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Anläufe des Versuchers zurückschlagen ohne den Heiligen Geist? Daher sagen wir, es muß uns Alles daran gelegen sein, daß er reichlich bei uns wohne, und dazu giebt es Mittel und Wege. Welcher Mensch das thut, wozu der Geist Gottes ihn treibt, welcher seinem Zuge nicht widerstrebt, sondern folgt, der kann gewiß sein; daß der Geist bei ihm bleiben, ja sein Herz immer reichlicher erfüllen werde. Was ist das, wozu der Geist Cottes treibt? É 8 ift zuerst die Buße und Bekehrung von den Sünden. D Christ, wende deine Blicke, dein Herz und Gedanken nicht viel hin und her, sondern gebe gerade auf das los, was nothwendig ift. Es heißt Buße und Befehrung von den Sünden; du wirst nicht umhin kommen, der Geist des Herrn; Herrn fordert sie. So mancher Christ versucht es Jahre lang, ob er nicht ein Kind Gottes sei, und in seiner Sünde bleiben könne; da sucht: sein Herz so feine Umwege und kluge Anschläge, wie er Christum mit seinen Sünden vereinigen möge; er wagt es immer aufs Neue, fein perz ist unruhig dabei, aber die Sünde ist ihm so füß, und ihre Reize so gewaltig. Aber umsonst! umsonst! das Wort, und der Geist fordern aufrichtige Buße, rechtschaffene Früchte der Buße. Zau= dere nicht also, und ergreife nicht Umwege, sondern thue, was der, Geist Gottes fordert, so wird er bei dir bleiben und reichlicher in dein Herz einkehren. Es ist ferner der feste Glaube an Jesum Christum und sein Evangelium, wozu der Geist Gottes treibt. Willst du die Gabe des Geistes bei dir bewahren und vermehren, so schicke dein Herz an, daß es nicht ungläubig, sondern gläubig sei. Die eigene Weisheit, die dich von Christo zurückhält, die sich mit Gottes Wort nicht einigen kann, reiße aus und wirf sie hin; wie der Herr sagt: „Wergert did; dein Auge, so reiß'es aus, und wirf es von dir.“ Man sagt von den halbwilden Heiden, daß fie oft kostbare Dinge, Gold und Edelstein für unbrauchbares und glänzendes Flitterwerk und Spielsachen hingegeben haben. So thun die Christen auch, welche das kostbare Gold und den Edelstein des Glaubens für menschliche Weisheit hingeben. Es ist aber ohues den Glauben unmöglich, Gott zu gefallen. Alle Gelehrsamkeit, alle, menschliche Weisheit und Klugheit ist nichts gegen ein findlich gläubiges Herz, welches vom jeglichem Worte lebt, das Gott geredet und geoffenbaret hat. Es giebt kein Christenthum ohne den festen Glauben an das Evangelium. Laßt euch nicht verführen, wenn sie sagen: Man kann doch wohl ein Christ sein, ohne das Alles zu glauben. Kann ein Mensch audy leben ohne die Luft, die er athmet, ohne Speise, die er genießt, ohne das Blut, das in seinen Adern rinnt? Eben so wenig kann Éiner ein Christ sein ohne den festen Glauben an Jesum Christum, und sein Evangelium. Der Geist Gottes fordert den Glauben; darum schenke ihm dein Herz, nimi

das Wort im Glauben an, so wirst du die Gabe des Geistes bei dir bewahren und reichlich vermehren.

Der Geist Gottes treibt ferner zur treuen Nachfolge Christi. Er straft um die Sünde, er reizt und lockt, gesinnet zu sein, wie Jesus Christus auch war. Folge ihm darin, so wird seine Rraft in dir wohnen und wacjen. Liebe Brüder, meine Seele geht zuweilen mit großem Ernste an die Frage, ob wir auch das Heil unsrer Seele recht wahrnehmen, ob wir auch das Werk Gottes an uns ganz durchdringen und wirken lassen. Es hängt an dieser kurzen Lebenszeit unser ewiges Wohl, oder Wehe, schnell ist die Stunde da, in welcher es heißen wird : Hin ist hin, unser Ende ist gekommen! Es sind nun durch Gottes Gnade. Manche unter uns, die den Anfang des neuen Lebens in Christo gefunden haben, daß sie den theuren Namen kennen, durch welchen die Sünder sollen selig werden, und daß sie den Weg auch wissen. Aber wie steht es um den Fortgang des Lebens ? Hängt dein Herz auch etwa an den todten Buchstaben? Tröstest du dich auch etwa mit leeren Worten, die du gelernt hast, ohne ihre Kraft zu haben, ohne dein Herz dem Geiste zu ergeben, der dich treibt, Christo nachzufolgen? Ist es nicht etwa bei uns so, daß man vielmehr vom Christenthume bört, als man davon sieht? Ålso viel mehr Hörer, als í häter, viel mehr Geschwäß, als findlicher Gehorsam in Gott? D es liegt unserm argen Herzen oft mehr daran, daß Andre unsern Glauben wahrnehmen sollen, als daß wir ihn in uns selbst immer fester und fester begründen, und mit der Wahrheit umschanzen. Das arge Herz ringt immer nach außen, nach dem Scheine, anstatt in sich zu dringen, und die Tiefen der Sünde zu überwältigen. Rehre in dich, ziehe deine Kraft zusammen, und fasse nicht die Welt, sondern Christum allein ins Auge, ihm nachzufolgen. Habe nicht dich selbst, sondern ihn im Sinne, theile dein Herz nicht für so viel Tausend Dinge, sondern richte es auf das Eine, was noth ist. Dahin treibt der Geist

, welcher nicht ein Geist der Welt, sondern ein Geist Christi und Gottes ist; folge seinem Triebe, so wird feine Kraft in dir wohnen, wachsen und dich regieren.

Der Geist Gottes treibt endlich zum Worte Gottes, zum Sakrament und zum Gebete. Folge ihm in diesen Dingen, so wird seine Kraft immer völliger in dein Herz ausströmen. Nichts hat ein Christ schmerzlicher zu beklagen, als die Unlust und die Zerstreuung, welche ihn so oft, und so leicht bei diesen Heiligthümern, in dieser Nähe Gottes, befällt, ich meine besonders beim Worte Gottes und beim Gebete. Unsre Seele ist offenbar in der nächsten Nähe Gottes beim Worte Gottes und beim Gebete, da redet sein Geist zu uns, und antwortet aus uns. Aber welch ein beklagenswerther Zustand ist das, daß uns auch da eine Unluft,

eine Zerstreuung so leicht beherrscht! Das ist die Folge davon, wenn uns die Welt so sehr bezaubert, und unser Herz so irdisch ist. Soll es dann himmelan steigen, so ist es schwer beladen mit dem Joche der Welt, und kann sich nicht erheben; soll es in der stillen Kammer vor dem Herrn verweiten, so können wir wohl die Thür des Kämmerleins verschließen, aber die Thore des weltlichen und sündigen Herzens bleiben weit aufgesperrt. Rehre in dich, lasse die Welt los, an welche du dich angeklammert hast, und ergreife "Christum; dann wird die Welt auch dich loslassen, und Christus dich ergreifen, der dich schon von der Kindheit an ergriffen hat. Höre und bewahre das Wort des Lebens mit allem Fleiße, es ist eine Kraft Gottes darin, sie da felig macht. Bitte mit Anhalten und Flehen, so wird dir gegeben werden. So denn ihr, die ihr doch

spricht der Herr, könnet euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird euer Vater im Himmel den heiligen Geist geben Denen, die ihn darum bitten." -,Sollte Gott nicht auch erretten seine Auserwählten, die zu ihm schreien Tag und Nacht? Wahrlich, er wird sie erretten in einer Kürze."

So können und sollen wir die Himmelsgabe des Heiligen Geistes, die uns gegeben ist, bewahren und vermehren. Derselbe wird Christum in uns verklären, und uns mit ihm also verbinden, daß wir sagen dürfen: „ Nicht ich lebe, sondern Christus lebet in mir."

Dem Almächtigen aber, der uns zum Leben berufen hat mit einem heiligen Ruf, und verseßt in das Reich seines lieben Sohnes, der uns den Geist der Kindschaft in die Herzen gegeben hat, durch welchen wir ihn Vater nennen, demselben set Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ámen.

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II

D Heiliger Geist, wahrhaftiger, allmächtiger Sott! der Du Dich geoffenbaret hast, Du Licht der Wahrheit und Trost der Seelen! den der Sohn Gottes' uns zu senden verheißen hat: wir bitten Dich von Herzen, Du wolleft Dich unser erbarmen, und um des Heilandes Jesu Christi willen in und rechte Erkenntniß und Anrufung der göttlichen Majestät, des emigen Vaters und des Sobnes sammt Dir erweden; Du wollest uns nicht in Versuchung und auf Irrthum fallen lassen unsre Herzen rein' und heilig machen, Gottesfurcht, rechten Trost, Glauben, Hoffnung und liebe gegen Dich in uns erweden. Du wollest auch die Heilige Christenheit für und für erhalten, und mit rechter Lehre, gutem Rath und Einigkeit regieren, auch in weltlicher Regierung guten Rath, Frieden und einen seligen Stand geben, daß wir Gott, dem ewigen Vater und dem Sohne sammt Dir, in Einigkeit mit fröhlichem Herzen danken und lobsagen durch unseren Mittler Jesum Christum, der mit Dir und dem Vater lebet und regieret von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen! --

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Geliebte Christen! Der Apostel Paulus kam auf seinen Reisen, da er das Evangelium ausbreitete, auch nach der großen Stadt Athen, in welcher die weltliche Weisheit in damaligen Zeiten so recht zu Hause war. Auch da (chämte er sich des Evangelii von Christo nicht, welches vor den Weisen der Welt eine Thorheit ist

, denn er wußte, daß es eine Kraft Gottes ist, die da felig macht Alle, die daran glauben. Nachdem er schon einige Zeit das Wort von Christo in den Schulen der Juden und öffentlich auf dem Markte vor den Heiden gepredigt Gatte, führten sie ihn eines Tages auf den sogenannten Richtplag, daß er zu ihnen reden sollte, denn sie wollten hören, was er Neues vor ihre Dhren bringen werde. Paulus aber stand mitten auf dem Richtplaß und sprach: „Ihr Männer von Äthen, ich sehe euch, daß ihr in allen Stücken allzu abergläubig seid. Ich bin herdurchgegangen und habe gesehen eure Gottesdienste, und fand einen Altar, Barauf war geschrieben: „Dem unbekannten Gott.“ Nun verkündige ich euch denselbigen, dem ihr unwissend Gottesdienst thut. Gott, der die Welt gemacht hat, und Alles, was darinnen ist, fintemal er ein Herr ist Himmels und der Erde, wohnet nicht in Tempeln mit Händen gemacht. Seiner wird auch nicht von Menschenhänden gepflegt, als der Jemandes bedürfte, so er selbst Jedermann Leben und Odem allenthalben giebt; und hat gemacht, daß von Einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und hat Ziel geseßt, zuvor versehen, wie lange und weit sie wohnen sollen. Daß fie den Herrn suchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten. Und zwar er ist nicht ferne von einem Jeglichen unter uns, denn in ihm leben und weben und sind wir; als auch etliche Poeten bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts." So und mit mehr Worten verkündigte er ihnen den unbekannten Gott, den Herrn Himmels und der Erde. Die Leute zu Athen waren Heiden, sie verehrten viele Gözen' in Tempeln und auf Altaren, sie waren darin sehr eifrig und sorgfältig; es blieb ihnen aber das Gefühl und die Ahnung übrig, daß noch ein Gott vorhanden sei, den sie nicht kannten, dem ste also unbekannterweise einen Altar errichteten und ihn verehrten. Diesen Einen, wahren, unbekannten Gott wollte ihnen Paulus bekannt machen. Derselbige ist auch uns bekannt geworden durch das Heilige Evangelium; wir nennen und bekennen ihn, wir rufen ihn an in der Noth, wir haben sein Wort, wir haben durch Christum sein Heil und feine Gnade. Dech müssen wir sagen, der bekannt gewordene Gott ist uns noch vielfach unbekannt, der offenbar Gewordene ist uns noch vielfach verborgen. Verborgen ist uns sein Wesen, wunderbar feine Wege, unerforschlich seine Gerichte. Dies wird uns die Betrachtung unsrer heutigen Epistel näher zu Herzen führen, und wir wollen uns dazu den Šegen Gottes érfleben in einem stillen und andächtigen Gebete.

Epistel: Römer 11, 33-36.,

Dwelch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und der Erkenntniß Gottes ! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforsditch seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder, wer ist sein Rathgeber gewesen? Oder, wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß ihm werde wieder vergolten? Denn von ihm, und durch ihn, und in (zu) thm find alle Dinge. Shm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

So ruft der Apostel Paulus voll Verwunderung aus über den Herrn im Himmel, der und so nah und so fern zugleich ist. So nahe ist er, denn in ihm leben und weben und sind wir; so nale, dénn er hat sich und zum Vater gegeben, und uns zu seinen Rindern erwählt in Christo Jesu; und doch so fern ist er, so unergründlich in seinen Wegen und seinen Gerichten.

Laßt uns heute dem Gedanken nachdenken, daß unser Gott ein wunderbarer und verborgener Gott ist.

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