dann wird Gott in allem Thun gepriesen, dann wandeln und streiten wir als im Angesichte jenes großen Tages, und werden an demselben nicht zu Schanden werden. Das helfe Gott allen armen Sündern durch Jesum Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!

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Gieb, daß ich thu mit Fleiß,
Was mir zu thun gebühret,
Wozu mich Dein Befehl
In meinem Stande führet.
Gieb, daß ich's thue balb,
Zu der Zeit, da ich sou,
Und wenn ich's thu', so gieb,
Daß es gerathe wohl.
Hilf, daß ich rede stets,
Womit ich kann bestehen;
laß kein unnüßes Wort
Aus meinem Munde gehen;
Und wenn in meinem Amt

Ich reden soll und muß,
So gieb den Worten Kraft,
Und Nachbrud ohn' Berbruß. Amen!

37.

Am ersten Pfingsttage.

Gott Bater, sende Deinen Geist,
Den ung Dein Sohn erbitten heißt,
Aus Deines Himmele Söhen:
Wir bitten mie Er uns gelehrt;
Laß uns doch ja nicht unerhört
von Deinem Throne gehen.
Rein Mensdenkind hier auf der Erb'
Ist dieser edlen Gabe werth,
Bei uns ist kein Verdienen;
Hier gilt gar nichts, als lieb' und Gnab',
Die Ehristus uns verdienet hat
Mit Büßen und Berfühnen! Amen! -

Geliebte Christen! Wir feiern heute das Andenken an die große Ausgießung des heiligen Geistes über die Apostel Jesu Christi zu Jerusalem. Nachdem der Herr von ihnen gen Himmel gefahren war, blieben sie zu Jerusalem bei einander, wie er ihnen befohlen batte, und warteten auf den verheißenen Tröster, der zu ihnen kommen sollte. Sie waren stets bei einander mit Beten und Fleben; sie bestellten auch an die Stelle des Judas Jícharioth einen Ändern zum Apostel, nämlich den Mathias. Am zehnten Tage aber nach Der Himmelfahrt Christi, da sie wieder Alle einmüthig bei einander waren, ging das Wort des Herrn in Erfüllung. Sie wurden alle voll des heiligen Geistes. Es ging da in Erfüllung, was Gott durch den Mund des Propheten Joel verfündigt hatte, da er sprach: „Nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Aeltesten sollen Träume haben, eure Jünglinge sollen Gerichte sehen. Auch will ich zu derselbigen Zeit beides über Knechte und Mägde meinen Geist ausgießen. Wir müssen zwar annehmen, daß die Gottesfürchtigen und Gläubigen zu den Zeiten des Alten Bundes auch vom Geiste

Gottes gelehrt und getrieben worden sind, wie St. Petrus bezeugt, wenn er sagt: „Die heiligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem heiligen Geiste;" aber es waren ihrer nur Wenige, als die Propheten und andere Knechte Gottes. Zu den Zeiten des Neuen Bundes aber sollte nach der Weissagung des Joel der heilige Geift auf alles Fleisch, d. 5. auf allerlet Menschen kommen ohne Unterschied,, auf Söhne und Töchter, auf delteste und Jünglinge, da auf Knechte und Mägde. Da wollte Gott mit den Juden auch die Heiden, die sonst nicht sein Volk waren, zu seinem Volke samé meln, fie follten Alle von Gott gelehrt sein, ein priesterliches Volk, allzumal Kinder des Höchsten, gesalbt mit dem Geiste der Verheißung. Hiermit wurde an jenem Pfingsttage der Anfang gemacht, und wir erkennen daran mit herzlicher Freude, daß die große Scheidung zwischen Gott und den sündigen Menschen durch die siegreiche Erlösung Jesu Christi ein Ende genommen hat.

Wenn wir nun von der Gabe des Heiligen Geistes am heutigen Pfingsttage aus Veranlassung unsrer Festepistel näher reden wollen, so erfleben wir uns dazu den Segen Gottes in einem stillen und andächtigen Gebete, wenn wir nody vorher den fünften Vers aus dem Liede: „Romm', Tröster, komm hernieder," welcher anhebt: , Der Du als Gott ausgehest," miteinander werden gesungen haben.

Epistel: Apostel-Geschichte 2, 1-13.

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Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmüthig bei eininder. Und es geschah Ihnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Bindes, und erfüllete das ganze Haus, ba fie saßen. Und man fabe an ihnen de Zungen zertheilet, als wären fle feurig. Und er feste fich auf einen jeg liben unter thnen; und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen. Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer, aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Dá nun diese Stimme geschay, kam die Menge zusammen, und wurden verstürzt, denn es Hörete ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten. Sie entseßten sich aber alle, verwunderten fich, und sprachen unter einander: Siehe, find nicht diese alle, die da reben, auß Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darinnen wir gebord find? Parther, und Meder, und Elamiter, und die wir wohnen in Mefoptamien, und in Judäa, und Cappadocien; Pontus uub Afien, Phrygien und Amphylien, Egypten, und an den Enden der Libyen bei Kyrene, und Ausläner bon Rom, Juden und Judengenossen, Creter und Araber; wir Hören) sie mit unsern Zungen die großen Thaten Gottes reden. Sie entseften fich aber all, und wurden irre, und sprachen einer zu dem andern: Was will das werdené Die andern aber hatten es ihren Spott, und sprachen: Ste findi voll füßn Weins.

Den Gegenstand unsrer Betrachtung faffen wir in folgende Worte zusammen: Die Gaben und die Gabe des heiligen Geistes. Jhr hört, daß wir es zuerst in der Mehrheit nennen, die Gaben des heiligen Geistes, und danach in der Einheit, dile Gabe des heiligen Geistes; damit ist ein Unterschied angedeutet, mit welchem wir uns zum bessern Verständniß der heiligen Schrift bekannt machen müssen. Die Gaben des heiligen Geistes, die wir so nennen, find verschieden, zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Personen, und find nicht nothwendig zur Seligkeit; die Gabe des heiligen Geistes aber, durch welche wir berufen, gesammelt, erleuchtet, geheiligt und bei Jesu Christo im rechten, einigen Glauben erhalten werden, ist bei allen Christen, und an allen Drten dieselbe, und ist uns zur Seligkeit nothwendig. Laßt uns dem näher nachforschen.

Die besondern Gaben des heiligen Geistes waren schon zu der Apostel Zeiten sehr mannigfaltig, und sind es auch in unsern Zeiten. Gott theilt sie an die Menschen aus nach seiner Weisheit und nach seinem Wohlgefallen; er giebt fie aber denen, welchen er sie giebt, nicht für sich zu ihrem eigenen Dienste, sondern zum Dienste und Nußen der ganzen Christenheit. Zu den Zeiten der Apostel waren Viele von diesen Gaben mit wunderbaren Kräften verbunden; Andere waren weniger wunderbar; viele Christen hatten auch gar keine solche besondern Gaben. Wunderbar war gleich am ersten Pfingsttage die Gabe, in mancherlei fremden Sprachen zu reden, welche den Aposteln ohne Zweifel vorber unbekannt waren. Der Åpostel Paulus beschreibt diese befondern Gaben des Heiligen Geistes im ersten Briefe an die Korinthe im 12. Capitel, wo er sagt: „Es find mancherlei Gaben, aber is ist Ein Geist. Es sind mancherlei Aemter, aber es ist Ein Her. ES find mancherlet Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wiriet Alles in Allem. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben ses Geistes zum gemeinen Nußen. Einem wird gegeben durch den Geist zu reden von der Weisheit; dem Andern wird gegeber zu reden von der Erkenntniß nach demselbigen Geist; einem Awern der Glaube in demselbigen Geist; einem Andern die Gabe, geund zu machen, in demselbigen Geist; einem Andern, Wunder zu tun; einem Ändern Weissagung; einem Andern, Geister zu unterschiden, (d. h. zu prüfen und zu erkennen, was in dem Menschen ist) inem Andern mancherlei Sprachen; einem Andern, die Sprachen aszulegen. Dies aber alles wirkt derselbige, einige Geist, und theilt einem Seglichen Seines zu, nachdem er will." Wenn nn ein

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